Ausgabe 
23.8.1894
 
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Er sah in der Nähe einen Menschen, der über eine Dielen* wand zu klettern versuchte. Er rief denselben an, worauf dieser verschwand, um aber bald wieder in der Nähe zu er* scheinen und daS Uebersteigen eines ZauneS zu versuchen. In dem Glauben, eS mit einem Einbrecher zu thun zu haben, nahm Heil einen Taschenrevolver zur Hand und gab zwei Schüsse auf den Unbekannten ab. Er hatte leider nur allzu­gut gezielt, denn in die Schläfe getroffen, stürzte der Mann, der nachher als der 18 jährige Portefeuiller Jonas Renk er* könnt wurde, ab. Dies ereignete sich zwischen 3 und 4 Uhr Wad). Die von einem Hausbewohner benachrichtigten Schutz­leute fanden denselben noch schwach athmend vor und veran­laßten seine alsbaldige Verbringung ins Krankenhaus, wo er Morgens um */410 Uhr verstorben ist. Heil wurde verhaftet.

Offenbach a. M., 21. August. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, der eben auf Schloß Wolfsgarten weilt, stattete heute Vormittag unserer Stadt einen Besuch ab. Se. Kgl. Hoheit kam zu Wagen über Langen, Sprendlingen und Neu-Isenburg, wo er überall festlich empfangen wurde. Hier kam er um 11^ Uhr an. Sämmtltche Vereine bildeten an den Straßen Spalter. An der Kreuzung der Sprend- linger und Kaiserstraße, wo eine große Ehrenpforte errichtet ist, hatten sich die Vertreter der Stadt aufgestellt. Ober­bürgermeister Brink hielt die Begrüßungsansprache, worauf Frl. Elsa Böhm ein Bouquet überreichte. An der Brücke stieg der Großherzog aus dem Wagen, sah sich von dem Einnehmerhaus auf der Brücke die Umgegend an und begab sich von da zu Fuß in den nahen Schloffer'schen Garten, von dessen Terrasse er den Vorbeimarsch des Festzuges ansah. Ja der großen Halle des Schloffer'schen Gartens gab die Sadt ein Gabelfrühstück, worauf der Besuch verschiedener städtischer Anstalten und Privatetablissements folgte. Gegen 5 Uhr nimmt der Großherzog bet dem Kreis­rath Haas den Thee ein, besichtigt noch das neue Stadt­krankenhaus und fährt dann nach Schloß Wolfsgarten zurück.

Mainz, 20. August. Herr Bterbrauereibesitzer Michael Geier, der voriges Jahr sein 25. Kind als Jubiläums- sprößling feiern konnte, hat jetzt die seltene Vaterfreude, sein 26. Kind in das Standesregister eintragen lassen zu können. Beim Abschied soll der Standesbeamte gelächelt undAuf Wiedersehen" gesagt haben.

A Mainz, 21. August. Der historische Festzug bei dem deutschen BundeSschteßen hat, wie nunmehr festgestellt ist, nicht weniger wie 32000 Mark gekostet. An Weinen wurden bei dem Schützenfest consumirt: 19 564 Liter offener Wein, 33 229 ganze und 1736 halbe Flaschen. Schaumweine wurden 2631 Flaschen deutscher und 82 Flaschen französischer consumirt.

A AuS Rheinhessen, 21. August. Die fortdauernd an­haltende regnerische, kühle Witterung in dem gegenwärtigen Kochmonat" trübt die Aussichten auf einen qualitativ günstigen Ausfall des bevorstehenden Herbstes sehr, indem

man allgemein befürchtet, daß zu einem richtigen Ausreisen der Trauben die nothwendige Wärme nicht mehr ausreichend eintreten werde. Trotz dieser unerfreulichen Herbstaussichten liegt das Weingeschäft in der diesseitigen Provinz vollständig da­nieder. Selbst zu niedersten Preisen können die Producenten nichts verkaufen und zwar mangeln nicht nur die Liebhaber für die besseren Weine, sondern auch für die ganz geringen Weine fehlen dis Abnehmer.

