Ausgabe 
26.7.1894 Erstes Blatt
 
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gingen in die Höhe- von Kälbern gar nicht zu reden. Die leeren umliegenden Bäder sind nicht daran schuld, sondern der Landwtrth will seinen Viehstand, der durch die vorjährige Mißernte decimirt war, wieder ersetzen."

* * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Erdarbeiter Karl Dotzauer aus Neideck in Böhmen vom Polizeiamt Gießen wegen Diebstahls- Kammmacher August Emig aus Ober-Ramstadt vom Amtsgericht Darmstadt I wegen Strafvollzugs - Bahnarbeiter Peter Falk aus Seifers­bach von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Gottes- dtenftstörung- Dtenstknecht Adam Herold auS Schwarzenfels bei Gelnhausen vom Polizeiamt Gießen wegen Diebstahls- Dienstknecht Jacob Herd aus Lorsch vom Amts­gericht Offenbach wegen Unterschlagung- Taglöhner Martin Nikolaus Klein aus Hechtsheim von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen Verübung unzüchtiger Handlungen- Fuhr- knecht Wilhelm Rehm aus Nieder-Florstadt, zuletzt in Bad Nauheim, von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Dieb­stahls und Unterschlagung- Bäckerbursche Jakob Sohns aus Geisenheim, zuletzt in Kelsterbach, von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Diebstahls und Betrugs - Maurer Adam Pracht aus Nieder-Beerbach vom Amtsanwalt Osthofen wegen Betrugs.

* * In der jetzigen Zeit der kalten Bader dürften die folgenden Baderegeln wohl am Platze sein. 1) Mit 15 bis 16 Grad Reaumur fange an zu baden. 2) Gehe langsam zur Bade-Anstalt. 3) Unterlasse das Baden nach reichlicher Mahlzeit, bade aber auch nicht völlig nüchtern. 4) Fünf Minuten angekleidet warten. 5) Rasch auskleiden und ins Wasser springen. 6) Bei erhitztem Körper und raschem Pulsschlag muß man sich vor dem Bade 10 bis 15 Minuten ruhig verhalten, bis das Baden ohne Nachtheil geschehen kann. 7) Bade nur 10 bis 15 Minuten - für schwächliche, nervöse Personen genügen 5 Minuten. 8) Beim Baden be­wege man sich tüchtig, reibe die Brust und kühle fleißig den Kopf, um Kopfschmerz vorzubeugen. 9) Nach dem Baden trockne man zunächst die Füße, Arme und Beine, dann erst Leib, Brust und Kopf. 10) Nach dem Bade mache man sich Bewegung, bis der Körper sich erwärmt. 11) Bade bis 12 Grad Reaumur Wasserwärme herab ganz unbesorgt im offenen Bade. 12) Kinder unter 6 Jahren bade man im Freien an sonnigen Stellen mit Waffer, das den Sonnen­strahlen einige Stunden ausgesetzt war. W $$$

* * Bei der diesjährigen Herbstentlasiuug der Reservisten werden auch die letzten derjenigen Mannschaften nach der Heimath entlasten, welche noch im dritten Jahre ihrer Dienst­pflicht genügt haben. Im Durchschnitt befinden sich bei jeder Compagnie etwa 12 bis 15 solcher Leute, denen aber das dritte Dienftjahr dafür Gewähr bietet, in zwei Jahren zu keiner Reserveübung eingezogen zu werden. Zugleich mit ihnen zur Entlassung kommen die ersten nach zweijähriger Dienstzeit ausgebildeten Mannschaften, womit der regelmäßige Turnus in der neuen militärischen Ausbildung beginnt.

