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letzteren dadurch m Vortheil vor anderen Berussarten bringe. Durch den fortwährenden Umgang mit den Schülern habe der Lehrer erst eine Ahnung vom Alter, wenn es nicht mehr gehe. Der Jugendsinn aber stecke nicht nur in dem Menschen, so lange er in die Schule gehe, sondern darüber hinaus. Der Lehrer müsie jugendfrisch sein, deshalb habe er sich bemüht, seine Jugendfrische zu bewahren. Er wünsche allen einen fröhlichen Jugendsinn, die Jugend, der das Leben und die Zukunft gehöre, sie lebe hoch!

Herr Oberbürgermeister Gnauth: Nicht allein Schüler, auch Freunde des Herrn Profeffor Buchner hätten sich ein­gefunden, um ihren freudigen Gefühlen Ausdruck zu geben - zu letzteren gehörte auch er- nicht allein das hohe Maß per­sönlicher Werthschätzung habe ihn zur Theilnahme an der heutigen Feier bewogen, sondern er wolle als Bürgermeister der Stadt Gießen auch bekunden, daß das Wirken Buchners der Stadt zu Gute gekommen. Was Buchner der Anstalt, den Lehrern und Schülern gewesen, sei bereits gewürdigt worden, aber auch sein Wirken über l ie Schule hinaus, seine vielseitige Thättgkeit im Leben, haben ihm zahlreiche Verehrer gewonnen. Professor Buchner habe Aller Blicke geschärft und geweckt für unsere nähere und weitere Umgebung, als Geschichtsforscher habe er uns vieles schätzen und lieben gelernt, was bisher unbeachtet blieb- das Museum des Geschichtsvereins verdanke ihm seine Entstehung, und wenn in zwei Jahren das alte Schloß die herrliche Sammlung aufnehmen werde, dann werde man erst bewußt werden der Verdienste dieses Mannes. Er habe der jüngeren Generation gelehrt, d e Schönheiten der Stadt und der weiteren Umgebung zu schätzen und die Liebe dafür zu stärken. Mit der Lehrtätigkeit sei aber seine sonstige Thätigkeit nicht erschöpft. Die Bestrebungen in Vereinen, für die er gewirkt, legten Zeugniß dafür ab. Und wenn er (Redner) als Bürgermeister neben den vielen Verdiensten noch ein Verdienst Buchners um die Stadt streife, so erwähne er nur, daß Buchner allmonatlich bestätige, daß das Gas Heller leuchte, als es eigentlich solle (Heiterkeit). Herr Profeffor Buchner sei für Alles, was er gethan^ allseitiger Anerkennung sicher- doppelt erfreulich sei es aber, sich heute einer so großen Ver­sammlung treuer Freunde und Schüler gegenüber zu befinden. Als Lehrer wünschten alle dem Jubilar die verdiente Ruhe nach seinen Erfolgen - sein Geist und Körper aber sei noch zu frisch, als daß wir aus ihm nicht noch Vieles außerhalb seines Lehrerberufes herausholen sollten- den Lehrer für die Schüler haben wir verloren, den Lehrer für das Leben aber wollen wir noch recht lange erhalten. Und dieser Lehrer im weiteren Sinne lebe hoch!

Herr Reiber constatirt in seiner nun folgenden Ansprache, daß die über die Verdienste des Herrn Professor Buchner bereits gesprochenen Worte allen seinen Schülern aus dem Herzen gesprochen- er möge daraus entnehmen, daß die Gefühle der Anhänglichkeit und Dankbarkeit lebendig seien und ihm auch ferner erhalten blieben. Redner lobt Herrn Profeffor Buchner als Lehrer, dessen Stunden seinen Schülern die Lieblingsstunden gewesen- in denselben sei er streng, aber gerecht gewesen, bei den Schul-Ausflügen aber habe sich Herr - Buchner als Freund seiner Schüler gezeigt, als Haupt einer Familie, und so betrachte er (Redner) auch die heutige Feier als einen großen Familienabend - im Hinbick auf diesen Familienabend und die große Familie des Gefeierten gelte sein Hoch der Familie Buchner.

Herr Uhl gedachte in beredten Worten der Schule,näher auf deren Aufgaben und Ziele eingehend- er müsse eonstatieren, daß die Schule immer ihre Aufgaben erfüllt, überall finde man frühere Schüler des Gießener Realgymnasiums und der Realschule- er wünsche, daß diese Schule auch ferner sei und bleibe eine Stätte edlen Strebens, eine Pflegstätte ächten Deutschthums. Sein Hoch gelte deßhalb der Schule.

