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zu fassen über die eventuelle Zulassung der Mädchen und Frauen zur Universität, besonders für das medicinische Studium.

Paris, 23. Juli. Der socialdemokratische Abgeordnete Bi Viani erklärte in derRepublique", das Vertrauens, Votum, welches die Regierung verlange, werde die Socialisten nicht abhalten, neue Anträge zum Anarchiftengesetz ein­zubringen und auf der Discussion bereits eingebrachter An­träge zu beharren. Mehrere Blätter sagen, die Regierung scheine erschüttert wegen der ungeschickten Concessionen, welche sie den Socialisten bisher gemacht habe.

Loudon, 23. Juli. Wie dieTimes" aus Shanghai meldet, ist auf eine Vermeidung des Krieges zwischen China und Japan nicht die geringste Aussicht vorhanden. Japan lehne alle Gegenvorschläge Chinas ab.

Loudon, 23. Juli. Der Besitzer eines hiesigen kleineren Blattes hat mehrere anarchistische Drohbriefe er­halten, in denen ihm mitgetheilt wurde, daß er, sowie der Redacteur des Blattes nach Beschluß des anarchistischen Executiv Comites zum Tode verurtheilt worden seien. In der hiesigen Presse hat die Angelegenheit ungeheure Sen­sation hervorgerufen.

Konstantinopel, 23. Juli. In einer Stadtgegend Stambuls wurden bis jetzt 110 beschädigte Häuser nieder­gerissen. Trotz der Verheimlichung der Behörden wurde fest­gestellt, daß durch das Erdbeben über tausend Personen den Tod gefunden haben.

Localer «n- provlitzleller

Gießen, den 24. Juli' 1894.

** Verkehrsuotiz. Wir verweisen hiermit auf die Be­kanntmachung König!. Eisenbahndirection Hannover in heutiger Nummer, wonach vom 1. August weitere zwei Züge auf der Strecke Marburg-Weidenhausen eingelegt wurden. Deckblätter zu Taschen- und Aushangfahrplänen werden an den Fahr­karten Verkaufsstellen unentgeltlich abgegeben.

** Oberhesfischer Bieuenzüchterverein. Nachdem am vergangenen Sonntag die gut beschickte Ausstellung von Bienen­völkern, Bienengeräthen, Honig, Wachs, Waben :c. eröffnet worden, fand gestern Vormittag eine Besichtigung durch die Mitglieder sowie die Vornahme practischer Demonstrationen an den Stöcken statt. Die im Laufe des Vormittags zahl­reich eingetroffenen Imker folgten mit Jnrereffe den Ver­handlungen der Generalversammlung, die um 10 Uhr von dem Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Ellenberger-Ortenberg, unter Anwesenheit der Herren Provinzialdirector Frhr. v. Gagern, Landesöconomierath Müller, Oberbürgermeister G n a u t h, der Vertreter der Sectionen u. s. w. eröffnet wurde. Der Vorsitzende erstattete eingehend Bericht über die Thätigkeit des Gesammtvereins sowie der Einzelvereine und constatirte, daß die edle Imkerei in unserer Provinz eine dauernde Pfleg­stätte gesunden- auch die nach der Wahl der verschiedenen Commissionen erstattete Rechnungsablage wurde mit Be­friedigung entgegengenommen. Än die Referate der Herren Pfarrer Ellenberger Ortenberg und Schrimpf - Butzbach schloffen sich anregende Besprechungen. Herr Pfarrer Ellen­berger sprach über die Ruhrkrankheiten der Bienen, Herr Pfarrer Schrimpf über Königinnenzucht. Als Ort für die nächstjährige Wanderversammlung wurde Nidda gewählt. Eine Anzahl hervorragender Ausstellungsgegenstände wurden prämiirt und kamen recht ansehnliche Preise zur Vertheilung. Die Ausstellung von Honig hatte noch im Laufe des Vor­mittags eine umfangreiche Erweiterung erfahren- es wurde davon ein größeres Quantum zur Verloosung, die während der Verhandlungen stattfqnd, angekauft und repräsentirten die hübschen 2 Pfd.«Gläser mit ihrem aromatischen Inhalt recht ansehnliche Gewinne. Die Ausstellung von Bienengeräthen war gut beschickt; u. A. hatten ausgestellt: H. Haeckel- Göppingen, Ad. Perron-Vilbel, Weckfort-Nieder-Eschbach, Sch mid t - Großen-Buseck eine Anzahl Honigschleudern- mit Bienengeräthen waren vertreten: Heck - Nidda, Schmidt- Großen-Buseck, M ö ll er-Zahmen, Herch e-Ranstadt - mit Waben: Berta-Fulda- mit Hontgbehältern: Hühnergarth-Ehrings- hausen. Auch hiervon kamen Gegenstände zur Verloosung. Um 1 Uhr fand im Saale ein gemeinsames Mittagessen statt - bei demselben toastete Herr Pfarrer Ellenberger auf Se. Maj. den Kaiser und Se. Königl. Hoheit den Großherzog, ein zweiter Toast galt dem Vertreter der oberen landwirthschaft- lichen Behörde, Herrn Landesöconomierath Müller, Herr Pfarrer Schrimpf brachte ein Hoch auf die Stadt Gießen und ihren Oberbürgermeister, Herr Landesöconomierath Müller auf den Oberh. Bienerzüchterverein und Herr Lehrer Spitz auf die Gäste aus. Während der Mittagstafel spielte die hiesige Regimentscapelle. Die Theilnehmer sprachen sich anerkennend über das Gebotene, besonders auch über Küche und Keller des Herrn Stein (den Tischwein lieferte Herr Saame) aus. Der Nachmittag vereinigte bei Concert die Bienenzüchter und deren Freunde und Familien, die zum Theil aus den entlegensten Orten der Provinz gekommen waren, in fröh­lichster Stimmung bis zum Abend. Wir hoffen und wünschen, daß die diesjährige Versammlung des Oberh. Bienenzüchter­vereins das Jntereffe für die Bienenzucht in immer wettere Kreise trage.

