Ausgabe 
25.3.1894 Viertes Blatt
 
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Nr. 70

Zweites Blatt. Sonntag den 25. Mär;

Der ♦Ultecr Anzeiger «scheint täglich, rti Lusnahme de« Montag».

Die BteHener *e*trt«eiritt«r »erden dem Anzeiger »öchenlltch dreimal betgelegl.

Gießener Anzeig er

Senerat-Wnzeiger.

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2 Mark SO Pfg. nrtt vringerlohn.

Durch die Post bezog»» 2 Mark 50 Pfg.

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2lints- und 2lnzeigeblutt füv den Tkveis Gieszen.

Hratiskeikage: Gießener Aamikienßsätter.

All« Annoncen-Bureaux de« In- und Au«lande« nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" rntgege».

und daß vielleicht gerade in der Börse auch ein Mittel für die Begrenzung der Preisbildung für Getreide vorhanden ist.

Vermifcbte».

* ßinen Vorschlag zur Güte machte in Sachen des Kaiser- Wilhelm-Denkmals ein Berliner Correspondent derStraßb. Post". Man möge das Denkmal zunächst einfach in wirklicher i Größe, so wie es werden soll, aus dem bestimmten Platz ; ausführen, allerdings nicht in Stein und Eisen, sondern ein­fach in Holz und Pappe. Es erfordert das nur ganz geringe Ausgaben und es ist der Mühe werth. Vor der letzten Weltausstellung in Paris tauchte dort der Plan auf, den Triumphbogen mit einer Victoria und einem Viergespann zu krönen und es wurde lebhaft dafür und dawider gesprochen, ohne daß die leidenschaftlich streitenden Parteien zu einer Einigung kommen konnten. Da machte der Bildhauer Fal- quieres, der für die Ausführung der Arbeit auSersehen war, den Vorschlag, seine Quadriga in vollständiger Naturgröße in Holz und Pappe auszuführen und auf dem Triumphbogen aufzustellen, damit sich Jedermann de visu eine Ansicht bilden könne. Der Plan wurde ausgeführt, kostete nur einige wenige tausend Franken und die Wirkung war überraschend- kaum war die Quadriga enthüllt, da war auch alle Welt \ einig, daß sie sofort wieder weggerissen werden müsie, da sie sich nicht als ein Schmuck, sondern als eine Verunstaltung deS Triumphbogens darstelle. Und man schätzte sich glücklich, , daß sie nicht aus Stein, sondern nur aus Pappe hergestellt gewesen war.

* Eine Majestätsbeleidigung am Leibe. Bei der Musterung in Erfurt zeigte ein Schuhfabrikarbeiter am Körper allerlei Tätowirungen. Einige derselben sind derart, daß er sich wegen Majestätsbeleidigung zu verantworten haben wird.

* Eine entsetzliche Beichte. In Perasdorf (Bayern) starb vor einigen Tagen eine Frau, welche auf dem Sterbe­bette noch bekannte, daß sie einen vor 20 Jahren in dortiger Gegend spurlos verschwundenen Händler ermordete und ihren ersten Mann nach und nach durch Tabak ebenfalls vergiftete. Wegen Mordversuchs an ihrem zweiten Mann, welchen sic in den Brunnen lockte und diesen mit Steinen überdeckte, wurde sie seiner Zeit zu 8 Jahren Zuchthaus verurtheilt.

* Ein neuer Buhnen-Effect. Im Adelphi. Theater zu London ging dieser Tage ein neues MelodramaDer

Baumwollenkönig" in Scene. Den Haupteffect bildet der dritte Act, in welchem ein Kind in den Schacht eineß Fahr­stuhls hineinläuft, um sich ein Spielzeug zu suchen. In diesem Augenblick saust der Fahrstuhl hernieder, bleibt aber kaum einen Fuß über dem Haupt des Kinde- stehen! Hierdurch wurde ein großer Beifall des Publikum- erzielt, der sich in dem bekannten Pfeifen und Johlen äußerte.

