1894
Sonnlag bm 28. Januar
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.
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** Der Gelreidemarkl.
Feuilleton
*) Clich« vom Adreßbuch vom Jahre 1889.
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Annahme dob Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
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vierteljähriger ASonnementspreiS» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
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jenigen der Vergangenheit ab. Man stellt den Löwen in der Gegenwart als einen geflügelten dar, während ältere Ab» bildungen die Flügel mehr an den Buchstaben heften. Rudolphi nennt aus diesem Grunde den Gießener Löwen sogar einen Greif, mir welchem Namen man gewöhnlich jenes fabelhafte Wappenthier bezeichnet, welches den Hinterleib eines Löwe« mit einem darauf befindlichen geflügelten Adlerkopf darstellt. Der Greif kommt bei den Wappen von Oesterreich-Ungarn und Baden als Schildhalter, in den Wappen von Pommern, der Casiuben und Wenden als Wappenthier vor. Eine Ab« bildung der älteren Art findet sich am Portal des alten Rath- Hauses*) und eine nach der neueren Auffassung am Haupteingang des Knabenschulhauses an der Nordanlage (in Stein gehauen) vor. Auch das Siegel der Großherzoglichen Bürgermeisterei dahier führt den geflügelten Löwen. Ob die Flügel ursprünglich dem Löwen oder dem Buchstaben als Zierde dienen sollten, wagen wir nicht zu entscheiden. Man spricht wohl ost von geflügelten Worten, aber nicht von geflügelten Buchstaben. Das neue Wappenbuch weift als Wappen der Stadt Gießen einen durch den Buchstaben G schreitenden rothen Löwen mit schwarzen Flügeln im blauen Felde auf, womit es auch mit den Heraldikern Dilich, Dielhelm, Rn- dolphi und Wessel übereinstimmt. Letzterer bringt darüoer folgenden Vers:
Der Buchstab G einen Löwen hat
In seiner Mitte stehen, Das Wappen führt Gießen die Stadt, Gerecht sein, thuet fortgehen.
Alle Annoncen-Bureaux M In- und AuSlande« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Da» neue hessische Wsppenbuch und seine Vorsshren.
Fünfzig Jahre find verflossen, seitdem der Großherzogliche Oberfinanzrath Günther in Darmstadt sein Werk über die „Wappen der Städte des Großherzogthums Hessen" herausgegeben hat. Bezüglich des Textes ist das Werk von Günther durch seine intereffanten historischen und heraldischen Mittheilungen eine seiner Zeit viel begrüßte Arbeit geworden. Was jedoch die Abbildungen der beschriebenen Wappen betraf, io waren dieselben nicht allein vielfach wenig künstlerisch ausgeführt, alö auch, weil meistens nach alten Siegeln gezeichnet, heraldisch unrichtig. Besonders war es der Mangel an der Wiedergabe der Tinctur (Farbenbezeichnung), der jedem Kenner auffallen mußte. Obgleich der Verfasser im Texte über die Tinctur viele Mittheilungen einfließen ließ, so waren doch die beigegebenen Abbildungen der Wappen nicht mehr auf der Höhe, die man nach dem Stande der heutigen Kunst als mustergiltig ansehen kann Wir müssen daher das neue Werk mit den Abbildungen aus der Kunstanstalt von Clemens Kissel in Mainz nur mit Freuden begrüßen. Nach den in diesem Blatte vorgeführten Proben sind nicht nur die Wappen in ihrer Form viel vollendeter ausgeführt, auch die Farbenbezeichnung (Tinctur) ist durch die von dem Jesuitenpater Sylvester ä Petra sancta im Jahre 1638 eingesührlen Schrasfirungen und Punktirungen angedeuter. Indem wir daher unsere Leser auf daß Buch selbst verweisen und uns bezüglich der Mängel des Günther- schen Werkes mit der Thatsache trösten müssen, daß Finanz-
Getreidemarkte bewegte sich auch in der abgelaufenen Berichtswoche innerhalb der engsten Grenzen. Es lagen aber auch nach keiner Seile Momente zur Anregung vizr, sodaß es begreiflich erscheint, wenn sich sowohl Kauflust als auch Angebot fortgesetzt große Zurückhaltung auferlegen. Weizen wie Roggen büßten dabei im Allgemeinen eine Kleinigkeit gegenüber dem Preisstande in der Vorwoche ein, während Hafer Neigung zu einer Erholung zeigte. Die immer bestimmter lautenden
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Nr. 23 Zweites Blatt
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totales und ^provinzielles.
Hießen, den 27. Januar 1894.
** Ruhestands Versetzung Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 20. Januar den Bahnmeister bei den Oberhessischen Eisenbahnen Georg Felg er auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom l.März d. I an in den Ruhestand zu verletzen.
