ter socialdemokratischen Abgeordneten und Vertrauensmänner festgestellt worden sein.
Berlin, 26. Juni. Es bestätigt sich, daß von einer besonderen Einberufung des Reichstages zum Abschied vom alten Reichstagsgebäude und zur Einweihung des neuen Abstand genommen worden ist. Der Reichstag soll Mitte November sofort im neuen Gebäude zusammentreten.
Liegnitz, 26. Juni. Von den erkrankten Mannschaften des zum fünften Armeecorps gehörigen Königs-Grenadier- Regiments in Liegnitz starben bis jetzt drei Mann. Mehrere Andere liegen hoffnungslos darnieder.
Thorn, 26. Juni. Das Hochwasser der Weichsel hat nunmehr das Wetchseldelta erreicht. Auch das Wasser der Nogat, die rapid gestiegen ist, hat alle Außendeiche Überschwemmt. Die Schiffsbrücke bei Marienburg mußte abgefahren werden.
Wien, 26. Juni. Die „Neue Freie Presse" em-, -stehlt in einer Besprechung der Ermordung Carnots den Franzosen, nur einen solchen Mann zum Präsidenten zu wählen, der den Kampf gegen den Anarchismus mit voller Wucht ausnimmt, das parlamentarische System vor dem Verfall rettet und die Republik zu einer Wohnstätte der wahren Freiheit, zum Wall des inneren und äußeren Friedens macht.
Budapest, 26. Juni. Der vom Magnatenhaus angenommene Zusatzantrag zum Ehegesetz wurde vom Abgeordnetenhause mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der Artikel betreffend die Glaubensfreiheit.
Zürich, 26. Juni. Zahlreiche aus Frankreich flüchtige italienische Arbeiter fuhren mit den Morgenzügen hier durch.
Belgrad, 26. Juni. König Alexander wird im September d. I. Kaiser Wilhelm in Berlin besuchen und auf der Rückreise die Berliner Ausstellung besichtigen.
Antwerpen, 26. Juni. Das Executiv-Comitö der Ausstellung erörterte heute die Frage über den Schluß der Ausstellung am Begräbnißtage Carnots.
Rom, 26. Juni. Die „Tribuna" nennt die Ermordung Carnots und das Attentat auf Crispi ein neues Band, welches die beiden Schwesternationen umschlinge.
Rom, 26. Juni. Crispi erklärte im Senat, die Gesellschaft solle sich gegen die infame Secte, die weder Vaterland noch Familie anerkenne, erheben, um ähnliche Mordthaten wie die Cesarios zu verhindern.
Paris, 26. Juni. Der heutige Minifterrath nahm von allen offictellenBeileidstelegrammen Kenntniß. Dupuy und Hanotaux begaben sich sodann zu Frau Carnot, um das Beileid deS Ministeriums auszudrücken. Frau Carnot bat, den Ministern ihren tiefsten Dank abzustatten. Die Nationaltrauer wurde auf 30 Tage festgesetzt für Beamte, die Armee und die Marine. Eine Specialcommission ist im Ministerium des Innern zusammengetreten zur Organisation der Leichen- feierllchkeiten, die mit allem Pomp stattfinden sollen. Die Parlamente im Haag, in Brüffel und Madrid sandten an die französische Kammer Sympathieadressen. Heute Nachmittag sand eine Gesammtsitzung der Republikaner beider Kammern statt.
Paris, 26. Junf. Der offictelle Bericht über die gestern stattgehabte Autopsie sagt: Die Wunde Carnots ist die schrecklichste, die man je gesehen. Die Leber ist durch und durch gestochen auf 12 Ctm. Länge. Die Hauptschlagader ist an zwei Stellen durchgeschnitten, eine Rippe ist gebrochen. Die Waffe ist 18 Ctm. tief in den Körper eingevrungen. Im Unterleibe wurden zwei Liter Blut vorgefunden.
Paris, 26. Juni. Die Leichenfeier für Carnot, der kirchlich begraben wird, wird vom Erzbischof in Notre- Dame celebrirr werden.
