Ausgabe 
23.12.1894 Drittes Blatt
 
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mit dem Mantel der Objectioität zu umhüllen und in eine allgemeine Wahrheit zu kleiden weiß. Jede Zeile ist von jener tiefen und wahren Religiosität getragen, die die Menschenliebe predigt, die keine Unduldsamkeit kennt und jegliches Wesen in seiner Art und Ent­

wickelung gelten läßt. Dabel geht Carola Blacker auch den Dingen der Wissenschaft mit scharfer Klarheit, mit philosophisch geschultem Geiste auf den Grund, und es scheint, daß sie bet Mantfestirung so vielfacher Gaben berufen ist, unter den schriftstellernden Frauen eine hervorragende Stellung etnzunehmen. Vor einigen Jabren ist uns' in einer deutschen MonatLschrist der Name Carola Blackers zum erstenmale begegnet. Hier gab sie eine Analyse deS Characters der Lady Macbeth, die eines Gervinus würdig war. Von einer Frau, die mit starkem Können ausgerüstet so aus der Tiefe schöpft, dürfen wir zweifellos zukünftig noch manche seltene Gabe erwarten. Ihr BuchJnnenschau und Ausblick" wird seinen Weg gehen und

Aussehen und ist an Geist und Körper gebrochen. Die goldene Freiheit will dem ehemaligen Sträfling nicht gefallen und er sehnt sich wieder nach dem Orte, an welchem er 1/i Jahrhundert zubrachte.

* Heidelberg, 17. December. Jeden Besucher unserer schönen Stadt dürfte die Nachricht interessiren, daß auf dem Königsstuhl, dem beliebten höchsten Ausflugsort der hie­sigen Umgebung, ein großes Gasthaus an Stelle des jetzt be­stehenden kleinen Wirthshäuschen errichtet werden soll. Der hiesige Stadtrath hat für diesen Zweck bereits die Summe von 36 000 Mk. bewilligt.

* Budapest, 20. December. Der Director der Groß- wardeiner Laßlomühle, Szilagyi, hat sich erschossen. Er hat für 135,000 fl. falsche Wechsel zum Schaden der Mühle in Umlauf gesetzt und seit Jahren die Bücher ge­fälscht. Die Laßlomühle, eines der bedeutendsten Etabliffe- ments deö Landes, steht vor einer finanziellen Katastrophe. Beide Buchhalter des Instituts wurden heute Abend ver- haftet. Die Direction veröffentlicht eine Bekanntmachung, worin fie anzeigt, daß sie bestrebt sei, die Jntereffen der Gläubiger, unter Vermeidung des Zusammenbruchs des In­stituts, möglichst zu schützen.

vorauSgegangenen Ermahnungen unbeachtet gelassen hat, und welche Umstände für seine fernere Belastung im Postdienste sprechen.

* Römische Ausgrabungen im Elsaß. Das bei Colmar gelegene, als Geburtsftätte des Papstes Leo IX. bekannte

Städtchen Episheim ist längst als eine Fundgrube für vorhistorische, bis zum ersten Auftreten des Menschengeschlechts in der oberrheinischen Tiefebene hinaufreichende Alterthümer in archäologischen Kreisen berühmt. In den letzten Wochen ist nun daselbst ein römisches Castrum entdeckt und theilweise bloßgelegt worden. Dasselbe bildet ein Rechteck von 240 m Länge und 180 m Brette. Die zum Prätorium gehörigen Mauern weisen eine Stärke von 7080 cm. auf. Außer den Fundamenten eines Thurmes sind bis jetzt drei Brunnen und eine Art Cisterne, ferner ein zum Brennen von Ziegeln bestimmter Feldosen nachgewtefen worden. Außerdem wurden zahlreiche Topfscherben, theilweise m t Ornamenten geschmückt, sowie verschiedene römische Münzen gefunden. Von den weitern Ausgrabungen, zu denen hoffentlich die Regierung die nöthigen Mittel bewilligen wird, darf man sich interes­sante Ergebnisse versprechen.