Verkehr, £anö* tmb Volkswirthschaft«

S OberLeemen, 21. August. Der heute hier abgehaltene Dtehmarkt war in Folge des anhaltenden RegenwellerS schlecht be­fahren. An Rindvieh waren etwa 200 bis 250 Stück aufgetrteben. DaS Paar 1jährige Stiere kostete 300 bis 350 Mk., 2jährige Stiere wurden das Paar zu 400 bis 480 Mk. verkauft, 3jähr. Stiere kosteten das Paar 550 bis 600 Mk. Kühe wurden mit 200 bis 250 Mk. verkauft, dagegen kosteten frischmelkende Kühe den ansehnlichen Preis von 360 bk- 420 Mark. Einige Kälber, 3 bis 4 Wochen alt, wurden zu 30 bis 35 Mark das Stück verkauft, fettes Vieh kostete 60 bis 65 Mk. der Gentner Schlachtgewicht. Im Allgemeinen war der Handel trotz deS Regenwetters gut.

LSirgefandt.

Gießen, 24. August 1894.

Bei dem Besuch unseres nun beendigten Feuerwehrfestes hat sich wob! jedem Gießener die Frage ausgedrängt, wo soll daS Turnfest im nächsten Jahre abgehalten werden.

Jeder, der alle dabei in Betracht kommenden Verhältnisse genau kennt, der auch besonders die turnerischen Erfordernisse, wie Abhaltung des Turnens auch bet anhaltendem Regenwelter in den nahe gelegenen Turnhallen, in Berücksichtigung zieht, wird sich wohl die Antwort gegeben haben, hier auf diesem, von allen Seiten leicht erreichbarem, auch in der Nähe des Bahnhofes gelegenen Platz, muß das Fest, wie früher, abgehalten werden.

Konnte doch trotz vorherigen wochenlangen Niederschlägen und trotz dem geradezu wolkenbruchartigen Regen während des Festzuges, nachdem der Ktesboden des Platzes die Nässe in kurzer Zeit aufge­sogen, das Tagesprogramm bis zur letzten Nummer durchgeführt werden.

Wie anders wäre dies wohl aus dem mehrfach genannten Festplatz, auf dem Trieb, verlaufen, wie Viele würden wohl bei gleichem Wetter den durchweichten, abgelegenen Festplatz besucht habend

Allerdings muß der Platz im Oswaldsgarten möglichst aus­gedehnt werden, wenn man der Zunahme der Bevölkerung und dem stärkeren Besuch von auswärts Rechnung tragen will.

Deshalb wurde auch die Ntederlcgung des alten Holzmagazins allgemein begrüßt, wurde doch ein weiterer und, wie wir glauben, zur Erbauung einer entsprechenden Festhalle wichtiger Platz, freigelegt.

Nun ist aber bekannt geworden, daß städtischer Seils beab­sichtigt ist, ein neues, wenn auch kleineres Gebäude zur Unterbringung des Baumaterials k. an demselben Platze zu errichten; hierdurch würde die Benutzung des Platzes Hu oben gedachtem Zwecke jedenfalls beschränkt, wenn nicht ganz unmöglich gemacht.

Darum liegt es wohl im allgemeinem Interesse, wenn die maß­gebenden städtischen Behörden die Frage des Bauplatzes nochmals einer eingehenden Prüfung unterziehen wollten.

Ein eben so passender Bauplatz für den Zweck dürfte wohl nahe der inneren Stadt in anderer Lage zu beschaffen sein, vor Allem be­gehe man keine Uebereilung, welche später große Nachtheile bringen kann.

Einer Stadt, welche sich in anderen Beziehungen so schön ent­wickelt, sollte man auch einen so gut gelegenen Platz zur Abhaltung der zukünftigen größeren Feste sichern.

Für die schwer heimgesuchte Familie

ist ferner bet unS etngeaangen: Von C. B. 1 Mk., H. Bauer, Büdingen, 1 Mk., Briefcouvert N. G. 3 Mk., G. W. 2 Mk., C. D. 2 Mk., hierzu Uebertrag (Nr. 193) 7 Mk., zusammen IG Mk.

Weitere Gaben nimmt gerne entgegen

Die Expedition desGießener Anzeiger".

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.

