Ausgabe 
28.11.1894 Erstes Blatt
 
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Viertelstunde gewechselt. So auch über Mittag versteigert wird, erhalten alle Steigerinnen ein feines Glas Grog gratis, de« Steigerern harret ein anderes Labsal." Da könnens dieSteigerinnen" getrost wagen. Was mag aber erst den Steigerern" Vorbehalten sein? Andere Kaufleute möchten aber an diesem Beispiele entnehmen, wie mau Kunden zu behandeln hat.

Ludi»ge«, 26. November. Se. Königliche Hoheit der Großherzog hat anläßlich seiner Vermählung eine Er« ionerungsmedaille gestiftet, welche am roth weißen Bande unmittelbar nach den hessischen O den und FeldzugSmedaillen zu tragen ist. Dieses Ehrenzeichen haben solche Personen erhalten, die bei der Veranstaltung der Hochzeitsfeierlichkeiten besonders thätig gewesen find- auch unserem Herrn Bürger« meister Knaf wurde dieses Ehrenzeichen verliehen.

AuS Oberheffeu, 24. November. Was der Aberglaube über manche Gemüther eine Gewalt besitzt, stärker als das Gewissen, hat ein Vorgang gezeigt, der unlängst in einem Dorfe unserer Provinz sich zutrug. Ein Mann hatte Prozeß einem nahen Verwandten gehabt- eine erhebliche Summe von Prozeßkosten sollte von ihm bezahlt werden- er wollte dieselben aber dem Verwandten zuschieben. Seine Frau starb inzwischen und empfahl ihm noch auf dem Todtenbette, die Summe doch zu bezahlen, damit der Friede wieder hergestellt werde. Er beharrte trotzdem auf der Weigerung. Do glaubte er in einer Nacht ein eigenthümliches Geräusch in seinem Zimmer zu hören. Von da an harte er keine Ruhe mehr, denn konnte nach seiner Meinung nichts anderes fei« als der Geist feiner Frau, der ihn beunruhigte, weil er sem Versprechen nicht gehalten hatte. Und nicht lange darauf machte er sich auf und bezahlte die Summe ohne Weigerung.

D. Ztg.

A Mainz, 26 November. Die hiesige Cenlrumspartei veranstaltet am 9. December nächsthin imFrankfurter Hof" eine Volksversammlung fürMainz und Umgegend". Z» derselben sind als Redner angemeldet: Fabrikant Wiese aus Werden und Reichs- und Landtagsabgeordneter Prof. Dr.Schaedler aus Landau. Der hiesigen Handelskammer ist von zuständiger Seite Abschrift eines von dem Kaiser!. Consulat in Cincinnati erstatteten Berichtes zugegangen, in welchem im Anschluß an eine Besprechung der durch den neuen Zolltarif der Vereinigten Staaten von Amerika für den deutschen Exporthandel eröffneten Aussichten diejenigen besonderen amerikanischen Berhältniffe eine eingehendere Erörterung gefunden haben, welche die deutschen Exporteure zu berücksichtigen haben werden, um den auf die Gewinnung des dortigen Marktes gerichteten Bestrebungen einen besseren Erfolg zu sichern. Ein Schwind le rpaar, das viele deutsche Städte unsicher machte, stand wegen einer langen Reihe von Betrügereien vor den Schranken der letzten Sitzung der hiesigen Strafkammer. DaS Paar, der Commis Karl Paulus aus Speyer und die Wittwe Kettz aus Mühlhausen, reisten als angeblich jung bet« heirathete Eheleute heiter und vergnügt in der Welt herum, ohne einen Pfennig Geld in der Tasche zu haben. Ueberall miethete man sich in einem Privatlogis ein, lebte eine Zeit lang flott und verschwand alsdann unter Zurücklaffung einer bedeutenden Zechschuld und unter Mitnahme was in dem Jogis nicht niet« und nagelfest war. In einer ganzen Reihe Städte hat das Paar das Manöver erfolgreich ausgeführt, bis eS hier von dem Schicksal ereilt wurde. Paulus wurde zu [2Jahr Zuchthaus und Mk. 600 Geldbuße und die Wittwe Seitz zu 15 Monaten Gefängniß verurtheilt.

Frankfurt a. M., 26. November. Der Gemeinde« diener zu Niederreifenberg, Friedrich Sturm, be­absichtigt, auf dem großen Feldberg ein zweites Gasthaus zu erbauen. Das hierzu erforderliche Gelände pachtete der­selbe von genannter Gemeinde. Man vermuthet, daß hinter dem Projecte noch andere Leute stehen.

* Marburg, 26. November. Die Canti ne in der Jägerkaserne, zu deren Uebernahme sich 14 Bewerber gemeldet hatten, ist an den Delicateffenhändler, früheren Feldwebel Herrn W. Schlooß, für die Summe von 6500 Mark verpachtet worden.

* Eschwege, 26. November. In einem hiesigen Hotel brach in der vergangenen Nacht Feuer aus. Drei Dienst­mädchen, die in der Dachkammer untergebracht waren, sprangen auS dem Fenster auf htnabgeworfeneS Bettzeug, wobei sich eine schwer verletzte.

