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26.4.1894 Erstes Blatt
 
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Comite ist bereite in 1 sowohl sur den Jubilar s en.

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Aufwendungen verhältnißmäßig geringe sein. In Luzern und Lugano werden die Schweizer, in Storno, Mailand und Venedig die italienischen Turner thrilS sich anid)ließen, theilS ihre Sympathieen für die deutschen Turner durch Ovationen auß- drücken. Auf den hiesigen und umliegenden Viehmärkten wird gegenwärtig von Händlern aus dem Elsaß der größte Theil des Großviehs aufgekauft und nach Elsaß und Lothringen tranSportirt, wo tn Folge des vorjährigen Futter» mangels und des dadurch verringerten BiehstandeS starke Nachfrage herrscht. Selbstredend ziehen hierdurch die Preise auf den hiesigen Biehmärkten sehr an.

A Rhein, 24. April. Die feierliche Enthüllung deS BlücherdenkmalS bei Caup Ist nunmehr auf den 18. Juni festgesetzt. Ob der Kaiser zu der Snthüllungöfeier kommen wird, ist noch unbestimmt.

Vermischte».

Ms. Kassel, 23. April. Die erste Versammlung der Deutschen Electro-chemischen Gesellschaft sand gestern und heute im hiesigenHotel Prinz Friedrich Wilhelm" statt. Zahlreiche Theilnehmer aus allen Theilen Deutschlands hatten sich dazp eingesuuden und erklärten ihren Beitritt, darunter eine große Anzahl bekannter Forscher und hervor­ragender Industrieller. Als Hauptbeweggrund für Constituirung dieser neuen Bereinigung wurde angeführt, daß die Anwendung der Eleetricität für chemische Zwecke sich in den jüngsten Zeiten tn unerwarteter Weise entwickelt hat und berufen erscheint, die gewerbliche Chemie aus diesem Gebiete umzu­gestalten. Für Deutschlaitd, dessen chemische Industrie an der Spitze steht, ist diese Thatlache besonders wichtig, da eS bestrebt sein muß, aus diesem Gebiete in Zukunft die Führung zu behalten und somit soll die Electro-chemische Gesellschaft neben ihrem Sonderzweck auch einen nationalen erfüllen. Nachdem die Gründung der Vereinigung vollzogen worden, schritt man zur Wahl deS Vorstandes. Gewählt wurden: Herr Professor Dr. Ostwald- Leipzig zum Vorsitzenden, Herr Director B ö t t i n g e r» Elberfeld, Mitglied des Abgeordnetenhauses, zum stellvertretenden Vorsitzenden; ferner zum Schatzmeister Herr Dr. Marquart - Bettenhausen, zu 'Schriftführern die Herren B. Wilke-Hannover, und Dr. Goldschmidt» Essen a. d. Ruhr, zu Beisitzern die Herren Geh. RegicrungS-Rath K r a u t > Hannover, Professor Dr. C lasse n - Aachen, Professor Dr. Voge l-Berlin und Professor Dr. Rathen a u - Berlin. Schließlich wurde als Ort der nächsten Versammlung Berlin gewählt- dieselbe wird bereits am 6. October d. I. daselbst abgehalteu werden. e Nach Schluß der ernsten Berathungen vereinigte die Eongreßtheilnehmer ein gemeinsames Festmahl, worauf eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt und ein Ausflug nach WilbelmShöhe stattfand.

Mb. Spangenberg, 24. April. Gattenmord. Unser sonst so ruhigcö Städtchen ist durch eine gräßliche Blutthat in große Aufregung versetzt worden. Der Tagelöhner Wicke, ein zanksüchtiger gewaltthätiger Mann, hat seine Ehefrau ermordet. Die Frau wurde tobt ausgesunden und darauf der Gatte sofort unter dringendem Verdacht deS Mordes verhaftet. Er leugnet bis jetzt der Thäter zu sein. Der erste Staatsanwalt, Herr Klingel Höffer von Kassel, traf hier ein, um die Untersuchung und Aufklärung deS Verbrechens einzuleiten. Ferner sind zwei GerichtS-Aerzte aus Kassel hier eingetroffen, um die Obduction der Leiche vorzunehmen und die Todesursache zweifellos festzustellen.

Bochum, 24. April. Wie derAnzeiger" meldet, wurde der Bergmann Pfeiffer, der Urheber der in der Nacht vom 5. Marz gegen baß Bochumer Landrathsamt und andere Gebäude gerichteten Dynamitanschläge, vom Schwur­gericht zu 11 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt.

