1894
Dienstag den 25. September
Nr. 224
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Miltelernte mit 1270 Kilogramm anzunehmen ist. Die Ungunst des Wetters wirkte vielfach schädigend. Der Ertrag des Roggens blieb hinter dem Vorjahre zurück.
Berlin, 22. September. Die „Naticnalzeitung" begrüßt die Ernennung des Fürsten Hatzfeldt zum Oberpräfidenten von Schlesien mit Genugthuung. Sie erblickt darin das Scheitern der eifrigen Versuche, den von den Hochconservativen und Orthodoxen als ihren kommenden Mann betrachteten Grafen von Zedlitz - Trützschler in den Vordergrund zu
schwer verwundet.
Tokio, 22. September. Die te le graphisch e Ver- bindung mit dem Kriegsschauplätze ist nur noch ür osficielle Nachrichten zugänglich. Man weiß jedoch, daß ich gegenwärtig in Korea eine große Bewegung vorbereitet. Der japanische Kaiser hat an die Truppen und den Admiral Mo, welcher die Seeschlacht leitete, Glückwünsche gesandt.
Bueuos-Ayres, 22. September. Der argentinische Senat hat sich der Wiedererrichtung einer Gesandtschaft beim Vatikan widersetzt.
Anstand.
Rom, 22. September. Einer Meldung der „Mesiagiero" zufolge soll angeblich am Abend des 20. September während der Fest-Illumination außerhalb der Porta Pia ein Attentat vorbereitet gewesen und auch ausgeführt worden sein, ohne daß dasielbe von Folgen begleitet oder überhaupt vom Publikum bemerkt worden wäre. Es soll sich um einen leicht explodir- baren Körper handeln, von welchem noch Ueberreste später gefunden worden seien. Auch anarchistische. Flugblätter seien gefunden worden.
Rom, 22. September. Der König begnadigte alle kriegsgerichtlich in Sicilien und Massacarara bis zu einem Jahre Verurtheilten und erließ bei Strafen bis zu drei Jahren ein Jahr, ferner alle Geldstrafen, die anläßlich jener Unruhen verhängt wurden.
Paris, 22. September. Wie verlautet, hat der Marineminister feinen Plan, das Reservegeschwader im Mittelmeer abzuschaffen, aufgegeben, um dem Admiral Gervais, der die französische Flotte nach Kronstadt geführt, ein höheres Commando geben zu können.
Paris, 22. September. Durch Decret wurde eine Commission eingesetzt, welche die Möglichkeit der Herstellung eines Canals zwischen dem Atlantischen Oeean und dem Mittelländischen Meere prüfen soll.
Paris, 22. September. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen einen großen Sc an dal, wobei Zollbeamte des Nordbahnhofs compromittirt sind. Ein Polizeiagent entdeckte in der Waarenhalle mehrere große Gepäckstücke, welche angeblich Leinenwaaren, in Wirklichkeit aber belgischen Tabak enthielten. Die Untersuchung ist eingeleitet.
Brüssel, 22. September. Gestern Abend durchzogen ca. 50 Soldaten der Heilsarmee mit Musik und Gesang die Straßen. Der Pöbel pfiff dieselben aus und
bringen.
Swinemüude, 22. September. Da die Herbstübungs - flotte gestern aufgelöst worden ist, dampfte das Panzer- geschwader heute in der Frühe nach Kiel, bezw. Wilhelmshaven ab. Die „Hohenzollern" verließ den Hafen gegen 81/2 Uhr. Die Torpedoflotte liegt noch auf der hiesigen Rhede und geht erst in der kommenden Nacht nach den Bestimmungshäfen in See. Admiral Frhr. v. d. Goltz und Capitän zur See Tirpitz reisten heute früh über Stettin nach Berlin. Gleichzeitig verließ auch Erzherzog Carl Stephan die Stadt.
Breslau, 22. September. Der „Schlesischen Zeitung zufolge umfaßt der Berg ar beiterauö stand im nieder- schlesischen Revier etwa 2000 Mann. Bisher hat die Bewegung einen ruhigen Character. In der gestrigen Versammlung soll sich die Mehrheit der Ausständischen sür die Aufnahme der Arbeit am kommenden Montag ausgesprochen haben. — Der „Bresl. Ztg." zufolge sind die Belegschaften der Waldenburger Kohlengruben fast vollständig ein- gefahren. Der Ausstand ist als beendet anzusehen.
Dresden, 22. September. In der heutigen Sitzung des Vereins deutscher Irrenärzte gelangte eine Reso- lution zur Annahme, in welcher der Verein seine Befriedigung ausspricht, daß durch die Beschlüffe zweiter Lesung des Bürgerlichen Gesetzbuches die Forderungen des Vereins in Bezug auf das Verhältniß der Geisteskranken im Wesent- Id)en erfüllt worden sind.