Herr Professor Buchner gedenkt der Freunde und Schüler, die in weiter Ferne, theils in überseeischen Ländern weilen, er habe gefunden, daß die Gießener doch überall hin verstreut seien. Eine größere Anzahl derselben habe seiner ! gedacht und ihn brieflich und telegraphisch zum heutigen Tage I beglückwünscht- wenn man so viele Anhänglichkeit und Freude von seinen Schülern erfahre, so müsse man bedauern, daß sie nicht alle'kommen konnten- mit vielen seiner Schüler sei er in dauerndem Verkehr geblieben - das Verdienst seiner Schüler aber sei es auch, daß die Sammlungen der Anstalt sich im Laufe der Zeit so bereicherten, zahlreich seien die Zusendungen für die Sammlung selbst aus entferntesten Gegenden gewesen - in Gedanken sähe er die ehemaligen in der Ferne weilenden Schüler, die der Heimath gedacht, ihnen gelte fein Hoch.

Herr Professor Dr. Sievers bezeichnet in Herrn Profeffor Buchner den um die Oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hochverdienten langjährigen Schriftführer, den Dank der Gesellschaft demselben darbringend- für die Thätig­keit Buchners zeuge eine Reihe stattlicher Bände - die That- sache, daß an Buchner eine Reihe von Erscheinungen in den Vorstandsämtern vorübergegangen, ermöglichte es vielfach, daß man bewährten Rath in den die Gesellschaft berührenden Fragen immer bei Buchner holen konnte; eine große Reihe von Abhandlungen fei aus der rührigen Feder Buchners hervor- gegangen, und die Gesellschaft erwarte auch künftig, daß er die Schleusen seiner schriftstellerischen Thätigkeit öffne, auch künftig der Gesellschaft mit Rath und Thal zur Seite stehe. Herr Professor Sievers trank, unter der Aufforderung an die anwesenden Mitglieder der Oberhess. Gesellschaft f. N. u. H. dasselbe zu thun, auf das Wohl des Herrn Buchner.

Herr W. Herbert, erster Sprecher des Turnvereins, feierte Herrn Prof. Buchner als Förderer der Turnerei und als practischen Turner. Er sei dem Verein beigetreten zu einer Zeit, als noch Vorurtheile und sonstige Hindernisse der Turnerei sich entgegengeftellt. Herr Prof. Buchner habe die Turnerei in Gießen, im Verein mit Ehr. Rübsamen, in die Höhe gebracht und sei mehrere Jahre Vorsitzender gewesen. Mit Freuden gedenke man heute noch der unter Theilnahme und Führung Buchners veranstalteten Turnfahrten, derselbe habe sein Theil dazu beigetragen, daß Gießen stets eine Pflegstätte der Turnerei gewesen. Er fordere, indem er der Hoffnung

Ausdruck gebe, daß der Turnerei stets recht viele Freunde zur Seite stehen möchten, die Anwesenden aus, mit ihm ein­zustimmen in den schlichten Turnerruf:Hut Heil"!

Herr Stadtverordneter Löb er feierte den Lehrerftand, der der hiesigen Schule eine so hohe Bedeutung gegeben, so daß sie die erste Stelle einnehme - die Schule habe stets den Kreis ihres Wirkens vergrößert und mancher alte Schutt sei durch die in ihr gepflegte Wissenschaft hinweggeschwemmt worden. Er gab weiter der Freude Ausdruck, daß es uns ver­gönnt sei, Herrn Prof. Buchner noch rüstig hier zu sehen, nachdem viele Schüler theils der Heimath entfremdet, theils dorthin gegangen, von wo es keinen Rückweg mehr gebe- ihnen möge gelten der Abschiedsgruß der Heimath.

Die Pausen zwischen den trefflichen, hier nur kurz skizzirten Ansprachen wurden durch die Regimentsmusik und mit dem Abfingen von Liedern ausgefüllt. Daß hierbei auch der Humor zur Geltung kam, möge das nachstehende, von einem früheren Schüler des Herrn Buchner verfaßte, nach der MelodieO alte Burschenherrlichkeit" gesungene und sehr beifällig aufgenommene Lied beweisen:

Rückblick.

Schockweise schleppten wir die Blu- Men heim, zu Haus im Stall die Kuh Die bat sie dann gefressen!

