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H. Memel, 22. November. In der KitadelleBremen" stehen seit heute früh große Vorräthe von Petroleum, Benzin, Aether und Schmalz in Flammen. Die Flammen haben bereit- den Wall durchbrochen und ein Schiff in Brand gesetzt.

Loeal«, tut» provinzieller-

Gießen, den 22. November 1894.

** Psychiatrische Klinik. Der Bericht des ersten Aus« schuffes der Zweiten Kammer über die Vorlage Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Anstellung und Besoldung eines Directors der psychia­trischen Klinik zu Gießen betreffend, hat den Ab­geordneten Berg st räßer zum Berichterstatter. Es wird beantragt, 1) für Besoldung eines Directors der psychia­trischen Klinik zu Gießen vom 1. April 1895 ab einen Betrag von 5000 Mk. jährlich zu Lasten der Ueberschüffe zu bewilligen- 2) dem mündlich vorgebrachten Ansuchen, dem Director der psychiatrischen Klinik freie Wohnung in dem neuen Gebäude zuzugestehen, stattzugeben.

** Oberhesfische Bahubeamteu. Der Bericht des ersten Ausschusses der Zweiten Kammer über die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Gesetzent­wurf, die Anrechnung pensionsfähiger Dienstzeit für die von der früheren Oberhessischen Eisenbahn-Gesellschaft übernommenen Beamten und Bediensteten betreffend, den der Abgeordnete Vogt erstattete, sagt zum Schluffe: Wir billigen die vorgeschlagenen Maßnahmen sowohl hin­sichtlich des Inhaltes wie der Form, als welche der etwas umständliche Weg der Schaffung eines besonderen Gesetzes nicht wohl zu umgehen war und beantragen demgemäß Annahme des Gesetzes. Der Bericht desselben Aus­schusses über das Gesuch der Weichensteller bei den Oberhessischen Eisenbahnen zu Gießen, Aufbesserung ihrer Wohnungsvergütung betreffend, den der Ab­geordnete Wolfs kehl erstattet, kommt zu dem Anträge, die Kammer wolle dem Gesuche keine Folge geben.

** Militärdienstnachrichteo. Nies, Vicefeldwebel vom Landwehr Bezirk Darmstadt I zum Sec.-Lieut. der Res. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 ernannt.

** Spar« und Leihkaffe Gieße«. Samstag den 24. No­vember, Nachmittags 3 Uhr, findet im Cafe Balzer eine Besprechung statt, wozu die Vertreter der zum Bezirk gehörenden Gemeinden eingeladen werden.

nn. Falsche Münzforten. Durch Verfügung des Großh. Ministeriums oes Innern und der Justiz sind der Großh. Prüfungs- und Auskunftsstation für die Ge­werbe zu Darmstadt die bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten eingehenden falschen Münzsorten zur Prüfung und Begutachtung überwiesen worden.

nn. Oberhesfische Gewerbeausstelluug 1895. Der Orts- gewerbeverein zu Alsfeld veranstaltet im August 1895 gelegentlich der Generalversammlung des Landesgewerbe­vereins eine Ausstellung von Erzeugnissen der Industrie und der Gewerbe aus Oberhessen. Die Dauer der Ausstellung ist auf etwa 3 Wochen vorgesehen. Der Tag der Eröffnung ist vorläufig auf den 25. August n. I. festgesetzt und sind nur Erzeugnisse der Groß- und Klein-Industrie von Ober­hessen ausstellungsfähig. Das Preisgericht wird aus Mit­gliedern des Landesgcwerbevereins der unbetheiligten Pro­vinzen bestehen und werden hervorragende Leistungen prämürt werden. Das Ausstellungs-Comite wird den Verkauf der ausgestellten Gegenstände vermitteln. Mit der Ausstellung wird eine Berloosung von Gegenständen der Industrie ver­bunden sein und auf dem Ausstellungsplatz werden Concerte während der Dauer der Ausstellung ftatlfinden. Das Ehren­präsidium besteht aus: Kreisrath v. Grolmann, Bürger­meister Arnold, Landtagsabgeordneten Gundrum und Realschuldirector Haller.