** Vom Rudersport. Die Anregung des Kaisers hin­sichtlich des Rudersports in studentischen Kreisen ist auch in Offizierskreisen auf fruchtbaren Boden gefallen. So gehen die Offiziere der Potsdamer Garnison mit dem Plan um, einen Ruderverein ins Leben zu rufen. Eine Bootswerft in Friedrichshagen ist bereits mit dem Bau verschiedener Ruder- und Segelboote betraut worden.

** Die Einstellung der Rekruten bei den Truppentheilen, für die gemäß der Cabinetsordre vom 15. März 1894 und der Ausführungsbestimmung die Fortsetzung des Rekruten- Einftellungstermins noch Vorbehalten ist, hat noch näherer Anordnung der Generalcommandos in der Zeit vom 11. bis 17. October d. I. zu erfolgen.

♦♦ Die Regiments Schuhmacherwerkstatteu der sämmtlichen Regimenter werden nach einer Verfügung des Kriegsministeriums im Jahre 1896 eingehen und alle Fußbekleidung alsdann in den Corps-Werkstätten angefertigt werden. Die Erfahrungen, die man alsdann macht, sollen dahin entscheidend sein, ob auch die anderen Handwerker - Abtheilungen der einzelnen Regimenter eingehen und nur noch Corps-Werkstätten bestehen bleiben.

** Der Getreidemarkt. Auf dem deutschen Getreidemarkt macht sich im Allgemeinen noch immer geschäftliche Unlust geltend, trotz wiederholter Ansätze zum Befferen. Auch die vorige Berichtswoche ließ diesen Character vorwiegend erkennen, denn obwohl anregende Auslandsberichte Vorlagen und auch die fortgesetzten schwankenden Witterungsverhältniffe einer Belebung des Geschäfts günstig zu sein schienen, so besserte sich schließlich die Tendenz doch nicht. Bei Weizen wie Roggen ließen starke Realisationsbedürfnisse keine bleibende, Preissteigerung zu, zumal die Kauflust recht matt war. Hafer wies dieselbe Verkehrsstille bei unveränderten Preisen auf, welche diesen Artikel schon seit Wochen characterisirt. Notirungen vom Berliner Productenmarkt, Alles per 1000 Kilogramm: Weizen 134143 Mk., Roggen 115 bis 120 Mk., Hafer 130162 Mk., Gerste 96 bis 165 Mk.