* Wie viel Champagner getrunken wird. Nach einer von der Handelskammer in Reims veröffentlichten Statistik erreichte der Handel in Champagner im Jahre 1844/45 eine Höhe von 6 635 000 Frcs., überstieg im folgenden Jahre 7 Millionen und betrug 1868/69 nahezu 16 Millionen, fiel dann 1870/71 auf 9 Millionen und hob sich 1871/72 auf 20 Millionen. Im folgenden Jahre wurde für 22 Millionen verkauft, der Betrag schwankte sodann zwischen 22 und 17 Millionen, bis er im Jahre 1889/90 23 Millionen, 1890/91 25 776 000 FrcS. und 1891/92 24 243 996 Frcs. erreichte. Die Zahl der in Frankreich verbrauchten Flaschen stieg von 2 225 000 im Jahre 1844/45 auf 4 558 000 im Jahre 1891/92 und die der ausgesührten Flaschen von 4 380 000- im Jahre 1844/45 auf 16 685 900 im Jahre 1891/92. Am höchsten belief sich die Ausfuhr im Jahre 1890/91, nämlich auf nahezu 22 Millionen Flaschen.

Ctterotur und Kunst.

Martha-Dienst und Maria-Lin«. Ein Leitstern auf dem Lebenswege für confirmirte Töchter aller Stände. Von Bertha Mat HS. geb. Hüffell, Versafferin vonJungsrauenbrevier, Gebete in Freud und Leid" rc. Neue, verbesserte Auflage. Eleg. geb. mit Goldschnitt 3 Mk. Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stutt­gart. Wir wollen dieses Karl Gerok gewidmete, schon viel ver­breitete Buch den Müttern ans Herz legen. Es ist ein wahre- Schatzkastlein für alle jungen Mädchen, die sich sowohl zu einem i weiblichen Berus als für eine glückliche Ehe heranbiloen wolle». I Eine erfahrene Frau, die sich um die Herzensbildung der weiblichen > Jugend schon so viele Verdienste erworben hat, gibt hier edle Mahn- , ungen, nützliche Rathschläge und Winke in klarer, kurzer und faß- ! lieber Weise. Wir fuhren von den zahlreichen, in herzigem Zone i behandelten Themen folgende an. Ehre Vater und Mutter'. Ver- 1 träglichkeit unter Geschwistern. Verhältniß zu den Dienstboten. , Thätigkeit im Hause. Am Nähtisch. Kochkunst. Lectüre. Halte - dich rein! Sparsamkeit. Eitelkeit und Putzsucht. Wahrheitsliebe > u. s. w. Es wird Jedermann inniges Vergnügen machen, diese« auch von Gerok und Fromme! in seinem Werthe anerkannte kleine Buch der Weisheit" zu lesen. Möge es alS eines der vortrefflichsten Geschenkbücher für Mädchen bestens empfohlen fein'.

!«>< »ob Anzeigen za Brr Aachemittag« für brw folgenden tag erscheinenden Nummer bi« vorne. 10 Uhr.

Die Lage der Landwirthschaft und die Börse.

Nicht nur in den Kreisen der Landwirthe, sondern auch bei vielen Geschäftsleuten besteht die Meinung, daß die Börse mit ihrer Neigung zu extremen Speculationen viel Schuld an der schlechten Lage der Landwirthschaft, resp. an den unerhört niedrigen Getreidepreisen trage, und zu gereiften Zeiten ist an dieser Beschuldigung gewiß ein großes Stück Wahrheit, indem die obsiegende Partei an der Börse ost die Situation, sei es in der Richtung des Preisdruckes, sei es in der Richtung der Preissteigerung in ganz ungeheuerlicher Weise ausnutzt. Eine Abschaffting gewisser Auswüchse an der Börse ist daher wohl wünschenSreerth und wird auch durch die Börsenreform erstrebt. Indessen darf man nicht den Fehler begehen, die Börse ganz allgemein für die schlechte Lage der Landwirthschaft und die viel zu niedrigen Gelreidepreise verantwortlich zu machen und außerdem muß auch die heilsame Wirkung der Börse im GetreideauStausch doch anerkannt werden. Denn wollten wir einmal den Fall setzen, daß die Börsen durch Staatsgesetz aufgehoben würden, so würden die Landwirthe, Händler, Müller und sonstige Interessenten doch andere Mittel suchen müssen, um die Preise und die Richtung der Preisbildung kennen zu lernen, und würden dann wahrscheinlich die Zeitungen, internationale Marktlisten und Zusammenkünfte der Käufer und Verkäufer die Stelle der Börse vertreten. Da die Börse in sich kein Interesse am niedrigen Stande der Preise hat, so darf man sie auch nicht als Hauptgrund der niedrigen PreiSnotirungen ansehen. Sv ist auch der berühmte National- öconom Professor Schmoller, also ein Mann, dem man ein unparteiisches Urtheil zutrauen kann, der Meinung, daß die gedrückte Lage der Landwirthschaft in allgemeinen und in besonderen Ursachen ihre Erklärung finde und daß die Vor­gänge an der Börse nur eine Theilcrscheinung seien. Die ungünstigen Einflüsse in der Preisbildung liegen in der enormen Entwickelung der Verkehrsmittel, welche den be­grenzten einheimischen Markt einfach aushoben und an dessen Stelle den internationalen Weltmarkt setzten. Damit haben die Landwirthe allen Einfluß aus die Preisbildung verloren und könnten denselben höchstens wiedergewinnen, wenn sie durch Errichtung von großen Silo-Genossenschaften der Baisse­strömung entgegentreten würden. Damit würden die Land- reirthe aber ein colossaleS Risico eingehen, welches sie nur durch börfenmäßige Termingeschäfte decken könnten. Daraus geht wiederum hervor, daß die Börsengeschäfte nicht unbedingt für die Lage der Landwirtschaft verantwortlich zu machen sind

