Nr. 278
Erstes Blatt. Dienstag den 27. November
1894
Der chießtner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
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Neueste Nachrichten.
Wolff« telegraohtsche« Korrespondenz-Bure«
Berlin, 25. November. DaS Kaiserpaar begab sich zum heutigen Todtensonntag nach Potsdam in die Friedenskirche und legte am Sarge Kaiser Friedrichs einen kostbaren Kranz nieder. . . . ,
Berlin, 25. November. Es verlautet, P r i n z F r i e d r t ch Leopold begebe sich Mittwoch nack Weimar, um den Kaiser bei der Beisetzung deS Erbgroßherzogs zu vertreten.
Rom, 25. November. In der vergangenen Nacht wurde in Reggio wiederum ein wellenförmiger Erdstoß verspürt. Wie ferner auS Messina gemeldet wird, wurden dort NachtS zwei schwache Erdstöße wahrgenommen, denen ein starker kurzer Centralstoß voranging. Der Bevölkerung bemächtigte sich neuerdings eine Panik.
London, 25. November. Eine Meldung des „Reuter schen Bureaus" aus Shanghai von heute bestätigt wiederholt die Einnahme von Porth Arthur. Die Japaner ver- loren dabei zwei biß dreihundert Todte und Verwundete. Die Verluste der Chinesen sind noch unbekannt. Einer weiteren Drahtmeldung zufolge werden die japanischen Truppen von Port Arthur wieder eingeschifft, man weiß aber nicht, nach welchem Bestimmungsort.
Petersburg, 25. November. Anläßlich der am Montag stattfindenden Hochzeit wird Montag oder Dienstag ein Manifest erscheinen- zahlreiche Gnadenacte, Erläfie von Steuerrückständen, Strafen rc. werden erwartet.
Petersburg, 25. November. Die Kaiserlich russische musikalische Gesellschaft eröffnete eine Subscriptton zu einem Grabdenkmal für Anton Rubinstein. Die Beerdigung Rubinsteins erfolgt auf Staatskosten.
Petersburg, 25. November. Anläßlich der morgen stattfindenden Vermählung des Kaisers werden die Truppen auf beiden Seiten des Newski-Prospects, auf einem Theile der großen Morskaja und auf dem Winterpalais-Platze vom Palais des Großfürsten Sergius Alexandrowitsch bis zum Winterpalais Spalier bilden. Da die kaiserliche Braut sich vom Palais ihres Schwagers, des Großfürsten Sergius Alexandrowitsch, in das Winterpalais begibt, werden sich vor ersterem Palais die an dem Brautzuge theilnehmenden Schwadronen des Leibgarde-Husaren-Regiments des Kaisers und des Leibgarde-UlaneN'Regiments aufstellen. Die Ehrenwache bei dem Palais des Großfürsten Sergius stellt daö Cadre-Bataillon des Leibgarde-Reserve-Jnfanterie-Regiments, dessen Chef der Kaiser bereits als Großfürst war. Auf dem linken Flügel der Ehrenwache, welche mit Fahnen und Musik ausrückt, nimmt das PagencorpS des Kaisers Aufstellung und ihm gegenüber das Alexander-Cadetten-Corps. Ferner bilden Spalier die verschiedenen Truppentheile und die Zöglinge der Militär-Lehranstalten. Die Mannschaften erscheinen in Paradeuniform mit grauen Mänteln ohne Trauerabzeichen. Morgen wird auch in allen evangelischen Kirchen Rußlands Festgottesdienft stattfinden.
Deutscher Reich.
Berlin, 24. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet: Einer Drahtnachricht der „Voss. Ztg." auS London zufolge hätte der auS Queenstown von Australien angekommene Postdampfer „Adriatic" die Nachricht von dem AuSbruch eines Aufstandes unter den Eingeborenen auf allen Inseln um Neuguinea überbracht. Allenthalben seien die Europäer ermordet und die Handelsstationen eingeäschert. An den zuständigen Stellen hier liegt, wie wir erfahren, eine Bestätigung dieser Nachricht nicht vor. In der mitgetheilten Form klingt sie auch nicht wahrscheinlich.
