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Okt-«er A«-eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener AXmikienvtLIIer werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Freitag 26. Januar
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Meßmer Anzeiger
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Gießen, am 24. Januar 1894. Betreffend: Das Ersatzgeschäft für 1894.
Der Civilvorfitzende der Großherzogi.
Ersatz-Commisfion Gießen
cm die (tzrosth. Bürgermeistereien des Kreises.
Sie wollen nunmehr mit Aufstellung der Stammrollen sofort beginnen und dieselben mit denjenigen für 1892 und 1893 bis längstens den 1. k. Mts. bei Meldung der Abholung durch Wartboten eiuseuden.
Hierbei wollen Sie die im Formulare vorgedruckte Anmerkung genau beachten, insbesondere alle Bestrafungen rc. unter Rubrik „Bemerkungen" eintragen.
Auf die Bestimmung des § 25, 2 d. W.-O. wird um so nachdrücklicher hingewiesen, als in den vorderen Jahren vielfach dagegen insofern gefehlt worden ist, daß Militärpflichtige aus anderen Kreisen des Großherzogthums, obgleich sie im diesseitigen Bezirk ihren dauernden Aufenthalt nicht hatten, nur aus dem Grunde in die Stammrollen des Kreises eingetragen worden waren, weil sie sich hier zu stellen wünschten. Sie wollen daher Anträgen, welche in dieser Beziehung an Sie gestellt werden sollten, unter keiner Bedingung stattgeben, die betreffenden Militärpflichtigen bczw. deren Angehörige vielmehr auf die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen verweisen, sowie daraus aufmerksam machen, daß Leute, welche im diesseitigen Kreise »ach den geltenden Bestimmungen nicht gestellungspflichtig sind und sich dennoch hier zur Musterung stellen wollen, zu derselben nicht zugelaffeu werden würden, sondern, wie seither schon geschehen, angewiesen werden müßten.
Falls ein Bruder eines Militärpflichtigen bei der Musterung mit zur Vorstellung kommen, oder bereits im Heere dienen sollte, wollen Sie dies in der Stammrolle beinerfen. Z. B. Ein Bruder geb. am . . ten . . . . 187 . kommt pro 1894 mit zur Vorstellung, oder ein Bruder dient seit . . ten 18 . . im Regiment Nr.......te Compagnie.
Außerdem wollen Sie ein genaues Augenmerk auf die
Rechtschreibung der Namen der Militärpflichtigen
Fenilleton.
Gunilde.
Eine kurze Geschichte von Th. Ebner.
(Schluß.)
„Eines Nachts," fuhr Sander fort, „rief man mich zu einer jungen Dame, die verunglückt sei. Es war eines jener eleganten Häuser, die in Berlin gleichsam aus dem Boden wuchsen, in das ich geführt wurde. Ich hatte den Namen brr Dame schon gehört. In Künstlerkreisen galt sie als ein« Sängerin, wie die Welt noch keine gehört — was man sonst von ihr sprach — wußte ich nicht. — Sie war im Theater gestürzt und hatte sich eine nur langsam heilende Verletzung zugezogen. Sie verlangte täglich nach mir — und ich kam — ich mußte kommen. — Soll ich Ihnen er- johlen, wie es weiter ging? — Ich war nicht glücklich, aber ch konnte nicht mehr loskommen von diesem berückenden Geschöpf — ich war ihr gegenüber willenlos — unsere Verlobung machte viel von sich reden — da und dort, meinte Ich, gehe man mir aus dem Wege — Leute, die ich sonst jcmieden, drängten sich an mich heran — die Zeitungen trachten lange Berichte über unsere Hochzeit, über die Toilette Heiner Frau und über den Verlust, den die Kunstwelt erleide iurch ihr Scheiden von der Bühne — dann kam wieder' das Alltagsleben mit seinen Rechten und seinen Pflichten.--
3ch hatte in mancher stillen Stunde von einem Glück gekämmt und mir war es nun manchmal, als hab ichs gesunken — Camilla war zärtlich, liebevoll, sorgend, wie nur tiu junges Weib sein kann. — — Der Traum war kurz, los Erwachen schrecklich. Eines Abends fand ich sie — in Jen Armen eines Anderen — eines der berüchtigsten Rouvs viscrer Hauptstadt. — Ich hatte den Feind niedergeschlagen, zusammen mit der Elenden — als der Morgen graute nach dnei Nacht, die für mich zur Ewigkeit geworden, in der ich iu fieberhafter Eile alles geordnet, fuhr ich hinweg, fort in
Ferne. Mich kümmerte nicht das Geschick meines Weibes wb das Gerede der Leute. Aber mich trieb eß hinaus in
fremden Länder, wo man nichts wußte von meiner kchamde. — Und so bin ich jahrelang umhergezogen — und
richten, sowie auch darauf, daß der Geburtsort richtig bezeichnet und der in Betracht kommende Verwaltungsbezirk (Kreis, Amtshauptmannschast, Oberamt, Bezirksamt rc.) zutreffend angegeben wird und bei allen sich anmeldenden Militärpflichtigen sich genau darüber verlässigen, welches Gewerbe dieselben betreiben, bezw. ob die diesbezüglichen Angaben zutreffend sind. Es kommt dies namentlich in Betracht bei Sattlern, Schneidern, Schuhmachern, Schloffern, Schmieden, Wagnern und Zimmerleuten, bei welchen erforderlichen Falls festzusteUen wäre, ob dieselben dieses Gewerbe thatsächlich gelernt haben, sowie jetzt noch betreiben. Bei den in der Landwirthfchaft thätigen Militärpflichtigen ist durch Eintragung des Vermerks „m. Pf." (mit Pferden) oder „o. Pf." (ohne Pferde) in Spalte 8 anzugeben, ob dieselben mit Pferden umzugehen verstehen oder nicht.
