Ausgabe 
25.12.1894 Erstes Blatt
 
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weinden behielten ihre Jagden für sich und schössen das ' Wild hinweg, die Bauern hätten mehr davon, wenn ihnen ihre Gewächse nicht verruinirt würden, und von den paar > Mark Jagdpacht in der Gemeindekasse spüren sie doch nichts. ?

A Aus dem Großherzogthum Hessen, 23. December. Mit Rücksicht aus die grossen EinquartirungSlasten, welche eine Reihe um Mainz herum gelegener Gemeinden durch die Nähe eines grossen militärischen Uebungsplatzes fast ununterbrochen zu tragen haben und für welche eine sehr unzureichende und ebenso ungleiche Entschädigung geleistet wird, haben die Centrumsabgeordneten Dr. Schmitt-Mainz und Wasserburg-Mainz vor einiger Zeit in der zweiten hessischen Kammer beantragt, die Regierung möge der Kammer eine Vorlage zugehen lassen, wonach den in der Nähe von ständigen Uebungsplätzen liegenden Gemeinden die alljährlich durch die Einquartierungen erwachsenden besonderen Ausgaben aus Staatsmitteln zu ersetzen sind. Mit diesem Antrag be­schäftigte sich letzter Tage der Finanzausschuß der zweiten Kammer. Die Berechtigung des Antrags wurde von keiner Seite bestritten, jedoch verhielt sich die Regierung der Con­sequenzen wegen ablehnend. Die Sache sei Reichssache und gehöre deßhalb, so betonten die anwesenden Regierungs- Vertreter, vor das Reich. Durch die Ordnung im Groß­herzogthum Hessen werde die Unbilligkeit, die in dem gleich­mäßigen Satze für ganz Deutschland liege, nicht gehoben. Andererseits sei auch nicht zu verkennen, daß eine Gemeinde von der Einquartirung durch den steigenden Consum Vor­theile erziele. Dagegen ließ die Regierung die Zustimmung erkennen, in Berlin das System der Zusätze zu den fixirten Einquartirungsgeldern in Anregung zu bringen. Ferner hat die Regierung erklärt, daß sie bezüglich der Erbauung von Baracken zur Unterbringung der auf demgroßen Sande" bei Mainz übenden Truppen mit dem preußischen Kriegs- mintsterium bereits in Verbindung getreten sei, aber von Berlin noch keine Antwort erhalten habe.

Dermtfd?tes»

Frankfurt a. M., 23. December. Die Leiche des ver­mißten Kleiber PH. Schnell ist gestern Abend spät unter den Trümmern des eingestürzten Jöckel'schen Hauses in der Dreieichstraße aufgefunden worden. Die Feuerwehr nahm gestern Nachmittag die Aufräumungsarbeiten an der Unfall­stätte wieder auf, nachdem fünfzehn Stunden seit den letzten Arbeiten durch das Militär verflossen waren, eine Ewigkeit für einen Menschen, der etwa noch lebend unter den Trüm­mern sich befunden hätte. Die Mannschaften hatten Ordre, sich in Abtheilungen von je drei zu drei Stunden abzulösen und so lange zu arbeiten, bis der Vermißte gefunden oder das ganze Trümmerfeld abgesucht war. Um drei Uhr trat die erste Abtheilung an. Zuerst wurde der Rest der stehen ge- bliebenen Brandmauer umgeworfen, die für die Arbeiter immer noch gefahrdrohend war. Es wurde das vom be­nachbarten Neubau aus unternommen. Bei dem überaus schlechten Material des Mörtels genügten Stöße mit dem Hebel, die Mauer in sich selbst zusammenfallen zu lassen. Erst nach 11 Uhr stieß man auf die Leiche. Sie lag unter drei Meter hohem Schutt in dem Treppenhaus, das sich auf der nördlichen Seite des Hauses, entgegengesetzt von der Brandmauer befand. Zwei mächtige Balken lagen auf dem Rücken der Leiche, sie hatten die Brust vollständig eingedrückt. Die Arme waren vor das Gesicht gehalten, die Beine mit Schutt bedeckt. Mit eisernen Hebeln und Ducken mußten die Balken 75 Zentimeter hoch gehoben werden, ehe es gelang, den Körper hervorzuheben. Durch den bei dem Aufräumen anwesenden Schwager des vermißten Schnell konnte die Identität sofort nachgewiesen werden. Ein schon vorher reservirter Wagen des Heiliggeist'Hospitals führte die^Leiche auf den Friedhof.