— DieDorlage, betr. dieBekämPsung derUm- sturzb estrebungen, wird offenbar der politisch bei Weitem belangreichste gesetzgeberische Stoff der herangenahten Reichstagssession werden. Denn es ist zweifellos, daß die verbündeten Regierungen bemüht sein werden, eine Mehrheit für diese wichtige Vorlage zu gewinnen, welche gewünschte Majorität aber bei der eigenartigen Zusammensetzung des gegenwärtigen Reichstages noch ein sehr unsicheres Ding ist. Sollte daö Parlament nun das „Umsturz-Gesetz" ablehnen, so wäre es leicht möglich, daß regierungsseitig mit einer Auflösung des Parlaments geantwortet würde, so daß sich noch vor dem Zusammentritte des Reichstages die Aussicht auf neue innere Krisen sehr ernster Natur eröffnet. Inzwischen ist die genannte Vorlage seitens der BundesratheS bereits den zuständigen Ausschüssen überwiesen worden und kann man mit Bestimmtheit auf die Erledigung der Vorlage im Bundesrathe bis zum Beginne der Reichstagssession rechnen, da eS sich nach neueren Berliner Meldungen in der That bestätigt, daß dem Reichstage einstweilen nur dieser Gegenstand zugehen soll. Der Etat und die Vorlage über die Tabaköfabrikatsteuer werden dem Reichstage erst zu einem späteren Termine zugehen. Der Abschnitt der Session vor den Weihnachtsserien würde also vollständig für die Generaldebatte über den die Bekämpfung der Umsturzbestrebungen betreffenden Entwurf zur Verfügung stehen und sind hierbei sicherlich ebenso heftige wie intereffante Wortkämpfe im Reichstage zu erwarten.
— Der Brude rzwi st im socialdemokratischen Lager, der auf dem Frankfurter Socialistentage so grell hervortrat, nimmt immer schärfere Formen an. Die Wortführer der norddeutschen und der süddeutschen Socialdemokratie befehden sich gegenseitig durch Kundgebungen in Versammlungen und in der Parteiprcffe mit steigender Erbitterung und Rücksichtslosigkeit, alle möglichen Vorwürfe wirft man einander an den Kopf. In einer der letzten Nummern des „Vorwärts" erklärt Bebel, offenbar im Zustande höchster Gereiztheit, er werde die von Vollmar herrührendcn Artikel nach der vollständigen Beendigung dieser Angriffe beantworten, mit Grillenberger laffe sich überhaupt nicht sachlich discutiren. Für solche Auslassungen, wie sie im „Volkswillen" veröffentlicht worden seien, habe er, Bebel, nur ein verachtungsvolles Schweigen. Nun sind die „Süddeutschen" wieder an der Reihe!
— In Württemberg werfen die im nächsten Jahre bevorstehenden Landtagswahlen bereits ihre Schatten voraus. Vor Kurzem ist schon die Volkspartei mit ihrem Wahlaufruf auf dem Plane erschienen und ist ihr jetzt die deutsche oder die nationalliberale Partei mit einer gleichen Kundgebung nachgefolgt. Da sich an den bevorstehenden Landtagswahlen einerseits die neugegründete württembergische Centrumspartei, andererseits die württembergischen Socialdemokraten kräftig betheiligen wollen, so kann man dem Ausfälle der württembergischen Wahlen auch im übrigen Deutschland mit Jntereffe entgegensehen.
Frankfurt a. M., 24. November. Wie die „Franks. Ztg." aus Petersburg meldet, werden die russischen Truppen an der Grenze von Korea erheblich v erst är k t. Zahlreiche Offiziere ans dem europäischen Rußland werden dorthin geschickt. Aus Petersburg allein sind bereits 72 abgereist, darunter zwölf Offiziere der Artillerie. Es verlautet, das dortige Heer werde auf fünf Divisionen gebracht.