Paris, 26. Juni. Der Czar sandte ein Beileidstelegramm an Frau Carnot.
Paris,26. Juni. Außer Casimir Peri er candidiren noch für die Präsidentschaft: Dupuy, Arago und Brisson, der Senatspräsident Challamel-Lacour dagegen nicht. Der Endkampf wird sich um Perier und Dupuy drehen, aus dem jedoch voraussichtlich der Erstere als Sieger hervorgehen wird.
Paris, 26. Juni. Bei Ankunft der Leiche Carnots erschollen die Rufe: Es lebe Frankreich! Es lebe die Republik! Tod den Italienern! Die Leiche wurde in einem Salon des Elyseepalastes aufgebahrt. Das Publikum ist zum Besuch der Leiche zugelaffen. Die Beisetzung der Leiche im Pantheon wird, wie schon mitgetheilt, nächsten Sonntag stattfinden.
Paris, 26. Juni. Der italienische Botschafter äußerte gestern Abend, er sei über das Attentat. gegen Carnot vollständig niedergeschmettert. Einem Interviewer zeigte der Botschafter Hunderte von Telegrammen aus Italien, worin er aufgesordert wird, Frankreich der Thetlnahme der Italiener zu versichern.
Lyon, 26. Juni. Da die Aufregung immer mehr wächst und die Exzesse einen bedrohlichen Umfang annehmen, soll der Belagerungszustand über Lyon verhängt werden. — Die telephonische Verbindung mit Paris wurde bis auf Weiteres für den Privatverkehr aufgehoben.
Lyon, 26. Juni. Die Polizei hat gestern einen Friseur verhaftet, welcher für den Mitschuldigen Cesarios gilt. Der Verhaftete äußerte vor acht Tagen, wenn Caruot nach acht Tagen nach Lyon komme, werde sich Jemand auf seinen Wagen Mrzen und ihn tödten.
Marseille, 26. Juni. Ueber die hier vorgekommenen Ruhestörungen wird weiter berichtet, daß eine große Menge von Tumultuanten das „Hotel Legurta" und die große Oelfabrik „Vermtnka" zerstörten und alles, was ihnen zu Händen kam, demolirten. Mehrere Fuhrwerke, deren Kutscher Italiener waren, wurden mit den letzteren ins Meer geworfen.
Lille, 26. Juni. In voriger Nacht fand hier eine autittalienische Studentenkundgebung statt. Mit den Rufen: „Hoch die Armee! Nieder mit Crispi! Tod
den Italienern!" erstürmten die Studenten eine italienische Photographie-Anstalt in der Nationalftraße und zerstörten dort die Jnventarien aller Räumlichkeiten.
Loudon, 26. Juni. In einem Interview über die Ermordung Carnots erklärte Charles Dilke, dieselbe werde für Frankreich ohne wesentliche Folgen bleiben. Die Republik Frankreich sei in sich gefestigt und werde einen Präsidenten erhalten, der auf der Höhe seiner Aufgabe stehe. Henry Rochefort befürchtet blutige Repreffalien und Gewaltacte gegen die Italiener. Als künftigen Präsidenten nennt er Dupuy. John Burns, der Arbeiterführer, verurtheilt daS Verbrechen als eine Schmach für das arbeitende demokratische Volk.
Loudon, 26. Juni. Auf Antrag Harcourts wird heute das Unterhaus eine Adresse an die Königin richten, der französischen Regierung die Beileidsgefühle und die Sympathien Englands für das französische Volk und seine Regierung zu übermitteln.
London, 26. Juni. Den letzten Nachrichten aus Cilfy- nydd über die Grubencatastrophe bei Pontybridd zufolge muß alle Hoffnung auf Rettung der noch in der Albion - Grube begrabenen Bergleute aufgegeben werden. ES sind bis jetzt über 230 Leichen herausgeschafft.
Lyon, 27. Juni. Die Ausplünderung der italienischen Specereiwaaren-Handlungen dauerte bis zum Abend fort; in einer derselben explodirte eine Petroleumtonne, wodurch ein Brand entstand. Einer der Plündernden und ein Bewohner des Hauses verbrannten. 30 Plündernde wurden verhaftet.