* Rendsburg, 24. April. Daß Anwesen des Reichs- tagSabgeordneten Lorenzen wurde heute durch Groß­feuer völlig zerstört.

Neustadt (Hardt), 24. April. In GoßlerS Papier­fabrik wurde ein Schmierjunge durch die Maschine entzwei­geschnitten. In der Maschinenfabrik zu Neidenfels wurde ein Arbeiter durch eine herabfallende Eisenplatte erschlagen.

* Genua, 24. April. Im Noneo-Tunnel sind einem Deutschen 10,000 FrcS. gestohlen worden. Der Räuber ist vom Zuge im Fahren abgesprungen.

* St. Antwerpen, 21. April. Nachdem die Franzosen vor einiger Zeit vergeblich eine Vergrößerung des ihnen auf ber Ausstellung eingeräumten Platzes verlangt hatten, ist jetzt den Deutschen daß nämliche Schicksal widerfahren. Trotz der lebhaften Vorstellungen von deutscher Seite auß sah sich näm­lich daß Executiv Comite zu der Erklärung gezwungen, daß ihm unmöglich sei, der deutschen Abtheilung irgendwelche Vergrößerung zuzugestehen. Daß Interesse der deutschen In­

dustrie für die Ausstellung ist eben etwas zu spät erwacht und diese Bersöumniß machten sich denn inzwischen die anderen Nationen redlich zu Nutzen. Allerdings umfaßt die deutsche Abtheilung 10,000 Quadratmeter und die Zahl der deutschen Aussteller beträgt über 500, worunter viele Firmen ersten Ranges, aber doch herrscht hier allgemein die Ansicht, daß diese Vertretung der deutschen Industrie in keinem Verhält­nisse zu ihrer wirklichen Bedeutung stände. Wir unsererseits sind indessen sicher, daß in der deutschen Abtheilung die Qualität deß Ausgestellten für die ungenügende Quantität mehr wie entschädigen wird, und im Uebrigen können sich die­jenigen unserer Aussteller, deren Anmeldungen zurückgewiesen werden mußten, mit dem Gedanken trösten, daß sie nicht ohne zahlreiche Leidensgefährten fremder Nationalität dastehen. So wurde noch vor einigen Tagen das Gesuch eines englischen ConsortiumS abgelehnt, welches 5000 Quadratmeter Raum im Parke gegen eine Miethe von >/, Million Francs verlangt hatte. ES ist nämlich absolut kein oerfügbarer Platz mehr vorhanden, obwohl in letzterer Zeit noch weitere 4 Heetar dem AuSstellungSterrain elnverleibt wurden, so daß dasselbe nunmehr beinahe 45 Hectar umfaßt. Hochinteressant ist daß Publikum, welcheß sich allmählich hier einzusinden beginnt. Von den zahllosen Deutschen, Franzosen, Engländer« u. s. w., die in hellen Haufen herbeigeströmt kommen, wollen wir hier nicht weiter reden, dagegen kurz erwähnen, daß in dieser Woche etwa 60 Araber mit Frauen, Pferden, Eseln und Kameelen, circa ein Dutzeyd Zulus, eine Anzahl Chinesen und etwa 40 Indianer hier eingetroffen sind und daß wir einige 100 Congo-Neger für die nächste Zeit hier erwarten dürfen. Rechnet man zu all diesen verschiedenen Menschen­rassen noch die Türken, Syrier, Egypter u. s. w., die sich in malerischer Tracht in dem Parke herumtreiben, so ergiebt sich ein so merkwürdiges und originelles Bild, daß allein um dieses zu sehen ein Besuch der Ausstellung sich lohnt. Vor einiger Zeit erschien tn der Kölnischen und anderen Zeitungen folgende Annonce:Weltausstellung Antwerpen. 50 junge hübsche Damen alß Verkäuferinnen für den Goldpalast ge­sucht. Salair 300 Frcs. pro Monat und 10 pCt. vom Verkauf. Die schönste Dame erhält 5000 Francs Prämie. Sofortige Einsendung der Photographie. Fr.-Oss. an Haupt-Eng. Bureau Walter, 21 Statiestraat, Antwerpen." Hierüber lesen wir nunmehr imAntwerpener Anzeiger": Da wir dieser Annonce den Schwindel sofort anmerkten ein Goldpalast eylftirt z. B. gar nicht auf der Ausstellung so sahen wir uns veranlaßt, an maßgebender Stelle Er­kundigungen über die Sache einzuziehen, wobei wir Folgendes erfuhren: Der über die 5000 Francs Prämie ohne das Andere verfügende Herr ist ein Kellner auß Köln, der augen­blicklich in der Wmkelhaakßstraat 4 (auch eine nette Gegend) wohnt. Mit den eingesandten Photographieen lief derselbe in hiesigen Wirthschasten herum, in denen er die betreffenden Absenderinnen zu verdingen suchte. Ob derselbe hierbei auch zweifelhafte Häuser besuchte, weiß man noch nicht, es gilt dies aber als wahrscheinlich. Die hiesige Polizei beschäftigt sich schon seit drei Wochen mit der Angelegenheit und hat jetzt die Acten nach Brussel ans Ministerium gesandt, damit von dort auß die nöthigen Maßnahmen gegen den Mann getroffen werden. Dies zur Warnung für alle Diejenigen, welche etwa gegenwärtig noch auf die verlockenden Versprech­ungen deß letzteren reflectlren sollten."