* * Lebensmittel-Preise Ende Mai 1894. Nach einer Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- statistik kosteten:

Ochsenfleisch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

Eier

1 Stück

Städte mit Octroi Darmstadt

72

66

70

70

66

13,5

11,5

119-124

18

5-7

Mainz

72

60

75

70

60

12,5

11,5

92-113

18

5-6

Offenbach

70

56

70

70

60

13

12,5

112-122

21

5-7

Worms

72

70

72

68

64

10

10

103-117

17

5-7

Gießen

73

66

66

69

60

13

10

97-108

18

5-6

Städte ohne Octroi

Bingen

75

; 65

60

70

60

11,5

11

110-124

19

5-7

Bensheim

70

1 64

70

64

63

11,5

10

98114

17

5-6

Alzen Friedberg

66

64

64

64

60

15

10

98-108

17

6-7

70

65

70

60

65

12

10,5

90-100

18

6

Alsfeld

65

60

65

59

11

10

90-100

16

4-5

Lauterbach

63

| 63

60

60

56

12

9

120

16

5

0. Obbornhofen, 23. Juli. Bor einiger Zeit brachte derGießener Anzeiger" die Nachricht: Die Arbeiten auf der Nebenbahnlinie Hun g enFri ed erg seien soweit vorgeschritten, daß mit der Geländeerwerbung in aller Nähe begonnen werden könne. Wir sind in der Lage, dies zu be­stätigen und die sehr erfreuliche Thatsache htnzuzufügen, daß nun auch schon die Bahnhofsfrage für uns und unsere Nachbargemeinde Bellersheim entschieden ist. Dieser Tage waren nämlich die Herren Kreisräthe von Gießen, Friedberg und Büdingen in Berstadt beisammen und haben die Sache erledigt. Es giebt nicht zwei Bahnhöfe, sonder nur einen und er kommt mitten zwischen beide Dörfer zu liegen. Hierdurch wird bedeutend an Geld gespart und die Entfernung der beiden Dörfer nach dem Bahnhofe ist doch nur eine ge­ringe. Der Bahnbau beginnt also sicher im Herbste. Anders ist die Sache mit NiddaWidd ers h etmSalz­hausenEchzell. Dort hat man noch ein Project aufs Tapet gebracht, die Leute streiten sich noch und die Folge davon ist, daß der Bau wirklich vorerst unterbleibt.

A Groß Eichen, 24. Juli. Die Frau eines hiesigen Waldarbeiters fuhr gestern mit einem mit Kühen bespannten Wagen dem nahen Burgwalde zu, um Gras zu holen. Auf der Straße scheuten die Kühe vor einem Kinderwägelchen und gingen durch. Die Frau hatte die Leine fest um die Hand geschlungen, als plötzlich das eine Rad die Leine fing und nun dieselbe um die Nabe mit aller Kraft wickelte. Auf entsetzliche Weise wurde hierdurch die Hand verstümmelt. Der Zeigefinger wurde buchstäblich herausgezogen und fiel zu Boden- die übrigen Finger drückten sich breit und die Handfläche wurde zerquetscht. Die Flechsen waren handlang aus der Hand herausgezogen. Trotz der entsetzlichen Ver­wundung hatte die Frau noch so viel Geistesgegenwart, den

abgedrehten Finger aufzuheben und das Gefährt dem Walde zuzuführen. Hier aber brach sie ohnmächtig zusammen.

§ Aus dem Ohmthal, 24. Juli. Die Kornernte hat seit gestern im ganzen Thale begonnen. Bereits reihen sich die Kornhaufen im Felde. Nach ihrer Anzahl zu ur- theilen, muß der Ausfall der Kornernte quantitativ ein guter werden. Das schöne Wetter begünstigt die Reife des Korns, die wahrhaft afrikanische Hitze aber erschwert die Erntearbeit. Das Thermometer zeigte heute schon Morgens acht Uhr 20 Grad R. im Schatten. Das vorgestrige Gewitter- wetter war von ungemein starken Regengüssen begleitet, die so gründlich durchweichten, daß nunmehr bis zur Be­endigung der Ernte keine Niederschläge mehr von Nöthen sind. Das Wasser der Ohm ist sehr gestiegen und sehr trüb, ein Beweis von der Stärke der Regengüste. BP

Grüuberg, 23. Juli. Gestern feierte derOhm-Lumda­thal-Sängerbund" in Weitershain sein viertes Bundes­fest, das leider ähnlich wie seine Vorgänger durch sintfluth- artige Regengüsse große Störung erlitt. Erschienen waren außer den 13 Bundesvereinen noch einige nicht zum Bund gehörige Nachbarveretne, die alle in ihren Einzelvorträgen und dem Gesammtchor ein eifriges Vorwärtsstreben erkennen lassen.

