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29/11/1894 Erstes Blatt
 
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1894

Ur 280 Erstes Blatt. Donnerstag den 29. November

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Anrtticher Theil

Bei dem Vorstande der land« und forftwirthschaftlichen Berufsgenossenschast laufen neuerdings vielfach Klagen der EntschädigungSberechtigten darüber ein, daß die Großh. Bürger­meistereien'sich für die Beglaubigung der Unterschriften auf den Quittungen über Unfallentschädigungen, jedesmal eine Gebühr von 20 Pfg. von dem Rentenempfänger zahlen

Gießen, 26. November 1894. Betr.: Die Auszahlung der Unfallrenten.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzeu

au die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

ließen. , , r

Bei kleineren Renten bedeutet diese Gebühr, wenn fie noch dazu bei jeder Monatsquittung erhoben wird, eine em­pfindliche Schmälerung der Unfallentschädigung.

Mit Rücksicht auf den Inhalt des § 122 des Neichs- aefetzes vom 5. Mai 1886, betr. die Unfall- und Kranken-

v. Lewinski aus dem acttven Dienst.

Spremberg, 27. November. Aus der JuliuSgrube Wolfshain wurden die Förderschächte, Thürme und andere Baulichkeiten durch eine furchtbare Feuersbrunst etn- geäschert. Der Schaden ist sehr bedeutend. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Var,in, 27. November. Fürst Bismarck setzte heute früh telegraphisch das deutsche Kaiserpaar von dem Tode seiner Gemahlin in Kenntniß, worauf der Kaiser an den Fürsten Bismarck ein herzliches Sondo lenztelegramm abgehen ließ. Die Beisetzung wird voraussichtlich auf dem Gute Schönhausen erfolgen. Bismarck soll durch den ihn getroffenen Verlust schwer niedergebeugt sein. Herbert Bismarck telegraphirte den Tod seiner Mutter an daS Auswärtige Amt, worauf der Reichskanzler condolirte. Die Fürstin soll an der Waffersucht gelitten haben. Viele Berliner Abendblätter widmen der Verstorbenen warme Nachruse.

Weimar, 27. November. Am Donnerstag früh trifft hier der Kaiser zur Beisetzung der Leiche des Erb- großherzogs ein.

München, 27. November. Redacteur Dornbusch aus Nürnberg referirte in einer vom demokratischen Verein ein- berufenen Volksversammlung über die Fuchsmühler Vorgänge. Die etwa aus 1000 Personen bestehende Ber- sammlung nahm ctne Resolution mit sechs Beschwerdepunkten bezw. Forderungen für eine Reform an.

München, 17. November. In einer gestern Abend ab­gehaltenen öffentlichen socialdemokrattscheo Partei­versammlung sprach von Dollmar über den Zwist mit Bebel. Vollmar gab zunächst einen Rückblick auf den Frauk- surrer Parteitag, auf welchem die bayrischen Genoffen ledig­lich einer ZweckmäßigkeitSsrage wegen auf daS Heftigste an­gegriffen worden seien. Bebel habe übrigens säst keinen einzigen Genoffen in dem von ihm provocirten Streite hinter sich. Auf die Ausfälle Bebels gegen die Bayern wolle Redner nicht näher eingehen, aber gegen daS Unerhörte müffe protefttrt werden, daß man den bayerischen Genoffen vorrechne, was sie aus der Parteikaffe für ihre Zwecke empfangen hätten. Es sei dies die widerlichste Stelle im ganzen Streit und hätte man nie und nimmer glauben sollen, daß sich ein Partei­genosse so weit vergeßen könne. Im Uebrigen sei eS nur der innerhalb der Partei sich immer breiter machende Geist der Unabhängigkeit, den Bebel als eine Gefahr betrachte, obgleich er für die Partei ein Segen ist. Bebel solle als Leiter und nicht als Herrscher in der Partei fungiren. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, worin gegen die Angriffe Bebels auf das Entschiedenste protestirt und den bayerischen Abgeordneten die vollste Zustimmung der Partei

Petersburg, 27. November. Die wichtigsten Punkte des kaiserlichen Manifestes betreffen pecuniäre Erleichte­rungen für die ackerbauenden Bevölkerungsklaffen, den Adel und die Bauern. Dem ersteren werden eine Herabsetzung des Zinsfußes für Darlehen aus der ReichSAdelS-Agrarbank von findet an diesem I 4*/2 auf 4 pCt. und Erleichterungen bei der Schuldentilgung - 1 bewilligt und den Bauern werden verschiedene Kronschulden und Steuerrückstände erlaßen. Als Ergänzung des Manifestes sind heute Erlaße veröffentlicht worden, betreffend Beamtenbelohnungen und Strafmilderungen für die Armee und Marine. Ernannt sind die Kaiserin Alexandra zum Ches des Leibgarde - UlanenregimentS, der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch zum Generaladjutanten, der Commandeur des vierzehnten ArmeecorpS Generallieutenant Krzi wo blockt zum Adjuncten GurkoS für die Verwaltung und Befestigungen Warschaus, General Stoljetow zum Commandeur des 14. Armeecorps und der bisherige Ches der 18. Cavalleriedivision Borosdin zumCommandeur des 15. Armeecorps. Der Kaiser und die Kaiserin ließen gestern auf der Fahrt zum Anitschkowpalais an der katho­lischen Kirche halten, worauf die Spitzen der katholischen Geistlichkeit in vollem Ornat an den Wagen herantraten und