Madrid, 27. Juni. In Barcelona versuchte ein Arbeiter in das Hotel des Civilgouverneurs etnzudrtngen und die Thür des Cabinets zu sprengen; er wurde verhaftet. Der Arbeiter war im Besitze eines Dolches. Es herrscht Erregung.
Cocafc# und provinzielle»
Gietzeu, den 27. Juni 1894.
* Das Sommerfest auf Burg Gleiberg wird unter Genüssen aller Art auch eine Reihe musikalischer bringen, die durchaus der Beachtung werth sind. Die orchestralen und chorischen Darbietungen werden sich vollständig in dem Rahmen eines wohl vorbereiteten Concertes bewegen, denn dem Vorstande des Gleiberg-Vereins ist es gelungen, erprobte Kräfte für sein Unternehmen zu gewinnen. So konnte ein Programm entstehen, das bei allen Concejsionen für den weniger Musikalischen, der mühelos genießen will, Vieles bietet, was auch geläuterten Geschmack befriedigt, wozu wir mit in erster Linie dte^Chorleist- ungen zählen. Möge man keineswegs den ,Eintritts- preis als Werthmesser des Gebotenen betrachten, derselbe konnte so bescheiden gestellt werden, weil ja das Gros der Mitwirkenden uneigennützig der Sache dient, mußte so bescheiden gestellt werden, um die Allgemeinheit heranzuziehen. Der orchestrale Theil, der durch unsere Regimentscapelle unter Musikdirector Krauß es bewährter Leitung ausgeführt werden wird, birgt eine Fülle dankbarer und dem Ohre zugänglicher Musikstücke der bekanntesten Componisten, wie Keler-Bela, Strauß, Wagner, Sullivan u. a. Besonders dankenswerth ist es, daß sich die beiden vorzüglichen Männergesangvereine unserer Stadt, „S ä n g e r k r a n z" und „Kronbauer-Quartett", collegialisch zu einem größeren Chor vereinigt haben, die unter abwechselnder Lettung ihrer Dirigenten fingen werden. Franz Bauer, der Dirigent des Sängerkranzes, der sich bereits durch die Wiedergabe größerer Chorwerke mit Orchester einen guten Namen gemacht hat, dirigirt die berühmten Niederländischen Volkslieder mit Orchesterbegleitung von Kremser. Es dürfte nicht viel Chorwerke geben, die einen so durchschlagenden Erfolg gehabt haben, wie die Niederländer, die heute sozusagen das tägliche Brod aller guten Vereine sind. Auch unser Kaiser Wilhelm II. verehrt diese Composition auf das Höchste und hat sich wiederholt Sängerschaaren zur Aufführung dieses seines Lteblingswerkes eingeladen. Selbst den berühmten Berliner Domchor, dem diese Richtung eine fremdere ist, veranlaßte der Kaiser zur Einstudirung des ihm so wohl gefallenden Werkes und befahl die Aufführung vor den hohen und höchsten Herrschaften anläßlich einer Hoffestlichkeit in Potsdam. Kremser hat aber auch wirklich mit seinen Niederländern, so die populäre Bezeichnung, ein Meisterwerk geschaffen; wenn man aus dem Ganzen etwas herausgreifen darf, so möchten wir dieses mit dem gewaltig wirkenden „Kriegslied" thun. Im schneidigen, scharfen Marschtempo gehalten, begeistert es die Sänger und electrisirt die Zuhörer, dem gegenüber steht das „Dankgeb et" mit seiner einfachen schlichten Weise; in ganz anderem Sinne, aber ebenso mächtig wirkend. — Die ä capella Chöre sind dem Dirigenten des Kronbau er-Quartett, Leopold Gell er, übertragen worden. Schon die Wahl der Chöre, die letzterer leiten wird, beweisen, daß Herr Geller ein würdiger Jünger seines um die Pflege des L oaxsIIa Gesanges so verdienten Vorgängers ist. Da finden wir zuerst den ernsten Norddeutschen mit Handwergs „Uebers Jahr mein Schatz"; ihm folgt für Süddeutschland der Schwab, der den Schalk stets im Nacken hat, mit Stlchers keckem „Liebesscherz" und zum Schluß kommt dann der ebenso liederreiche als liederliche O e st e r r e i ch e r mit Weinzierls „Heute i st heut". — Eine zweite gute Männervereinigung bietet uns der tüchtige Wetzlarer Verein unter Leitung seines strebsamen Dirigenten Schmidt; auch dieser Verein hat eine geschmackvolle Auswahl von Liedern getroffen. Als «rstes den markigen „Vaterlandsgruß" von Huber, dann das irische Lied „Der treue Johnie" von Beethoven, für Männerchor gesetzt von Simon und endlich das Silcher'sche Volksliedchen „O wie herbe ist das Scheiden". — Reich und abwechselungsvoll ist das Programm, dies glauben wir bewiesen zu haben, wenn wir noch etwas hinzufügen dürften, so wäre es der Wunsch,
von einer recht großen Anzahl von Zuhörern unsere AnfichL geprüft zu sehen.