Wo bleiben die Jnt'ressen?

Geo- und Mineralogie, Die beiden sind verschwistert, Was ich gekonnt, mit Noth und Müh' Hat man mir zugefliistert.

Was nützten mich mit ihrem Schein Das Nordlicht und der Edelstein. Nach Bickelstein, dem schönen, Blieb ungestillt mein Sehnen.

Chemie, du warst mir kein Plaisir, Dieweil du zu verwickelt, Und in Physik, da wurde mir Zu viel geperpentikelt.

Physik, Chemie, Chemie Physik Mir schwindelt heute noch der Blick. Hurrah die alten Chatten!

Die keine Schulen hatten.

Trotzdem hab' ich's zu was gebracht Ich bin noch lang' kein Stoffel: Mein Vieh vermehrt sich Tag und

Nacht;

Desgleichen die Kartoffel.

Drei Jahre war ichSchwolang- scheer",

Da hab' ich meine Bildung her;

Ich laß mein' Sohn studiren Und mich nichts ästimiren!

5. Freitag den 28. September, Vormittags 8*/2 Uhr 7 Angeklagter Karl Len sch von Brandenburg a. d. H. wegen Nothzucht. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilling- Trhgophorus. Vertheidiger: Rechtsanwalt Labroisse.

6. Freitag den 28. September, Vormittags 11 Uhr: Angeklagter Ludwig Westerweller von Burkhards wegen Urkundenfälschung. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, Vertheidiger: Rechtsanwalt Hirschhorn.

7. Samstag den 29. September, Vormittags 9 Uhr: Angeklagter Johann Georg Möller von Gunzenau wegen Betrug, Urkundenfälschung, Verbrechen im Amt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Schilling-TrygophoruS. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Jung.

8. Montag den 1. Oetober, Vormittags 9 Uhr: An­geklagte Adam H0rni und Johannes Müller I. von Birklar wegen Meineid und Anstiftung dazu. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Vertheidiger: Rechtsanwälte Metz und Kraft.

9. Dienstag den 2. October, Vormittags 9 Uhr: An­geklagte Peter Grodevendt Ehefrau von Ilbenstadt wegen Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwalt Dr. Stein.

10. Mittwoch den 3. October, Vormittags 8V2 Uhr: Angeklagter Kaspar Berk von Stockhausen wegen Ver­brechen wider die Sittlichkeit. Die Anklage vertritt Staats­anwalt Schilling-Trygophorus. Vertheidiger: Rechts­anwalt Dr. Schwarz.

11. Donnerstag den 4. October, Vormittags 9 Uhr: Angeklagte Sibylle Schul von Ober-Sorg wegen Meineid und Friedrich Reibeling von Brauerschwend wegen Verleitung dazu. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Jöckel. Vertheidiger: Rechtsanwälte Jost und Dr. Rosen­berg.

