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23/05/1894 Erstes Blatt
 
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Nr 117 Erstes Blatt. Mittwoch den 23. Mai 1K94

Tn Airfctntr Anjeiflcr crlchkint täglich, um «uSnahmk d>2 Montags..

Tie Gießener Aamikienökäller werbm dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

6iertel|öt)rigflr aSt>nae«enl»prei» : 2 Mark 20 Pjg. mit Bringerlodn. Durch die Post d.-zogeir 2 Mark .'m» Pfg.

Redaction, EroedUron und Druckerei:

Kchu kN ratze Nr.7.

Kernipt.cher 51.

Anrts- und ^lnzeigeblntt für den Tireis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den tilgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borin. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Jamisienblattcr.

Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes iirhmrn Anzeigen für denlUicßenrr Anzeiger" emgeg-.n.

Amtlichem Theil

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Gießen, den 2. Mai 1894.

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dürfte die endgiltige Entscheidung des Hauses gefallen sein und zwar vermuthlich im positiven Sinne, auf Grundlage des zwischen den beiden conservativen Fractionen und einem Theile der nationalliberalen Fraction abgeschlossenen Com- promisseS in Sachen dieses vielumstrittenen Gesetzes. Die s , erzielte Verständigung geht dahin, daß die Landwirthschafts- kammern zum ersten Male durch die Kreistage gewählt werden sollen, vorher aber durch königliche Verordnung nach Anhören des Provinziallandtages eingeführt werden können. Die Wahl der späteren LandwirthschaftSkammern soll dann ebenfalls durch die Kreistage erfolgen, soweit nicht die Kammern selbst sich für einen anderweitigen WahlmoduS

MM MW Grssth. Bürgermeistereien Xi SMWi.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.

Unter Bezugnahme auf § 5 unb 10 der Verordnung vom 11. Juli 1888, die Unfall- und Krankenversicherung der in land-' unb sorstwirthschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen bett., unb unsere Ausschreiben vom 10. u. 18. Mai sowie vom 17. Juli 1889, (Anzeigeblatt Nr. 112, 119 unb 167 drittes Blatt) machen wir Sie noch darauf aufmerksam, daß die Grundbesitzer, welche ihren Grundbesitz nicht selbst bewirthschaften, bei der Anmeldung das Rechtsvnhältniß (z. B. Pacht rc.) und die Pachterträgnisse der einzelnen Loose anzugeben haben. . m

lieber die gestellten Anträge haben Sie em Register nach der Zeitfolge der Anträge in vorschriftsmäßiger Form (cf. Formular A. zu der Verordnung vom 11. Juli 1888, S 93 des Regierungsblattes) zu führen und dies Register spätestens bis zum 15. Juni l. I. unter Anschluß der ge­stellten Anträge und der dazu gehörigen Nachweise an uns

wirthschastlichen Betrieb überhaupt nicht gehören;

von allen Gebäuden nebst zugehörigen Hofräumen, Hau»- und Ziergärten;

von Grundstücken von Betrieben, deren Sitz außerhalb de» Landes gelegen ist;

von steuerpflichtigen Grundstücken, deren land- und forst- wirthschaftliche Benutzung dauernd eingestellt ist, sei es, daß jede Nutzung aufgehört hat, sei es, daß an Stelle der land- oder sorstwirthschaftlichen eine gewerbliche Be­nutzung getreten ist (z. B. Verwandlung eines Ackers

auSfprechev. ES wäre demnach das Zustandekommen dieses wichtigen Gesetzes gesichert und für daS Abgeordnetenhaus bleibt nun nicht mehr viel zu thun übrig, immerhin kann der Schluß der Landtagssession noch nicht sobald erfolgen, da das Herrenhaus noch zu den meisten der im Ageordnetenhause bereits erledigten Vorlagen Stellung zu nehmen hat.

Betreffend: Die land, und forstwirthschaftliche Berufs­genossenschaft für das Großherzogthum

Ausland.

Die im ungarischen Abgeardaetevhause am vorigen Donnerstag begonnene nochmalige Lesung des Civilehe- gesetzeS hat in der vergangenen Woche noch keine Ent­scheidung grbracht, möglich, daß sich dieselbe bei der von der Linken beliebten Verschleppungstaktik noch weiterhin verzögert. Daran, daß die ungarische Volksvertretung diesmal dem Civilehegesetze so gut wie einhellig zustimmen sollte, wie hie und da in den liberalen Kreisen Ungarns erwartet worden war, ist schon gar nicht mehr zu denken, daS Cabinet Wekerle wird zufrieden sein müssen, wenn daS Abgeordnetenhaus die Vorlage wiederum mit einfacher Mehrheit genehmigt. Heb» rigeuS geht Herr Dr. Wekerle diesmal vorsichtiger in der Sache vor. Er hat erklärt, das Civilehegesetz nach dessen nochmaliger Genehmigung durch daS Unterhaus dem Magnaten­hause nicht eher unterbreiten zu wollen, als bis Bürgschaften gegeben seien, daß die Vorlage jetzt auch in letzterem zur Annahme gelangen werde. Vermuthlich versteht der ungarische CabinetSchef unter diesen Bürgschaften einen kleinen PairS- schub auf der regierungsfreundlichen Seite, das Fehlen der oppositionellen Hoswürdenträger bei der zweiten Abstimmung des Oberhauptes in Sachen der Civilehe und sonstige nicht gerade iwponirende, ober doch höchst nothwendige Kunstgriffe, um der Civilehe-Dorlage endlich auch in -der PairSkammer zum Siege zu verhelfen. Depeschen.)