N. Nidda, 21. November. Bon Worcester in Eng« land ist die Nachricht hier eingetroffen, daß dieser Tage durch diplomatische Vermittelung von der Staatskasse ein Betrag von 2000 Mk. an das hiesige Amtsgericht ausgezahlt wird, welche Summe an die Verwandten der in Worcester ver­storbenen Elisabethe Baron, einer geborenen Scheuner aus­gezahlt und vertheilt werden soll. Vor länger als einem Menschenalter wanderte diese Frau nach England aus, sie. war fast ganz verschollen und vergeffen. Ein natürlicher Sohn von ihr wanderte damals nach Afrika, an das Cap der guten Hoffnung, wo er wahrscheinlich verstorben ist, denn von ihm hat man thatsächlich niemals ein Lebenszeichen er­halten. Die nach Worcester ausgewanderte Scheuner ver- heirathete sich dort und kam zu beträchtlichem Wohlstände. Sie starb, nachdem sie ihren Mann vor einigen Jahren be­erbt hatte. Dem natürlichen, aber verschollenen Sohne ver­machte sie 20,000 Mk., welches Bermächtniß aber nicht an­getreten werden kann. Das Capital bleibt mit seinen Zinsen so lange stehen, bis die Verschollenheitserklärung erlassen werden kann. Die 20,000 Mk. (gerade 1000 Pfd. Sterl.) werden, da noch eine Reihe von Jahren verstreichen müssen, bis die Verschollenheitserklärung gerichtlich ausgesprochen werden wird, mit ihren Zinsen zu einer stattlichen Summe heranwachsen. Die Erblasserin bedachte in England auch die Verwandten ihres Mannes, sowie einige milde Stiftungen, sie muß also nach unseren Begriffen ein stattliches Vermögen besessen haben. Findet sich der verschollene Sohn nicht ein, so fallen die 20,000 Mk. mit den inzwischen ausgewachsenen Zinsen denjenigen Verwandten zu, welche jetzt einstweilen 2000 Mk. erhalten.

[] Von der Ohm, 21. November. Die Hausfrauen be­klagen sich über die schlechte Backfähigkeit des dies­jährigen Roggen- und Weizenmehls. In der Thal bleibt sehr ost das Brot nach dem Backen niedrig und schlissig oder zeigt, wie man zu sagen pflegt, einen Wasserstriefen. Daß solches Brot ebenso wenig der Gesundheit zuträglich, als schmackhaft ist, bedarf keiner Versicherung. Der Grund dieser geringen Backfähigkeit des diesjährigen Mehls liegt

' einmal in der naßgewachsenen und naßheimgefahrenen, das s andermal in der häufig auf dem Felde ausgewachsenen Frucht.

Es ist deshalb von ganz besonderer Wichtigkeit, ein Mittel zu kennen, das diese üblen Eigenschaften beseitigt und es möglich mackt, ein gesundes und wohlschmeckendes Brot zu gewinnen. Das Mittel hat derGießener Anz." bereits in einer Mittheilung seiner RubrikVerkehr, Land- und Volks- wirthschaft" bekannt gegeben, allein wir können es uns nicht versagen, wegen seiner großen Bedeutung für den Haushalt hier dasselbe nochmals namhaft zu machen, es ist das Koch­salz. Wie die Versuche Dr. Lehmanns darthun, wird durch 15 Gramm Salz auf 2 Pfund Brot, welches man im Ein­teigwasser dem Mehl zusetzt, die Verflüssigung des Klebers, die das sogenannte Schliffigwerden bewirkt, vollständig ver­mieden und infolge dessen ein wohlaufgegangenes, gesundes und wohlschmeckendes Brot gewonnen. An unfern Haus­frauen und Bäckern ist nun die Reihe, dies einfache Mittel auf seine Wirkung zu erproben.

Groß-Strinheim, 20. November. Durch einen überaus frechen Diebstahl wurde dieser Tage ein Fuhrmann aus einem benachbarten Dorfe geschädigt. Der Mann hatte in einer Wirthschaft vor Hanau sein Pferd eingestellt, um vor Beginn des Kartoffelmarktes noch einige Stunden der Ruhe zu pflegen. Als er mit dem Morgengrauen schirren wollte, war das werthvolle Pferd, ein dänischer Wallach von hell­brauner Farbe mit kurzem, spärlichen Schweif, verschwunden. Von dem Thäter fehlt bis jetzt jegliche Spur.