Düsseldorf, 19. November. Bei der jüngsten Ver­handlung deS hiesigen Schwurgerichts über den Raubmord in Anrath ist, wie man derVolkSztg." schreibt, ein Zwischenfall vorgekommen, der, so lange die Schwurgerichte tn Preußen bestehen, wohl noch nicht dagewesen ist. Als nach Schluß der Beweisaufnahme die Geschworenen ihren Spruch fällen sollten, zogen sie sich anstatt in ihr BerathungS- zimmer in eine dem GerichtSgebäude gegenüberliegende Wirth schaft zurück, um sich zunächst für ihre schwere Arbeit zu stärken, und mußten erst durch einen Gerichtsdiener im Auf­trage deS Gerichtshofes zurückgeholt werden. Die beiden Raubmörder, Gebrüder Wirtz, wurden dann für schuldig erklärt und zum Tode verurtheilt, ihr Vertheidiger aber gab sofort zu Protocoll, daß er die Revision etnlegen würde, weil sich die Geschworenen aus dem Gerichtshof entfernt hätten. Die ganze Verhandlung ist in Folge dieses geradezu unbegreiflichen Verstoßes der Geschworenen ungilrig und wird vom Reichsgericht cassirt werden, der Staat aber hat das Vergnügen, die durch den Gerichtsdiener noch dazu ver­eitelte Stärkung der Geschworenen mit der Wiederholung der Verhandlung, wozu sämmtliche Zeugen wieder geladen werden müffen, und den sich daraus ergebenden bedeutenden Kosten bezahlen zu müffen.

* Magdeburg, 26. November. Gestern wurde hier ein Pferdebahnwagen von einem Verbindungszug der Bahn Sudenburg-Buckau erfaßt und zertrümmert. Eine Person kam hierbei ums Leben, fünf wurden verletzt.

* Meiutugeu, 26. November. Der Landwirth Müller und der Schulknabe Röder (Stepfershausen) gestanden, den Viehhändler Nußbaum ermordet zu haben, um eine in Nußbaums Händen befindliche Müller'sche Schuldurkunde über 200 Mk. zu rauben.

* Straßburg, 25. November. Der erste Lothringer, der acciver Offizier im preußiichen Heere wird, dürfte der durch Cabinets-Ordre vom 15. d. zum Portepee-Fähnrich im 29. Regiment (Garnison Trier) beförderte Hugo Gerdolle fein, der Sohn des Generalsecretärs des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Lothringen und Oberförsters a. D. Gerdolle.

* Sofia, 26. November. In der vorigen Nacht wurde hier ein ziemlich starker wellenförmiger Erdstoß, der einige Secunden dauerte, verspürt.

In dem Nachlaß eines in Bonn verstorbenen, all­gemein als dürftig betrachteten Handwerkers fand man ein Packet mit der AufschriftGift" und mehreren Todtenköpsen bemalt. Bet näherem Zusehen stellte sich heraus, daß das­selbe mehrere Tausend Mark in Papiergeld enthielt.

Ein neuerWuudermauu". In einer Zeit, da die wiffenschaftliche Medizin die Krankheiten mit stetig wachsen­dem Erfolge bekämpft, ist folgende Schilderung deS Zulaufs zu Kuren eines alten Schäfers besonders bemerkenswerth als Zeichen, wie schwer alte Vorurtheile ausrottbar sind. Die Wes.-Ztg." schreibt: Der Zuzug zum alten Schäfer Ast, demWunderdoceor" in Radbruch bei Harburg nimmt täg­lich einen größeren Umfang an. ES stehen jetzt zu jedem Zuge sechs bis acht Gespanne am Bahnhof, welche alsbald besetzt find und in Carriöre durch das Dors sausen nach dem Ast'schen Hause- in langer Reihe schließen sich die Fußgänger an, welche keinen Platz auf den Wagen erhalten haben. Es werden jetzt von Asts Angehörigen an die vor und in dem Haufe Wartenden Karten mit Nummern ausgegeben, um nach deren Reihenfolge die Leute vorzulaffen. Am letzten Montag wurden 240 solcher Karten verabfolgt, aber es drängen sich außerdem noch viele ohne Nummern durch, und es versichern Augenzeugen, daß am letzten Montag, Dienstag und Mitt­woch täglich bis 440 Personen zu Ast kamen. Die meisten dieser Leute haben zudem von mehreren Personen, oft von zehn und mehr die Nackenhaare bei sich, und man kann da­nach bemessen, für wie viele Leute täglich die Medicamente aus Radbruch geholt werden. Am verflossenen Donnerstage waren mindestens 500 Personen bei Ast, so daß die Ein­nahme Asts eine große sein muß. Die größte Masse der Kranken oder der von nah und fern mit Haaren in den