* Berlin, 22. December. Zu der Ermordung des Nacht­wächters Ziegler wird gemeldet, daß es gelungen ist, drei der Thäter zu ermitteln und festzunehmen. ES sind dies die Schiffer Gebrüder Erbel aus Rüdersdorf und ein Schiffer Nelson. Einer der Verhafteten legte bereits ein umfaffendes Geständniß ab. Der vierte der Mörder ist noch nicht entdeckt.

* 350,000 Weihuachtsbäume sind in diesem Jahre nach Berlin gebracht worden,- allerdings ist keine Aussicht vor­handen, daß die ganze Anzahl verkauft werden wird. Die Groß- und Kleinhändler werden sogar in diesem Jahre mehr übrig behalten, wie im Vorjahre. Immerhin läßt der Be­darf an Weihnachtsbäumen in Berlin darauf schließen, daß die zunehmende Verarmung weitester Volkskreise der schönen Sitte, einen Tannenbaum an den Christtagen in die Stube zu stellen, noch verhältnißmäßig wenig Abbruch gelhan hat. Wenn man aus der Zahl der gekauften Bäume schließen will, kann man annehmen, daß nur in wenigen Familien in Berlin am heiligen Abend die Christtanne fehlt.

* Rawilsch, 22. December. Der Maurergeselle W o i d t ist unter der Anschuldigung, am 4. September 1886 den Posten am Pulverhause ermordet zu haben, verhaftet worden. In der Annahme, die Strafthat wäre verjährt, hatte ein anderer Maurer Bekannten gegenüber geäußert, daß er mit Woidt bei Wilderei in der Nähe des PulverthurmeS von dem Posten überrascht worden sei und daß Woidt diesen erschossen habe. Der Behörde wurde hiervon Anzeige ge­macht- infolge dessen ist die Verhaftung des Woidt erfolgt.

* Calder«, 20. December. Oas Nichtversichern seiner Schlachtschweine hat heute dem Landwirthe K. in dem Dorfe Sterzhausen sehr betrübte Weihnachten bereitet. Derselbe ließ seine zwei fetten Schweine schlachten, welche vom dortigen Trichinenbeschauer alstrichinenfrei" befunden wurden. Im genannten Dorfe fungirt nun auch ein Fleischbeschauer, dessen Besichtigung von einem ganz ent­gegengesetzten Resultat begleitet war - derselbe constatirte nämlich, daß in sämmtlichen Fleischtheilen große Mengen von Finnen vorhanden waren, so daß auf dessen Veranlassung beide Schweine im Garten vergraben werden mußten. Es

möge dieses wieder ein Mahnruf fein:Landmann, ver­sichere deine Schweine.!" O. Z.

* Kurzen Proceß machen die preußischen Behörden jetzt mit den Zigeunern. Man scheint das bisher übliche Abschieben" von einem Ort zum andern jetzt aufgegeben zu haben und dazu übergegangen zu sein, dieSöhne der Pußta" birect ihren heimathlichen Gefilden zuzuführcn. So wurde dieser Tage von Berlin aus eine ganze Zigeunerbande sammt Kind und Kegel, Pferd und Wagen per Bahn an die österreichische Grenze geschafft.