** Buchuer-Feier Die Feier, welche die ehemaligen Schüler des in den Ruhestand getretenen Herrn Prof. Dr. Otto Buchneram Samstag Abend in Steins Saale zu Ehren ihres Lehrers veranstalteten, war eine in jeder Beziehung wür­dige und gelungene. Der Saal war festlich decorirt- die Vertreter der Behörden und hiesigen Lehranstalten, die Collegen, die Vorstände einer Anzahl Vereine, sowie viele Freunde des Herrn Professor Buchner hatten sich mit den ehemaligen Schülern, die zum Theil aus der Fremde herbeigeeilt waren, zusammengefunden. Die Reihe der An­sprachen eröffnete Herr Fabrikant Eichenauer mit dem Hinweis auf die schönen, unter Leitung des verehrten Lehrers in der Schule genossenen Stunden, der in ihnen mit der Liebe zur Natur auch die Liebe zum Vaterlande geweckt- dies gebe ihm Veranlassung, in erster Linie ein Hoch auf Kaiser, Groß­herzog und Vaterland auszubringen, ein Hoch, in welches die Versammlung dreimal kräftig einstimmte. Hierauf ergriff Herr Realgymnasiallehrer Dr. Pitz das Wort, um als ehe­maliger Schüler und mehrjähriger College Herrn Professor Buchner zu begrüßen. Freunde und Schüler hätten sich heute zusammengefunden, um ihm die Ehren zu erweisen, wie er sie in 40 jähriger Thätigkeit sich erworben. Es sei ein schwerer Schritt für Herrn Buchner gewesen, als er eine Wirksamkeit einstellte, die ihm zur zweiten Natur geworden - rührend sei der Abschied von der Schule gewesen. Wer zu­rückblicke auf die früheren Zeiten der Schule, der könne die Gefühle begreifen, die den Scheidenden jetzt beschlichen. Im Hinblick auf die erfolgreiche Thätigkeit Buchners, seine Eigen­schaften als Mensch und Lehrer, seien seine früheren Schüler ihm Dank schuldig. Er erinnerte an die Jubelfeier des Jahres 1887, an die Fortschritte, die in der langen Lehrtätigkeit des Gefeierten die Anstalt, aus welcher ihm das Scheiden so schwer geworden, gemacht, an die naturwissenschaftliche Sammlung, die unter steter Fürsorge des Herrn Professors zu einer der reichhaltigsten und lehrreichsten ausgestaltet wurde. Aus all dem Erwähnten fordere er daher die Versammlung auf, die Gefühle des Dankes zusammenzufaffen in dem Rufe: Herr Prof. Dr. Buchner lebe hoch! Nachdem das Hoch ver­klungen, überreichte Herr Dr. Pitz im Namen der Schüler und Freunde Herrn Prof. Buchner ein Album, enthaltend die Widmung, die Anrede und die Liste mit der Unterschrift aller an der Festversammlung Teilnehmenden. Das Album ist geschmackvoll ausgeführt, die Decke mit Silberbeschlag versehen, die Blätter der Einzeichnungsliste sind geschmückt mit Aquarellzeichnungen, darstellend 1) Die alte Realschule (jetziges Polizeigebäude in der Weidengasse), 2) Die Real­schule am Neuenwegerthor, (jetziges Bürgermeistereigebäude), 3) Das neue Realgymnasium und Realschule in der Ludwigs- ftraße, 4) Die alte Universität am Brand, 5) Den Hardthof, 6) Das Gesellschaftshaus, 7) Ansicht von Gleiberg und Vetz­berg, 8) Schiffenberg, 9) Badenburg, 10) Eine Phantasie­zeichnung. Die Zahl der Unterschriften dürfte nach unserer Schätzung 400 überschritten haben.

Herr Prof. Buchner gedachte in seiner Ansprache, in­dem er seinen Dank für die ihm bereitete Ovation ausdrückte, zunächst der Zeit seines Amtsantrittes - seine Lehrthätigkeit sei in eine bewegte Zeit gefallen, er habe sie angetreten, als die Anstalt noch klein gewesen, im Laufe der Zeit habe sie sich gewaltig entwickelt. Aber Alles habe eine Ende, auch der Schulmeister müsse einmal aufhören, wenn er älter werde, dafür feien jüngere Kräfte da. Innerlich bewegt habe ihn sowohl der Abschied von der Schule, wie die gestrige und heutige Veranstaltung und angesichts der Aeußerung solcher Anhänglichkeit von Seiten seiner Schüler erkläre er, daß er feine Jungen" immer gern gehabt- wenn es einmal einen Huscher" abgesetzt, so sei dies sicherlich gut gemeint gewesen. 3n gleichem Maße, wie er seine Stellung als Lehrer zu wahren gesucht, habe er als Freund der Schüler zu handeln sich bestrebt. Gerade in der letzten Zeit sei ihm io manches eingefallen, woran er seit langem nicht mehr gedacht- die Dummenbubenstreiche in der Schule seien vergessen, die Streiche außerhalb - der Schule seien ihm aber noch in Erinnerung. Er gab hieraus einige Erlebnisse aus den vielen Schüler- führten zum Besten, betonte den günstigen Einfluß, den der Umgang mit der Jugend selbst auf den Lehrer ausübte, und

Gar mancher rühmt sich hier im Saal:

Was lernt ich einst so fleißig", Doch war die Schul' ihm eine Qual, Ein Faulpelz er, das weiß ich. Ich nehm' es an mir selber ab; Das Lernen schien mir einst mein Grab, Doch leb' zu meiner Freude Ich, Gott sei Dank, noch heute!

Wie lag mir doch die Zoologie Manchmal so schwer tm Magen. Die Lehre von dem Federvieh Wollt niemals mir behagen.

Nur Balge stellt man vor mich hin, Die waren nicht nach meinem Sinn. Gebraten und gebacken, Ja, da thät's besser packen!