* * Steins Garten. Nächsten Samstag den 30. Juni wird der Kölner Männer-Gesangverein „Poli- hymnia" ein Sänger-Concert dahier veranstalten. Da genannter Verein, welcher 1851 in Köln gegründet wurde und einen gegenwärtigen activen Sängerbestand von 141 Mitgliedern zählt, für seine außerordentlichen Leistungen mit mehreren Medaillen, darunter die goldene Kaisermedaille, ausgezeichnet wurde, so seien alle Sänger und Sangesfreunde schon jetzt auf dieses Concert aufmerksam gemacht.
* * Wirthshausdiebstahl. Einem Wtrthe an der Grünbergerstraße wurde gestern die Kasse geplündert. Zum Glück befand fick nur wenig Geld darin, etwa eine Mark fiel dem Dieb in die Hände. Der Thäter wurde in der Person eines seit 8 Tagen stellenlosen Hausburschen ermittelt und verhaftet; derselbe hatte das Geld sofort verzehrt. Der Dieb ist auch geständig, sich Morgens die Brödchen aus den Weckbeuteln angeeignet zu haben.
* * Schadenfeuer. In der Nacht vom Sonntag auf Montag entstand in einem Lagerraum in der Marktstraße Feuer. Es verbrannten einige Gentner Seegras. Das Feuer wurde rechtzeitig bemerkt und konnte gelöscht werden,, ehe es weiter um sich griff.
* * Truppen Durchmarsch. Das Hessische Feld-Artillerie- Regimeut Nr. 11 passirte heute Morgen auf dem Rückmärsche vom Griesheimer Schießplätze nach der Garnison Kassel die Stadt.
* * In Amerika verstorbene Heffen. Acker Ville, Washington County, Wis.: Jacob Schläger, 76 Jahre alt. San Francisco, Cal.: Conrad Weisel, 45 Jahre alt,, aus Nieder-Weisel. Wathena, Kan: Wilh. Hautzenröder, 63 Jahre alt, aus Herbstein. Wellesley Township, Canada: Heinrich Gerth, 78 Jahre alt, aus Nieder-Ofleiden.
* * Den zur Uebung einberufenen Reserve-Unteroffizieren und den Gefreiten, die Unteroffiziersdienst zu thun haben, werden strenge Warnungen vor Soldateumißhaud- hingen ertheilt. Vor Allem wird ihnen eingeschärft, bei den Exercitien niemals einen Mann anzufassen, und, um dies auf jeden Fall zu vermeiden, sich von den übenden Leuten stets mehrere Schritte weit entfernt zu halten. Hierdurch soll nicht nur erreicht werden, daß die Unteroffiziere sich in der Erregung zu thätlichen Mißhandlungen überhaupt nicht hinreißen taffen können, sondern andererseits auch, daß die Anbringung ungerechtfertigter Beschwerden über Unteroffiziere wegen angeblich erlittener Mißhandlungen nicht mehr möglich ist. Außerdem aber werden die Unteroffiziere auch davor gewarnt, Mannschaften auf andere Weise, namentlich jedoch beim Exercieren und Turnen durch Ueberspannung der Körperkräfte, übermäßig lange Ausdehnung ein und derselben Uebung u. bergt, indirect zu mißhandeln. Dies wird beit Reserve-Unteroffizieren in allerstrengster Form zur Pflicht gemacht mit bem Hinzufügen, baß jebe Nichtbefolung b$r Verwarnung unnachsichtlich schwer bestraft werben würbe.