** Die diesjährige Prüfung der Aspirantinnen für da? Höhere Lehrfach soll Mittwoch den 28. Februar und an den folgenden Tagen, Vormittags 8 Uhr beginnend, im Schulhause .' r Dictortaschule (Grafenstraße Nr. 30) in Darmstadt flatlfinden. Der Termin für die mündliche Prüfung wurde »ns Mittwoch den 14. März festgesetzt. Gesuche um Zulassung zrt dieser Prüfung sind, mit Stewpelmarken im Gesammt- lc trage von 1.10 Mk. versehen, bis spätestens zum 14. Februar : i dem Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung lür Schulangelegenheiten, einzureichen.
** SommerUuiformeu für Briefträger. Die Postver- iraltung beabsichtigt Sommer-Uniformen für die Briefträger bereits im nächsten Sommer einzuführen.
** Lebensmittel-Preise Ende December 1893. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- lstatistik kosteten:
räthe vielfach bessere Numismatiker als Heraldiker sind, wollen wir uns einmal die bereits mitgetheilten Wappen der Stadt Gießen ansehen. Schon das für das Jahr 1893 herausgegebene Adreßbuch hiesiger Stadt zeigt auf seinem Titel- blatt ein altes Wappen der Stadt, welches nach dem Siegel einer Originalurkunde vom Jahre 1311 gezeichnet ist. Es stellt einen geharnischten Ritter zu Pferde dar. deffen Pferdedecken, sowie sein Wappenschild einen aufrecht stehenden Löwen zeigen. Wir haben hier ohne Zweifel den hessischen Löwen im Bilde und können, obgleich die Angabe der Farbe auf dem Siegel fehlt, demselben die bekannte Tinktur des hessischen Wappenthieres beilegen. Daß neue Wappenbuch, welches dieses Wappen in einer etwas besser ausgeführten Form wiedergibt, macht uns auch mit der Farbe des Hintergrundes (Feldes), sowie der Farbe des Pferdes bekannt. Es ist ein weißes (silbernes) Roß im rothen Felde. Oberfinanzrath Günther bringt in seinem mehrerwähnten Werke auch ein noch älteres Wappen der Stadt Gießen, aus dem Jahre 1248, zur Darstellung. Es ist ebenfalls nach einem Reitersiegel gezeichnet und stellt in der Form einen Ritter mit dem Wappen des Pfalzgrafen von Tübingen vor, der eine rothe, in drei Streifen auslaufende Kirchensahne im goldenen Felde führte. Die Zeichnung ist jedoch wenig ansprechend und beweist, daß die Slempelichneider nicht immer geübte Künstler waren. Im Jahre 1265 kam G'.eßen von den Pfalzgrafen von Tübingen an die Landgrafen von Heffen. Außer diesen Wappen führt Gießen noch ein Wappen, welches schon 1278 vorkommt. ES ist bekannter als btc früher genannten und enthält den nach alter Schreibart gebildeten Buchstaben G, durch welchen ein aufrecht stehender Löwe mit vorgeschlagener Zunge schreitet. I
Die Darstellungen der neuesten Zett weichen von den- i
Vermischtes
* Gotha, 23. Januar. Die Vorbereitungen, die von ter gesammten Bevölkerung zum festlichen Empfang deS herzoglichen Paares am 31. J-nuar getroffen wurden, sind durch einen erschütternden Unglücksfall, über den bereits kurz berichtet wurde, je unterbrochen, eine Reihe von Familien ist in Trauer versetzt worden. An der Einholung des Herzogkpaares sollte sich auch eine aus der Bürgerschaft gebildete Reiterschaar betheiligen. Diese sogen. Herzogsreiter" übten seit einiger Zeit in der herzoglichen Reithalle neben dem Marstall, wobei auch ein MusikcorPS spielte, um die Pferde an daß Geräusch zu gewöhnen. Diesen Hebungen sahen die Angehörigen der Reiter, sowie andere, mit Einladungskarten versehene Personen von der Gallerie aus zu, die 4*/2 Meter über dem Boden angebracht ist. Dort hatten sich gestern Nachmittag gegen 100 Personen ewgekunden, w lche die Gallerie so beschwerten, dpß die Stützen nachgaben und sie nach vorne zusammenbrach, wodurch sämmt- liche Besucher in die Reitbahn herabstürzten. Obwohl der Sturz aus verhältnißmäß'g geringer Höhe erfolgte, zeigte sich doch alsbald, daß einzelne Personen schwere Verletzungen erlitten hatten. Während die Reiter Mühe hatten, ihre Pferde zu beruhigen, eilten die übrigen Anwesenden den Verwundeten zu Hilfe, aus deren Mote Schreckens- und Klagerufe ertönten. Bald waren auch Aerzte zur Stelle,' die von der Buhn zurückkehrcnden Droschken wurden zum Transport der Schwerverwundeten requirirr. Aber schon unterwegs erlag eine 76jährige Frau aus Arnstadt den Verletzungen. Ihr folgte im Tode eine Gothaer Wtttwe- eine Gothaer Frau nebst einem Kind sind gleichfalls lebensgefährlich verletzt. Die Verletzungen von weiteren zwölf Frauen und Kindern befteben zumeist in Brüchen, die schlimme Folgen wohl nicht besorgen lassen.
