Ausgabe 
25.3.1894 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 25. März

Nr. 70

Erstes Statt.

1894

Wchmer Anzeiger

Ärboction, Exprdnio« unb Tnirfrrci: Stfiufllrtih Ur.7. 5mi<t>rrd>ft 51.

Die Gießener A.misieuVfälter

Nirrteljibrifler Hk»»«cmentspr,i«: 2 Mark 90 Vfg mit Vringerlohn. Diirck bu Psfi bfjegfit 2 Mark 50 Pig.

Der

GitKener Xnjtiger erscheint täglich, mit AnSnahm, de- Montags

Iahresöerichl

des Allgkmemkn Nelkins für Almen- und KranKknpßkge in Gieftn

5 Gieszen.

Annoncen-vureaur be» In- unb NuSlanbe» nehmen eigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten»

S telegraphische« Korrespondenz- Bur ein.

23. März. Ihre Majestäten der Deutsche te Deutsche Kaiserin nebst den Kaiser!, in heute Bormittag in der Billa Amalia de» |tr Fromme! abgehobenen Gottesdienste bei ch sodann auf dem nördlichen Strandweg nach besuche der Großherzogin von ToScana. Mittag» ickkehr auf demselben Wege.

erstattet auf der Jahresversammlung am 14. März 1894.

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Hochgeehrte Versammlung!

Das Jahr 1893 ist für unseren Verein ohne besonders wichtige Ereignisse in stiller Arbeit verlaufen.

In dem P e r s o n a l b e st a n d unseres V o r sta n d e s und der arbeitenden Mitglieder ist allerdings mancher Wechsel eingetreten. Ans dem Dor stand sind zu unserem lebhaften Bedauern ausgeschieden Fräulein E. Langermann und Frau Geh.-Rath Riegel, erstere aus Rücksicht auf ihre geschwächte Gesundheit, letztere wegen soisttiger Inanspruchnahme. An deren Stelle, sowie zum Ersatz für die schon vorher ansgctretcnc, inzwischen leider so rasch verstorbene Frau Oberbürgermeister Bramm, wurden in der Jahresversammlung vorn 28. April 1893 gewählt: Fran Kempfs, Frau Dr. Brücl und Fran Adolf Weidig.

In den Bezirken kam nnr eine Veränderung vor. Herr Schulhof legte sein Amt als Helfer nnd stell vertretender Bezirksvorsteher im 3. Bezirk nieder. An seiner Statt wurde von der Bezirksversammlung Herr Pfarrverwalter Dr. Grein als Stellvertreter gewählt.

Die Mitgliederbeiträgc beliefen sich auf 4590.30 Mk. (1892: 4742.30 Mk , haben also wieder einen kleinen Rückgang erlitten.

Der Vorstand erledigte seine Aufgaben in 49 Sitzungen, lieber die Arbeiten unseres Vereins berichten wir nach den verschiedenen Arbeitszweigen folgendes.

I. Armenpflege.

Es wurden 187 Personen nnd Familien unterstützt in 987 Fällen (1892: 178 Personen in 832 Fällen). Dafür wurden aufgewendet 4960.60 Mk. (1892. 4836.93 Mk.)

Davon fallen auf:

1. Baarunterstützungen . . . Mk. 2173.94

2. Milchlieferung 1102.05

3. Brennmaterial 236.59

4. Wein 417.65

5. Schulgeld an die Kleinkinder- bcwahranstalt 38.

6. Knrkosten in Bad - Nauheim

a) für Erwachsene Mk. 140

b) Kinder 500 640.

7. An Darlehen 310.

8. Verschied, lStellengesuche :c.) 42.37

Summa Mk. 4960.60

Die Erhöhung der Zahl der Unterstützungsfälle, sowie der verwendeten Betrüge ist wohl mit durch die vielen Erkrankungen dieses Jnfluenzajahres, besonders auch durch Kindererkrankungen veranlaßt. Das kommt auch zum Aus­druck bei dem folgenden Abschnitt.