* Ein Zrrthum mit dem Tode bestraft. In Har tau bei Bad Salzbrunn wurde in einer Gesellschaft ein Mineral herumgezeigt, das als Arsenik bezeichnet wurde. Der Orts­lehrer bestritt das und verschluckte zur Erhärtung seiner Ansicht ein Theilchen davon. In der Nacht wurde er von heftigen Schmerzen befallen, verschmähte aber, da er hart­näckig daran festhielt, das Genossene sei kein Arsenik gewesen, jede ärztliche Hilfe. Am Nachmittage des folgenden Tages starb er.

. führung von Moritz C.arriere, Heidelberg, Verlag von Georg Weiß. Wenn ein Gelehrter von der Bedeutung Moritz Carrieres dem Erstlingswerk einer Frau auf seinem Fluge durch die literarische Welt das Geleite giebt, so darf man von vornherein auf eine Dar­bietung rechnen, die das Durchschntltsmaß der modernen Belletristik überragt. In der That stellt sich das Buch Carola Blackers Jnnenschau und Ausblick" als eine ltteiarische Erscheinung dar, die in ihrer Eigenart auf unser volles Interesse Anspruch erheben kann. Frau Blacker hat in ihrem Werke die Erfahrungen eines vielbewegten Lebens in geistreichen Aphorismen und Philosophemen nledergelegt.

Citeratur unfc Kunft

Jnnenschau und Ausblick mit einem Worte der Ein­

* Der Trausport vou Gänsen aus Rußland nach Berlin, die an Ort und Stelle mit 1 Mk. bis l/2 Mk. pro Stück bezahlt werden, hat in dieser Saison etwa eine halbe Million Stück betragen- was über Berlin weiter gegangen ist, ist dabei nicht mit in Berechnung gezogen worden.

* Das Heirathsverbot der Postunterbeamten. Gegen das Heirathen der Postunterbeamten, die nicht angestellt sind (ständige Posthilfrboten), hat die Oberpost-Direction in Kiel ein Circular erlassen, das imVorwärts" ver­öffentlicht wird. Das Circular macht den Vorstehern der Postämter zur Pflicht, unüberlegten vorzeitigen Heirathen der nicht angestellten Postunterbeamten (Posthilfsboten) mit allem Nachdruck entgegenzutreten und den Betreffenden zu eröffnen, daß im Falle der Eheschließung ihre Beibehaltung moÄLrÜ1C; Di- Asicher un«

möchten sich über die persönlichen Derhaltmffe der m Betracht stellen ihre Kunst so hoch, weil sie jedes Erlebntß und Begebniß kommenden Unterbeamten dauernd unterrichtet halten, um

rechtzeitig und nicht etwa, wenn die Vorkehrungen zur Hoch­zeit schon getroffen sind, ihre Vorstellungen machen zu können. Für die Folge sei vor jeder Verheirathung eines nicht ange­stellten Unterbeamten unter eingehender Darlegung der wirth- schaftlichen Verhältniffe des Ehepaars oder der Eltern nach Kiel Anzeige zu erstatten, auch zu erörtern, weshalb er die

Freunde erwerben, wo immer sich edle Menschen erheben und et»

bauen wollen.

t - S-ldzugS-Erinnerungen eine» Kriegsfreiwillige« der 25. H ss. D.vision von Dr. M. Verlag von Gebr. Reichel. Augsburg. Je weiter die großen Kriegs - Episoden von 1870/71 durch den Zeitlauf sich entfernen, desto angenehmer liest sich ein Buch über die wirkliche Geschichte der damaligen Zeit. Das vorliegende nun behandelt in Tagebuch-Auszügen die miterlebten Ereignisie, Ernstes und Heiteres, das Leben des Soldaten im Kriege. Die Schilderung liest sich flott, ist von vaterländischem Sinn durchdrungen und ist als passendes Geschenk- und Erinnerungswerk bestens zu empfehlen. Der Anhang patriotischer und anderer Gedichte behandelt in schöner Form Erinnerungen des Verfassers.

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