Ausgabe 
27.5.1894 Erstes Blatt
 
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Nr 12t Erstes Blatt.

Sonntag den 27. Mai

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Der chiehener ^njeiger rrschkint täglich, mir Ausnahme dcS Montags.

Die Gießener mitten blätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

Kießener Anzeiger

Kemrat-Mnzeiger.

Bierteltähriger XMaafmeaUyrria r 2 Mart 20 Psg. mit vringerlohn. Durch die Poft bezoqew 2 Mark 50 Pfg.

»edacNon. Spedition und Druckerei:

KchutstraKe Ar.7.

Fcrnsprcchcr 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis <6iefzem

(Kralisöeitage: tLießener Samilienblätter

Annahme von Anzeigen zie der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

durch Revolvttschüsse, mehrere durch Steinwürse verwundet. In Cripplecreek (Colorado) verübten Bergarbeiter durch Pulverexplosion ein Attentat. Elf Bewohner deS betroffenen Hauses sollen gelobtet sein. In verschiedenen anderen Gegenden sanden Zusammenstöße zwischen Ausständigen und Polizei- ageuten statt - erstere waren vielfach mit Repettrgcwehren de» waffnet. Der Gouverneur von Illinois entsandte Truppen

Nr. 23 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben am 21. d. M.,

(Nr. 2175.) Gesetz, betreffend die Controls des Reichs­baushalts, des Landeshaushalts von Elsaß-Lothringen und des Haushalts der Schutzgebiete für die Etatsjahre 1892/93 und 1893/94. Vom 14. Mai 1894.

(Nr. 2176.) Gesetz, betreffend die Abzahlungsgeschäfte.

Vom 16. Mai 1894. . m

Nr. 24 des Reichsgesetzblatts, ausgegeben den 23 d. M., enthält2177.) Verordnung, betreffend die Aushebung des Verbots der Ausfuhr von Streu- und Futtermitteln. Vom 21. Mai 1894.

Gießen, den 26. Mai 1894.

Grobherzogliche» Kreiramt Gießen.

v. G a g e r n.__

Hamburg. 25. Mai. Der DampferLulu Noblen" ist heute Abend 7 Uhr mit dem Kanzler Leist an Bord von Cuxhaven hierher abgegangen.

Loudon, 25. Mai. Der Zustand Gladstone» ist fort­dauernd befriedigend. Der deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt ließ sich heute im Namen de» Kaiser» Wilhelm nach dem Be­finden Gladstones erkundigen.

Depeschen bet Bureau .Herold".

Berlin, 25. Mai. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Kaiserliche Verordnung, wonach auf auS Spanien

Rewyork, 25. Mai. Die ausständigen Berg­arbeiter in Lafalle (Illinois) griffen die Polizeiagemen, ! welche Bergwerke bewachten, an. Drei Polizeiagemen wurden

Lchl^chau^^S. Mai. Reichstags - Stichwahl. , Hilgendorff (eonservaliv) 8120, ProndzmSki (Pole)^60s5 «t. i Die Wahl Hilgendorffs ist sicher, da nur noch auS 4 Wahl bezirken die Ziffern fehlen.

im Colleg Rollin gemacht.

Lüttich, 25. Mai. Die Photographien der Anar­chisten Sternberg und Müller wurden an alle Polizeibehörden Europas geschickt. Man will feststellen, ob die Behörden diese beiden Anarchisten nicht etwa unter anderen Namen kennen. m .

Belgrad, 25. Mai. Der Erzpriester Giuric wurde als Gefangener in die Festung eingeliefert. Das Gerücht, daß demnächst über Belgrad der Belagerungszustand verhängt werde, gewinnt an Wahrscheinlichkeit.

Barcelona, 25. Mai. Seit der kürzlich ftattgefundenen Hinrichtung von vier Anarchisten sind wieder mehrere Der- hastungen vorgenommen worden. Vier der Verhafteten mußten jedoch wieder freigelaffen werden.

Rewyork, 25. Mai. In Pennsy lvanien wurde der Betrieb auf den Eisenbahnlinien, auf denen er wegen der Ueberschwemmungen eingestellt worden war, wieder auf* genommen.

Neueste Nachrichten.

WotstS telegraphische» Korrespondenz- Bureau.

Berlin, 25. Mai. Wie diePost" zuverlässig hort, ist die Nachricht unbegründet, daß Deutschland den Vorschlag einer neuen Samoaconferenz gemacht und England ihn

Alic Annonccn-Burraux dc- In- und Auslandes nehmen «»»eigen für den .Gießener Anzeiger" entgegen.

Gesunden: 1 Ring mit Stein, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Tabakpfeife, 1 Paar Glacehandschuhe, * Herren hüt, 1 Paar Damenhandschuhe, 1 Pferdeteppich, 2 Peitschen.