Feuilleton.

Wochenbriese aus der Residenz.

(Originalbericht für denGießener Anzeiger".)

Darmstadt, 22. März 1894.

Die Bismarckadreffe. Allerlei Feste. Theater und Concerle. Ostern.

Wie Ihren Lesern bekannt, haben sich, wie in anderen Städten so auch in der hessischen Residenz die Frauen und Jungfrauen an der Huldigungsadrefte für den Fürsten BiSmarck beteiligt, die dem greifen Kanzler zu seinem Ge­burtstage von den Damen der Pfalz und Heftens überreicht werden soll. Wie nun neuerdings bekannt gewordcn ist, sind auS unserer Provinz und besonders aus Darmstadt außer­ordentlich zahlreiche Unterschriften eingelaufen, im Ganzen auS 192 Gemeinden 18 523 Unterschriften, von denen auf Darmstadt allein 1912 entfallen. An Geldbeiträgen sind 1100 Mark eingegangen, davon werden 600 Mark zur Deckung der Unkosten verwandt, 500 Mark sollen zu dem bei Göttingen wo BiSmarck als fröhlicher Student länger weilte zu errichtenden Bismarckthurm beigefteuert werden. Fürst Bismarck selbst hat sich bereit erklärt, das auß Damen der Pfalz und unseres Heimathlandes zusammen« gesetzte Comit^ zu empfangen, am 30. März wird sich die Deputation, der diese Ehre beschicken ist, nach Friedrichsruh begeben. Die Provinz Starkenburg wird durch Frau Ltli Wolf Stehl vertreten sein, die sich um das Zustandekommen deS Unternehmens große Verdienste erworben hat. Uebrigens ist auch die Weinspende, die dem eisernen Kanzler zum 1. April zugedacht ist, in schönster Weise ausgefallen, weit über 80 Flaschen der besten hessischen Weinsorten sind zusammen­gekommen.

DaS speciell unser Land betreffende Fest, daS uns^ der April noch bescheeren wird, die Hochzeit des Groß­herz ogS, rückt immer näher und die Vorbereitungen dazu mehren sich täglich. Wir werden voraussichtlich eine ganze Zeftwoche bekommen, denn fast jede Nummer der Tagesblätter

bringt die Nachricht von einer neuen in Aussicht genommenen Veranstaltung. So hat denn neuerdings der hessische Reiter­verein, dem fast die ganze Darmstädter Aristokratie angehört, beschlossen, ein paar Tage nach dem Einzug deS neuvermählten hohen Paares ein großes Wettrennen abzuhalten, das an Glanz alle früheren Veranstaltungen dieser Art Übertreffen soll. Die ersten Sportsmänner auS Darmstadt und den Nachbarstädten werben sich an dem Tage des Rennens hier zusammenfinden und es ist wohl möglich, daß Darmstadt sich allmälig zu einer angesehenen Sportstadt entwickelt. Seinerzeit werden wir nicht verfehlen, des intereffanten Reiterfestes in unseren Briefen zu gedenken.