II. Krankeitpflegc.

Unsere Schwestern pflegten in 645 Familien und leisteten dabei 603 Nachtwachen, 225 ganze Tagpflegen und 22710 Pflegebesuche (1892: 349 Familien, 572 Nachtwachen, 147 ganze Tagpflegcn und 8299 Pflegebcsnch^. Diesen gewaltig gesteigerten Anforderungen Hütten unsere Schwestern freilich nicht genügen können, wenn wir nicht vom 1. April an die Zahl unserer Schwestern nm eine vermehrt Hütten, so daß nun, einschließlich der Oberschwester, die allerdings fast ganz vom Haushalt in Anspruch genommen ist, 7 Schwestern in der Krankenpflege thätig sind. Ihrer Leistungsfähigkeit kam ferner zu gute eine von uns neu getroffene Einrichtung. Auf Ansuchen des evangelischen Kirchcnvorstandes haben wir nämlich mit diesem eine Vereinbarung getroffen, daß jeder der neugebildcten vier Kirchengemeinden eine Schwester so zngetheilt werde, daß sie in dieser Gemeinde ihren be stimmten Wirkungskreis hat, nnd zugleich auch Pfarramt und Kirchenvorstand zum Dienst an den Armen der Gemeinde zur Verfügung steht. Dafür zahlt der evangelische Kircher, vorstand an unsere Kasse eine jährliche Vergütung von 600 Mk. Selbstverständlich wird durch diese Eintheilnng nichts daran geändert, baß die Schwestern nach wie vor allen Kranken in ihrem Bezirk ohne Unterschied zu dienen bereit sind. Wir können es aber jetzt schon aussprechen, daß diese Eintheilnng sich ganz trefflich bewährt hat. Für die Schwestern ist cs sehr viel befriedigender, daß jede nun ihren bestimmt abgegrenzten Wirkungskreis hat, in dem sie mit ihren Armen und Kranken allmählich vertraut wird, während sic bis dahin bald in dem, bald in jenem Stadt theil, manchmal an einem Tage in allen zugleich, zu thun hatte, und dabei noch viel Zeit verlor: und die Kranken empfinden es nicht minder wohlthätig, daß sie nun genau wissen, an wen sic sich zu halten haben.

III. Kinderpflege.

a. Krippe.

Es waren im Ganzen 28 Kinder in Pflege. Die ge- sammte Zahl der Verpflegungstage betrug 2853. Für die Krippe ist eine Schwester äuge stellt, der eine Dienstmagd

hatte. Am Charfreilag brachte der Postdampfer von Neapel die Aetnafahrer in Palermo anö Land, Alle in Loden, Otto mit Rucksack und Eisv'ckel, drei Mann hoch mit Photo- graphenkasten. So konnte kein schöner Moment der Reise uns entgehen.

Berschiedene Tage später hatte Castrogiovaoni die Freude, unS in seinen Mauern zu sehen. Wer Sizilien besucht, sollte hier nicht vorüberfahren, wie die» meistens geschieht. Denn das alte Enna liegt fast genau im Schwerpunkt des Dreiecks der Trinacria, in stolzer Höhe über den Thälern ringsum, so daß man vom Schloßthurm La Rocca eine entzückende Aussicht über die ganze Insel genießt, vor Allem auf ihn, der das Zwergvolk der andern Berge gewalttg überragt, auf den Aetna. Er lag klar und wolkenlos vor

vom Gipfel entfernt, aber doch ist die Stadt fast ganz auf vulkanischer Asche und Lava erbaut, deren mächtige Ströme zu beiden Seiten des Hafens ihre Gluthen im Meer gelöscht haben. Wo dieser Feuerboden genügend verwittert ist, ent­sproßt ihm ein Wachslhum, daS in Europa wohl selten seinesgleichen findet. DaS im durchklütteten Gestein des oberen Bergkegels spurlos versickernde Regen» nnd Schnee» scdmelzwasser tritt hier unten in zahllosen Quellen zu Tage. Wo aber unter diesem milden Himmel nachhaltige Feuchtigkeit vorhanden ist, da sproßt ein wahres Paradies von Orangen und Limonen, dazwischen breitblättrige Feigen, dichtlaubige Karuben und zierliche Mandelbäume, mannshohe Hecken von Geranien, breitblättrige Kakcus in phantastischen Gestalten, hohe Blüthenstengel der Agaven, Rosen über Rosen und

aUs unb provinzielles.