Vom Odenwald, 17. November. Sehr lheuer kann , einen Tüncher aus B. ein Malerpinsel zu stehen i kommen. Der Tüncher hatte in dem Weiler F. bei einem Hofbauer den oberen Stock zu malen. Während der Früh­stückstunde gerieten die kleinen Buben des Bauern über die Pinsel und versuchten mit Wagenschmiere das Scheuerthor ; anzustreichen. Der Tüncher war nun in großer Noth, da ; Ersatz nicht beschafft werden konnte. Kurz entschlossen ging 1 er in den nächsten Stall, schnitt einer Kuh die Schweishaare ; und dem Geisbock den Bart ab, und stellte sich, so gut es > gehen wollte, ein paar Pinsel her, die auch genügten. Leider i war aber der Besitzer der Thiere, ein Nachbar, nicht mit * diesem Frisiren einverstanden, sondern zeigte den Tüncher ; wegenSachbeschädigung" an und da der Thäter die ver- ! riegelte Stallthüre eigenmächtig geöffnet hatte, kann die Ge- | schichte auf eine starke Geldbuße kommen.

im

15919296 5 647913 3 332036 2038 990

825 323 1230 002

116 000 594000

394286 930 600 291800

515034

Jahre 1888 vom Abgeordnetenhaus unter Wilhelm II. erhöht auf Bayern hat eine Krondotation von Sachsen Württemberg Braunschweig

Großherzogthum Hessen Großherzogthum Oldenburg Sachsen-Coburg-Gotha Sachsen-Meiningen Sachsen-Weimar Schwarzburg-Rudolstadt Schwarzburg-Sondershausen

Mk.

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Ueber die übrigen deutschen Staaten fehlen die nothwendigen Angaben. Dieselben werden auf etwa 8 Millionen Mark geschätzt. Die Krondotationen sämmtlicher deutschen Fürsten werden auf zusammen 40 Millionen Mark veranschlagt. Die Frage nach dem Privatvermögen der Fürsten läßt sich nicht einmal annähernd beantworten, weil dafür jeder Maßstab fehlt.

* Die commandirenden Generale beziehen gegenwärtig 12000 Mk. Gehalt und 18000 Mk. Dienstzulage, daneben freie Dienstwohnung mit Mobiliarausstattung und Feuerungs­material und je 8 Fouragerationen. Dagegen sind die commandirenden Generale verpflichtet, auS der Dienstzulage von 18 000 Mk. auch die Kosten für Bureaubedürfnisse zu bestreiten. Sie erhalten aber 1500 bis 1800 Mark Zulage

Vermischtes.

* Köln, 20. November. In der Trinitatiskirche fand heute Nachmittag um 1 Uhr die Trauung des Reichscommiffars Major Dr. Hermann v. Wißmann mit Fräulein Hedwig Langen, Tochter des Geh. Commerzienraths Eugen Langen, statt,

* Hamburg, 20. November. In der vergangenen Nacht brach in einem Hause in der Königstraße Feuer aus, sieben Personen wurden verletzt. Ein Kind ist in Folge der erhaltenen Verletzungen gestorben. -

* Freiburg i. Br., 18. November. Gestern wurde die Leiche des stud.jur. Heinrich Boetticher aus Magdeburg zur Bahn geleitet. Der Verstorbene, Sohn des Magdeburger Oberbürgermeisters, ist an einer Dosts Antipyrin zu Grunde gegangen. Er hatte sich das Antipyrin in einer Apotheke ohne Recept verabreichen lassen, um einen belanglosen Schmerz zu stillen. Das Mittel führt? leider, da Boetticher mit einem Magen-Geschwür belastet war, nach einigen Tagen trotz aller ärztlichen Bemühungen in der Klinik seinen Tod herbei. Auf Grund des Scctionsbefundes begab sich eine Gerichts­commission in die betreffende Apotheke. Die Untersuchung führte zu einem positiven Ergebniß. Wie ein Privat-Tele- gramm derFranks. Ztg." meldet, ist der Apothekergehülfe verhaftet worden; er soll Sublimat mit Antipyrin verwechselt haben.