Alsfeld, im Juli. Herr Decan Karl Müller erhielt auf ein zum Geburtstage des Fürsten Bismarck letzthin eingesandtes Begrüßungsgedicht folgende Antwort:Für Ihren poetischen Glückwunsch sage ich mit Freuden über die gelungene Fassung desselben meinen verbindlichsten Dank, v. Bismarck." Weiter meldet dieDarmst. Ztg", daß der Fürst die Widmung zur zweiten Auflage des Werkes Thiere der Heimath" von Adolf und Karl Müller bereitwillig angenommen hat.

Mainz, 24. Juli. Der Husar, der vor einigen Wochen in dem benachbarten Hochheim durch Unvorsichtigkeit den Husaren Louis Falk derart verletzte, daß Falk an der er­haltenen Verletzung verstorben ist, wurde von dem Milttär- grricht zu einer längeren Festungsstrafe verurtheilt. Die Publikation des UrtheilS erfolgt erst nach dessen Bestätigung durch den Kaiser.

* Berlin, 22. Juli. Ein Mordversuch ist am SamS- tag Abend auf eine junge Dame, die in dem Fiebach'schen Geschäft an der Ecke der Schwedterstraße als Kasfirerin an- geftellt ist, verübt worden. Wie dasKl. Journ." berichtet, hatte der Thäter, der früher in dem Geschäft als Handlungs­gehilfe angestellti war, schon lange das junge Mädchen mit seinen Liebesanträgen verfolgt, fand aber bei der Kassirerin keine Gegenliebe. Aus Aerger darüber machte er der Dame schon oft große Schwierigkeiten in der Geschäftsführung und verfolgte sie nach wie vor in wahrhaft aufdringlicher Weise. Das Fräulein klagte schließlich der Frau Fiebach ihre Noth und diese theilte dies ihrem Manne mit, der dem jungen Manne zum 1. Juli seine Stellung kündigte. An diesem Tage verließ derselbe auch das Geschäft und die junge Dame hatte seitdem vor ihrem Verfolger Ruhe. Der Handlungs­gehilfe hatte indessen den Plan zum Morde gefaßt und ver- schiedene Male dem Mädchen aufgelauert, das jetzt das Ge­schäft stets nur in Begleitung verließ. Dem Verfolger fehlte nunmehr jede Gelegenheit, mit dem Mädchen wieder zusammen- zutreffen. Er kaufte sich eine Perrücke und einen falschen Bart, machte sich vollkommen unkenntlich und kam am Sams­tag Abend nach 8 Uhr in den Laden von Fiebach, wo er zehn Briefmarken verlangte. Erft als ihm die Kassirerin dieselben reichte, erkannte sie zu ihrem Entsetzen ihren Ver­folger. Dieser feuerte drei Schüsse auf die Erschreckte ab, von denen zwei oberhalb der Leber in den Körper drangen. Der Thäter entfloh, stellte sich aber noch in der Nacht der Behörde.

* Trier, 20. Juli. Die nächste Schwurgerichtstagung wird sich wiederum mit einer Dorsliebestragödie zu beschäftigen haben. In der hiesigen Strafanstalt befinden sich zur Zett in Untersuchung der Stellmacher Meurer aus Deuzen bei Kirchberg und die Wittwe des Ackerers Schneider aus Stips­hausen. Die beiden standen in Beziehungen und trachteten schon seit Monaten, den Mann der Schneider aus dem Wege zu schaffen. Ende des vergangenen Monats gelang ihnen die verbrecherische That. Das Weib sandte ihrem ahnungs­losen, im Walde arbeitenden Manne vergiftete Speisen, nach deren Genuß der Mann in wenigen Stunden starb. Die Frau hat schon ein umfaffendes Geständniß abgelegt, Meurer leugnet jedoch noch hartnäckig seine Theilnahme an dem Ver­brechen, obwohl schon vachgewtesen ist, daß er das Gift in Caub gekauft hat. Außerdem wurde ein Zettel aufgefangen, den er im Untersuchungsgefängniß zu Rhaunen seiner Ge­liebten zu schicken versuchte und auf dem die Worte standen: Immer nein sagen, nur immer nein sagen."