Kiel, 24. November. Se. Majestät der Kaiser verlieh durch Allerhöchsten Erlaß vom 7. November dem Dichter Klaus Groth die große goldene Medaille.
Königsberg i. Pr., 24. November. Auf das Telegramm des Vereins der ostpreußischen Landwirthe an Se. Majestät den Kaiser ist folgende Antwort eingegangen: „Se. Majestät lassen für den Huldignngs grüß der zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des ostpreußischen landwtrthschaft- lichen Centralvereins versammelten Landwirthe bestens danken und dem Verein auch für die Zukunft einen gesegneten Erfolg seiner Thätigkeit wünschen. Auf Allerhöchsten Befehl. FucanuS."
Weimar, 24. November. Die Leiche des Erb- großherzogs trifft DienStag Abend 6 Ahr in Bebra ein und wird dort durch Vertreter der obersten Hof-, StaatS- und Militärbehörden empfangen. Die Leiche trifft Abends gegen 9 Uhr in Weimar ein, wo sie auf dem Bahnhofe durch den Großherzog und die Prinzen erwartet wird. Darauf erfolgt die feierliche Uebersührung nach der Hofkirche und die Einsegnung im Kreise der Mitglieder der fürstlichen Familie. Ueber Mittwoch bleibt die Leiche in der Hofkirche aufgebahrt- Donnerstag erfolgt die Betsetzung in der Fürstengruft.
des Großmüthigen: dem ordentlichen Professor an der Landesuniversilät Ur. Hermann Siebeck zu Gießen, dem ordentlichenProfeffor anderLandeSuniversitätvr.PaulJörS zu Gießen, dem Oberamtsrichter Michael Bauer zu Bad- Nauheim, dem Oberforstmeister des ForstamtS Grünberg Karl Thaler zu Gießen. — Das Ritterkreuz II. Klasse deS Verdienstordens PH ilipps deS Großmüthigen. dem Rentner, Beigeordneten Karl Jaeger zu Schlitz- dem Districtseinnehmer der Districtseinnehmeret Gießen II, Rendanten Heinrich Stroh, dem Hauptsteueramtsrendanten bet dem Hauptsteueramt Gießen Johannes Dern. DaS Silberne Kreuz de S Verdienstordens Philipps des Großmüthigen dem Taubstummenlehrer Karl Heiland zu Friedberg, dem Gemeinde- und Klrchenrechncr Christian Leidisch II. zu Grüningen, dem Dirigenten des Kurorchesters zu Bad-Nauheim, Musikdirector Karl Machte, dem Stationsvorsteher Karl Lenz zu Großen-Buseck, dem unberittenen Wachtmeister Johannes Lang und dem Fuß- gendarmen Heinrich Peter Bach im Gendarmerie - Distrikt Oberhessen. — Das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste : dem Gefangenwärter Johannes Jaeger zu Schlitz, dem Waldarbeiter in dem Laubacher Gemeindewald Peter Günther zu Laubach, dem Gemeindeforstwart Kaspar Balser zu Steinbach, Oberförsterei Schtffenberg, dem Salinenarbeiter bei der Saline Bad-Nauheim Christian Mörler II., dem Holzsetzer Johannes Weiß II. zu Strebendorf. — Da« Comturkreuz II. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Großmüthigen: dem Bade-Commiffar, Oberst z. D. Friedrich Arnold Hofmann zu Bad-Nauheim. — Das Allgemeine Ehrenzeiche n für treue Dienste: dem Forstwart der Forstwartei Rainrod, Förster Nicolaus Wolf, dem Zugführer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Friedrich Stork zu Gießen, dem Weichenwärter bei den Oberhessischen Eisenbahnen Ludwig Röder zu Grünberg, dem Bahnwärter bei den Oberhessischen Eisenbahnen Johannes Wagner. — Ferner wurde ertheilt: dem ordentlichen Proseffor an der Landesuniversität Dr. Albrecht Thaer zu Gießen der Character als Geheimer Hofrath, dcm Rechtsanwalt Dr. Georg Schwarz zu Gießen der Character als Juftizrath, dem Kaufmann und Mitglied der Kammer für Handelssachen Georg Wortmann zu Gteßen, dem Bankier und Mitglied der Kammer für Handelssachen Siegmund H eichelheim zu Gießen, dem Fabrikanten und Mitglied des Provinzialausschusses der Provinz Oberheffen Karl Trapp zu Friedberg der Character als Commerzienrath, dem ersten Beamten bei dem Salinen- und Bergamt Bad- Nauheim und Vorstand der Badedirection daselbst, Bergrath Otto Weiß, der Character als „Geheimer Bergrath", dem Districtseinnehmer bei der Districtseinnehmerei Schotten Philipp Reitzel der Character als „Rendant", dem Haupt- kassier bei den Oberhessischen Eisenbahnen Jacob Kreuder zu Gießen der Character als „Rechnungsrath", dem Forst- wart der Forstwartei Großen-LindenJohannesMengeS der Character als „Förster".
** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Grotz- herzog haben Allergnädigst zu verleihen geruht: das Comthurkreuz II. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen: dem Kaiserlichen Baurath Dr. Paul Wallo t in Dresden.
•• Oeffentliche Sitzung des KreiSansschuffes deS Kreises Gießen am 24. November 1894. 1. Gesuch des Ludwig Muhl zu Großen-Ltnden um Concession zum Betriebe einer Schank- wirthschaft. Das Gesuch deS p. Muhl ist sowohl vom KreiS- alS auch vom Provtnzial-AuSschuffe mehrmals abschlägig be schteden worden, zuletzt wurde deffen Ablehnung unterm 3. d. M. vom Kreisausschuffe beschlossen. In der heutigen Verhandlung führte Gesuchsteller als neues Moment zur Begründung des Bedürfnisses an, daß in der Bahnhofstraße vier weitere Wohngebäude erbaut worden seien und daß die Kopfzahl der Bewohner gedachter Straße nunmehr auf etwa 160 angewachsen sei. Der KreisauSschuß beharrte bei seiner Ablehnung und setzte dem p. Muhl die Kosten sowie einen Aversional« betrag von 3 Mark zur Last. — 2. DaS gleiche Gesuch des Heinrich Weimer II. zu Daubringen hatte der KreiSausschuß in seiner nichtöffentlichen Sitzung vom 3. d. M. abschlägig beschieden, worauf Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt wurde. Gesuchsteller begründete daS Bedürfniß damit, daß nur drei Wirtschaften vorhanden, diese an Sonntagen meist überläßt und im Laufe der letzten Jahre auch zwei Wirthschaften eingegangen seien. Dem Gr. Bürgermeister ist die behauptete Ueberfüllung nicht gerade bekannt, wenn derselbe auch zugab, daß dieS zuweilen auch einmal vorkommen könne. Die ConcessionSertheilung wird wiederum abgelehnt und werden dem Gesnchfteller die Kosten sowie 2 Mark Aversionalbetrag
Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" enigegen.
Drprschm deß Bure« »Herold^
Amsterdam, 25. November. Die Regierung erhielt heute folgendes Telegramm auS Lombok: Eine Colonne holländischer Truppen ist gestern nach Saffari abgegangen, um die Familienmitglieder des RadjahS gefangen zu nehmen. Dieselbe stieß auf balinesische Truppen und es entwickelte sich ein Gefecht, in deffen Verlauf mehrere balinesische Häuptlinge gerbtet wurden. Die Holländer haben 2 Todte und 13 Verwundete aufzuweisen. Der alte Radjah wurde mit drei Mitgliedern seiner Familie nach Batavia abgeschickt.
fteakc nttö Provinzielle,
Gießer», den 26. November 1894.
♦* Anläßlich des Geburtstages Er. König!. Hoheit des Großherzogs wurden an nachbenannte Personen die nachstehend bezeichneten Auszeichnungen verliehen: Das Ritter- kreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps


