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24.2.1894 Zweites Blatt
 
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Rr. 46 Zweites Blatt. SamStag de» 24. Februar

1894

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Feuilleton.

Dir Entstehung brr Stürme vom 6. bis 12. Februar 1894.

Von O. Baschin.

(Nachdruck verboten.)

Die verheerenden Stürme, welche vor 14 Tagen saft ganz Nord« und Mitteldeutschland hennsuchten, haben die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf die für die herrschende Jahreszeit ganz abnormen WitterungSzustände gelenkt und besonders häufig die Frage nach der Entstehungsursache solcher Stürme auftauchen lassen. Wenn sich diese Frage nun auch letcht dahin beantworten läßt, daß die Stürme einer beson­deren Bertheilung deS Luftdruckes ihre Entstehung verdanken, so ist doch zum vollen Verständniß ein näheres Eingehen auf die Art und Weise, in der die Luftdruckoertheilung die Winde hervorruft und beeinflußt, nicht zu vermeiden.

Betrachtet man eine der täglichen Wetterkarten, wie sie von den großen Zeitungen Deutschlands regelmäßig veröffent- licht werden und wie sie bis vor Kurzem auch an den Uraniasäulen zu finden waren, so fällt vor Allem ein System von mehr oder weniger parallelen Linien, die sich über die ganze Karte hinziehen, in die Augen.

Diese Linien (Isobaren genannt) verbinden alle diejenigen Orte, an denen der auf das", MeereSniveau und die Normal« schwere reducirte Barometerstand der gleiche ist. Die Worte Hoch" undTief" finden wir in die Gebiete eingetragen, an denen der Barometerstand im Rahmen der Karte am höchsten und am tiefsten ist. Vergleicht man nun eine Reihe von Tagen hindurch die aufeinanderfolgenden Wetterkarten, so bemerkt man bald, daß die Gebiete niedrigsten Barometer­standes von Tag zu Tag ihren Ort verändern und haupt­sächlich in der Richtung nach Osten oder Nordosten den nörd­lichen Theil Europas durchziehen, meist ohne sich allzu weit von dem Meere oder den Küsten zu entfernen. Diese Ge­biete tiefen Barometerstandes, meist Depressionen oder baro­metrische Minima (im Gegensatz zu den Hochdruckgebieten, den Maximis) genannt, sind nun von der allergrößten Bedeutung für die Wetterkunde, da die Stürme, Gewitter, Regen und Schneefälle, kurz alles, was man gewöhnlich unter der Be­zeichnungschlechtes Wetter" zusammenfaßt, in innigstem Zusammenhänge mit ihnen steht.

Die große Bedeutung deS Barometerstandes beruht nämlich darauf, daß er uns als Maß dient für die Größe deS Luftdrucks, so daß Gebiete tiefen Barometerstandes zu­gleich Gebiete niedrigen Luftdrucks sind. Um nun die Lust- oruckuntcrschiede zwischen den verschiedenen Orten auSzu- gletchen, muß die Lust von den Gebieten höheren Druckes nach solchen niederen Druckes hinstiömen und zwar um so schneller, je größer bei gleicher Entfernung die Druckunter- schiede sind, ebenso wie bei Flüssen ein stärkeres Gesälle eine größere Strömungsgeschwindigkeit bedingt. Dieses Einströmen der Luft von allen Seiten in das Depresfionsgebiet hinein findet aber nicht, wie man zunächst annehmen sollte, in ge­rader Linie statt, sondern durch die Rotation der Erde von West nach Oft um ihre Achse erleiden auf der nördlichen Halbkugel alle Luftströmungen eine Ablenkung nach rechts (auf der südlichen Halbkugel nach links), so daß die Luft­waffen daS Minimum in einer Richtung, die der Drehung des Uhrzeigers entgegengesetzt ist, umkreisen, wobei sie sich dem Eentrum immer mehr nähern, um schließlich in die höheren und kälteren Regionen der Atmosphäre empor­zusteigen. Infolge der dabei eintretenden starken Abkühlung muß, da kalte Lust nicht so viel Wasserdampf aufnehmen kan» als warme, bet Erreichung einer gewiffen Höhe eine Sättigung der Luft mit Wafferdampf eintreten und bei weiterer Abkühlung der Ueberschuß an Wafferdampf sich zu Tröpfchen verdichten, die zuerst Wolken bilden, um schließlich als Regen oder Schnee aus die Erde herabzusallen. Aus dem Gesagten geht hervor, daß die Winde an der Südseite eines Minimums im Wesentlichen nahezu westliche, an der Oftseste südliche, an der Nordseite östliche und an der Westseite nördliche sein müßen, woraus sich in Bezug auf die Lage des Minimums die einfache Regel ergibt, daß ein Beobachter, der mit dem Winde geht, daS Minimum zu seiner Linken, jedoch zugleich etwas vor sich hat.

Das Minimum erscheint also als ein Luftwirbel, der von Wind und Niederschlägen begleitet, sich mitunter mit Sturmeseile vorwärts bewegt, in anderen Fällen aber auch I tagelang sich kaum von der Stelle zu rühren scheint.

Schließlich sei noch erwähnt, daß die Depressionen im Winter gewöhnlich mildes Wetter, im Sommer dagegen Ab­kühlung Hervorrufen. Der Hauptgrund für dieses Verhalten

ist einfach der, daß die Winterkälte namentlich durch Aus­strahlung von Wärme in den kalten Weltenraum, die Sommer­hitze durch die Einstrahlung der Wärme von der Sonne her­vorgerufen wird. Durch die das Minimum begleitende Wolkendecke wird nun sowohl Einstrahlung wie Ausstrahlung wesentlich geschwächt, so daß im Winter die Abkühlung, im Sommer die Erwärmung nicht so stark wirken kann als bei heiterem Himmel.

Wir »ehen also, daß sowohl Windrichtung wie Wind­stärke, Niederschläge, Bewölkung und Temperatur sämmtlich abhängig von der Luftdruckvenheilunq sind, und insofern ist das Instrument, mit dem wir den Luftdruck messen, daS Barometer, daS wichtigste meteorologische Instrument. Man geht indeffen fehl, wenn man, wie es ja vielfach geschieht, annimmt, daß das Fallen des Barometers schlechtes, das Steigen schönes Wetter anzeigt. Allerdings ist ein fort­gesetztes Fallen deS Barometers in den allermeisten Fällen ein Anzeichen für das Herannahen eines Minimums, aber der Vorübergang deffelben kann in solcher Entfernung erfolgen, daß das Wetter bei unS nicht wesentlich davon beeinflußt wird- daS Barometer sagt ferner nichts darüber aus, ob daS Minimum nördlich oder südlich von uns vorüberziehen wird, ob wir nur in das Randgebiet deffelben gelangen, oder ob es mit seinem Centrum Über unS hinwegziehen wird. Es kommt aber auch vor, daß das Minimum, trotzdem das Barometer fällt, sich nicht nähert, sondern im Gegentheil sich von uns entfernt, nämlich wenn es nur langsam fortzieht, dabei aber an Tiefe zunimmt. Die Minima sind nämlich keine constanten Gebilde, sondern verändern sehr vielfach ihre Gestalt, sie vertiefen oder verflachen sich, sie sondern, nament­lich an ihrem Randgebiete, sehr häufig kleinere Wirbel, die sogenannten Thcilminima, ab, die namentlich im Sommer häufig von Gewittern begleitet sind, und zu alledem kommt noch, daß von zwei anscheinend ganz gleichen MinimiS oft daS eine ganz andere Witterungen hcrvorbringt, als das andere, namentlich bann, rotnn die Wetterlagen, die vor der Ankunft der Minima geherrscht hatten, sehr verschieden von einander waren. ES folgt daraus, daß nur bann, wenn man die Wetterkarten der früheren Tage vor sich hat und auch den Aenderungen der Windrichtung, der Bewölkung und der Temperatur genügende Aufmerksamkeit schenkt, das Barometer mit Nutzen für die Wettervorhersage verwendet werden kann, daß es unS aber auch dann immer nur die Orts- oder JntensitätSänderungen der Minima anzeigt, nicht aber die Wirkung, welche sie auf das Wetter haben werden- die Kenntniß der letzteren kann nur durch langjährige Erfahrungen erworben werden.