* München, 24. Juli. Am Sonntag ist der bekannte Bergsteiger Jakob Emanuel vom Aggenftein 140 Meter tief ab gestürzt und sofort tobt geblieben. Die Leiche wurde nach Schönbühl gebracht.

Rom, 22. Juli. Als eine Gesellschaft von drei Herren und zwei Damen nämlich ein wohlhabender Einwohner von Albano, Giorni, mit seinen beiden Töchtern, ein städtischer Beamter, Angeloni, und ein Angestellter des Kriegsministertums, Cipelleti, gestern Morgen von Albano nach Genzano fuhren, wurden sie in einem Gebüsch von sechs bewaffneten und mas- kirten Räubern an gefall en und gezwungen, all ihr Geld und ihre Schmucksachen auszultefern. Das geschah auch, da die Gesellschaft unbewaffnet war. Die Räuber erbeuteten ungefähr 180 Francs. Da vor einem Monat auf dem Wege von Marino nach Frascati ein ähnlicher frecher Raub statt- gefunden hat, so herrscht in der ganzen Gegend große Auf- regung.

* Loudon, 24. Juli. Herr Pinker, der gestern früh Cap Grisnez verließ, um auf dem Wasserdreirad über den

Canal zu setzen, wird als verloren betrachtet. Weder be­sonders ausgesandte Boote noch die heutigen Canaldampfer haben ihn zu Gesicht bekommen.

* Barcelona, 22. Juli. Ein tragisches Eretgniß hat hier stattgefunden. In einem Schlafzimmer einer herr­schaftlichen Wohnung brach Feuer aus. Es gelang, daffelbe sofort zu löschen, allein man entdeckte dennoch in einem Bette zwei halbverkohlte Leichen. Es waren die Ueberreste der jungen Hausfrau und ihres Zimmermädchens. Ein von der Dame selbst geschriebener Brief gab Aufschluß über das Geschehene: sie habe in Erfahrung gebracht, daß ihr Mann mit dem Zimmermädchen ein Verhältniß habe und deßhalb habe sie beschlossen, das Mädchen zu sich ins Bett zu rufen, das Bett mit einigen Litern Weingeist zu überschütten und sich sammt dem Mädchen zu verbrennen. Die Dame hat ihren Plan ausgeführt.

* Die Erziehung der Hand.Die Hand und nicht der Kopf muß Beginn und Grundlage der Erziehung sein." Das ist das neue Dogma einer Zukunftspädagogik, die in Amerika im Entstehen begriffen ist. Der umwälzende Factor in dem Unterrichtssystem ist nach diesen Kundgebungen die Schreibmaschine.Die Kunst des Schönschreibens und jede andere Handfertigkeit schließen einander aus. Nun aber ist die Nothwendigkeit der Schönschreibekunst bedeutend geringer geworden, seit Thpewriten und Stenographiren in Gebrauch gekommen sind. Diese zwei neuen Methoden, die Gedanken zu fixiren, werden in verhältnißmäßig kurzer Zeit mit der gegenwärtigen Schreibmethode aufräumen, die nur noch aus­nahmsweise für bestimmte Zwecke angeordnet werden wird. Jedermann wird dann den Gebrauch der Schreibmaschine erlernt haben- mit der Hand zu schreiben wird man nur noch insoweit lernen, um mit seiner Namensunterschrift Documente zeichnen zu können."Der Aberglaube, daß ein wohlerzogener Mensch eine schöne Handschrift haben müsse, hat Millionen Menschen der Möglichkeit beraubt, einen glänzenden Verstand und einen starken Willen zu entwickeln." Die Natur selbst hat uns in dem Tastsinn das Hauptmittel gegeben, Lebewesen zu erziehen." Während also die alte Schule ihren Unterricht mit dem Lesen begann, um darauf zum Schreiben und dann erst zum Zeichnen zu gelangen, wird, die Zukunftsschule in genau umgekehrter Stufenfolge mit dem Zeichnen beginnen, dann zum Schreiben übergehen und ganz zum Schluß erst im Lesen unterrichten.Die alte Schule erzog die Menschen durch Worte und Symbole zu Leuten, welche viel reden können und wenig thun- die neue Schule aber wird die Menschen durch eine gründliche Ausbildung der Handfertigkeit zu selbständigem Wollen erziehen und zu der Geschicklichkeit, seinen Willen in die That umzusetzen."