D. Tgl. Anz.
□ Aus dem Ohmthal, 26. Juni. Wenn auch bte gegenwärtige Wetterlage kein rechtes „Heuwetter" bietet, inbem der Himmel sich öfters mit Wolken verhüllt, so hat boch bie Heuernte im ganzen Thal ihren Anfang genommen unb es ist bereits recht gutes Heu in bie Scheuer gefahren worben. Die Hauptsache bleibt jetzt, baß es währenb bes Heumachens nicht regnet, bann wirb bas Ergebniß besselben recht zu- friebenstellenb ausfallen. Allgemein hatte man, ba bas Bobengras vielfach im Wüchse zurück ober ganz ausgeblieben, ein so günstiges Resultat kaum erhofft. Allein bte feucht- warme Witterung ber letzten 14 Tage hat das Wachsthum bes Grases noch sehr beförbert. Wem bie armseligen Fuhren Heu noch in Erinnerung sinb, bte im vorigen Jahre ber Trockenheit von ben Wiesen gefahren wurden, bem sagen bie schönen Heulabungen jetziger Zeit, baß boch ein ganz anberes Quantum Heu etngefahren wirb. Auch bie Qualität bes Heues ist eine recht gute; es hat noch Gewicht, ba noch nicht alle Heublumen in ber Blüthezeit vorüber sinb. Sv blüht bie dieses Jahr über alle Maßen häufig auftretenbe Wucher» blume noch überall. An unb für sich ist bie Qualität bes Ohmthal'Heues eine ber besten im Lanbe. Die gegenwärtig noch stattfinbenben Heugrasversteigerungen erzielen durchweg mäßige Preise.
0. V. Vom oberen Vogelsberge, 26. Juni. Das Steuerzahlen ist eine Kunst, bte jeber Poesie bar ist. Viele Menschen wünschen sich zuweilen: sie müßten recht viele Steuern zahlen, benn alsbann besäßen sie auch bas bazu gehörige Einkommen. Hieraus ließe sich annehmen, bie reichsten Leute seien bie besten Steuerzahler unb in ben reichsten, fruchtbarsten Gegenben würben bie Steuern am promptesten entrichtet. Man kann fast bas Gegentheil annehmen, ohne sehr zu irren, benn nach- folgenbe Thatsachen sprechen bafür: Mit zu ben coutanteften Steuerzahlern (wahrscheinlich ben promptesten) im ganzen Großherzogthum Hessen gehören bie Steuerpflichtigen ber Districts-Ein nehme re i Ulrich ftein, benn in dieser Districts'Einnehmerei ist im verflossenen Steuerjahr 1893/94, welches dabei noch ein sehr mageres für unsere ländlichen Verhältnisse gewesen, nicht ein einziger Posten uneinbringlich geworden. Es brauchte aber auch fein einziger Posten liquidirt zu werden, woraus folgte daß Alles von A biS Z glatt abgewickelt wurde. So etwas findet sich sehr selten in einem größeren kaufmännischen Geschäfte, noch viel weniger bei einer staatlichen Behörde. Wir glauben, daß sich schwerlich im ganzen Lande noch eine zweite Districts - Einnehmerei findet, bei welcher weder ein Posten uneinbringlich geworden, noch liquidirt werden mußte. Nun leben aber die Ulrichsteiner Steuerpflichtigen in einer Gegend, die weder durch die Natur begünstigt, noch durch Handel unb Jnbustrie gefördert wird. Das pünktliche Steuerzahlen, dieses höchst unpoetische Geschäft, hängt daher wenig mit Wohlhabenheit und Reichthum zusammen, denn neben bem Reichthum kauert häufig die Armuth, die nicht