Grimberg, 21. Jul. Die W asserleitungsfrage, die durch den zu einem wahren Mißstand auSgearteten be­ständigen Wassermangel zu einer brennenden geworden, ist durch einen kürzlich erfolgten Beschluß unseres Gemeinderaths einen guten Schritt ihrer Lösung entgegengeführt worden. Derselbe geht dahin, daß zu der Heraufbeförderung der nöthigen Wassermenge aus dem Brunnenthal ein Benzin- Motor beschafft werden soll. Mit der Ausarbeitung von Plänen und Voranschlägen ist der Herr Regierungsbaumeister Schmick zu Frankfurt a. M., der Leiter der Wasserwerks- Anlagen Queckborn-Gießen, beauftragt worden. Der Plan, die Stadtmühle, bezw. deren Wasserkraft anzukaufen und daselbst das Triebwerk einzurichten, ist aufgegeben worden, weil dem Gemeinderath der geforderte Preis von 30000 Mk. zu hoch erschien.

Grünberg, 21. Juli. Ein hiesiger Einwohner entließ vor einiger Zeit seine drei Gänse zur Morgenpromenade, war aber nicht wenig erstaunt, als dieselben sich bereits nach Verlauf einer Stunde in gründlich gerupftem Zustande wieder präsentirten. Die Folgen diesesGänse­marsches" haben dieser Tage zu polizeilichen Weiterungen geführt.

H. Hungen, 23. Juli. Bei uns ist plötzlich die Diph th e- ritis aufgetreten, hat in einem Hause ein Opfer gefordert, während ein zweiter Fall in derselben Familie gutartig ver­läuft. Die Krankheit ist offenbar von Außen eingeschleppt worden. Die Ernte hat mit dem Kornschneiden be­gonnen, das aber durch Gewitterregen sehr oft gestört worden ist. Wir haben genügende Feuchtigkeit und müßten noth- wendig trockene, warme Erntewitterung haben. Die Gerste ist auch in den letzten Tagen ebenfalls in der Reife stark vorgeschritten, so daß sich die Arbeiten sehr drängen werden. Die Zwetschenbäume hängen hier und in der Um­gegend so schwer voll, daß Aeste brechen, obgleich die Bäume gestützt worden sind. Kleine Brennereien stellen ihre Apparate, Bütten und Fässer in die Reihe, um bet den guten Zwetschen- aussichten billiges Material erwerben und guten Zwetschen- geist Herstellen zu können. Einsender hat dies in früheren Jahren wiederholt gethan und stets ein befriedigendes Resultat erzielt, besonders, wenn er den Zwetschengeist einige Jahre lagern ließ und dann absetzte, wenn es längere Zeit kerne reichen Steinobfternten gegeben hatte.

K. Ranstadt, 22. Juli. Heute Nachmittag nach 6 Uhr hatten unsere Einwohner das seltene Schauspiel, einen Luft­ballon direct über unserm Orte schweben zu sehen. Er ging in der Richtung nach Süden weiter und landete 1/21 Uhr glücklich in der Nähe Stockheims. Wie wir hören, war der­selbe von zwei Herren, einem Baron und seinem Diener, besetzt und zwar erst gegen 6 Uhr in Homburg v. d. H. aufgestiegen. Er hat also die Strecke von ungefähr sieben Stunden in einer halben Stunde zurückgelegt.

Offenbach, 20. Juli. Eine große Schlägerei entstand gestern Abend in einer hiesigen Wirthschaft, wobei leider ein Menschenleben zu Grunde ging. Einige nicht gut beleumundete Burschen vertranken mit mehrerenFreun­dinnen" eine gemeinschaftliche Geldsumme, die sie geerbt oder gewonnen haben sollen. Die erhitzten Köpfe verursachten schließlich Reibereien, in deren Verlauf ein schon mehrfach bestrafter Bursche, Namens Arnold das Messer zog und es einem gewissen Pfaff in die Brust stieß, so daß bald darauf der Tod eintrat. Die übrigen, die sich zwischen die Streitenden warfen, insbesondere der Wirth mit seinem Sohne, wurden ebenfalls zum größten Theil verletzt; auch Arnold wurde stark mitgenommen. Die herbeigerusenen Heilgehilfen hatten sehr viel zu thun. Der Mörder wurde verhaftet.