4uaefloqen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 26. Mai 1894.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Deutsche» Reich

Berlin, 25. Mai. Die für weitere Rteife wichtige Hraae der Zulassung der Abiturienten derReal- gnmnafien zum Studium bet Medici,, Hut Den Bundesrath in seiner Plenarsitzung °°m 24. Ma, u. A. mit beschäftigt. Es lag der Versammlung eine diese Zulassung beftirwunende Eingabe °°r, der Bunde-ru.h ha. dieselbe jedoch abschlägig beschieden und demnach seine Abneigung gegen das in Rede stehende höchst zeitgemäße Zugestandniv an die Abiturienten der Realgymnasien klar bekundet. Anerkannte Autoritäten in dieser Frage haben sich mdesten längst entschieden dahin ausgesprochen, daß die bedingungs- lose Zulassung der Abiturienten der genannten höheren Lehr- anftalien zum medicinischen Studium durchaus gerechtfertigt sei eS kann daher das ablehnende Verhalten de» BundeS- rmhes in dieser Angelegenheit nur lebhaft bedauert werden. Hoffentlich wird es aber eine» Tages doch noch gelingen, dem Realgymnasium auf dem Gebiete des mrdicinlichen Studiums die Gleichberechtigung mit der alleren Schwester, dem humanen Gymnasium, zu erringen mögen sich' zur^Zett auch noch zopfige und verknöcherte Anschauungen einer solchen Reform entgegenstemmen. __

Amtlicher Theil.

Gießen, den 24. Mai 1894.

Betr.: Die Krankenversicherung im Großherzogthum Hessen von Ober-Rechnungsrath Dr. W. Zeller zu Darmstadt.

Das Grotzherzoqliche Kreisamt Gietzeu an die Großh. Bürgermeistereien und die Vor­stände der Krankenkassen deS Kreises.

3m Verlag der I. Diemer'schen Buchhandlung zu Mainz tft erschienenDie Krankenversicherurg im Großherzogchum Hessen" von Dr. W. Zeller, Großh. Ober-Rechnungsrath.

Tas Buch enthält eine Einleitung in die Grundsätze de» Krankenversicherungsgesetzes vom 10. April 1892, sowie eine Zusammenstellung der im Großherzogthum ergangenen AussührungSvorschristen rc. und erscheint als ein geeigntteS Hülfsmittel für Alle, welche mit der Handhabung des Ge fetzes befaßt sind, insbesondere die Staats- und Gemeinde­behörden, Kassenvorstände, Kassenrechner rc.

Wir machen die mit der Ausführung des Krankenver­sicherungsgesetzes befaßten Organe auf das Erscheinen des Merkchens aufmerksam. Bestellungen können bei dem KreiS- amisgehülfen Hach eingereicht werden.

v. Gagern.________________

Aus den Verhandlungen der (Ersten

Kammer der hessischen Stände.

kommende Staaten ein 5procentiger Zollzuschlag zu er- I nn. Darmstadt, 25. Mai 1894.

heben ist. Die Verordnung tritt sofort in Kraft. Die Sitzung wird um 10 Uhr eröffnet. Vor Eintritt

Berlin, 25. Mai. Die Commission des Herrenhauses w die Tagesordnung theilt Für st I s e nb ur g zu B ü di n g e a

zur Vorberathung des Gesetzes über die Landwirth schastS- hohen Hause mit, daß dem Freiherrn Moritz kammern hat heute die Vorlage unverändert mit zwölf ß Niedefel nach Art. 49 der Verfassung von Sr. Konigl.

gegen eine Stimme angenommen. c^cit dem Grobherzog daö Recht zuertheilt worden sei,

Berlin, 25. Mai. Der bei der Explosion auf dem @. unb Stimme in diesem hohen Hause einzunehmen. Die

Uebungsplatze der Lustschiffer-Abtheilung verursachte Schaden Rammer tft damit einverstanden und findet zunächst die

beläuft sich auf ca. 100,000 Mk. ES sind 75 WasserstoffgaS' I g3ercjbißunß des Freiherrn v. Riedefel zu Eisenach statt, behälter explodirt. Nach Bekanntgabe einer Anzahl neuer Einläufe erfolgt

Berlin, 25. Mai. Die Hauptverhandlung indem Prozeß nunmd)r mündliche Berichterstattung und Berathung folgender Miquel gegen Ahlwardt wegen öffentlicher Beleidigung | yorlaßCn findet am 9. Juni statt. I 1. Vorlage Großh. Regierung, die Ernennung eines

Berlin, 25. Mai. Der anarchistische Schriftsteller außerordentlichen ProsessorS sür Chirurgie an

Spohr wurde verhaftet. Die Gründe sind noch unbe- bcr Universität zu Gießen betreffend. Dieselbe wird

kannt. In Anarchistenversammlungen hat Spohr österS Vor- genet)mißt;

träge gehalten. I 2. Vorlage der Regierung, die Kosten der inneren

Berlin, 25. Mai. Es verlautet, der Justizminister Einrichtung deS physikalischen und electrot e d» von Schelling bade anläßlich deS bekannten PreßprozesseS l mischen Instituts des Neubaues der technischen eine Verfügung erlassen, nach welcher sämmtliche preußische Hochschule zu Darmstadt. Die Forderung wird ge< Gerichtspräsidenten darauf zu achten haben, daß sich bei ßenc$mißt.