* Die alte Rohheit. In einer Mainzer Wirthschaft saßen neulich Abend eine Anzahl junger Leute beisammen. Einer derselben verließ auf einige Augenblicke feinen Platz, als er sich wieder setzen wollte, zog ihm ein Anderer plötzlich den Stuhl hinweg und der junge Mann stürzte rücklings zu Boden; ein Strom Blut drang ihm sofort aus dem Mund, er hatte sich die Zunge halb durchgebiffen; gegen den Thäter ist Strafantrag gestellt.

* Die Kroudotatioueu deutscher Fürsten. Der König von Preußen erhielt bis zum Jahre 1888 12*/z Millionen Mark. In Anbetracht der Theuerungsverhältnisse wurde die Dotation

für je einen Registrator und 720 bis 1152 Mark Zulage für je fünf bis acht Schreiber. Diese Schreiber werden aus den Unteroffizieren gestellt. .Nunmehr sollen die Bureaukosten der Generalcommandos auf die Reichskaffe übernommen werden, bis auf den Betrag von 300 Mk., der aus der Dienstzulage bestritten werden soll.

* Alhemlos und thronenden Auges kam am Dienstag Vormittag ein zehnjähriges Mädchen auf das Polizeibureau in der Brunnenstraße in Berlin gelaufen und berichtete dem Lieutenant wörtlich:Lieber Herr Lieutenant, bitte kommen Sie doch gleich mit in unsere Wohnung, dort hat sich unsere gute Mutter aufgehängt, weil sie für uns fün.f Kinder nichts mehr zu essen hatte. Vater ist schon seit drei Wochen nicht mehr nach Hause gekommen!" Die Ermitte­lungen haben leider die traurige Wahrheit ergeben; denn man sand in der armseligen Wohnung die Mutter als Leiche vor. Ihre hinterlassenen fünf Kinder sind dem Waisenhause überwiesen worden, die Leiche der Unglücklichen wurde nach dem Schauhause gebracht.

* Deutscher Durst. 45 Millionen Hectoliter Bier fließen alljährlich durch die Kehlen aller Deutschen. Ein Seebett von 2 025 000 Quadratmeter Grundfläche ober 225 Hectar würde bei einer Höhe von 2 Metern bis zum Rande gefüllt werden. 500000 Hectar ober ungefähr 90 Quabratmeilen in hoher Cultur befinbliches Land sind nothwendig, um bei vollem Ertrag die Menge Gerste zu erzeugen, welche zur Herstellung dieses Bieres gebraucht wird.

* Die drei K's der Kaiserin. In einer Skizze über die deutsche Kaiserin bezieht sich Arthur Warren inThe women at hörne auf einen Ausspruch des Kaisers Wilhelm II., der da sagt, er könne nichts besseres für die Wohlfahrt seines Landes denken, als daß jedes deutsche Mädchen dem Vorbilde der Kaiserin folgen und gleich derselben ihr Leben der Pflege der drei K's widmen würde: Kirche, Kinder und Küche. Der Kaiser verabscheut emancipirte Frauen und zieht eine Gattin, die Konfitüren zu machen weiß, einer solchen, die Regierungssragen zu beurteilen verstehe, bei weitem vor. Die Kaiserin erfüllt diese Ansprüche vollkommen: Sie legt trefflich Obst ein und kümmert sich nicht tm geringsten um Polink. Sie geht um 1/2^0 Uhr zu Bette und steht um 6 Uhr auf. Gespeist wird um 1 Uhr, um 8 Uhr wird ein einfaches Nachtessen eingenommen. Sie überwacht ihre sieben Kinder sechs Knaben und ein Mädchen sorgsam beim Lernen wie beim Spielen. Auch um die Dienerschaft kümmert sie sich, und eine der wenigen von ihr bekannten Aeußemngen gilt der Dienstbotenfrage. Sie lautet: Nach meiner Ansicht entspringt der unbefriedigende Zustand unserer Dienstleute dem Umstande, daß die Haus­frauen sich zu wenig um ihr Wohlergehen kümmern. Die hauptsächlichste Klage der Dienerschaft geht dahin, daß sie viel Arbeitsstunden und zu wenig persönliche Freiheit haben. Aber wenn wir ihnen mehr Freiheit gewährten, würden wir sie großen Versuchungen aussetzen. Wir sollten daher Alles aufbieten, um ihnen .ihre Mußestunden im Hause so angenehm als möglich zu machen: vor Allem, indem wir ihnen heitere, luftige Wohnräume zuweisen, was, wie ich fürchte, nicht immer der Fall ist. Ich hoffe, die Baumeister werden das im Auge behalten, wenn sie künftig Häuserpläne entwerfen. Ferner sollten in verschiedenen Theilen der Stadt Dienstbotenheime errichtet werden, wo dieselben sich Abends treffen und vor Allem Sonntag Nach­mittags versammeln könnten, um ihre gemeinschaftlichen In­teressen zu besprechen und womöglich über ihre häuslichen Pflichten in Vorträgen unterwiesen werden. Die Hauptfrage, im Hinblick auf unsere weibliche Dienerschaft ist ihre Mo­ralität; denn wer wäre von größerem Einfluß aus den Character unserer Kinder als die Dienstmädchen, die im täglichen Verkehr mit ihnen stehen."