Sodann wollen Sie am Schluffe der Stammrolle ausdrücklich bescheinigen:
1) daß und bezw, wann die Aufforderung zur Anmeldung zur Stammrolle erfolgt ist;
2) daß die in derselben eingetragenen und nicht im Orte geborenen Militärpflichtigen in Ihrer Gemeinde zur Zeit der Anmeldung ihren dauernden Aufenthalt haben;
3) daß die in ihren Gemeinden zuständigen, fich dafelbst jedoch nicht aufhaltendeu Militärpflichtigen angewiesen worden sind, sich bei der Bürgermeisterei ihres Aufenthaltsortes zur Stammrolle anzumelden.
Reclamationen aus früheren Jahren, welche pro 1894 erneuert werden sollen, sind alsbald mittelst Bericht einzufordern. J
Neue Reclamationen sind mit den Stammrollen vorzulegen. Dr. Melior.
Nr. 3 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 20. ds. Mts., enthält:
(Nr. 2141). Bekanntmachung, betreffend die am 30. December 1893 zu Madrid unterzeichnete Erklärung wegen Regelung der Handelsbeziehungen zu Spanien. Vom 19. Januar 1894.
Gießen, den 25. Januar 1894.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
ich habe die Erinnerung an die Vergangenheit^niedergekäwpft — Niemand wußte, wo ich war. Da kam ich zu Ihnen, Gunilde, — Sie wissen, wie alles ging. Sie wissen aber nicht, daß ich gekämpft habe mit übermenschlichen Kräften gegen die Liebe zu Ihnen, ich bin ein Verstoßener und ein Verhöhnter, — meines Weibes Sünde ist meine Schande — mein Anrecht auf Glück ist erloschen, — sollte ich Ihr Dasein an das meine ketten. Ich weiß, ich könnte mich frei machen und Niemand könnte mir zürnen, wenn ich — bei Ihnen das Glück suchte, das ich verloren. Aber meine Seele bliebe gefangen in diesem Banne der Schuld und genug ist's, ’ daß ich elend bin."
Ueber der weiten Seefläche zitterte und flimmerte der Schein des Mondes. Leise rauschten die Wellen. — —
Da sah er sie vor sich stehen, da sah er in ein thränen- überströmtes Antlitz — und wie sie nun an ihm niederglitt, wie ihre Worte an sein Ohr klangen, da war es ihm, als müßte er erwachen aus schwerem Traume.
„Armer Mann," flüsterte sie, „was hast Du erduldet! Und Du willst nichts mehr wissen von Glück und von Liebe? Bist Du denn nicht mein und wirst es bleiben bis zum Sterben? Gehe nur von mir, — Du wirst doch wiederkommen und wir werden beieinander bleiben — und zu uns soll kein Lärm der Welt, kein Gerede der Leute bringen, — da, wo wir sein werden, wird es stille fein, so ganz stille —"
Ihn schauerte bei diesen Worten. War sie wahnsinnig geworden? Ihr leises Weinen, da sie nun die Arme um ihn schlang, schnitt ihn ins Herz.
„Ich habe Dich geliebt, wie Dich nur ein Weib lieben kann," flüsterte sie wieder, „und nun? Ich wäre Dir ein demüthiges, gehorsames Weib geworden und Du scheidest von mir? Mußt Du denn gehen?" schrie sie mit einem Male auf, „mußt Du mich allein lassen?"
„Du wirst nicht allein jein, Gunilde," tröstete er, „Du wirst zu den Deinen zurückkehren, in Deine Heimath."