* Wege« eines Huies nm's Leben gekommen ist ein junger Lithograph aus Kassel. Derselbe war auf der Eisen­bahn nach Oberzweren gefahren, und als er an der Station ausstieg, wurde ihm sein Hut vom Kopfe geweht und flog in die Geleise. Rasch sprang der Bursche dem Hute nach, trotzdem zugleich von der entgegengesetzten Seite ein Zug heranbrauste. Schon hatte er den Hut in der Hand und wollte gerade zur Seite springen, da faßte ihn die Maschine, schleuderte ihn zu Boden und trennte ihm glatt das Bein vom Rumpfe. Der Verunglückte wurde zwar sofort ins Spital verbracht, allein trotz aller Bemühungen der Aerzte trat alsbald der Tod ein.

* Um das erste Gasthaus in Kamerun zu errichten, geht im kommenden Frühjahr der Kaufmann Herr Hoffmann, der vor Kurzem die durch ihr heldenmüthiges Verhalten im Kame­runer Aufstand bekannte Schwester Margarethe Leue heim­geführt hat, mit seiner jungen Frau nach Kamerun zurück. Für die im Tropen Klima fo wichtige Ernährung der Beamten und ansässigen Kaufleme ist das Unternehmen von nicht ge­ringer Bedeutung. Bisher waren die Europäer in Kamerun auf Conserven und auf Hühnerfleisch angewiesen. Ochsenfleisch ist nur selten zu haben, da die Thiere wild im Busch Herum­laufen und von den Eingeborenen, die keine Kugelbüchsen führen dürfen, nur schwer erlegt werden können. Auch an Wildpret ist in Kamerun Mangel- die Antilopen sind selten und im hohen Grase schwer zu schießen- sonst giebt es nur Affen und Alligatoren. Es bleibt nur die Wildtaube und der scheue graue Papagei, letzterer allerdings in Suppen oder Pastete delicat. Es wird gehofft, daß das neue Gasthaus mit einer kleinen Gemüsegärtnerei, sowie mit Stallungen für Schlachtvieh, das die Dampfer regelmäßig vom Süden mitbringen könnten, verbunden wird.

Literatur und Arrnft.