Gießen, den 24. März 1894.

fällt dieses Jahr auf ei ten der frühmögliche« e, der in diesem zu Ende gehenden 'Jahr» oieder vorkommt. Volle vier Wochen beträgt der gegen den spätesten Osterzeitpunkt, den 25. April.

hat allerdings seinen kalendarischen Einzug tag, also vier Tage früher, gehalten und zwar rklich herrlichen Frühlingstag. Frühling und ischwister, aber doch ist bei einer solchen Früh» irfefteS sagen wir scheinbar nur wenig chwisterschaft zu erblicken. Wohl hat bereit»

die Vorboten deS Lenzes mit seinem Aufer» begrüßt und auch Blauveilchen lugt schon lerdingS noch verhüllten Köpfchen unter der ke hervor, aber noch leuchten vom Gebirge die 16en deS Winters, der immer noch mcht ganz umt und noch Nachtgefechte liefert. Dazu ver» e Nord» und Oststürme die Avantgarde des nzeö. Aber er wird doch kommen und bald linen siegreichen Einzug halten. In der ge­ilt der Natur, da schafft und wirkt und treibt i Winterschlafe zur Auferstehung. Wir sehen ieseS Wirkens in dem Schwellen der Knospen, in der Gräser, kurz in dem sich regenden neuen ese Frühlingshoffnung bestätigt unS der Gesang r verkündet: die lange Nacht ist hin, erlöst Sinn. Also trotz der Frühfeier des geist- :es geht mit ihm Hand in Hand das Ostern iet Osterhasen. ES ist Schonzeit, die Hasen ört ihrer wichtigen Mission, dem Brutgeschäst,

l vielerlei Art. Das blüht und leuchtet und send Farben um den Grundaccord Grün, da» stet und umschmeichelt die Sinne! Verzeihen h die Pflanzen nicht alle nenne; doch erstens Schall und Rauch", und zweitens weiß ich jer himmlisch oder richtiger irdiscy schön istS, onnig, daß auch die steifen Palmen nicht mehr pflanzen erscheinen, sondern ganz als dorthin

Nicolofi, von wo unsere große Karavane mit drei Trägern und sieben Mauleseln nebst zu» ungen um l/,l2Uhr unter den Segenswünschen hieb zahlreich versammelten Ortsbewohner auf» *, wurde die Landschaft bald eine Zone nörd- Weg führte um die ZwillingSkegel der Monti aus denen vor zweihundert Jahren die Lava der Stadt Catania gefloffen ist, von der sie n Schleier der heiligen Agathe znrückgescheucht einem Schlackensand und glattem Gestein ritten schen den auS Lavabrocken locker gefügten tern der Weingärten schattenlos berßauf mit ,ung; aber jede Wegebiegung zeigte, daß wir rorstiegen. Tief unten lagen die Agrumengärten, ne Jahreszeit den Vorzug besitzen, glühende zugleich mit den berauschend süß duftenden ragen. Die Kirschen glänzten dort schon roth, Pfirsiche und Mandeln hatten Früchte angesetzt. Hier oben waren sie noch in Blüthe. Das zarte Weiß unb Roth stand trefflich zum frischen Blattgrün der Fruchtbäume und Reben; und Beides paßte wie gemalt zur braunrothen Erde. Noch weiter oben ginge über den zackigen Lavaftrom von 1886 hinweg in den Kastanienwald, in dessen Mitte die Waldwärterhütte ,Gafa bei BoSco" liegt, wo bie Thiere vor dem hier beginnenden steileren Aufstteg gettänkt werden, falle nicht etwa der Brunnen verschlossen ist. Des lieben Sonntags wegen war aber Niemand zu Hau», und unsere Eselei» mußten warten bis zum Schnee.

(Forisitzung folgt.)