Unheimlich wird mirs', wie noch nie, Wenn Jemand davon anfängt, Von der geliebten Ge'graphie Und was so drum und dranhängt. Wie oft träumt ich auf meiner Streu Vom Cap Severowostotchnoi! Azoren und Antillen!

Das waren bittre Pillen.

Botanik ja! das ist ein Fach, Was mich hat int'ressiret, Weil wir am Samstag Nachmittag Hinaus ins Feld geführet.

Der Ruf nach dem Dichter dieser ergötzlichen, in Versform gebrachtenFr ech"heit wurde vom Vorsitzenden mit einem Salamander auf den Verfasser, der nicht genannt fein wollte, beantwortet. Nach Schluß des officiellen Theiles spann sich unter Vorsitz des Herrn Hermann Petri die allgemeine Fidulität bis lange nach Mitternacht fort.

** Zur Tabaksteuerfrage. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Durch die Blätter gehen neuerdings, wie heute durch ein phälzisches, Mittheilungen über die im Reichstage zu er­wartende Tabaksvorlage. Alle bisher über letztere gemachten Angaben beruhen auf Combination, denn, wie wir erfahren, ist der im Reichs-Schatzamt vorbereitete Entwurf noch nicht ; einmal den verbündeten Regierungen zugegangen.

** Zum Ferusprechbelrieb. Die Postbehörden tragen sich, wie derNat.-Ztg." berichtet wird, mit Erwägungen darüber, | ob für die Teilnehmer am Fernsprechbetrieb ein anderer ; Berechnungsmodus einführbar ist als der jetzige. @6' > werden Versuche mit einem selbstregiftrirenden Control-Apparate ! angestellt, welcher die Zahl der stattgehabten Verbindungen verzeichnet. Der Zahlungsmodus würde, falls die jetzt an- gestellten Versuche die allgemeine Einführung als empfehlens- werth erscheinen lassen, eine gewisse Ähnlichkeit mit derr früheren Telegrammtarifen für das Ausland haben: eine Grundtaxe für die Aufnahme in das Fernsprechnetz und dann Zahlung für tatsächlich gehabte Gespräche, die natürlich sehr niedrig zu bemeffen sein müßten, falls sich nicht für viele Theilnehmer eine sehr bedeutende Erhöhung gegen die jetzige Jahresmietbe Herausstellen soll.

** Hühnerjagd mit Hindernissen. Am vergangenen Samstag ging einem Bäuerlein auf dem Marktplatz ein Hinkel" durch. Verfolgt, nahm es seinen Weg durch die Schulstraße in die Wagengasse, woselbst das scheu gewordene Thier durch die offene Hinterthür in einen Galanteriewaaren- laden eindrang, wo es von dem Geschäftsinhaber empfangen wurde, welcher sich nunmehr an der Treibjagd beteiligte. Das Resultat der Jagd waren eine Anzahl zerbrochener Luxuswaaren im Werthe von etwa 30 Mark, welche nun dem Bäuerlein zur Verfügung gestellt wurden. Letzterer war von diesem Jagdabschluß durchaus nicht sehr erbaut.

t Lich, 21. September. Bei der gestern hier statt- gefundenen Beigeordnetenwahl trug Kasserechner LouiS T) ärmer den Sieg mit 190 Stimmen davon. Die beiden anderen Candidaten erhielten 106 bezw. 31 Stimmen.

Butzbach, 22. September. Ein gräßlicher Unglücks­fall ereignete sich am Donnerstag früh in der Vogt'schen Dampfziegelei am hiesigen Bahnhofe. Ein ca. 20 Jahre alter braver Arbeiter aus Oberkleen war an der Erdmühle be­schäftigt. Durch irgend eine unglückliche Hantirung an dieser tm GangeHbefindlichen Maschine kam die eine Hand des jungen Mannes in die sogenannte Schnecke, sodaß, noch ehe die Maschine gestellt werden konnte, die Hand ausgerissen und der Arm so zerquetscht wurde, daß eine Amputation des Armes unaus­bleiblich erscheint. Die alsbald anwesenden Aerzte legten dem Verunglückten einen Nothverband an, worauf der Be- dauernswerthe mit dem Zug 7 Uhr 44 Min. in die Klinik nach Gießen gebracht wurde.

Bad-Nauheim, 21. September. Einem Handlungs­reisenden aus Norddeutschland ist sein vorübergehender Geschäftsaufenthalt in der hiesigen Stadt im Laufe be& Sommers verhängnißvoll geworden. Er sah zwei Weib-