* Die durchschnittliche mechanische Tagesleistung eines Arbeiters. Behufs Ableitung eines für wissenschaftliche Unter­suchungen brauchbaren Durchschnittswerthes hat Franz v. Rziha in Wien Studien über die mittlere Leistung eine« Arbeiters angestellt, die zu sehr interessanten Ergebnissen führten. Alle menschliche Arbeit kann nur auf Kosten der Körperwärme des Arbeitenden ausgeführt werden. Diese Körperwärme wird verbraucht zunächst zur Erhaltung deS Körperzustandes selbst durch ununterbrochene, mechanische Jnnenarbeit, welche vom Willen unabhängig ist, dann zur Ausführung freigewollter äußerer mechanischer Arbeit ein­schließlich der Denkarbeit. Soll der Beharrungszustand des Körpers aufrecht erhalten bleiben, so kann neben schwerer mechanischer Außenarbeit nur wenig willensfreie Denkarbeit geleistet werden, und umgekehrt. Der Handarbeiter ist also im Jrrthum, welcher dem Kopfarbeiter körperliche An­strengung abspricht. Alle gewollte Arbeit findet ihre normale obere Grenze in der vom Verdauungsvermögen geregelten täglichen Nahrungszufuhr und dem physiologischen Nährgehalt der letzteren- wird sie darüber hinaus vergrößert, so kann der normale Körperzustand nicht erhalten bleiben. Der Zu­stand der Ermüdung am Ende einer Arbeitsschicht tritt da­durch ein, daß der ganze physiologische Wärme - Antheil, welcher von der Natur nach dem Gesetze des 24 stündigen Stoffwechsels zum Verbrauch für die tägliche mechanische Außenarbeit bestimmt ist, thatsächlich verbraucht worden ist. In diesem Stadium bedarf der menschliche Körper stunden­langer Ruhe und des Schlafes behufs Ansammlung von neuem Arbeitsvermögen. Der Wiener Forscher hat nun daS mechanische Aequivalent der täglichen Ermüdung aus einer großen Anzahl von Messungen der wirklichen Tagesleistungen eines Arbeiters bestimmt. Die Tagesleistungen sind je nach der Arbeitsart etwas verschieden. Sie betrugen beim Ziehen 110 000 Meter-Kilogramm, d. h. sie sind gleichwerthig der Arbeit, welche aufgewandt werden muß, um 110000 kg Im hoch zu heben. Beim Emportragen von Lasten beziffert sich daS tägliche mechanische Aequivalent auf 122168 Meter ffKilo- gramm, beim Steigen einer Treppe auf 140000 und beim Arbeiten am Hebel auf 146 954. Im Durchschnitt ergiebt sich aus dreißig Beobachtungen als Tagesleistung eines Arbeiters 127 415 Meter Kilogramm. Für ganz kurze Zeit und unter besonderen Verhältniffen, z. B. in Momenten von Lebensgefahr, kann die Leistung erheblich höher werden und auf 100 Meter-Kilogramm die Secunde steigen, weil aus dem großen Vorrath vorübergehend mehr verausgabt werden kann, als dem normalen Ersatzvermögen entspricht. Doch sind dies eben Ausnahmen, welche die normale Gesammtleistung nicht wesentlich beeinflussen können. Die secundliche Leistung ist je nach der Thätigkeitszeit verschieden- für eine fünf- bis achtstündige wirkliche Thätigkeit während einer zwölfstündigen Lohnschicht beträgt sie 7,0 bis 4,4 Meter- Kilogramm die Secunde, für eine 38/* * bis 6stündige wirkliche Arbeitszeit der 8ftündigen Lohnschicht beträgt sie 9,4 bis 6,0 Meter-Kilogramm. Ohne Kenntniß der Schichtdauer kann man annehmen, daß die für die Secunde geleistete Menschenstärke gleich Vi2 Pferdestärke zu setzen ist.

Za einer Badewanne ertrunken ist in Berlin der 22 Jahre alte Reisende Luitpold Auerbach. Als er sich