* Der Hochzeitskorb, welchen Czar Nicolaus II. für seine Braut, die nunmehrige Großfürstin Alexandra Feodorowna, in Paris bereiten läßt, soll ein wahres Wunder­werk sein. DemNeuen Wien. Tagbl." wird hierüber Fol-- gendes mittheilt: Der Korb hat einen ganz bedeutenden Umfang und besteht völlig aus achtem Goldgeflecht. Den Verschluß bildet das russische Kaiserwappen. Als Einfütterung wurde ein in den russischen Farben gewirkter schwerer Brokat verwendet. Der Inhalt ist nahezu vollständig; man sieht die kostbarsten Spitzen in allen Farben, nur ein Artikel fehlt noch: das für die Juwelen bestimmte Fach nämlich ist noch leer. Die Agenten des russischen Kaiserhauses suchen eben noch nach Juwelen und Perlen. Vorerst gilt es, den Brautschmuck anzufertigen. Das Perlenhalsband muß nach und nach zusammengestellt werden und man zahlt die Pracht­stücke dieser Perlen mit je 10 000 Mk. Während große Brillanten verhältnißmäßig leicht zu erhalten sind, ist es außerordentlich schwer, große Rubine und Smaragde aufzu- treiben, die in fortlaufender Reihe die gleiche Größe zeigen; Geldangebote allein genügen nicht, gleiche Stücke in der ge­wünschten Größe sind sehr selten.

* Eine heitere Gebühreugefchichte wird von einem Ber­liner Gerichtsberichterstatrer wie folgt erzählt: Zwei Prozeß­gegner hatten durch ihre Vertreter, die Rechtsanwälte Dr. St. und Fr. II., eine Einigung erzielt, und die An­wälte liquidirten ihren Clienten verschiedene Gebühren, und zwar Fr. 50 Mk. und St. 20 Mk. Als bei den Parteien die Liquidationen eingetroffen waren, verständigten sich die versöhnten Gegner mittels Telephon über die Summe, die ihnen in Rechnung gestellt worden war. Es erhielten nun die Anwälte von ihren Klienten je einen Brief; in dem an St. war zu lesen:Sie haben zwar nur 20 Mk. liquibirt, da aber der Gegner 50 Mk. an seinen Anwalt zu zahlen hat, gestatte ich mir, Ihnen ebenfalls 50 Mk. zu senden." Der Brief an Fr. lautet:Sie haben zwar 50 Mk. liqui- dirt; da aber der Gegner nur 20 Mk. an seinen Anwalt zu. zahlen hat, gestatte ich mir, Ihnen ebenfalls nur 20 Mk. zu senden." Als die beiden Anwälte sich diese Brief- und Gebührengeschichte im Anwaltszimmer erzählten, wurden alle Kollegen dis zu Thrünen erheitert.