Ausgabe 
22.11.1894 Erstes Blatt
 
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* Photographische Aufnahme, in »atürlicheu Farben wurden in Berlin einem größeren Publikum durch Dr. Neu- 4auß, wie derB. B. C." berichtet, vorgeführt und zwar im Hörsaal des Museums für Völkerkunde, wo die Freie Photographische Bereinigung einen ProjectionSabend veran­staltet hatte. Dr. Neuhaus hat sich schon seit e-nigen Jahren mit der Lösung des Problems der Photographie in natür­lichen Farben beschäftigt, hat aber erst im letzten Jahr Er­folg gehabt. Die Platten, die er verwendet, sind 10 000 mal unempfindlicher alß gewöhnliche Platten, die Dauer der Ex­position beträgt ein biß zwei Stunden. kommen nicht nur die Farben deß SpectrumS, sondern auch alle Misch- frrben zur Erscheinung. Sehr gut geräth Roth und Grün, schwer läßt sich Blau wiedergeben. Vorgesührt wurden Blumen, Früchte, Fruchtschaalen, auch das farbenreiche Bild eineß außgestopften Papageis. Professor Fritsch beglück- wünschte den Dr. Neuhaus zu seinen Erfolgen, die die Photo- grophie dem Leben wieder einen Schritt näher gerückt haben. Dr. Neuhaus führte außer den Photographien, die alte Tieile Berlins Wiedergaben, den Krügel, denDurchgang" zur Fischerbrücke, sowie verschiedene Aufnahmen des Dom bauplotzes und der Schloßfreiheit vor. Professor Fritsch brachte wirkungsvolle Bilder aus demsonnigen Süden."

* Begnadigt. Ein Soldat war von Kameraden, arg gehänselt worden. Um sich an dem Hauptübelthäter zu rächen, lauerte er, mit einem losen Stuhlbein bewaffnet, d cscm hinter einer THUre auf- als die Thüre sich öffnete, schlug er blindlings los und sah erst zu spät, daß er nicht btn erwarteten Kameraden, sondern einen militärischen Vor­gesetzten vor sich habe. Der Unglückliche wurde mit sieben Jahren Gesängniß bestraft. Jetzt, nach vierjähriger tadel- lo'er Führung im Gesängniß, ist er begnadigt worden, steht nun aber mittel- und hilflos da. So berichten Berliner Blätter.

* 50 Fahre Stadtverordneter. 48 Jahre lang Stadt­verordneter zu sein, ist dem Fabrikanten Herrn Habig in Herdecke im Streife Hagen beschicken. Durch seine in diesen Tagen erfolgte Wiederwahl ist die Möglichkeit geschaffen, daß er in 2 Jahren das 50jährige Jubiläum als Stadt­verordneter begeht, eine Feier, die wohl zu den Selten­heiten gehört.

* Die Nothlage der Caudidaten des höheren Schulamts und die schwer zu quaOficirende Art, in welcher diese Noth­lage ausgenützt wird, kennzeichnet ein Inserat einer Bres- lauer Zeitung, in welcher eine adelige Dame in Neisse für ihre beiden Söhne einen Hauslehrer suchtgegen freie Station und Wäsche"! Ob sie wohl einem Knecht unter gleichen Bedingungen einen Dienst anzubieten wagt?

* Sparsame Schulkinder befinden sich im Regierungs­bezirk Erfurt. Nach Mittheilungen desAmtlichen Schul­blattes" bestehen daselbst 105 Schulsparkaffen. Unter den

31,061 Schulkindern dieses Bezirks befinden sich 12,962 ' sparende Kinder, und die von diesen in die genannten Kassen eingezahlten Beträge haben bereits die stattliche Höhe von 111,574 Mark erreicht. Eine solche Sparsamkeit verdient Nachahmung.

* Der alle Cicero soll nun auch ein Denkmal erhalten. Wie derN. Z. Z." geschrieben wird, geht die Bürgerschaft von Arpmo (Arpinum) damit um, ihrem berühmten weiland Mitbürger MareuS Tullius Eieero ein Denkmal zu setzen. An der Spitze des betreffenden Comitees stehen der Bürger­meister Cassa und der Gymnasialdircctor Professor Tentori, der wohl mit Stolz des Umstandes gedenken mag, daß der große Römer s. Zt. die Lehranstalten von Arpino besucht und dort vielleicht gar sein Abiturienten-Examen gemacht hat. Da nun daS Comuee zwar viel Enthusiasmus, aber nur wenig Mittel besitzt, so wird wohl demnächst eine Bitte an alle Gymnasiasten und Lehrer Europas umfreiwillige Spenden" erlassen werden. Ob der gute Cicero ihnen dann vielleicht den Gefallen erweisen wird, seine sämmtlichen Reden auS dem lateinischen Unterrichte zurückzuziehen?

