Ausgabe 
29.9.1894 Erstes Blatt
 
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Amsterdam, 27. September. Neuerdings eingetroffenen Nachrichten zufolge soll über den Frieden verhandelt werden, da die Eroberung von Mataram große Schwierigkeiten bereitet.

Paris, 27. September. DemMatin" wird berichtet, daß die englischen Missionare auf Madagaskar aus­nahmslos zufrieden wären, wenn Frankreich die Insel definitiv besetzen ließe. Auch die Eingeborenen, welche mit der jetzigen Regierung unzufrieden seien, würden keinen Widerstand leisten.

London, 27. September. WieDaily Chronicle" aus Moskau meldet, wurde Profeffor Sacharjin vorgestern Nacht nach Livadta zum Czaren berufen, welcher ernstlich erkrankt sein soll.

London, 27. September. Nach einerTimes"-Meldung aus Shanghai soll der Capitän Fong-Bizuen wegen Feigheit vor dem Feinde hingerichtet worden sein. Der Capitän habe bei der letzten Seeschlacht die Flucht ergriffen, worauf die Japaner sein Schiff in die Luft sprengten.

London, 27. September. Die Morgenblätter veröffent­lichen Telegramme aus Shanghai, wonach durch kaiser­liches Edict die Festlichkeiten anläßlich des 60. Geburtstages der Kaiserin von China ausgesetzt werden. Die Japaner beherrschen vollständig die See. Unter chinesischer Flagge fahrende Schiffe laufen überall die größten Gefahren. Die Lage der Fremden auf den Inseln in der Nähe der Küsten wird immer kritischer. Die Straßen Pekings sind mit Soldaten aus den Provinzen angefüllt. Die Fremden in Peking werden aufs Gröblichste insultirt. In Tientsin ist die Lage dieselbe. Die Fremden in Tientsin haben eine Freiwilligentruppe ge­bildet und sind auf jede Eventualität gefaßt.

Coectk« tmfc p-svinziielle».

Gießen, den 28. September 1864.

** Sitzung des Schwurgerichts der Proviuz Oberheffeu am 27. September 1894. (Schluß). Nach einer kurzen Unterredung mit Ludwig Schnägelberger begab sich Berlau in die Oberstube und traf hier den Wilhelm Schnägelberger in dem bereits geschilderten Anzuge und barfüßig neben seinem Bette stehen. Auf seine Anrede:Du machst schöne Geschichten" gab ihm dieser gar keine Antwort, sah ihn nicht einmal an, benahm sich vielmehr so, als wenn er krank wäre, holte tief Athem und schnappte nach Luft. Sodann ging Berlau in die untere Stube und kehrte dann nach kurzem Aufenthalt in solcher mit Anderen in die Oberstube zurück, wo Schnägelberger mit einem Strumpfe bekleidet auf dem Bette saß, den anderen Strumpf in den Händen haltend. Auf seine Bemerkung, er solle machen, daß er herauskomme, sonst verbrenne er, gab Schnägelberger wiederum keine Ant­wort. Ein Junge begann nunmehr mit dem Abschlagen des Bettes, während Schnägelberger am Fenster seinen anderen Strumpf anzog. Dem jungen Ruppel hatte Schnägelberger, als er die Bodenthüre öffnen wollte, zugerufen, er solle die Thüre zulaffen. Schnägelberger hatte heute, wie auch früher, die ihm zur Last gelegte Brandstiftung und die ihn belasten­den Zeugenaussagen in Abrede gestellt. Die Geschworenen, (Obmann: Herr Bürgermeister Heinrich Schmalbach IV.), konnten sich von der Schuld des Angeklagten nicht überzeugen und sprächet dasNichtschuldig" aus, worauf der Gerichtshof den Angeklagten von Strafe und Kosten freisprach, den Haft­befehl aufhob und auch die Bertheidigungskoften der Staats­kaffe auferlegte.