Am papierene« Zeitalter müßte Deutschland von Rechts­wegen die tonangebende Macht fein, denn in der Fabrikation und im Konsum von Papier steht cs, wie wir dem soeben erschienenen 12. Bande von Brockhaus' Conversations-Lexlcon entnehmen, allen andern Nationen weit voran. Leider gehören dazu aber noch andere Machtmittel, die bei uns bedrohliche Lücken zeigen. Auf solche weist der neue Band hin, und zwar im ArtikelPanzerkreuzer". Der Reichstag, dessen neues Heim bereits durch eine prächtige Holzschnitt­tafel vorgeführt wird, wird sich den Argumenten imBrockhaus" nicht entziehen können! Dasselbe klare Urtheil ist allen wichtigen Artikeln des genannten Conoersations-Lexicons eigen. Brockhaus wählt feit 100 Jahren unter den bestehenden Lehrmeinungen über einen Gegenstand diejenigen aus, die nach der Ansicht feinet Redaction zukunftsreich sind. Da jede neue Auflage zeigt, dass die vorher­gehende ihre Zeit richtig verstanden hat, können wir auch der gegen­wärtigen in ihrem Urtheil, ihrer Auswahl von Meinungen ver­trauen. Auch in diesem Bande finden wir Kunstbeilagen in vollendetster Ausführung, die Hauptbilder der größten Maler aller Zeiten darstellend, wie wir sie noch nirgends besser reproducirt ge­sehen haben. Unübertrefflich beweisen dies im 12. Bande die Tafeln Niederländische Kunst" und die herrliche Madonna Murillo's. Mit der im 13. Bande zu erwartenden Sixtinischen Madonna Raffael's wird die 14. Auflage 4 Marienbilder enthalten, welche zu inter­essanten Vergleichen anregen, wie deutsche, italienische und spanische Meister der schwierigsten Aufgabe der Malerei und Plastik gerecht geworden sind. Unter den ca. 9000 (!) Artikeln dieses Bandes ragen die derOesterreich-Ungarischen Monarchie" besonders hervor. Begleitet von 7 Karten und einer farbenprächtigen Tafel der Kron- landswappeli beweisen die umfangreichen Artikel ihre Herkunft aus der Feder von Autoritäten ersten Ranges. Von den vielen mit Karten und Planen ausgestatteten Städteartikeln sei nur Paris er­wähnt. Die Festung Paris hat eine besonders eingehende Darstellung im Text und auf der Karte erfahren, doch ist einem Deutschen an­gesichts der neuesten Blüthen französischer Spionenfurcht nicht zu rathen, von seinem aus demBrockhaus" erlangten gründlichen Wiffen in Paris selbst etwas verlauten zu lassen. Was wir im Artikel Neu-Aork über die Wohnungsverhältnisse in einigen Städten Amerikas gegenüber denen in Europa erfahren, ist für unfern Con- tinent nicht erfreulich. Daß auf dem Gebiete der Technik, der Volks­und Landwirthschast das Beste und Neueste geboten wird, ist selbst­verständlich; Artikel wie Papierfabrikation, Oefen, Obstbau, Nah- rungsmittel, Normalarbeitstag, Ortskrankenkasse seien hier genannt. Bei den Biographien tritt die Raschheit zu Tage, mit der die Re­daction trotz des ungemein complicirten Apparates von über 400 Mitarbeitern den Tagesereignissen zu folgen versteht: ist doch schon der neue Czar Nicolaus II. als solcher aufgesührt! An Jllustrationsmaterial umfaßt der 12. Band 83 Tafeln, darunter 10 Chromotafeln, 26 Karten und Pläne, und außerdem 211 Text­abbildungen. Vergleicht man mit diesen Zahlen die der frühem Bände, so erkennt man, daß Brockhaus, entgegen der viel geübten Gepflogenheit, am Anfänge mehr Illustrationen zu bieten als später, mit jedem Bande den Reichthum an Kunstblättern steigert. Kein besseres Weihnachtsgeschenk wüßten wir anzurathen, als die vor­liegenden 12 Prachtbände von Brockhaus' Conversalions-Lexicon (drei Piertel des Werks) in geschmackvollem Wandregal.

Landwirlhschastliche Winke und KaLhschiäge.

Rückblicke auf das Jahr 1894.

A Aus Oberhefsen, Ende December.

Mehr als je haben wir in diesem Jahre Ursache, einen Rück­blick auf das zu Ende gehende Jahr zu werfen, denn die Verhältnisse werden für den Landwirth immer schwieriger, die Hoffnung auf anbermeite Hülfe nicht größer; Selbsthülfe und genossenschaftliches Zusammenwirken in Verbindung mit Fleiß und Sparsamkeit sind darum die Hauptfactoren für ein gedeihliches Weiterkommen, wie wir es schon vor Jahren in diesen Blättern oft und klar ausge­sprochen haben.

Betrachten wir in erster Linie einmal, was uns das Jahr 1894 in meterologischer Hinsicht gebracht hat, denn von der Witterung hängt der Landwirth vorzugsweise ab. Ein ungemühliches Jahr ist es gewesen, weil die Witterung sich fast nur in Extremen be­wegt hat.

Der Januar brachte uns in seiner ersten Hälfte scharfen Frost bis zu 120; es war hell und trocken, fast keine Schneeflocke kam 6 zur Erde nieder. Um die Monatsmitte wurde es mild, reichlicher l Segen brachte die erwünschte Feuchtigkeit; Bäche, Flüsse und Gräben füllten sich mit Wasser, die Wiesen wurden tüchtig getränkt, der I Wasserspiegel in dem Brunnen hob sich. In der letzten Januarwoche

i vom 24. bis 31. gab es noch einmal drei kalte Tage, bann wurde ; es wieder naß und regnerisch bis zum Schluffe.