Friedrichsroda, 22. September. Die im hiesigen Kur- Hause versammelten Vertreter deutscher Brau- industriellen nahmen einstimmig das Statut und die Gründung eines Garantiesonds zum Schutz gegen Boycotts an. Ferner wurde die Bildung von Localverbänden, wo solche noch nicht bestehen, und der Zusammenschluß in einen Centralverband behufs gegenseitiger Rückversicherung einstimmig beschloffen. r r
München, 22. September. Wie man hört, habe die Regierung Schritte gethan, um den Director der Pfälzischen Eisenbahnen, Herrn v. Lavale, zu veranlassen, das gegen den „Pfälz. Courier" ausgesprochene Lese verbot wieder aufzuheben.
Cocale» und protnnjicüc»
Gieße«, den 24. September 1894.
** Ernennungen. Ernannt wurde der Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Hirschhorn Karl Heutzenröder zum Gerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Ortenberg und der Hilfs- gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Gießen Johannes Gro h l rock zum Gerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Hirschhorn. Die Hilfsbremser bei den Oberhessischen Eisenbahnen Erm- Gernand aus Gießen, Wilhelm Schneider aus Reiskirchen und Johannes Stock aus Inheiden wurden zu Bremsern bei den genannten Bahnen ernannt.
** Verzeichuiß der Sitzungen de8 Schwurgerichts pro 3. Vierteljahr 1894: .
1. Dienstag den 25. September, Vormittags 9 Uhr. Angeklagte C h r i st i a n S ä n g e r W t t t w e von Klein-Karben wegen Kindestödtung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Justizrath Dr. Re atz.
2. Dienstag den 25. September, Nachmittags 3'/, Uhr: Angeklagter GeorgStreum von Lorbach wegen Nothzuchts- versuch und Bedrohung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwalt Weidtg.
3. Mittwoch den 26. September, Vormittags 10 Uhr: Angeklagte Georg Joh. Konr. G asche von Langenselbold und Friedrich Mergenthal von Vonhausen wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwälte Katz und Dr. Fuhr.
4. Donnerstag den 27. September, Vormittags 9 Uhr: Angeklagter Wilh. Schnägelberger von Brauerschwend wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Erster Staats- anwalt I ö ck e l. Vertheidiger: Rechtsanwälte Grünewald und Dr. Stein.
Neueste Nachrichten.
Depeschen de» Bureau r£tro£b*.
Varziu, 23. September. Ungefähr 150 0 Westpreußen sind heute Mittag hier eingetroffen. Unter Vorantritt einer Musikcapelle nahmen sie im Schloßhof Auf- stellung. Nachdem das Lied „Die Ostwacht" gesungen war, trat Fürst Bismarck auf die Schloßveranda und wurde jubelnd begrüßt. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn v. Tournier an Bismarck und nachdem ein begeistertes Hoch auf thn auS- gebracht worden war, hielt der Fürst eine längere Rede. Hierauf wurden demselben stürmische Ovationen dargebracht. Um 3 Uhr traten die Westpreußen die Rückreise ab Hammer- m Trakehuru, 23. September. Heute srüh ist der Kaiser hier eingetroffen. Derselbe wurde von der Bevölkerung stürmisch begrüßt. Der Monarch fuhr sofort nach dem Jagdhaus Rominten. „ v .
Aschaffenburg, 23. September. Anläßlich des gestern und heute hier ftattfindenden Parteitages der deutschen Volkspartei wurde gestern Abend eine öffentliche Volksversammlung im Schützenhof abgehalten, in der die Herren K. Hausmann, Dr. Konrad, Galier u. A. unter großem Beifall sprachen. Folgende Resolution wurde angenommen: Die heutige zahlreich besuchte Versammlung spricht die Ueber- zeugung aus, daß der beste Schutz gegen Umsturzbestrebungen in der Entwickelung freiheitlicher Einrichtungen und in gesunden politischen und socialen Reformen bestehe und fordert alle unabhängigen Leute auf, gegen jedes dle Freiheits beschränkende Gesetz auf das Entschiedenste einzutreten.
Rewyork, 23. September. Ein Cyklon tn Minnesota hat neun Städte und Dörfer verwüstet. Sechzig Menschen sind umgekommen.
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. September. Die diesjährigen Manöver- | reisen des Kaisers Wilhelm haben mit seinem Besuche in Thorn, wo der hohe Herr am SamStag den an diesem Tage zu Ende gegangenen Festungsübungen beiwohnte, ihren Abschluß gefunden. Auf dle mancherlei Anstrengungen und Beschwerden, welche die großen Land- und Seemanöver für den erlauchten Monarchen mit sich brachten, folgt für ihn nun eine kurze ErholungSzeit, denn eine solche bedeutet dem Kaiser der Jagdaufenthalt, welchen er vom Montag ab wiederum in Schloß Rommten tn Ostpreußen genommen hat. Ueber den Zeitpunkt der Rückkehr des Kaisers nach dem Neuen Palais bei Potsdam ist indeffen noch nichts be- fannt. — Den Abschluß der Kaisermanöver der deutschen Flotte bildete oas Paradediner, welches am Freitag Nachmittag an Bord der kaiserlichen Yacht „Hohen- zollern" sür die decorirten Marineoffiziere stattfand, sowie das Abends nachfolgende Festmahl für die Schiffscomman- deure, welchem auch Prinz Heinrich von Preußen und Erzherzog Karl Stephan von Oesterreich beiwohnten. Alsdann lief die „Hohenzollern" unter dem Geschützgruß der Forts in den Hafen von Swinemünde ein- um 10 Uhr Abends ging der Kaiser an Land, empfangen von den begeisterten Hochrufen der Bevölkerung, und reiste mittels Hofzuges alsbald nach Thorn ab.