hören, mit Angabe dieser Grundstücke nach der Kataster- bezeichnung der Größe und des Eigenthümers,

an den Vorstand der land- und sorstwirthschaftlichen Berufs- genostenschast, Herrn RegierungSrath Nover in Darmstadt, bi« Ende Juni l. I. einzusenden.

I. V.: Dr. Melior.

in einen Steinbruch).

Diejenigen Grundbesitzer, welche derartige Befreiung«, gründe, die sich der amtlichen Kenntniß entziehen, geltend machen können, werden aufgefordert, die Befreiung bei der Bürgermeisterei derjenigen Gemarkung, in welcher da« Grund- stück gelegen ist, bis zum 1. Juni 1. I. zu beantragen.

Gießen, den 2. Mai 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Dentsche» Reich.

Berlin, 21. Mai. Die bekannte Proceß-Affaire, in welcher der Name des Berliner LandgerichtSdirectorS Brausewetter eine so eigenthümliche Rolle spielt, ist letzthin wiederum Gegenstand eingehender Erörterungen seitens der politischen Tageszeitungen aller Richtungen gewesen. Anlaß zu dieser erneuten öffentlichen Besprechung desFalles Brausewetter" hat wohl das Gerüchl gegeben, der Kaiser habe sich vom Justizminister Dr. v. Schelling Vortrag über die ganze Angelegenheit halten lassen und sei das Auftreten deS Herrn Brausewetter in dem Processe gegen die acht Berliner Redacteure vom Monarchen scharf gemißbilligt worden. Im An­schlüsse hieran verlautet dann weiter von einer bevorstehenden Versetzung deS Herrn Brausewetter auf den Posten deS Präsidenten einer Eivilsttafkammer. Juwieweit diese Gerüchte begründet sind, muß allerdings noch dahingestellt bleiben, jedenfalls ist aber die Tagespresse einmüthig in der Berurtheilung der Haltung deS genannten hohen richterlichen Beamten, dessenBefangen­heit" in dem BerlinerArbeitslosen-Processe" eine bedenk­liche Gefahr für die öffentliche Rechtsprechung in Preußen bildet. Man kann daher wohl erwarten, daß bei der Revision deS erstinstanzlichen Urtheiles in der gedachten Proceßaffaire die gerichtliche Entscheidung einigermaßen ander« und mehr dem allgemeinen Rechtsgefühle entsprechend ausfallen wird.

Das preußische Abgeordnetenhaus ist am Montag in die dritte Lesung der wichtigsten Vorlage seiner gegenwärtigen Tagung, derjenigen Über die Errichtung von LandwirthschaftSkammern, cingetreten. Zur Stunde

Hessen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

Bekanntmachung.

Die Grundbesitzer, welche ihren Grundbesitz entweder ganz ober theilweise nicht selbst bewirthschaften, werben hierburch aufgefordert, bei ber Bürgermeisterei berjenigen Gemeinde, in deren Gemarkung die Grundstücke liegen, bis zum 1. Juni l. I schriftlich oder mündlich zu Protokoll den Antrag zu stellen, baß ber auf bie Steuercapitalien ihrer Grunbstücke ober einzelner bcrseldcn entfallenbe Beitrag zur Berufsgenostenschaft von einem Anderen, als Betriebsunter­nehmer zur Zahlung Verpflichteten, erhoben werde. Die An­träge müssen auch die nöthigen Angaben über die Pacht­erträgnisse der einzelnen Loose enthalten.

Sodann wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß nach $ 10 der Verordnung vom 11. Juli 1888 von nach­verzeichneten Objecten ein Beittag zur Berufsgenossenschaft

nicht erhoben wird .

von Grundstücken, welche zu einem land- oder forst-

einzusenden. ,. m

Innerhalb gleicher Frist sind die Anmeldungen ein« getretener BcfreiungSgrünöe von der Beittagspflicht (cf. S JO ber allg. Verordnung) mit dem von Ihnen zu führenden Antragsregister uns mitzutheilen. Die Anträge sind von Ihnen zu prüfen und nach Befund als richtig zu bereinigen.

Sodann weisen wir Sie unter Bezugnahme auf § 14 unb 15 ber genannten Verorbnung hierburch an:

1) Verzeichnisse der in ben Gemeinben etwa vorhandenen landwirthschafttichen Nebenbetriebe (z.B. von Fuhrwerks-, Drescherei-, Brennerei-, Molkerei-, Stein- druch«-, Sandgruben-, Lehmgruben-, Torsstisch-, Ziegelei-, Kalköfen-, Kellerei-Betrieben rc.), soweit diese Betriebe nicht bereits nach dem gewerblichen llnfallverucherungs- gesetz vom 6. Juli 1884 versichert sind,

2) Verzeichnisse der ausserhalb des Grossherzog- thums gelegenen Grundstücke, welche zu einem landwirthschaftlichen Betrieb im Großherzogthum ge-

Nerreste Hadertebten*

Wolff« telegraphische« Korrespondenz-Bureau.