Im Februar (Hornung oder Kothmonat) setzte sich das nasse Wetter fort, dem sich heftige Luftbewegungen zugesellten. Besonders heftig wurden die Stürme am 11. und 12. Februar; hierbei ist interessant, daß genau fünf Monate später, am 11. und 12. Juli ebenfalls heftige Stürme in Deutschland wütheten. Am 13. Februar gab es etwas Schnee, der aber bald wieder verschwand. Die Felder wurden wieder blos, es gab ziemlich kräftigen Frost, auch Stürme traten wieder auf bis zum Monatsschlusse.

Mild und angenehm begann der Monat März; dabei war es etwas feucht und windig. Nach der alten Witterungsregel hatten mir am 6. Schneegestöber. Auf den 10. März (den bekannten 40 Ritter) mar es mild und feucht, was auf ein gutes Frühjahr schließen ließ. Acht Tage später, auf Palmarum, gab es Reif. Das Welter wurde ?nOrRenl°t ^iter, genau wie in den beiden vorhergehenden Jahren 1892 und 1893 um dieselbe Jahreszeit. So blieb es den ganzen Marz bis zu seinem Schlüsse am 31.

Der wetterwendischeste Monat des Jahres, der April, ver­leugnete auch im Jahre 1894 seinen Character, wie er es in den beiden vorausgegangenen Jahren gelhan hatte; wolkenlos heiter waren seine Tage und Nächte. Letztere brachten deshalb meistens Reif, der aber den knospenden Bäumen und Sträuchern nicht schadete. Der Winter hatte die Tragknospen der Bäume nicht geschädigt, das ^ruchtholz war trefflich ausgeretst. Bis zur.Monatsmitte war die Obstbaumblüthe in ihrer ganzen Pracht erschienen, aber bedenklich wurde die Trockenheit wieder. Das Giundwasser sank immer tiefer in den Brunnen, der Erdboden bekam Risse; glücklicherweise stellte fiw ein sanfter Strichregen ein, der alles erqultfie. Am 18. April batten wir das erste Gewitter, dem am 19. Helles, kühles Wetter mit Nordostwind folgte. Die letzte Aprilwoche brachte reichlichen 9ciedelschiag bei ziemlich kühler Temperatur, doch ohne Frost. Wiesen und Getreidefelder gedeihen zusehends. Die Obstbaumblüthe verlies ohne jede Störung, die Bäume setzten massenhaft Früchte an.

Der Wonnemonat Mai schien die Rolle mit seinem Vorgänger getauscht zu haben, denn in der Nacht vom 5. auf 6. gab es Frost­schaden, der sich hintentzach glücklicherweise als nicht sehr gefährlich erwies. Der Mai blieb kühl und feucht. DaS Halmgetreide wurde so mastig, daß es sich zum Theil lagerte und darum als Viehfutter abgernäht werden mußte. Die dritte Maiwoche wurde rauh und windig. In der letzten Maiwoche zeigte sich wieder Trockenheit; aus dem Vogelsberge kamen Klagen. Im Oberwalde erfror das Laub an den Bäumen.

Glücklicherweise schaffte der Juni Abhülfe, er fing mit Gewitter und Regengüssen an. Während am 7. Juni in Wien ein heftiges Hagelwetter tobte, batten wir in unsrer Gegend Sturm mit Gewitter und Platzregen. Die zweite Juniwoche vom 7, bis 14. brachte weiteren Regen und eine solche Temperaturerniedrigung, daß man die Oefen Heizen muhte. Die Feldarbeiten wurden verzögert, das Unkraut wucherte stark. Die dritte Juniwoche blieb ziemlich unbe­ständig; manches Heu litt Noth; erst mit Sommeranfang gab es gutes Heuwetter. Die letzten Junitage waren wolkenlos, heiß und trocken.