Eine kurze Besprechung der Sturmperiode vom 6. bis 12. Februar wird für einen Theil des bisher gesagten die Beispiele liefern.

Während gewöhnlich im Winter hoher Luftdruck über fast ganz Europa lagert und nur der äußerste Nordwesten von Depressionen durchzogen wird, herrschte in diesem Jahr bei Beginn des Februar eine ganz andere Druckvertheilung. Es waren zwei Barometermaxima vorhanden, das eine nörd­lich deS kaspischen Meeres, daS andere in Südwrfteuropa, über Spanien und Frankreich, während das ganze nördliche und centrale Europa von einem großen Depressions- gebiete beherrscht wurde, das seinen Kern im äußersten Norden halte, seinen Bereich aber bis zum Nordufer des schwarzen Meeres ausdehnte, und dementsprechend herrschte in ganz Deutschland eine milde trübe Witterung, wie sie in dieser Jahreszeit nur im Westen von Irland und England vorzukommen pflegt. Geringer Frost trat nur ganz verein­zelt und vorübergehend auf, dagegen verging kein Tag, an dem nicht Regen- ober Schneefälle an ben meisten beutfdjcn Stationen beobachtet würben. Am 5. und 6. Februar rückte daS Minimum nach Südoften vor und verlor im Inneren Rußlands allmählich an Tiefe, so daß es am 8. Morgens verschwunden war. Dagegen zeigte sich schon am 6. Morgens ein neues Minimum nördlich von Schottland, wo der nie­drigste Luftdruck 740 Millimeter betrug, während derselbe in Südfrankreich seine alte Höhe von 775 Millimeter beibe­halten hatte. Am 7. Abends war das Minimum bis Finn­land vorgerückt, hatte aber gleichzeitig an Tiefe bis zu 720 Millimetern zugenommen, so daß die Luftdruckdifferenzen zwischen ihm und dem Maximum in Südwesteuropa erheblich größer geworden waren und demgemäß auch die Winde an Stärke zunehmen mußten, und in der That meldeten an jenem Abend 7 deutsche und mehrere ausländische Stationen Sturm. Das Minimum dehnte sich zuerst weit nach Süd­osten auS und verursachte namentlich in einer Zone, die sich von der Nordsee unb Ostsee über die Nordufer des Schwarzen und deS Kaspischen Meeres bis beinahe zum Ural erstreckte,

stürmische Winde. Die Zone der größten Windstärke faib sich also nicht da, wo der Barometerstand am niedrigsten war, im nördlichen Rußland, sondern zog sich in einem weiten Bogen herum, nämlich da, wo die Luftdruckunterschiede am stärksten waren. Auch dieses Minimum verschwand am 9. im Innern Rußlands, wurde jedoch sogleich von einem noch etwas tieferen ersetzt, das am 10. die in Deutschland etwas schwächer gewordenen Winde wieder zur SlurmeSstärke an» fachte unb am Nachmittage bestellten TageS ein Gewitter im Gefolge hatte, bas Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Pommern mit großer Geschwinbigkeit durchzog unb in Hamburg die Temperatur in wenigen Minuten von über 6° auf 1° 6. hcrabbtückte. Während dieses Minimum auf demselben Wege wie seine Vorgänger verschwand, zeigte sich am 11. Abends ein neues westlich von Schottland, welches in der Nacht mit großer Geschwindigkeit seinen Weg gerade nach Westen fort­letzte und am nächsten Morgen im südlichsten Norwegen log, wo in Faerder, westlich .von der Mündung deS Chrtstiania- FjorbeS das Barometer in 24 Stunben von 740 auf 709 Millimeter gesunken war. In Berlin betrug ber Luft- bruck bamals 740 Millimeter, sobaß bie Luftbruckdifferenz zwischen ben belben 750 Kilometer entfernten Orten nicht weniger als 31 Millimeter betrug. In Christiania, wo ber Barometerstanb 714 Millimeter betrug, ist nur ein einziges Mal ein nichtigerer Luftdruck beobachtet worden, nämlich vo» 710 Millimetern am 8. Januar 1839.

Die Folge dieser großen Luftdruckdifferenz war nun jener Sturm am Montag, der so große Verluste an Menschen­leben und an Material verursacht hat. Die unterseeischen Kabel, welche Norwegen mit dem AuSlande verbinden, riffen sämmtlich, sodaß eine Zeit lang Norwegen mit dem nicht« skandinavischen Auslande keine telegraphische Verbindung hatte, daher auch keine Wettertelegramme versenden konnte und die oben angeführten Daten erst nachträglich zur allgemeinen Kenntniß kamen. Der Sturm erreichte in Berlin sein Maximum um die Mittagszeit, wo in einzelnen Stößen eine Windgeschwindigkeit von mehr als 40 Metern in ber Secnnde gemessen wurde - auch in Hamburg fand man die gleiche Ge­schwindigkeit. Daß bei solchen Windstärken saft sämmtliche auf der Nordsee und Ostsee verkehrenden Dampfer ihre Fahrten einstellten, ist wohl erklärlich, da die Windstärken auf der See wegen der geringeren Reibung, die ber Wind an ber glatten Wasseroberfläche erleidet, noch größer gewesen sein müffen. Am schwächsten war der Wind in Faerder selbst, wo schwache Winde notirt wurden, während die (meisten deutschen SHiftenftationen Sturm, zum Theil sogar starke« Sturm meldeten. Das Minimum zog in östlicher Richtung weiter und lag am Abend des 13. schon im Innern Ruß­lands, sodaß, zumal da keine neue Depression birect nachfolgte, die Winde an Stärke nachließen unb der ungeheure Aufruhr, den dieses Minimum in unserer Atmosphäre verursacht hat, einer größeren unb hoffentlich auch länger anbauernben Ruhe Platz machte.

Der verstorbene Herzog Ernst von Coburg Gotha hat in ben Jahren 18371886 nach den Schußlisten u. «. 2316 Rothhirfche von 6 bis 24 Enden, 967 Thiere, 1025 Stück Damwild, 2066 Sauen, 1588 Gemsen, 1253 Rehe, 772 Böcke, 483 Ricken, 1 Wolf, 840 Füchse, 44313 Hasen, 2664 Kaninchen, 11010 Fasanen, 222 Waldschnepfen, 1938 Feldhühner, 708 Stockenten usw., zusammen 57 143 Stück Haarwild und 14917 Stück Federwild erlegt. Dazu kommen von 1887 bil 1891 noch 4222 Stück, so daß die Gesammtftrecke von 1837 bi« 1891 76 282 beträgt. Hinzuzurechnen ist dann noch die große Zahl des auf einer Jagdreife 1862 in Afrika vom Herzog erlegten Wildes.

* Siu Naturmeufch. Man schreibt berFrkf. Ztg." au« Braunschweig, 20. Februar: Ein hiesiger Herr hat sich in einem benachbarten Wälbchen mitten im Tannendickicht eine Hütte aus Reisig und Latten erbaut, sodaß der Wind überall ungehinderten Durchzug hat. Um die Hütte, in der ein Bett und ein Stuhl steht, spaziert ber Herr, deffen Nahrung aus rohem Weizen unb Obst besteht, täglich, auch bei bem schlechtesten Wetter, in abamitischem Zustande herum. Spaziergänger, namentlich Frauen, find schon öfter« durch die plötzlich aus dem Dickicht auftauchende nackte Gestalt erschreckt worden.

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n Elten & Keussen, Crefeld, ebem Maatz beheben. Won Derlrniflt «ufter mit Anaabe be# Gewünschten.