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wohlsituirter Geschäftsmann in seiner Vaterstadt wurde. All» nun vor einiger Zeit die Mutter des Letzteren ihrem ooro*- qegangenen Ehemann in die Ewigkeit gefolgt war, fanden sich im Nachlaße sämmtliche seiner Zett nach Mainz geschriebene und von dort angekommene Briefe uneröffnet vor, welche die Mutter unterschlagen hatte, um den Sohn von seiner ihr nicht convenirenden Neigung zu dem unbemittelten Mädchen abzubringen, was ihr auch gelungen war. Der nunmehr bejahrte Mann wußte nichts Eiligeres zu thun, als hierher zu reisen und seine ehemalige Braut aufzusuchen, welche er in ihrem bedauernswerthen Zustande fand und auch von ihr wieder erkannt wurde. Eine beträchtliche Unterstützung wurde lt. „N. M. A." seitdem der Verlassenen zu Theil, allein sie hat dieselbe nicht lange genossen, denn sie ging seit jener Begegnung sichtlich ihrer Auflösung entgegen und schloß in vergangener Woche mit dem Namen des Geliebten auf den Lippen für immer die Augen.
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Nachrichten Über den beoorstehenden definitiven Abschluß des deutsch-russischen Handelsvertrages scheinen indessen auf die Haltung des Marktes noch keinen Einfluß geäußert zu haben. Preisnotirungen an der Berliner Productendörse: Weizen von 137 bis 149 Mk per 1000 Kilogramm, Roggen von 123 bis 129 Mk., Hafer von 141 dis 180 Mk., Gerste von 110 bis 180 Mk.
♦* Eine wichtige Entscheidung über die Stellung des Lehrers gegenüber den Fortbildungsschülern fällte der 1. Strafsenat des Reichsgerichtes. Es ist eine bekannte Thatsache, daß Fortbildungsschüler sich häufig recht roh und gewalttätig gegen ihre Lehrer benehmen und daß die Lehrer in den wenigsten Fällen die Mittel an der Hand haben, sich den nötigen Respect zu verschaffen. Da mag denn die gefällte Entscheidung geeignet sein, einigen Wandel zu schaffen, denn sie spricht aus, daß der Lehrer in der Fortbildungsschule das Aufsichtsrecht ausübt und deshalb als Beamter anzusehen ist, der zur Vollstreckung von Anordnungen der Obrigkeit berufen ist, daß demgemäß der einem solchen Lehrer bei Ausübung dieses Rechtes geleistete Widerstand als Widerstand gegen die Staatsgewalt nach § 113 St. G.-B. zu bestrafen ist.
•* Za Amerika verstorbene Heffen. Newyork City: Elisabeth Kühne, geb. Helfrich, aus Zwingenberg. Neustadt, Erie Co., N. I : Georg Herzog, 77 Jahre alt, aus Armsheim. Philipsburg, Township Wilmot, Can.: Andreas Döring, 84 Jahre alt, aus Alsfeld. Pitt ßfield, Jll.: Leonhard Lutz, 87 Jahre alt, aus Niederklingen. Rice Township, Sandusky Co., O.: Elisabetha Gähn, geb. Orbt, 90 Jahre alt, aus Nordheim. Toledo, O.: Heinrich Schieferstein, 64 Jahre alt, aus Vurkhardsfelden, und dessen Ehegattin. Johonnette, geb. Scharmann, 72 Jahre alt, aus Merlau. ___________
Mainz, 22. Januar. Ein Roman aus dem Leben hat in vergangener Woche im hiesigen Jnvalidenhaus seinen Abschluß gesunden. In den 60er Jahren hatte der hier arbeitende Sohn wohlhabender Eltern in Nürnberg sich mit dem Töchterchen eines hiesigen Handwerkers verlobt, mußte aber bald wegen Krankheit in die Heimath, von wo aus er glühende Liebesbriefe an seine Braut schrieb, ohne jedoch von dieser jemals eine Antwort zu erhalten. Auch letztere schrieb fleißig mit gleichem negativen Erfolg nach Nürnberg und härmte sich über die vermuthliche Untreue ihres Verlobten derart, daß sie zuerst in eine schwere Krankheit und dann in Schwermuth verfiel, welche nach und nach in den harmlosen Wahn überging, daß ihr Bräutigam bald kommen und sie zum Altäre führen werde. Nach dem Tode ihrer Eltern wurde die Bedauernswerthe in das Jnvalidenhaus verbracht, wo sie still in ihrem Wahne lebte, während sich der gleichfalls betrogen wähnende Bräutigam verheiratete und ein
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Städte mit Octrot
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Die Gießener Ackmikieo vlätier werden dem Anzeiger udchentlich dreimal beigelegi.
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