Die ersten zehn Tage im Juli blieben heiß und trocken, auf trocknen Berglagen begann das Kornschneiden. Am 11. und 12. Juli tobte ein Sturm in Deutschland, wie er selten vorkommt; es zeigten sich hierbei kleine Windhosen und Wirbelstürme, welche den Ehaussee- staud und den Ackerboden von leichten Grundstücken thurmhoch in die Luft führten, die Atmosphäre zuweilen fast undurchsichtig machten, Bäume und Häuser schädigten, Telegraphenstangen umrisserr u. f. w., ähnlich wie es am 11. und 12. Februar der Fall war. Nachdem sich der Sturm, welcher keinen Regenniederschlag aufkommen ließ, ausgetobt hatte, brachen am 13., besonders am 14. Juli schwere Gewitterregen nieder, welche vielen Ackerboden wegschwemmten. Am 14. Juli wüthete in Oberbayern ein Cyclon, der eine große Anzahl von Ortschaften in bedauerlichster Weise ruinirte. Es ist interessant zu sehen, wie die gewaltigen Unwetter am 7. Juni in Wien und am 14. Juli in Oberbayern sich bet uns durch schwere Gewitter- nnd Platzregen erkenntlich machen. Am 16. Juli beginnt das Korn­schneiden wieder, es wird aber nochmals durch schlechtes Wetter unterbrochen. Vom 23. bis 24. Juli brütete eine tropische Hitze über den Fluren; am 26. brachen neue Gewitterregen hernieder, so geht es bis zum Monatsschlusse. Der Aufruhr in den Elementen wahrend der beiden letzten Julidekaten war ein gewaltiger, nur mit Mühe und unter großen Anstrengungen konnten die Erntearbeiten verrichtet werden.

Nachdem die Witterungserscheinungen in den sieben ersten Monaten des Jahres ziemlich eingehend besprochen worden sind, können wir uns bei den fünf letzten Monaten um fo kürzer fassen, weil sie sich alle fünf gleichen.

Verkehr, Land- nnd VolEswirthschaft.

«rünberg, 22.December. Fruchtpreise. Weizens 11,92, Korn JL 11,24, Gerste jtL 9,40, Hafer JL 9,86, Erbsen JL 0,00 Linsen JL 00,00, Wicken JL 00,00, Lein JH. 00,00, Kartoffeln ^0 00, Samen JL 00,00

Eingesandt.

Viehversicherung.

Wie uns rnitgetheitt wird, haben eine Anzahl hiesiger Metzger eine Viehversicherungskasse in dem städtischen Schlachthof gegründet, welche mit dem 1. Januar 1895 ihre Thätigkeit ausnehmen fofl Für die Landwirthe als Viebproducenten, für die Handelsleute und Metzger vom national-ökonomischen Standpunkt ist die Constituirung dieser Versicherung auS ganz nahe liegenden Gründen von hervor­ragender Bedeutung und wird dieselbe einem längst gefühlten Be- dürfniß entsprechend, in hohem Maße dazu beitragen, die interessirten Kreise mit der strengen sanitätspolizeilichen Controle, wie sie auf Schlachthöfen im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege unbe­dingt gehandhabt werden mutz, zu befreunden, dieselben mancher Unannehmlichkeiten und Schwierigkeiten zu entheben. Da die Leitung des Vereins nicht in schwacher Hand liegt, so ist für eine reelle, solide Geschäftsführung Garantie geleistet, die Lebensfähigkeit zweifels­ohne, zumal die Vereinsfotzungen streng den hierorts in Frage kommenden Verhältnissen angepaßt sind.

Briefkasten.

E. D. Wir finden Ihren Namen nicht im Studenien-Verzeichniß, haben aber dasEingesandt" an die entsprechende Stelle (natürlich ohne Namensnennung) dtrigirt. Red.

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