33. Woche. Vom 12. August bis 18. August 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 23,53°/«chezw. 1176, nach AuSschl. der Ortsfremden.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

Diphtheritis

1. Lebensjahr: 2.15. Jahr:

2 (2)

- 2 (2)

Tuberkulose anderer

Organe

1

1

Ehron. Herzkrankheit Angeborene Lebens-

1

1

schwäche

1

1

Neubildungen

Sonstige benannte

1 (1)

1 (1)

Krankbeiten

Verunglückung beim

3 (2)

1 (1)

1 1 (1)

Bahnbetrieb, schon in der 31. Woche

1

1

_

Summa: 10 (5) 4 (2) 3 3 (3)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von «uSwärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Anmerkung: Die punkiirte Linie bei der Barometerscala gibt den Stand des vorhergehenden Tages an.

witterringsarrsfichten

am 22. August Morgens 8 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage).

Barometerstand

ss

(s

61

61 a-

Thermometer: min. 4- 8°, max. 4- 12° R. Hygrometer. Feucht.

Temperatur der Lahn zwischen 11 u. 12 Uhr Vorm.:

ts

11 Grad Reaumur.

erzielt man nur, wenn die Annoncen zweck» mäßig abgefaßt und typographisch ange­messen ausgestattet sind, ferner die richtige-, Wahl der geeigneten Zeitungen ge­troffen wird. Um dies zu erreichen, wende man sich an die Annoncen-Expedition

Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., und Mannheim; von dieser Firma werden die zur Erzrelung eines Erfolges erforderlichen Auskünfte kosten­frei erteilt, sowie Jnseraten-Entwürfe zur Ansicht geliefert. Berechnet werden lediglich die Original-Zeilenpreise der Zeitungen unter Bewilli, gung höchster Rabatte bei größeren Aufträgen, so daß durch Benutzung dieses Institutes neben den sonstigen großen Vortheilen eine Ersparniß an Jnserationskosten erreicht wird. 6746

Vertreter am hiesigen Platz': Heinrich Wallach, Kaufmann.

Erfolg durch Annonlkn

Bekanntmachung.

Diejenigen Hausbesitzer, deren Hof* raithen mit Hausnummerschildern noch nicht versehen sind, werden ersucht, solches binnen 8 Tagen auf dem Stadtbauamte anzugeben. Die An­bringung der Schilder wird dann in Kürze erfolgen.

Gießen, den 22. August 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. 6926] I. V.: Grüneberg.

Bekanntmachung.

Wegen des ungünstigen Wetters wird die auf Montag den 27. und Dienstag den 28. dfs. Monats ausgeschrie­bene Versteigerung des Grum metgrafes von den städtischen Wiesen an diesen Tagen nicht abgehalten und bis auf Wei­teres verfchobcn.

Gießen, 22. August 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Grüneberg, 6925] Beigeordneter.

6835] Alle Diejenige«, welche an Fra« Fritz Scharmann Wittwe, bezw. an die Firma Fritz Schar, mann etwa- schulden, werden hier­durch ersucht, innerhalb 14 Lagen Zahlung an den «nterzetchneten «eneralvevollmLchtigten zu leisten, alS sonsten daS BeitreibungSver* fahren eingeleitet werden müßte.

Geißler,

6835] Großh. Gerichtsvollzieher.

Grummelgras» Berfteigerung

Das diesjährige Grummetgras von 15 Morgen Freiherrlich von Nordeck zur Rabenaufchen Wiesen und Gärten in der Ge­markung Alten-Buseck soll Donnerstag den 30. August, Vormittags 11 Uhr, beiHrn. Wirth Wilhelm Rabenau zu Alten-Buseck versteigert werden.

Londorf, den 21. August 1894.

Der Rentmeister. 6912] Schmidt.

Das Grummktgras von der cameral'fiscalischen Sorau- wiese wird

Dienstag den 28. Augustd. I.,

Nachmittags 2 Uhr, bei Wirth Schäfer zu Daubringcn versteigert.

Treis a. L., 21. August 1894.

Großh. Oberförsterei Treis a. L.

6911] Amendt.__________

Grummetgras- Versteigerung.

Donnerstag den 23. l. Mts.,

Vormittags 9 Uhr, läßt die Actienbrauerei Gießen das Grummetgras von ca. 51000 Meter Wiesen in 25 Parzellen meist­bietend versteigern. Der Anfang wird bei der schönen Aussicht ge­macht. [6904

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