„Ich habe keine Heimath mehr ohne Dich," erwiderte sie. „Ich habe Dir ja gesagt, ich liebe nur einmal, und Dich
l hab ich geliebt, — Du warst mein Traum und mein Hoffen I — und nun — ist alles aus!"
Bekanntmachung.
betreffend den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. *
Nachdem die neue Polizeiverordnung vom 13. December v. Js. in Kraft getreten, ziehen wir die auf Grund der früheren, nunmehr nicht mehr zu Recht bestehenden Polizei- ■ Verordnung von uns ertheilte Erlaubniß zum Befahren der i inneren Th eile der Stadt Gießen zurück. Neuere Gesuche um Ertheilung dieser Erlaubniß sind bei uns schriftlich 1 mit Gründen versehen, einzureichen.
Gießen, den 24. Januar 1894.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
j ___________________Fresenius. ______________
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß \ der Zahltag bei uns, am Samstag den 27. lfd. Monats, ' mit Rücksicht auf die Feier des Geburtstages Sr. Majestät ! des Kaisers, ausfällt.
Gießen, 23. Januar 1894.
Großherzogliches Rentamt Gießen.
Rübe, Großh. Domänenrath.
Verrutschtes
* Bayreuth, 23. Januar. Der frühere Vorsteher der . Reichsbanknebenstelle in Hof, Dtnse, ist wegen eines Cassamankos in der Höhe von 35000 Mk. in Unter» t suchung gezogen worden.
* Charleroi, 20. Januar. Im März werden zwei Jahre seit dem schrecklichen Grubenunglücke in Anderlues vergangen sein, bet dem über 200 Bergleute das Leben ein- * büßten. Von den Verunglückten ruhen ca. 125 bis auf den [ heutigen Tag in einer Tiefe von 500 Metern, und trotz der 1 zwei Jahre lang ununterbrochen fortgesetzten Anstrengungen, ■ um ihre Leichen zu Tage zu fördern, war es den Ingenieuren ! und Arbeitern nicht gelungen, bis zu denselben vorzudringen. Jetzt ist man indessen endlich in der Tiefe von 500 Metern ? angelangt und man hofft jetzt bestimmt, innerhalb der nächsten 8 oder 14 Tage die letzten Leichen fortschaffen zu können. Bereits hat man zahlreiche Holzschuhe und Lampen gefunden, welche die entsetzten Arbeiter, als sie beim Hereinbrechen der Katastrophe die Flucht ergriffen, von sich geworfen oder verloren haben. Es muß ein entsetzlicher Anblick sein, den
Sie hatte sich rasch erhoben. Durch den Gipfel des Baumes fiel des Mondes Licht auf ihr Haupt — todtenbleich war ihr Antlitz.
„Gunilde," rief Sander, „was sagst Du, „komm zu Dir." Noch fühlte er ihren Kuß auf seinen Lippen, er wollte ihr nacheilen, — aber sie war verschwunden.
Und am Rande des Sees hob sich glühend die Sonne, — und höher und höher stieg sie^ Da regte sich's überall, — in den Bäumen sangen die Vögel, an den Ufern schritten die Menschen geschäftig hin und her. — Und langsam, ein schwarzer Coloß, mächtige Rauchwolken in die helle Luft hinaufwtrbelnd, fuhr ein Dampfer hinaus in den See. Und oben am Rande des Deckes stand ein Mann und schaute brennenden Auges hinüber nach den Mauern des Parkes, nach dem Hause zwischen den Bäumen. — Und er dachte ihrer, dachte ihres Scheidens von ihm und ihrer Worte. — Er hatte sie geliebt und darum floh er von ihr. Und noch einmal zog an ihm vorbei das Leid der Vergangenheit und das Elend der Zukunft.
— was war das? — „Gunilde, um Gotteswillen!" — Er beugte sich weit vor. Auf den Wellen tanzte und schaukelte ein Nachen und je näher dieser dem Dampfer kam, um so deutlicher erkannte er in der, welche die Ruder führte, das Mädchen. — Und jetzt war sie ganz nahe bei ihm, — da sah er, wie sie die Ruder von sich schleuderte, sich rasch erhob und seinen Namen rief, und dann--Ein Schrei
des Entsetzens scholl über den See. Der Dampfer ächzte und stöhnte, in seinem Lauf aufgehalten. Mit.mächtigem Sprunge hatte sich Sander in den See gestürzt, in raschen Stößen schwamm er dem Mädchen zu, dessen Haupt noch über den Wellen lag; und jetzt war er bet ihr, jetzt faßte er sie, — da schlang sie die Arme um ihn, fester und fester — und lautlos versank sie mit ihm in die Tiefe.
Auch der See gibt seine Opfer wieder,- nach Tagen fand man die beiden — noch im Tode fest umschlungen.
An fremdem Strande begrub man sie.