Mainz, 21. Juli. Ein etwa 12jähriger Junge badete heute Morgen im Rhein bei Weisenau und wagte sich dabei zu weit hinaus. Da er des Schwimmens unkundig, sank er unter. Obwohl zwar Leute zur Stelle waren, wagte doch keiner von ihnen, dem Unglücklichen zu Hilfe zu eilen- ein gleichalteriger Knabe jedoch stürzte sich muthig in den Rhein und vollführte das Rettungswerk mit erstaunenswerthem Muthe.

Mainz, 23. Juli. Das Symbol des deut sch e n Schützenbundes, die Bundesfahne, welche bis zum nächsten deutschen Bundesschießen im Verwahr der Stadt Mainz bleibt, hat seit einigen Tagen in dem Academtesaal des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses hier Aufstellung gefunden. Auf einem hübsch decorirten Unterbau prangt das Bundesbanner zwischen den übrigen Fahnen des Bundes. Der Schaden, der durch den jüngsten Brand im Fouragemagazin der hiesigen Garnisonsverwaltung entstanden ist, beziffert sich auf 92 600 Mk. Ein Soldat des 27. Art.-Regiments verübte

am letzten SamStag in Kostheim durch Zerschneiden btr beiden Pulsadern einen Selbstmordversuch. Dazu kommende Personen legten dem Selbstmordcandidaten einen Nothverband an und verbrachten ihn in das Milttärlazareth. Die langjährige Balletmeisterin des hiesigen Stadttheaters, Fräulein Bohne, eine weit über die Theaterkreise hinaus geschätzte Dame, ist gestern in Folge einer Gehirnentzündung plötzlich gestorben.

* Fulda, 17. Juli. Eine Nacht voll Schrecken hat der Gärtner Louis Boek aus dem benachbarten Dorfe Schwarzbach durchgemacht. Der etwa 50jährige Mann war zum Kirschenpflücken auf einen ganz jungen Stamm ge­stiegen, glitt jedoch von dem durch den Regen schlüpfrig ge­wordenen Baum ab, wobei ein Fuß sich zwischen zwei Aeste verfing, so daß Boek mit dem Kopfe nach unten hängen blieb. Trotzdem behielt er seine Besinnung, holte sein Taschenmesser hervor und suchte den Stamm zu durchschneiden. Als ihm dies zur Hälfte gelungen war, entfiel das Messer seinen Händen. Nunmehr suchte Boek, sich mit den Armen aus einen tiefer stehenden Ast stützend, sich aus seiner verzweifelten Lage zu befreien. Auch dieses mißlang, da der schwache Ast brach und nun fühlte Boek, wie ihm das Bein im Knöchel brach. Der Unglückliche wurde am anderen Morgen, nachdem er 16 Stunden in dieser qualvollen Lage verbracht hatte, bewußtlos, indeffen noch lebend aufgefunden und aus seiner gräßlichen Lage befreit. Da der Zustand bis zur Stunde sich etwas gebessert hat, hoffen die Aerzte, daß Boek mit dem Leben davonkommt.

* Berlin, 20. Juli. Zum Gedächtniß des Todestages der Königin Louise wurden gestern in der Garnisonkirche zu Potsdam sieben Brautpaare aus dem dienenden Stande, die sich durch treffliche Lebensführung und häusliche Tugenden auszeichneten, getraut. Als Hochzeitsspende waren ihnen von dem Curatorium der Louisenstiftung je 450 Mk. gewährt worden. Der Trauung ging ein Gottesdienst vorauf. Dann betrat Hofprediger D. Rogge die Altarstätte und richtete an die Brautpaare eine längere Ansprache, in der er sie auf das erhabene Beispiel einer christlichen Ehe, das dem Volke durch Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise ge­geben war, hinwies. In Berlin war das Louisendenkmal im Thiergarten von reichem Blumenschmuck umgeben und schon in früher Morgenstunde das Ziel Vieler. Der be­nachbarteLouisenstein" war gleichfalls mit Blumen geschmückt worden.