** Sitzungen des Schwurgerichts der Proviuz Oberheffeu am 28. September 1894. Zur Verhandlung kommt zuerst um Uhr Vormittags die Strafsache gegen Karl Lens ch von Brandenburg a. d. Havel wegen Nothzucht. Die An­klage vertrat der Großherzogliche Staatsanwalt Schilling- Trygophorus, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Labroisse. Als Geschworene wurden aus- geloost die Herren: Johann Heinrich Ortwein, Johannes Goebel II., Wilhelm Grieb II., Heinrich Schmalbach IV., Wilhelm Schwenk in., Dr. August Trapp, Hermann Kratz, Wilhelm Reichert L, Heinrich Keutzer III., Emanuel Loeb, Johann Heinrich Jhring, Anton Rompf VII. Der 39 Jahre

alte Maurer Karl Leusch, welcher bereits wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit vorbestraft wurde, ist wiederum eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit im Sinne des § 177 des Strafgesetzbuchs beschuldigt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen die ihnen vorgelegte Schuldfrage bejaht hatten, mit der Verurtheilung des Angeklagten zu einer Zuchthaus­strafe von zehn Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren.

Als zweite Sache kam um 11 Uhr Vormittags die Strafsache gegen Ludwig Westerweller von Burkhards . wegen Urkundenfälschung zur Verhandlung. Die Anklage wird vom Großh. Staatsanwalt Koch vertreten, vertheidigt wurde der Angeklagte von Herrn Rechtsanwalt Hirschhorn. Als Geschworene fungirten dieselben Herren, welche bei der Verhandlung gegen Karl Lensch die Jury gebildet hatten. Der Schlaffer Ludwig Wefterweller von Burkhards steht unter der Anklage, daß er im Mai 1894 zu Burkhards in rechts­widriger Absicht, eine Rechnung mit Zahlungsanweisung des Großh. Bürgermeisters Kunkel daselbst am 24. Mai 1894 undGroßh. Bürgermeister Burkhards Kunkel" unterschrieben, fälschlich angefertigt und von derselben am 25. Mai l. Js. zu Schotten in der Absicht, sich einen Vermögensvortheil zu verschaffen, zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht habe. Die heutige Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Im Mai l. Js. erschien Johannes Westerweller, der Vater des heute Angeklagten, in Abwesenheit des Großh. Bürgermeisters Kunkel von Burkhards auf dessen Bureau und präsentirte im Auftrage seines Sohnes eine Rechnung desselben über 3 Mark 75 Pfg. für der Gemeinde gelieferte Schlosser- arbeiten mit der Bitte, diese Summe auf die Gemeinde­kasse auzuweisen. Da der Großhrrzogliche Bürgermeister, der die Rechnung bet seiner Heimkehr vorfand, an derselben Nichts zu beanstanden hatte, so versah er dieselbe am Abend desselben Tages mit der vorgeschriebenen Anweisung, auf Grund deren die Auszahlung aus der Gemeindekasse durch den Rechner Wilhelm Wolfschmidt I. in Schotten erfolgte. Am Morgen des folgenden Tages holte Johannes Westerweller wiederum in Abwesenheit des Großh. Bürgermeisters die Rechnung mit Anweisung ab und kurz darauf erschien auch Ludwig Westerweller selbst auf dem Bürgermeistereibureau, um zwei Briefe, die er für den Großh. Bürgermeister an das Großh. Kreisamt Schotten besorgen sollte, in Empfang zu nehmen. Er war so angezogen, daß die Schwiegermutter des Großh. Bürgermeisters, die Adam Senn Wittwe, die ihm die Briefe behändigte, annahm, er werde nach Schotten gehen. Von einem in der Rechnung unterlaufenen Fehler war damals nicht die Rede. Am 25. Mai l. I. erschien Ludwig Westerweller bet Rechner Wolfschmidt in Schotten und legte eine Rechnung über 9 Mark $0 Pfg. mit der Bitte um Auszahlung vor. Auf derselben befindet sich eine Zahlungs­anweisung, angeblich von Bürgermeister Kunkel herrührend. Rechner Wolfschmidt setzte Zweifel in die Aechtheit der An­weisung. Ludwig Westerweller suchte dieselben zwar durch die Versicherung zu zerstreuen, der Bürgermeister habe die Anweisung selbst geschrieben, allerdings bei Nacht, allein Wolfschmidt zahlte den Betrag nicht aus und nahm die An­weisung an sich. Als Ludwig Westerweller sah, daß sein Anschlag mißglückt sei, schickte er seinen Vater zu dem Großh. Bürgermeister und ließ ihm sagen, er habe eine andere Rech­nung geschrieben und die Anweisung auf dieselbe übertragen. Wolfschmidt habe jedoch Zahlung verweigert. Darauf ging der Bürgermeister zu Wolfschmidt, ließ sich die Anweisung zeigen und constatirte, daß solche nicht von ihm herrühre.

