Ausgabe 
28.1.1894 Drittes Blatt
 
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Nr. 2A Drittes Blatt. Sonntag den 28. Januar

1894

Der

ftetener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«.

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2lmtiid?er Lheil.

Bekanntmachung,

betreffend Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1894.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1894 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschluffes von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. Februar 1894

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- ciellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prufungs - Com- »isfion nur dann auzubringen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeuguiß;

b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein;

c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist-

6. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermius, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt ev. weitere Be­kanntmachung- auf specielle Ladung kann nicht gerechner werden.

Darmstadt, den 5. Januar 1894.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

_____________Freiherr v. Gemmingen._____________

Bekanntmachung,

betreffend den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.

Nachdem die neue Polizeiverordnung vom 13. December v. Js. in Kraft getreten, ziehen wir die auf Grund der früheren, nunmehr nicht mehr zu Recht bestehenden Polizei­verordnung von uns ertheilte Erlaubniß zum Befahren der inneren Theile der Stadt Gießen zurück. Neuere Gesuche um Ertheilung dieser Erlaubniß sind bei uns schriftlich mit Gründen versehen, einzureichen.

Gießen, den 24. Januar 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

__________________Fresenius.__________________

Bekanntmachung.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Herr Landwirt hschastslehrer Leit Higer von Alsfeld

1. Sonntag den 4. Februar 1894, Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag imEnglischen Hof" zu Grünberg über

das Thema:Welche Ansichten haben sich in den letzten Jahren auf dem Gebiete der Rindviehzucht Geltung verschafft."

2. Sonntag den 18. Februar l. I., Nachmittags 2 Uhr, einen Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Theiß z, Weitershain über Bodenbearbeitung und Kartoffelbau,

3. Sonntag den 4. März l. I., Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Konr. Weil III. zu Lang-Göns über Gründung einer Zuchtgenossenschast zur Zucht des Simmenthaler Viehes,

4. Sonntag den 11. März l. I., Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag imEnglischen Hof" zu Grünberg über Futterbau auf dem Ackerlande,

5. Samstag den 17. März l. I., Abends 7 Uhr, eine» Vortrag in dem Saale des Herrn Wirths Heiland zu Lich | über die Anwendung künstlicher Dungmittel, halten wird.

Alle Mitglieder des landwirthfchaftlichen Vereins, der landwirthschaftlichen Localvereine, sowie alle Freunde bet Landwirthschaft werden zu diesenVorträgen hierdurch freundlichst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und der diesen benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, diese Bekanntmachung zur Kenntniß der Landwirthe in chren Gemeinden zu bringen und auf möglichst zahlreichen Besuch der Vorträge hinzuwirken.

Gießen, den 23. Januar 1894.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereines Gieße».

Jost.

Dermifc^tw.

* Marburg, 25. Januar. Wie dasMarb. Tgbl." meldet, ist bei Kirchhain an der Brücke in dem sog. Loch in der Oh» die Leiche des seit dem 29. November verschwundenen be­tagten Lehrers Trusheim aus Wermertshausen aufgefunden und nach Kirchhain verbracht worden. Allem Anscheine nach ist der alte Herr, welcher auf dem Wege von Wermertshausen nach Kirchhain war, bet dem an dem fraglichen Tage herrschen-

Feuilleton

Wochendriefe aus der Residenz.

Darmstadt, 26. Januar 1894.

Hoher Besuch. Theater und Coucerte. Das mitte!» rheinische Mufikfest. Allerlei.