— Im Reichstagswahlkreise Stendal-Osterburg steht eine Nachwahl bevor, weil das Mandat des bisherigen conservativen Vertreters, des Landraths v. Jagow, infolge Rangerhöhung des letzteren ungiltig geworden ist. Dem Vernehmen nach hat indeffen Herr v. Jagow eine nochmalige Candidatur abgelehnt, so daß die Conservativen einen neuen Vertreter ausstellen müffen. In dem genannten Wahlkreise ist eine starke freisinnige Minderheit vorhanden und auch die Zahl der socialdemokratischen Wähler ist keines- wegs unerheblich.
— Wegen andauernder Choleragefahr sind in den Kreisen Oppeln, Myslowttz und Kreuzburg sämmt- ltche Krämer- und Viehmärkte bis auf Weiteres verboten worden.
Berlin, 22. September. Heute Vormittag 8 Uhr traf der Kaiser mittelst Extrazuges in Thorn ein; auf dem Bahnhofe waren der Kriegsminister, Oberpräsident v. Goßler und mehrere hohe Militärs zum Empfang anwesend. Unter Glockengeläute erfolgte der Einzug des Kaisers zu Pferde in itc festlich geschmückte, von dichten Menschenmaffen belebte Stadt. Auf dem Festplatze wurde der Monarch von der Tochter des Oberbürgermeisters von Thorn durch ein Gedicht und ein Bouquet begrüßt, alsdann hielt der letztere eine Ansprache und überreichte den Ehrentrunk. Der Kaiser trank den Becher auf das Gedeihen der Stadt Thorn und hielt eine Rede, in welcher er Unter Anderem ausführte: „Ich habe mich gefreut, wahrzunehmen, daß Thorn das Deutsch- thum zu wahren bestrebt ist. Es ist zu meiner Kenntniß gekommen, daß leider die polnischen Mitbürger hterselbst sich nicht so verhalten, wie man es erwarten und wünschen sollte; ste mögen es sich gesagt sein laffen, daß sie nur dann auf meine Gnade und Theilnahme tn demselben Maße wie die Deutschen rechnen dürfen, wenn sie sich unbedingt als preußische Unterthanen fühlen. Ich hoffe, daß die Thorner polnischen Mitbürger sich entsprechend dem, was ich in Königsberg gesagt, verhalten werden, denn nur bann, wenn wir alle, Mann an Mann geschloffen, wie eine Phalanx zusammen- stehen, ist es möglich, den Kampf mit dem Umsturz siegreich zu Ende zu führen." Nach der Rede ritt der Kaiser die Front der Mitglieder des Vereins der Ritter vom eisernen Kreuz ab und begab sich unter dem Jubel der Bevölkerung nach dem Rudaker Schießplätze.
Berlin, 22. September. Die Audienz, die gestern der japanische Prinz Yanaschina in Swinemünde an Bord der „Hohenzollern" beim Kaiser gehabt hat, bewies ersterem das besondere Wohlwollen des Katsers. Das Gespräch kam auch auf den Krieg. Prinz Yanaschina reist heute nochmals von hier nach Kiel, um noch e nige Angelegenheiten zu ordnen. Dann tritt er über Berlin seine Heimreise nach Japan an.
Berlin, 22. September. Wie der „Reichsanzeiger" mit- theilt, wird vom 1. October ab der Fernsprechverkehr zwischen Berlin und Bremen, sowie zwischen Köln a. Rh. und Hamburg eröffnet.
Berlin, 22. September. Die „Statistische Corresp." beziffert die Ernteaussichten Mitte September: Kartoffeln auf 3,1; Klee 2,8; Wiesen 2,3. Stand der jungen Saaten: Winterweizen 2,3; Winterspelz 1,1;! Winterroggen .2,5; Klee 2,0; Probedrüfche von Winterroggen 1325, Sommerroggen 950 Kilogramm vom Hectar, wobei eine
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bcx «olgendcn Tag erscheinenden Nummer- bis Vorm. 10 Uhr.
. I bewarf sie mit Steinen. Schließlich entstand eine große a Schlägerei und die Polizei mußte die Procession auflösen.
London, 22. September. Wie aus Shanghai gemeldet wird, sind bei der Seeschlacht eine große Anzahl chinesischer Offiziere umgekommen. Auf vier Kriegsschiffen, welche nach Port Arthur zurückkehrten, fehlten 17 Capitäne. Der Admiral Ting wurde durch Granatsplitter