(Fortsetzung in der nächsten Nummer.)

** Neues Theater. Wegen scenischer Schwierigkeiten ist die Direction gezwungen, das für Sonntag geplante Schau­spielDer Trompeter von Säkkiugen" noch um 8 Tage zu verschieben. Dafür kommt eine echte Sonntags-PosseFa­milie Rinckmeyer" zur Aufführung, welche sicherlich ihre Wirkung nicht verfehlen wird.

** Verhaftet wurde gestern Abend ein Barbiergehilfe, welcher bei Ausübung seines Berufes aus einer Wohnung an der Hardt einen goldenen Ring gestohlen hatte.

Hofmarfchall, Baron von Bechtoldsheim, dringen mit großen Weingläsern auf ihn ein, die er auf die Gesundheit des Fürsten und des Stiftscapitels leeren soll. Alle Entschul­digungen des Barons und auch die nachdrücklichsten Ver­sicherungen seiner Verehrung für den Bischof und sein Capitel fruchten der Weinlaune der erhitzten Cavaliere gegenüber nichts. Will er nicht als Landesfeind gelten, so muß er mit Todesverachtung die beiden Gläser hinunterstürzen. Aber auch damit noch nicht genug! Der Oberstallmeister, über die Leistungen des Gastes erfreut, klopft dem armen Baron mit gemüthlicher Vertraulichkeit auf die Schulter nnd bemerkt ihm, daß er, derHerr Bruder", bei seiner Ergebenheit an die Person des Fürstbischofs gewiß nicht versäumen wolle, die Gesundheit des Hutten'schen Hauses puszubringen. Wieder versucht v. Pöllnitz, seine Cumpane zu überreden, mit seinem guten Willen vorlieb zu nehmen und Gnade für Recht ergehen zu lassen und wieder erweisen sich alle Ausflüchte fruchtlos. Der Hofmarschall umarmt und küßt ihn und bittet ihn, ihm zu Liebe einen tüchtigen Schluck aus einem mächtigen Pokale, der zum Beschlüsse der Feier herbeigebracht wird, zu thun; wie könne ihm das schaden, da der Pokal mit dem besten Naß des Hofkellers, dem Lieblingswein des Fürstbischofs, gefüllt sei? Resignirt ergibt sich endlich der Baron in sein Geschick, das sich dann auch rasch und unerbittlich an ihm erfüllt.

Zu Beobachtungen über Land und Leute fand Pöllnitz unter den geschilderten Umständen um so weniger Muße, als auch bei jeder freundschaftlichen Visite, die er seinen Be­kannten abstattete, ja sogar bet dem Besuche der Klöster die Bouteille eine hervorragende Rolle spielte. Bet seinem Be­suche der Cttadelle auf dem die Stadt beherrschenden Marien- berge zeigte man ihm bereitwillig das Arsenal, die Forti-

ficationen, die mit verschwenderischem Prunke ausgestatteten fürstlichen Gemächer, aber nur, um zum Schlüsse in der Tiefe des SchloßkellerS die Geister des feurigen Leisten- weiues von dem Gehirn des gequälten Barons Besitz nehmen zu lassen. Nur Nachkommen des Stlenus, so seufzt er, könnten eine solche Virtuosität im Trinken, wie die fränkischen Cavaliere entfalten.