Ein Fest und Freudenlag für die ganze Residenz war der Dienstag der vergangenen Woche, brachte er doch den freudigst erwarteten Besuch der hohen Braut unseres geliebten Großherzogs, die ja schon vom April dieses Jahres an mit unserem Landesfürsten den hessischen Thron theilen wird. Nachmittags um 4J/2 Uhr traf die Prinzessin, von ihren Eltern begleitet, tn Darmstadt ein und wurde am Bahnhofe von Seiner König!. Hoheit dem Großherzog empfangen. Auf dem weiten Bahnhossplatze und in den Hauptstraßen standen Tausende, die gekommen waren, die künftige Landessürstin jubelnd zu bewillkommnen. Die Straßen hatten rasch ein prächtiges Festkleid angelegt, von allen Häusern wehten bunte Fahnen, an den Fenstern waren Wappen, Guirlanden rc. in großer Anzahl angebracht. Nur einer machte ein grämlich Gesicht zu all dem frohen und festlichen Getriebe der freudig gestimmten Menschenmenge der Himmel. Eine unfreund­liche, graue Wolkenschicht ließ keinen Sonnenstrahl zur Erde gelangen, ja, noch kurz vor der Ankunft der hohen Braut bescheerte ups Jupiter pluvius einen Regenguß, der indeffen zum Glück nicht lange anhielt. Doch die Ungunst der Witte­rung hatte wenig zu besagen. Mit lautem Jubelruf und Vivat wurde der Wagen des Großherzogs und seines hohen Besuches von den Tausenden in den Straßen begrüßt und das fürstliche Brautpaar war über diese aufrichtige und herz­liche Huldigung ersichtlich sehr erfreut. An demselben Tage war auch der Prinz von Rumänien mit seiner hohen Ge­mahlin zu kurzem Besuche hier eingetroffen. Die Herrschaften begaben sich Abends alle in das Großherzogliche Hoftheater, wo sich die Ovationen des Publikums nochmals erneuten. Zur Aufführung kam Ignaz Brülls OperGringoire", der Serpentinentanz" und Schönfelds SchwankMit fremden Federn".

Freilich hat diesmal der Besuch der Braut unseres tGroßherzogs in der Residenz nur wenige Tage gedauert, Prinzessin Vic oria Melita ist nach den verschiedenen Hof- Festlichkeiten mit ihren Eltern wieder abgereift, doch bald wird

j sie als die Gemahlin unseres Landesherr^ wieder festlichen | Einzug in Darmstadt halten.

Unser sonstiger Wochenbericht hat zunächst zweier Pre­mieren im Hoftheater zu gedenken, der ersten, schon Ende voriger Woche'stattgefundenen Aufführung eines.Dramas Kaiser Friedrich" von Franz Sicking ein Pseudonym für eine Mannheimer Dame dessen Trivialität und dichte­rische Werthlosigkeit von der gefrommten Kritik gekennzeichnet wurde, also bei dieser einen völligenDurchfall" erlebte, dann der Premiere einer einactigen Oper,Der Brautgang", von Bruno Jlfrner. Das neue Wrk litt nach den vorliegenden Berichten unter einem recht gefrchmack- : losen Libretto und fand daher trotz der geschickt com- ; ponirten, ansprechenden Musik eine nur geteilte Auf- < nähme bet der fachmännischen Kritik. Einen künst- | leriscken Genuß von hohem Werthe brachte dagegen das am Montag zum Besten der Deutschen Journalisten- und i Schriftstellerpensionskasse veranstaltete (So n c er t im Hotel jzur Traube". Nicht nur der materielle, auch der künstlerische . Erfolg war ein außerordentlich großer und die Veranstalter, ! an deren Spitze ohne Zweifel der rührige Vorsitzende der ' hiesigen Ortsgruppe des Journalistenverbandes stand, können - mit dem Resultate ihres schönen Unternehmens wahrlich zu» ! frieden sein. Zur Mitwirkung hatte man allerdings auch ' ganz erlesene Künstler gewonnen. Von einheimischen Kräften 1 hatten Frau Lili Wolfskehl, eine geschätzte Clavier- spielerin, Herr Hofsänger Weber, Herr Hosschauspieler j Edward und Herr Hofeoncertmeister Ho hl seid dem Con- certe -ihre werthvolle Mitwirkung geliehen, dazu gesellten sich ; von fremden Künstlern Fräulein Lavalle vom Hoftheater zu Mannheim im letzten Briefe war der Name durch einen j Druckfehler entstellt, Fräulein Henny Borchers von der Mainzer Bühne, unsere künftige Primadonna, und der Tenorist Herr Holldack, gleichfralls aus Mainz, der rasch als stimmgewaltiger Sänger bekannt geworden ist. Die musikalische Leitung der ganzen Veranstaltung lag in den Händen des Herrn Musikdirectors Ackermann, des Musik- j referenten derNeuen Hess. Volksbl." Das Gelingen des Concertes ist um so höher anzuschlagen, als gerade gegen« | wärtig eine außerordentliche Fülle von künstlerischen Beran- ftaltungen aller Art geboten wird und zudem noch die Carne- : valsvergnügungen, ganz abgesehen von den vielen Privat­gesellschaften, das öffentliche Interesse beanspruchen.