Gleich für Anfang April ist dann in unserer Residenz eine eigenartige Versammlung geplant. Die deutschen StandeSherren ans allen Theilen des Reichs werden sich vom 1. bis 5. April in Darmstadt ein Rendezvous geben, um hier in gemeinschaftlichen Sitzungen über die Wahrung ihrer alten Rechte nnd Freiheiten zu berathen. Wie verlautet, hat Se. König!. Hoheit der Großherzog den hohen Theil- nehmern der Versammlung die Räume deS alten Palais am Luisenplatz für ihre Zusammenkünfte gnäbigft zur Verfügung gestellt. Mit besonderer Freude begrüßen natürlich die Darmstädter Hoteliers die Versammlung, die ihnen lohnenden Gewinn verspricht, zumal da eine recht stattliche Theilnehmer- zahl angemeldet sein soll.

AuS dem Kunftleben der letzten Zeit ist nicht viel zu berichten. Die letzte Woche brachte uns noch den Schluß des AlvarygastspielS- der berühmte Gast errang mit feinem Tannhäuser" einen sensationellen Erfolg und ist rasch zu einem Liebling des Darmstädter Publikums geworden, das denn die Nachricht von dem Unglück, daS Herrn Alvary in Mannheim getroffen, mit aufrichtiger Theilnahme aufgenommen hat. In den Tagen der stillen Charwoche fand keine Theater­vorstellung und kein Concert statt, nur der Mufikveretn führt am Charfreitag in der Stadtkirche Sebastian Bachs H-moll- Meffe auf, ein Werk, daS dem ernsten Character des TageS angemessen ist.

Recht interessant gestaltet sich dann nach Ostern wiederum das künstlerische Programm für den Rest derSaison". Im

Hoftheater gelangt am dritten Feiertag Carl Laufs neuer SchwankDer ungläubige Thomas" zur ersten Aufführung, dann folgt WagnersRheingold" in neuer Elnstudirung und endlich wird das Gastspiel von Fran Rosa Sucher Aufführ­ungen vonTristan und Isolde" undGötterdämmerung" bringen.

Ein großes WohlthätigkeitSconcert ist für Mitte April geplant, das Erträgniß soll einem deutschen Lehrerinnen- Helm in London zu gute kommen. Vom DecorirungSfefte des Odenwaldclubs, das glänzend zu werden verspricht, demnächst mehr.

Eine recht intereffante Ausstellung soll die zweite Aprilwoche bringen, die Kunst- und Handelsgärtner Darm­stadts planen ähnlich wie im vorigen Jahre eine größere Ausstellung ihrer Erzeugnisse. Auch hierüber wird seinerzeit noch aussührlicher zu berichten sein.

Daß wir zum Schluffe doch auch nicht deS bevorstehenden Osterfestes zu gedenken vergessen, so sei Ihren Lesern mitgethellt, daß wir schon jetzt das prächtigste Feiertagswetter haben, das hoffentlich für daS Fest selbst anhält. In den Wäldern grünt und blüht es schon allenthalben, der Frühling hat in unsere Residenz seinen siegreichen Einzug gehalten. Fast so bunt wie draußen in der Natur sieht es in den Schaufenstern unserer Conditorläden auS, die für das Osterfest die erlesensten Kostbarkeiten ausgestapelt Haden, zum größten Vergnügen der lieben Jugend natürlich, die dem Osterhasen und seinen Gaben von jeher eine unbegrenzte, tiefe Verehrung entgegengebracht hat. Wie man die kaufmännische Fest- zurüstung mit einer patriotischen Huldigung verbinden Fann, zeigt ein bekannter Darmstädter Conditor, der in seinem Schaufenster ein großes Gruppenarrangement von Ostereier» ausgestellt hat, daS mit den Bildnissen des Großherzogs und der Allerhöchsten Braut geschmückt ist, gewiß eine originelle Huldigung für unfern Landesherrn. Was uns die Feiertage bringen, soll der nächste Brief erzählen, für heute wünschen wir unseren Lesern nur noch von Herzen:

Fröhliche Ostern." Z-