* Paris. 24. April. In den Ruggieri'schen Werken in St. Denis ha: gestern eine furchtbare Explosion von ca. 800 Pfd. Pulverstaub stattgefunden. Ein großes Gebäude wurde vollständig zerstört, ein Arbeiter erlitt tödtliche Ver­wundungen. Die Detonation war auf mehrere Kilometer weit hörbar.

Paris, 24. April. Gestern feuerte in der Notre-Dame- Kirche ein junger Mann vier Revolvers chüsse auf den Altar ab. Der sofort in Haft Genommene wurde einer Irrenanstalt überwiesen, da man augenscheinlich mit einem Geistesgestörten zu thun hatte.

* In diesen Tagen feierten zwei Veteranen der französtfche« Armee, die einst unter Napoleons Fahne gegen unsere Väter fochten, ihren 100. Geburtstag. Der eine, Jean Rousset, in FeurS (Loire) wohnhaft, ist am 13. April 100 Jahre alt geworden und hat den Tag unter großer Theilnahme gefeiert. Er gehörte 1814 unter Augereau zu den 93er» theidigern Südfrankreichs gegen die Oesterreicher. Der andere, Joseph Julien Rose, der letzte lebende Corporal dergroßen Armee", trat am 22. April in das zweite Jahrhundert seines langen Lebens. 1813 befand er sich in Deutschland, weilte in Mainz während der großen Typhus-Epidemie nach der Leipziger Schlacht, sah Napoleon I. persönlich nach einem Gefechte in der Nähe von Chülons-fur-Marne (1814) und gehörte 1815 zu der gegen den Vendeer-Ausstand geschickten Armee deS Generals Vamarque. Rousset ist noch recht geifteß« frisch und lebt alß ehemaliger Hufschmied in dem Flecken Soußmes, südlich von Crleanß. Außer diesen beiden sind gegenwärtig in Frankreich nur noch zwei andere Pensionäre des ersten Kaiserreichs am Leden.

Verkehr, Canö» und Polf»tvirtbfcbafL

_ ~ Der RLhrwerth und die Verdaulichkeit van Neifts-

futter. Die Futternolv und die Immertitn mögliche Dürre ver- anlaßt uns, die Aufmerksamkeit der Lanbwirthe auf den Nährwerth unö t>ie Verdaulichkeit von Reisiaiuiler zu lenken, welches in Laub­wäldern und Bufchbesiändm massenhaft zu gewinnen ist. Zur Fest­stellung der Verdaulichkeit von Akazien-, Buchen- und Pappelreisig iJ°iroo*^ c Derhältniß zu einander wie gegenüber anderen Futter-

. 1 « drof. F. Lehmann interessante FütterungSverfuche

. ?,* Resultat derselben ergab sich, nach demJournal für Landwirthschafi" und nach der .Fundgrube" Folgendes: Je lunger die Zweige, um io höher ist ihre Verdaulichkeit; sie erreicht da» Maximum wenn die Zweige belaubt sind, denn die Blätter sind leichter verdaulich, alß irgend ein Siammtheil. Für den Anbau der protr'nreichen Akazie für FrMerzwecke ergiebt sich hieraus die Regel, daß nur junge Triebe, wenn möglich mit dem Laube, zur Verfälle- rung gelangen sollten. Das, Akazienreisig bei vorsichtiger Auswahl den Werth von mittlerem Wiesenheu erreicht, er scheint darnach recht wohl möglich. Junge Triebe, etwa der Esche, auch anderer Holz­pflanzen, soweit sie von Wiederkäuern gern gefressen werden, können v:elleicht mit den schlechteren Sorten von Wiesen Heu gleich gestellt werden. Allein das ganze bet der Holzgrwinnung im Lause deS Wärters abfallende Reistgholz fo hoch zu verwerthen, ist ausgeschlossen und eine Zubereitung durch Ouelschrn und Fermentiren dürste eher schädlich ats nützlich sein. Legt man das Reisig dem Rinde oder Schafe grob zerkleinert vor, so suchen die Thiere die weichsten und so mit richtigem Jnttinct die leichstoerdaulichen Theile de» Fullers Hera»». Durch daS Zubereiten wird zwar eine vortreffliche futter» aufnahme erzielt, aber baß Auswählen zwischen leichl- und schwer­verdaulichen Theilen beß Reisigs verhtnberi.