Von einem anderen großen Unternehmen künstlerischer

Art war in dieser Woche auch viel die Rede, nämlich vom großen m i 11 e l r h e i n i s ch e n M u s i k f e ft, das in der ersten Juliwoche des lausenden Jahres in Darmstadt abgehalten werden soll. Als Schauplatz für das geplante große Massen- concert ist bekanntlich die noch vom mittelrheinischen Turnfest stehende Festhalle auf dem Exercierplatze ausersehen, die mehr Platz bietet als z. B. die Mainzer Stadthalle. Das Pro­gramm für die Feier ist bis jetzt folgendermaßen festgesetzt: Am 8. Juli sollDie Weihe des Hauses" von Beethoven und HaydnsSchöpfung" zur Aufführung gelangen, am 9. Juli BrahmsTriumphlied" undRomeo und Julie" von Hector Berlioz. Für die Abende der Festtage ist einmal ein großes Gaitenfest im Saalbau, dann ein Ball vorgesehen, während ein Ausflug in die Bergstraße die Thetlnehmer zu einer Nachfeier versammeln soll. Die näheren Programm­angelegenheiten werden tn den nächsten Tagen erledigt werden.

Die Feier von Kaisers Geburtstag am 27. Januar wird in verschiedener Weise begangen werden. Das Festessen findet imDarmstädter Hof" statt, außerdem sind in den Schulen und in vielen Vereinen mancherlei patriotische Fest- actc vorgesehen. Eine größere Veranstaltung plant der Kriegerverein, der ein großes Concert zu bieten verspricht und zu diesem Zwecke mehrere kÜnstlertsche Kräfte gewonnen hat. Im nächsten Briese wird Ihr Referent Gelegenheit haben, über die Feier von Kaisers Geburtstag an dieser Stelle näher zu berichten.

Aus der Fülle der erwähnenswerthen Begebenheiten dieser Woche sei noch des am vergangenen Samstag veran­stalteten Ball fest es des Offiz'ercorps des 115. Infanterie- Regiments gedacht, das ganz prächtig verlaufen sein soll. Der gesammte Hof hatte die Einladung zu dem Feste angenommen und war in den Räumen des Ofrfiziercastnos der 115er er­schienen. Eine studentische Ftter beging am Samstag und Sonntag der sehr beliebte Akademische Verein an der Tech­nischen Hochschule, der ein fröhliches Stiftungsfest im Kreise seiner alten und jungen Mitglieder feierte. Im studentischen Leben Darmstadts hat sich ,n den letzten Tagen auch eine wichtige Veränderung vollzogen, indem eine neue Burschenschaft, die Dritte am Platze, gegründet wurde, die auch bereits zahlreiche Mitglieder zählen soll. Wir hätten demnach nunmehr sechs farbentragende Verbindungen am Poly­technikum, außer den zahlreichen nicht farbentrogenben Cor- porationen und Vereinen. Z.