* Wolfeubüttel, 22. Juli. Vorgestern wurde ein Unter­offizier vom Braunschweiger Husarenregiment Nr. 17 nach der hiesigen Landesstrafanstalt gebracht. Derselbe ist, dem hiesigen Kreisblatt zufolge, vom Kriegsgericht in Hannover zu 2^2 Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Sol­datenstande verurtheilt worden, weil er Mannschaften seiner Schwadron, die über eine von ihm verübte Soldaten- mißhandlvng auszusagen im Stande waren, zu der falschen Aussage verleitet hat, sie hätten nichts gesehen.

* Neustadt a. H., 17. Juli. Eine lustige schichte.Bären aufbinden" ist nicht schwer,Bären anbinden" auch nicht viel mehr,Bären pfänden" aber sehr. Das erfuhr ein hiesiger Gerichtsvollzieher, dem das harte Loos zugefallen war, einen wirklichen und leib­haftigen Meister Petz zuversiegeln". Während der Winzinger Kirchweihe hatte das Pfandobject noch die schaulustige Menge erheitern müssen und nun sollte er gar mit Leib und Leben für seinen Herrn eintreten.Undank ist der Welt Lohn," brummte er vor sich hin, als ihm die Kunde des bevor­stehenden Schicksals wurde. Der Eigenthümer brummte aber nicht nur, sondern machte Demjenigen, der ihm denPetz" kunstgerecht versiegeln wollte, ganz absonderliche Andeutungen. So kams, daß die heilige Hermandad der Frau Justitia ihren Arm leihen mußte. Und darnach wurde nicht nur der Bär, sondern auch zwei Schlangen gepfändet, die sich Tags vor­her noch lieblich um den Leib einer holden Maid winden durften.

* Caustatt, 23. Juli. Der ledige Taglöhner Mannß hat aus Eifersucht gestern die Ehefrau des Taglöhners Hipp erschossen und dem Taglöhner Hipp drei und sich selbst zwei Schüsse beigebracht.

* Menschenhandel. Aus Budapest wird berichtet: Seit dem Monate Mai gelangen an die Polizeibehörde An­zeigen über verschwundene Bonnen und Gouvernanten, welche von hiesigen Parteien aus der Schweiz und Frankreich nach Budapest berufen wurden, jedoch nicht an ihrem Bestimmungs­orte eintrafen. Bisher sind zwölf solcher Anzeigen erstattet worden. Es sind durchwegs junge hübsche Mädchen. Vorige Woche sollte die Gouvernante Juliette Gardeux aus Basel eintreffen, die ein hiesiger Advocat für seine Kinder engagirt hatte. Das Fräulein kam jedoch nicht an, weshalb der be­treffende Advocat die polizeiliche Anzeige erstattete. Die so­fort gepflogenen Erhebungen förderten nun Folgendes zu Tage: Juliette Gardeux war am 11. Juli auf dem Westbahnhof angekommen und hatte das Gepäck einem Dienstmann über­geben, den sie auch nach der Wohnung des Advocaten fragte. Während dieses Gespräches trat ein älterer Mann auf das Mädchen mit den Worten:Ich bin der Vater jenes Herrn, der Sie engagirte, ich bin gekommen, Sie abzuholen." Hierauf half er dem Mädchen in einen Wagen und fuhr mit demselben davon. Seitdem ist Juliette Gardeux spurlos verschwunden. Die Polizei stellte Weiteres fest, daß dieser Mann mit dem Eigenthümer einer ehemaligen Stellen-Ver­mittlungsanstalt identisch sei, dessen Inhaber aus Budapest verschwand, nachdem die Polizei in Erfahrung gebracht hatte, daß er einen schwungvollen Mädchenhandel nach dem Oriente betreibe. Die Polizei glaubt nunmehr, daß sich dieses Individuum in der Gegend von Komorn aufhalte und die dortige Gendarmerie fahndet eifrigst nach demselben.

* Das Mittagsschläfchen hat soeben in einem Corps-Befehl General Poillone de Saint-MarS, der Befehlshaber deS