LevenSverstcherungSbank für Deutschland In ttotha. Die vorgenannte älteste und größte beulsche Lebensversicherungsanstalt Hal auch im Jahre 1893 wieber recht besriedigenbe GeschäflSergebnisse erzielt. ES würben von ihr 5495 neue Versicherungen über 39 114 200 Mark abgeschlossen. Die Summen, welche für eingelrelene Sterbefälle zu zahlen waren, biteben wieber erheblich um 1 952073 Mark! hinter ber rechnungsmäßigen Erwartung zurück, unb ebenso hielten sich die Abgänge bet Lebzeiten in mäßigen Grenzen. Der VerstcherungSbeftanb stieg auf 81 539Personen mit 653 269 800 Mk. Versicherungssumme. Er hat einen reinen Zuwachs von 2123 Per­sonen mit 20 861100 Mark Versicherungssumme erfahren. Auch in finanzieller Hinsicht erwiesen sich die GeschäflSergebnisse im Jahre 1893 wieber durchaus günstig. Der reine Ueberschuß bezifferte sich auf 7 702 319 Mark. Dieses Ergebniß ist außer dem günstigen Verlaus der Sterblichkeit hauptsächlich dem Umstande zu verdanken, daß die Bankfonds ungeachtet deS niedrigen Standes beß Zinsfußes immer noch einen den rechnungsmäßigen Bedarf erheblich übers steigenden Ertrag lieferten und daß die Verwaltungskosten auf dem außerordentlich niedrigen Satze von nur 5 Vrocent der Jahres-Ein­nahme gehalten werden konnten. Die Fonds der Bank erreichten die Höhe von 193109 058 Mark: davon bilden 32 746 343 Mark den Bestand des Sicherheitsfonds, welcher in den nächsten fünf Jahren als Dividende an die Versicherten vertheilt wird. Für das Jahr 1894 beträgt diese Dividende 38 o/e ber im Jahre 1889 etnge- zahllen Normalprämte nach dem allen System und 28'/, % der Normalprämte unb 2,3 % bet Prämtenreserve nach bem neuen »gemischten" System der Ueberschuß-Vertheilung. Bet bem letzteren System steigt hiernach die Gesammtdivibende für die ältesten Ver­sicherungen btß auf 125 % ber Normalprämtc.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen.

16. Woche. Dom 15. April bis 21. April 1894.

Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär).

Sterblichkeitsziffer: 25,88°/« bezw. 16,47 nach AuSschl. der Ortsfremden.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene. im vom

1.Lebensjahr: 2.-15. Jahr:

2 (1) 1 (1)

2 (1) - -

1

2 - -

1

1 (1)

______=_______1

Summa: 11 (4) 6 (2) 3 (lj 2 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

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Im Jnseratentheil unseres Blattes veröffentlichen wir eine Ankündigung ber am 1. Mai b. I. zu Erfurt begtnnenben großen Thüringer Gewerbe - Ausstellung. Wir verweisen auch an dieser Stelle angelegenlltchft auf da» Unternehmen, welches ganz besonders den Fachmännern aller Branchen zum Besuch empfohlen sei, da die diesjährige Erfurter Ausstellung zum ersten Male ein abge­schlossenes Bild ber vielgestaltigen Thüringer Jnbustrie unb beß blühenden Thüringer Gewerbes u. s. w. darftellen wird. Daneben bietet das Thüringer Land. diese Perle Deusschlands, auch bem Freunde landschaftlicher Schönheit so viel SehenswertheS, unb bie Lage Erfurts gestattet derart bequeme AuSslüge nach allen Richtungen, baß ein Besuch ber Erfurter Ausstellung schon als eine besonbeiS zweckbienliche Verbinbung bes Nützlichen mit dem Angenehmen empfohlen werben kann.

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