Berlin, 21. Mai. Das Comite für die Gewerbe- Ausstellung in Berlin entschied sich mit 43 gegen 27 Stimmen für Witzleben als AuSstcllimgSplatz. Darauf legte Kühnemann sein Mandat nieder und die Minorität beschloß, sich zu einem Cornits für eine Ausstellung in Treptow zu etabliren.

Rom, 21. Mai. Heute Vormittag hielt ber Papst ein öffentliches und sodann ein geheimes Eonsistorium ab. Dem öffentlichen wohnte daS diplomatische Corps bei. Der Papst wurde lebhaft begrüßt. Sodann empfing der Papst, dessen Gesundheitszustand vorzüglich ist, die neuen Cardinäle in Privataudienz.

Barcelona, 21. Mai. Die zum Tode v e r u r t h e i l t e p Anarchisten wurden heute Morgen 4 Uhr in der Citadelle von Montjuich erschossen.

Depeschen de» Bureau .Herold'.

Berlin, 21. Mai. Die Kaiserin Friedrich hat den durch die Erdbeben in Griechenland Verunglückten eine nam- hafte Unterstützung zukommen lassen.

Berlin, 21. Mai. Zu dem am 10. Februar zwischen Deutschland und Rußland getroffenen Abkommen betr. die Zurücknahme von Staatsangehörigen, soweit diese die andere Staatsangehörigkeit nicht erworben haben, hat der Minister deS Innern am 6. Mai eine Reihe von AuSführimgS- besttmmungen erlassen. DaS Abkommen ist am 7. Mai in Kraft getreten.

Budapest, 21. Mai. Wegen Zunahme ber nationalen Hetze in Oberungarn und Siebenbürgen hat die Regierung Commissare dorthin geschickt, welche eventuell energisch ein^ schreiten sollen.

Budapest, 21. Mai. Das Abgeordnetenhaus hielt das Gesetz über die Civilehe mit 271 gegen 105 Stimmen aufrecht.

Wien, 21. Mai. Wie diePol. Corr." au6 Petersburg meldet, entbehrt das Gerücht, der Czar habe den Papst brieflich von der Errichtung einer ständigen diplomatischen Vertretung beim Vatikan in Kenntniß gesetzt, jeder Be­gründung.

Wien, 21. Mai. DasN. W. Tgbl." meldet auS Belgrad: Der Steinmetzmeister Cabinatz war bereits im December 1893 in Wien. Dort traf er mit Peter Sara- georgiewitsch zusammen. Mit dieser Mission war er von einer Gruppe des radikalen äußeren Flügels betraut worden, da man glaubte, der unscheinbare Mann würde keinen Verdacht erregen. Cabinatz überbrachte dem Prinzen Peter ein Schreiben deS bekannten Popen Gjuritsch. Anfangs April erhielt Milan, eine vertrauliche Anzeige über die Verschwörung. Wie au« dem bei Cabinatz aufgefundenen chiffrirten Notizbuch hervor­ging, wollten die Verschwörer König Alexander und Milan bei einem Spaziergang festnehmen unb zu Schiff nach Semlin bringen. In Belgrad sollte unterdessen die Absetzung der Dynastie Obrenowitsch und die Ausrufung des Prinzen Peter zum König proclamirt werden.

Belgrad, 21. Mai. In allen Kreisen der Bevölkerung ruft die Aufhebung der Verfassung, die Auflösung der Skuptschina unb bie AmtSentsetzung ber Chefs der höheren Gerichtshöfe unb Behörben einen beprimtrenben Eindruck hervor. Mehrere Führer der Radikalen haben bereits Vor­bereitungen für Reisen ins Ausland getroffen. Die neue Skuptschina soll sich aus 80 gewählten und 40 von ber Re­gierung ernannten Mttgliebern zusammensetzen.

Loudon, 21. Mai. Wie auS Philabelphia gemelbet wirb, hat bie Polizei in Pennsylvanien ein (Komplott anar- chistischer Bergleute entbeckt, besten Zweck es war, eine Anzahl von Dynamitattenten zu verüben. Die Polizei nahm 11 Personen in Haft. Drei ber Verschwörer smb geflüchtet. Es würben große Vorräthe von Dynamit entbeckt unb beschlag­nahmt.

Aus den Verhandlungen der Ersten

Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 21. Mai 1894.

Unter bem Vorsitz bes Fürsten zu Isenburg und Bübingen hat heute bie Erste Stänbekammer zu mehr­tägigen Sitzungen zusammen, um über bas Finanzbubget 18 94/97 zu berathen.

Bor Eintritt in bie Tagesordnung iheilt ber Vorsitzende ! mit, baß er dem Haine vorschlage, eine Glückwunschabreste.