Taschen Anlangenden entsendet die nahe Großstadt Ham­burg (!), auch Harburg und Wilhelmsburg. In den Zügen auf der Strecke Hamburg Hannover macht sich der gegen­wärtige Verkehr nach Radbruch dadurch bemerkbar, daß alle Personenzüge jetzt einige Wagen mehr als sonst sühren. In den Coupös dreht sich das Gespräch saft nur um denWunder« doctor", und die Leute, welche nicht in Radbruch auSfteigen, aber mit Staunen den großen Personenverkehr aus der kleinen Haltestelle sehen, rufen nicht selten bei Weitersabrt deS ZugeS den nach dem Dorfe Hinpilgernden nach:Grüßt Ast I* *

In Wien war Rubinstein einst zur Fürstin Metternich geladen. Als nach Beendigung der Soirüe die Herrschaften ausbrachen, ries der Portier die Wagen der Reihe nach in solgender Weise herbei:D'Equipasch für Seine Ex'lenz Fürst ESterhazy! D'Equipasch für Seine Ex'lenz Graf Kotowrat!" und als hierauf Rubinstein, in seinen Pelz gehüllt, im Vorsaale erschien:'n Wog'n für'a Clavierspieler 1"

Citeratnr und ICanft

Die Wahrheit. Heraußgegeben von Christoph Schremps. Halbmonatlich ein $><ft gr. 8° von l1/» bis 2 Bogen. Vierteljährlich 1 Mk. 60Ps. In unserer Zeit, da gerade die höchsten Fragen der LcdcnS- und Weltanschauung zu Partet- und Machtfragen herabgezerrt werden, ist eS die ebenso schwere wie dringende Aufgabe deS Etn-elnen, der auf sich selbst etwas hält, daß er sich über feine Stellung im und zum Leben feine eigene wohlbegründete und durchdachte Ueberzeugung bilde. DieWahrheit" bietet sich ihm bet diefem Bemühen als Bei­hilfe dar, indem sie, ohne irgend welche Meinungen ausrrden, für irgend welche Partei werden zu wollen, Lebensfragen aller Art zu beleuchten oerfucht. DieWahrheit" wird im zweiten Jahrgang ihr Programm theilwetse erweitern. Sie wird zwar fortfahren, wofür fchon der Name deS Herausgebers bürgt, allgemeine religiöfe Fragen zu behandeln, aber auch der E zirhung und dem socielm Leben der Literatur und Kunst, soweit sie zugleich eine sittliche Be­deutung haben, einen immer größeren Raum einzuräum«n suchen

Derfctyr, Land- rrnd Vokkswirtbsehafi.

taten# 24. Noobr. Marktbericht Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1.051,15, Hühnereier pr. Stück 78 X 2 Stück -X Käse pr. St. 484, Jtflkmdle pr. St. 8 X Erbsen pr. Liter 16 4, Linsen pr. Liter 28 4, Taub« pr. Daar X 0,700,90, Hühner pr. Stück A 0 851.00, Hahn« pr.St.X0,70-1,20,Entenpr.St. X 1,40-1,80, Gänsepr-Pfd.44-55, Ochseufl. pr. Pfd- 76 - 80 X Kuh« u Rindfl pr.Psd.70 a,, Schweine­fleisch pr. Pfd. 66-76 X Kalbfleisch pr. Pfd. 68-70 A, Hammel­fleisch pr. Pfd. 60-70 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00-5,00 X, Weißkraut pr. Stück--4, Zwiebeln pr. Centn er 3,003,50

Mach pr. Liter 16 20 A, Enteneier 2 St. H, Gänseeier 4-

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Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Geilshausen sür1 1895/96 liegt acht Tage lang, nämlich vom 30. Novembeu bis 8. De« eember 1894, auf hiesigem Bürgermeisterei-Büreau zur Einsicht sämmt­licher Betheiligten offen.

Geilshausen, den 27. November 1894.

Großherzogliche Bürgermeisterei Geilshausen.

Pfeiff.__9666

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Feldgemarkuug Oberfteiuberg für 1895/96 liegt vom 28. d. Mts. an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen.

Steinberg, am 26. November 1894.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg.

________________H^ß._________________________9667

Bekauutwachung.

Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz 16. I. Ms. zu Nr. M. J. 32 670 wird die Schlachtgebühr für die Benutzung des städtischen Schlachthauses, mit Wirkung vom 1. De- «mber l. Js., für Stoppelkälber bis zu 150 kg Lebend« gewicht auf 1 Mk. 30 Pf. festgesetzt.

Gießen, den 24. November 1894.

Großherzogl. Bürgerm.eisterei Gießen.

Gnauth. [9671

Versteigerung. ;

Dienstag den 4. und Mitt« woch den 5. December, Nach' mittags 2 Uhr, wird, wegzugs­halber, Südanlage Nr. 7, parterre, Folgendes versteigert:

1 Commode, 1 Stehpult, Tische, Stühle, Bettstellen mit Matrazzen, 1 Nachttisch, 1 Kleiderschrank, 1 Waschtisch, Küchenmöbel, 1 Re­gulator, 1 Handwagen, dreitheiliger, fast neuer Bettschirm, Weißzeug, Bilder, Spiegel, Bücherbänkel, 1 Gummibaum, 175 cm Höhe, u. s. w.

Die Gegenstände können täglich von 24 Uhr eingesehen werden und auch Abtretungen aus der Hand stattfinden. 9655

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