Von dem Bischöfe selbst ist übrigens Pöllnitz des Lobes voll: er widme sich mit Gewissenhaftigkeit der Regierung seines Staates und räume einen großen Theil des Tages der Erledigung der Staatsgeschäfte ein. Den Prunk des bischöflichen Hofstaates erklärt Pöllnitz nicht sowohl aus der Prachtliebe des Fürsten als aus den Traditionen des Würz- burger Hofes, dem sich der jeweilige Kircheufürst fügen müsse. Während der Zeit des. Carnevals erreicht das gesellschaftliche Leben Würzburgs seinen Höhepunkt: zwei- bis dreimal in der Woche versammelt der Bischof die Aristokratie bei sich zu glänzenden Gesellschaften, öfter noch zu Bällcn und Maske­raden. Der Adel andererseits veranstaltet außerdem noch mehreremale in der Woche Reunionen, bei denen gespielt und getanzt, nicht weniger eifrig aber der Flasche zugesprochen wird. Bei alledem hebt Pöllnitz den im Fürftbisthum herrschenden Geldmangel hervor, dessen Ursache er wohl mit Recht in dem Darniederliegen des Handels und der großen Zahl der Mönche und geistlichen Würdenträger erkennt.

Nach kurzem Aufenthalt in Ansbach und Nürnberg macht Pöllnitz der zweiten fränkischen Btschofsstadt, Bamberg, seinen Besuch. Ueber Nürnberg äußert er sich in äußerst abfälliger Weise- er nennt die Stadt eine der langweiligsten in ganz Europa. Die Patrizier sind ihm eine lächerliche Carricatur der venetianischen Aristokratie, ihr Hochmuth übersteigt alle Grenzen und veranlaßt sie, sich von aller Welt vornehm

* Der Allgemeine Delegirteutag der nattoualltberalw Partei tritt am künftigen Sonntag in Frankfurt a. M. zu­sammen. Die Partei unseres Wahlkreises wird vertreten sein durch die Landtagsabgeordneten: Buderus (Hirzenhain) und Erk (Nidda), durch die Mitglieder des Landesausschuffes der Partei: Dr. Fuhr und I. Kirch und durch drei ge­wählte Delegirte: Commerzienrath Heyligenstädt, Geb. Hofrath Dr. Oncken und Gutsbesitzer Schlenke. Die Beratungen beginnen um 11 Uhr im großen Saale des Saalbau und werden den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Gegenstand der Berathung wird sein: die Parteilage und vor Allem Stellungnahme zu den wichtigen Fragen der inneren Politik, die der gesetzgeberischen Lösung durch den Reichstag in dessen nächster Sitzungsperiode harren. An festlichen Veranstaltuygen sind vorgesehen am Samstag Abend Begrüßung der auswärtigen Delegirten durch den Frank­furter Wahlverein im Saale des Palmengartens, am Sonntag Abends 8Vz Uhr Festcommers im Saale des Zoologischen Gartens unter Leitung des Central-Vorstandes der Partei und Montags: eine Festfahrt nach Heidelberg. Da bereits vor einigen Tagen 430 Anmeldungen erfolgt waren, dürfte der Besuch der Versammlung ein recht ansehnlicher werden.

* * Feuer. In verflossener Nacht 121/2 Uhr entstand in der Hofraithe des Oeconomen P. Kennel am Riegelpsad Feuer. Ein mit Stroh und Heu gefüllter Schober brannte nieder. Obgleich beide Feuerwehren zur rechten Zeit zur Stelle waren, konnten dieselben wegen Wassermangel nicht sofort Herr des Feuers werden. Es gelang dies erst dann, als man eine ausgedehnte Schlauchltnte nach dem Hydranten in der Ludwigstraße legte. Leider wurden auch einige Obst- bäume stark beschädigt. Brandstiftung dürfte vorliegen.

* * Eine erfreuliche Erscheinung tritt gelegentlich der in der letzten Zeit in verschiedenen Theilen des Großherzogthums veranstalteten Obst- und Gartenbau-Ausstellungen zu Tage. Es wurden nämlich sehr viele Lehrer wegen hervorragender Leistungen prämiirt. Es ist für die Lehrer sehr ehrend, wenn sie in ihren betreffenden Gemeinden im Obst- und Gartenbau als nachahmungswerthe Beispiele voranleuchten.

* * Postalisches. Vom 1. October ab bis 1. April werden die Po st sch alt er erst um 8 Uhr Morgens geöffnet.