Leitung der Verhandlungen die GerichtSvo.sitzcnden streng 3 Die Vorlage der Regierung, den Gesetz-Entwurf, dic innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen halten und alle sub- Wittwen^ und Waisenkasse der VolkSschul- jectiven Ansichten vermeiden. lehr er betreffend. Der Gesetz-Entwurf wird einstimmig ge-

Budapest, 25. Mai. Nach neueren Meldungen begibt ^hmigt.

sich Ministerpräsident Wekerle erst heute nach Wien. Die Ebenso 4, betreffend die Vorlage der Regierung wegen Situation ist noch unverändert. Bestellung von zwei Beamten als Vollzugsbeamte bei

Paris, 25. Mai. Nachdem heute srüh Peytral, inS bereinig ungen.

Elysöe berufen, endgiltig seinen Entschluß kundgegeben hatte, ^e Vorlage der Regierung, Verwilligung von Mittel» die CabinetSbildung nicht zu übernehmen, conferirte heute ^Ankauf eines JmpfinstitutS betreffend, wird eben» Carnot wiederholt mit Bourgeois, der namentlich auch genehmigt.

von Peytral bestürmt wurde, das neue Ministerium zu bilden. Die Vorlage der Regierung, Errichtung einer Wein - Kommt dasselbe zu Stande, so wird es im Allgemeinen eine unb Obstbauschule in Oppenheim betreffend, wird rabicale Färbung zeigen, von den Gemäßigten würden ihm ^xafallS gutgeheißen.

Caoaignac und Princare angehören. Nachmittag- wurde auch Ebenso die Vorlage der Regierung wegen Anstellung Brisson zu Carnot berufen. ..... I von weiteren zehn Hilfsgerichtsschreibern.

Paris, 25. Mai.Figaro" veröffentlicht in einem längeren Auch die Vorlage der Regierung bezüglich deS Ab- Artikel Aeußerungen russischer Offiziere bezüglich der Ab- f^mmeuS mit der preußischen Regierung wegen Führung rüstungSfrage. Darnach sei die Ansicht irrig, daß Ruß- bcr Nebenbah n Homburg v. d. H.Usingen über land sechs Wochen zur Mobilisirung brauche. Mehrere hundert- . Gebiet, sowie die Anstellung deS seitherigen Kanzlei- tausend Mann würden sosort in Deutschland einfallen können- Wieners bei der Zweiten Kammer, Fr. Köhler, und die man werde aber nicht thun. Wenn Deutschland Rußland Abtretung von zum LandeSeigenthum gehörigem Gelände an angreise, so werde man die deutschen Heere in Rußland em- b(c Sradt Bingen wird ohne Debatte genehmigt.

fallen und sich erschöpfen lassen. Eine ähnliche Taktik müsse Die Vorlagen der Regierung wegen Abtretung einer auch Frankreich befolgen. zum LandeSeigenthum gehörigen Parzelle der Gemarkung

Paris, 25. Mai. Bei dem verhafteten Anarchisten Ober-Ramstadt, sowie der Gesetz-Entwurf, betreffend die Gauche, einem angeblichen Teilnehmer an den Lütticher Herstellung einer Nebenbahn von Darmstadt über Attentaten, hat man ein Testament gefunden, worin er dem grf und G u ndernh au sen nach Gro ß-Zimrn ern,

Anarchisten Grave für anarchistische Propaganda 300,000 FrcS. bjeEanalisation des CurhauseS zu Bad-Nauheim, verschreibt. In der Bank von Frankreich hat Gauche ^wie Erwerbung von Gelände zum Zweck der Cur park- 600,000 Francs auS dem Nachlaß seines Vaters depomrt. erweiterung zu Bad-Nauheim werden ebenfalls ge- Gauche ist erst 22 Jahre alt- er hat ausgezeichnete Studien ^ehmigt.

Ebenso werden die Mittheilungen der Zweiten Kammer, den Antrag Haas und Genossen, den landwirthschast- lichen Noth stand betreffend, sowie die Errichtung einer Obstbauschule zu Friedberg und die Tagegelder der Abgeordneten der Zweiten Kammer betreffend, genehmigt. t <

Bei diesen sämmtlichen Vorlagen warGraszuSolmS- Laubach Berichterstatter.

Es erfolgt nunmehr die Berathung des Finanz. Ge­setzes für 1894/97.

Hierzu bemerkt Graf Solms-Laubach als Bericht­erstatter des Finanzausschusses: Der Finanzausschuß diese- hohen Hauses habe den Beschluß gefaßt, die nothigen Mittel zur Deckung eines etwaigen DeficitS im Finanzbudgtt ohne eine Steuer - Erhöhung herbeizuschaffen. Die Majorität bei hohen Hauses glaubte dieses durch Wiedereinstellung der Wein­steuer ins Budget herbeiführen zu können. Die Minorität dieses hohen Hauses wollte die Deckung der Mehrkosten an Staats Einnahmen auß den vorhandenen UeberschÜssen be­stritten wissen. Dieser Vorschlag wurde von der Großh. Regierung auf daß lebhafteste bekämpft. Nach Lage der.