das Kaiserpaar segneten.

Helfiugfors, 27. November. Die Hochzeit des Kaisers wurde gestern hier und in ganz Finland festlich begangen. Die Stadt hatte Festschmuck angelegt. Abends erfolgte Illumination - in den Theatern fanden Feftvorstellungen statt. Im schwedischen Theater brachte der Generalgouverneur ein Hoch aus daS Kaiserpaar aus, worauf daS Publikum mit donnerndem Hurrah antwortete und die Musik die russische und finländische Nationalhymne spielte. Im fimschen Theater wurde ein Prolog ,u Ehren deS Kaiserpaares gesprochen.

ausgedrückt wird.

Rom, 27. November. Neue Erderschütierungen falt in R-ggio und M-lazzo °-rspürl worden. Unter der Bevölkerung herrscht fortwährend eine unbeschreibliche Pantt. Wegen des schlechten Wetters kann daS Volk sich nicht mehr auf dem Felde aufhalten. Daher hat die Polizei gestattet, die alten Wohnungen wieder zu beziehen.

Amsterdam, 27. November. Nachdem die Bäckermeister alle Forderungen acceptirt haben, ist heute der Bäcker- strike beendigt und die Arbeit wieder aufgenommen worden.

Lissabon, 27. November. Infolge einer äußerst stür­mischen Kammersitzung hat die Kammer daS Bureau ein­stimmig ermächtigt, daS Kammerreglement bedeutend zu verschärfen.

London, 27. November. In Finanzkreisen heißt es, Rußland werde demnächst hier eine Zw anzigmilltonen- Pfund-Sterling-Anleihe in 3*/, pCt. Obligationen auslegen. Nach derTimes" bedarf diese Nachricht noch der Bestätigung und dürste bejahenden Falles nur einen mäßigen Erfolg haben. . , ....

Loudon, 27. November. Aus Chefoo wird telegraphisch gemeldet, daß die Chinesen bei der Eroberung Port

eintreffen. .

Berlin, 27. November. In Weimar

Donnerstag die Beisetzung der Leiche deS Erbgroß- berzogs Carl August statt. Von fürstlichen Trauer- | aüsten haben u. A. ihr Erscheinen angesagt der Kaiser, die ; Kaiserin, der König von Sachsen, der Fürst von Waldeck, der Prinzregent von Braunschweig, Prinz Georg von Sachsen, der Erbgroßherzog von Baden, die Erbprinzen von Sachsen- Meiningen, Coburg-Gotha und Reuß j. L., sowie der Prinz Friedrich Leopold von Preußen. - Die tactvolle Theilnahme des oificiellen Frankreichs anläßlich des Hinscheidens des Erbgroßherzogs Carl August hat am Weimarischen Hofe wie in den Berliner Regierungskreisen sehr angenehm berührt, wie verlautet. Bei der Trauerfeier am Sarge des hohen Berstorbenen in Cap St. Martin waren die Vertreter der ttanzösischen Civil- und Militärbehörden anwesend, zwei Bataillone bildeten die Leichenparade. Auch bet der lieber» fübruna der Leiche von Mentone bis zur deutschen Grenze wurden ihr französischerseits alle Ehren erwiesen. In Belfort, wo der Sarg mit der Leiche des Erbgroßherzogs am Abend des 25. November eintraf, erwies eine Abteilung deS 42 Infanterieregiments die militärischen Ehren, und über- nahm während der Nacht die Wache am Sarge. Am Montag früb 6i/, Uhr wurde dann der Sarg von Belfort über Mühlhausen und Straßburg nach Weimar weiter befördert.

_ Kürst Bismarck ist von einem harten Schick- falsschlage getroffen worden - am Dienstag früh fünf Uhr ist seine treue Lebensgefährtin, die Frau Fürstin,

in Varzin, gestorben. Die Verblichene war säwn seit längerer Zeit leidend, weshalb denn auch die Wiederüber- fiedelung des fürstlichen PaareS von Varzin nach FriedrichS- ruh immer aufs Neue hinausgeschobeu werden mußte. In den letzten Tagen lauteten die Varziner Meldungen über das Befinden der Frau Fürstin immer bedenklicher, biß endlich die Meldung vom Montag den Eintritt der nun er­folgten Katastrophe vorauSsehen ließ. DaS deutsche Volk nimmt den aufrichtigsten Anthcil an dem Verlust, welcher den Altreichskanzler noch in seinen Greisentagen durch den Tod seiner Gattin, mit der er in 47jähriger glücklichster Ehe gelebt, getroffen hat, und wenn etwas geeignet erscheint, den tiefen Schmerz iTe6 Fürsten zu lindern, so ist eS gewiß die ihm allgemein entgegengetragene Theilnahme. Johanna, Fürstin von Bismarck, eine geborene Puttkame^ war am 11. April 1824 geboren und vermählte sich am 28. Juli 1847 mit dem damaligen Deichhauptmann und preußischen Land- tagSabgeordneten Otto von BiSmarck-Schönhausen, eine Ver­bindung, die auf innigster gegenseitiger Neigung beruhte, g-.etz-s vom u. io=u, - . Der Ehe sind drei Kinder entsprossene Marte, geboren.1848,

Versicherung der in land, und sorsiwirlhschaftlichen Betrieben I Gemahlin des Grasen Rantzau, d-S letzigen deutschen Ge- beschästigten Personen weisen wir Sie nachdrücklichst daraus I sandten in Brüssel, Gras Herbert Bismarck, der nachmalige bin daß sie nicht berechtigt sind, derartige »Gebühren von I StaatSsecretär des Auswärtigen und l-tzige ^"^dtagS- ' Entschü igün .ber chligten ,u erheben. ' abg.ordne.e, geboren 1849, und Gras Wilhelm B marck

W 9 9 v. Gagern. geboren 1852, der gegenwärtige Regierungspräsident in

Die AmtSbureauS und Schulen im ganzen Lande wäre geschloßen.

Depeschen bei Bure« .Herold"

Berlin, 27. November. DieNordd. Allg. Ztg.^ dementirt osficiöS die Meldung, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe seine amtliche Thätigkeit mit der Bor- stellung bet den süddeutschen Höfen begonnen habe. Der Besuch Fürst Hohenlohes beim Großherzog von Baden »ar wohl mehr die AbschiedSvisitc als Statthalter.

Berlin, 27. November. Wie derBoß. Ztg." geschrieben wird, bestätigt sich die bereits mehrfach vereinzelt ausgetretene Nachricht von dem Ausscheiden deS Generals der Artillerie und commandirenden Generals des sechsten ArmeecorpS

------------------- I Hannover.

Bekanntmachung. Nachricht

«etr Die Abhaltung von landwirthschaftlichen Vorträgen. I

> wUw« Seither m Alsfeld zu.

Ls-Ä««:

S^nrtenwabl Erndte- und Absatzverhältniße der Gerste, I eides wieder verhaftet.

2) ^onntaa d-n 13. Sattimr 1895, Nachmit- Troppau, 27. November. Der Bergarbeiterstrike taas 2 Udr zu Cuectborn in der Wirtschaft der Hru. I in Peterswald ist beendet. Q , . ,

Wllh. S-ßI°r übet richttge B-mirthschastung des Bauern- W-imar, November.^ D« Extrazug^mi. d-r^ e ^'^Zu faesm Vorträgen werden all- Mitglieder des land, -ing-troffen. Di- Leiche wurde alsbald feierlich nach der wirthfthastlichen Verein», sowie all- Fr-und° d-r Landwirth- Kirck^übergesührt, w^d^Eins-g^ung^a..findei f4aft®ieUßelr«n aüwrmäfler ber o6en gtnmnten unb be- I «»».«t: D-r Kaiser, d°r König und Prinz Georg von nachbM-?G-meind-n werden -rgeb-nst ersucht, auf möglichst Sachsen, Prinz Albrecht °°nPr--n, di-Fürsten vori Hohen-

"'®.*'"- S*« ÄÄ8 r«.

___- I hier eingetroffen.

' I Petersburg, 27. November.' Bei dem deutschen

Deutsche» Reich. «Botschafter fand heute -in Dejeuner statt, °n dem

Darmstadt, 27. November. Di- Abreise Seiner König- I d-r H-rz°g von Coburg, Prinz Albert, von Elenburg, der lich-n Hohen des Großherzogs und Ihrer Königlichen I Kronprinz von Rumänien und Großfürst Wladimir the tzohetten de- Prinzen und der Prinzessin Heinrich I nahmen. - - -

van Preußen aus Petersburg findet heute Abend 8 Uhr 1 **'

mittels Kaiserlichen Specialzugs statt. Don Berlin auS wird der Großherzog die Reise über Bebra fortsetzen und am Donnerstag Nachmittag 5 Uhr 43 Minuten in Darmstadt