* * Eisenbahn Verkehr. Auf den Oberhessischen Eisenbahnen (Hauptbahnen) hat sich im Monat August gegen den gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr trotz einer Minderbesörderung von rund 3400 Personen ein, wenn auch nur geringer Einnahmezuwachs ergeben. Im Güterverkehr dagegen ist ein Einnahmeausfall von 8,21 pCt. eingetreten, welcher hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß bedeutend weniger Transporte nach weiter gelegenen Stationen (wie z. B. Zell, Alsfeld, für welche sich eine Mindereinnahme von 2500 Mk. ergibt) stattgefunden haben. Dazu gehören u. A. Futtermittel und Oelkuchen, von welchen 2200 Tonnen weniger befördert worden sind, während sich für die nur geringe Frachten einbringenden Eisensteine ein Mehr von 1100 Tonnen ergibt. Auch die Einnahme- ergebnisse der drei Nebenbahnen sind nicht besonders günstige und ist d e bemerkenswerthe Mindereinnahme aus dem Güterverkehr der Nebenbahn StockheimGedern in der Hauptsache durch die Minderbesörderung von zusammen 450 Tonnen Holz und Steinen verursacht.

* * Falsche 50 Mark Scheiue. Neuerdings sind außerhalb an verschiedenen Orten falsche 50 Mark-Scheine aufgetaucht und ist von der Polizeiverwaltung in Striegau ein solches Falsifikat beschlagnahmt worden. Dasselbe ist in der Länge um 23 Millimeter, in der Breite um ca. 2 Millimeter größer als die ächten Noten und scheint aus zwei zusammen- geklebten Blättern zu bestehen. Die Riffelltnien haben ungleiche Abstände- der Strafsatz ist schlecht leserlich und das Feld, auf dem sich der Strafsatz befindet, ohne Schrasfirung. DaS Falsifikat hat eine leichte gelbliche Farbe, auch scheint der Controlslempel, die Nummern und die WorteFünfzig Mark" eine andere rothe Farbe zu haben als bei einem ächten. Beim Namen Hering in der Unterschrift zeigt der Anfangszug des H. und der Endzug des g Lücken und hinter dem Namen Merlecker befindet sich ein Punkt. Das f des Wortesver-

zurückzuziehen. Auch der Handel und die Gewerbethätigkeit Nürnbergs war damals schon sehr stark im Rückgang be­griffen - um so eifriger zeigten die Kaufleute und Handwerker sich bemüht, durch geschäfttges Complimentiren sich bei ihren Besuchern in Gunst zu setzen. Nicht ein einziges Mal, so versichert Pöllnitz, verließ er einen Kaufladen, ohne daß ihn der Besitzer, dessen Frau, Kinder und Ladendiener bis auf die Straße begleiteten und ihm für die ihremunwürdigen Hause" erwiesene Ehre dankten.

Von dem Leben am Bamberger Hofe erhalten wir von Pöllnitz leider keine ausführlicheren Nachrichten, da der Bischof, Friedrich Carl von Schönborn, als Vicekanzler und Staats­minister des deutschen Reiches damals am Wiener Hofe ver­weilte. Der Reisende entschädigte sich durch den Besuch des Lustschlosses des BischosS in Pommersfelden, dem er eine begeisterte Schilderung von der berühmten Gemäldegalerie bis auf die marmornen Krippen des Marstalls herab widmet und das er über die prächtigsten Residenzen Deutschlands stellt. Mit den gesellschaftlichen Verhältnissen Bambergs erklärt sich unser Reisender sehr zuf:teden, wenn nur nicht auch hier der Trinkcomment so strenge beobachtet würde. Auch in Bamberg ist jede Visite mit einem Attentat auf die durch die Würzburger Gelage schon übermäßig strapazirte Geistes- und Körperverfassung des Barons verbunden- bei einem seiner adeligen Cousins muß er tagtäglich einen großen Pokal aus massivem Golde leeren. Nach alledem mögen wir es dem Reisenden gerne glauben, daß er erleichtert auf» athmete, als er Franken und der eigenrhümlichen Etiquette seiner geistlichen Höfe entrückt war, wenn er auch wohl oft noch gern der allzu gastfreundlichen Prälaten und ihrer durstigen Hofjunker sich erinnerte.