* Die deutsche Sprache in Japan. Ein glänzendes Zeugniß stellt das japanesische Unterrichtsministerium der deutschen Wissenschaft auS. Der ausgedehnte Handel mit England und die Nachbarschaft Amerikas hatten von jeher die englische Sprache zur Fremdenverkehrssprache gemacht. Aber auch auf den Regierungsgymnasien und an der Universität nahm das Englische die erste Stelle ein, während an zweiter Stelle Deutsch, an dritter Stelle Französisch unterrichtet wurde. Nun soll aber nach einem Erlaß des inzwischen ab­gegangenen Unterrichtsminist rs Jnuye-Ki die deutsche Sprache die erste werden, während Englisch und Französisch in zweiter Linie kommen. Demzufolge müssen alle zukünf­tigen Abiturienten der R-gierungsgymnasien, die in die medicinische, litterarisch - historisch philosophische oder in die juristisch-kameralistische Facultät übergehen wollen, die deutsche Sprache beherrschen. Der Erlaß ist, wie man derK. Z." aus Tokio meldet, sofort in Kraft getreten. Es unter­richten an der Universität in Tokio zur Zeit sieben deutsche Professoren, zwei in der medicmischen, drei in der philo­sophischen und zwei in der juristischen Facultät. Der Unter­richt in der Medicin und in der Philosophie stand von jeher unter deutschem Einfluß.

* Drei Waffen. Von dem Geza Zichy, dem einarmigen : Claviervirtuosen und Intendanten der ungarischen National- - oper, wird soeben ein Gedicht veröffentlicht, dem ein rührender < Gedanke zu Grunde liegt- es betitelt sichDrei Waffen" \ und lautet:

In meinem Zimmer auf grünem Tuch Hängt eine Waffenttophäe;

So oft ich sie erblicke, wird

Im Herzen mir so wehe.

Ein Schwert die eine ist: daß hat Mein Later einst getragen, Mit dem er manche grimme Schlacht Fürs Vaterland geschlagen.

Die zweite jene Flinte ist,

Die mir den Arm zerschossen: Die Sache lief noch glücklich ab, Hab' feine Thräne vergossen.

Die dritte meinem Sohn gehört, Mit ihm starb all mein Hoffen Die kleine Kinderflinte isi'S, Die mich ins Herz getroffen!"

* Kafernenhofblüthe. Unteroffizier zu einem Rekruten: Wenn Homers Julias so schief auf dem trojanischen Pferde gesessen wär', wie Sie auf Ihrem Gaul, hätte er sich vor seinem Hund, dem berühmten Hector, schämen müssen."

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen.

46. Woche. Vom 11. November bis 17. November 1894.

Einwohnerzahl: engenommen zu 22 100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeit-,iffer: 21,17°/« bezw.7,05 nach AuSschl. der Ortsfremden. _ _ , Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom

1. Lebensjahr: 2.-15. Ptebr:

Diphtherttis

4 (3)

4 (3)

Lungentuberkulose

1

1

_

Lungenentzündung

1

1

Neubtldungen

Sonstige benennte

1 (1)

1 (1)

Krankheiten

2 (2)

2 (2)

Summa:

9 (6)

5 (3)

4 (3)

»nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie oie'e der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nao Gießen gebrachte Kranke kommen.

Verkehr, Canö» rrrr- Volkswirthschaft.

Limburg, ;20. November. Fruchtmarkt. Rother Weizen JL 11.65, weißer Weizen JL 11.60, Korn JL 8.65, Gerste 7.10 Hafer JL 5 30.

AirchlicheAnzeigen -er evairg. Gemeinde.

Donnerstag den 22. November, Abends 8 Uhr. im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule Bihetstnnde. Gleichniß vom verlorenen Sohn. Luc. 15, 1122. Pfarroerwalter Dr. Grein.

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Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Gna uth.

Bekanntmachung.

Aus der Stiftung des ehem. Gemeinderathsmitglieds Louis La- broifse ist im Januar k. I. Brennmaterial an 15 arme Familien zu vergaben.

Bewerbungen werden auf dem Bureau des Armenamts (Zimmer Nr. 3 der Bürgermeisterei) bis zum 28. d. M. entgegen genommen.

Gießen, den 16. November 1894.

9.78 zum 27. d. Mts., Mittags 1 Uhr verschlossen und francirt auf hiesiger Bürgermeisterei entgegen- genommen, woselbst dann die Sub­missionseröffnung erfolgen wird.

Nähere Auskunft ertheilt Forstwart Dort.

Beuern, den 20. November 1894. Großh. Bürgermeisterei Beuern.

i Holzverkauf.

Das im hiesigen Gemeindewald für 1895/96 zur Fällung kommende Bau- und Werkholz, als:

circa 63 fm Eichen- und 153 fm

Regierungsbezirk Koblenz.

Kreis Wetzlar. In der Ober- förfterei Krofdorf werden im lau­fenden Winter etwa 600 fm Eichen- und 500 fm Rothbuchen-Nutzholz eingeschlagen. Die zum Theil starken und werthvollen Eichen sind als Schneidehölzer, Schwellen­oder Grubenholz verwendbar. Die Rothbuchen sind vor­wiegend glattschaftige, weißkernige Starkhölzer. Abfuhrverhaltnisse sehr günstig, Chaussee in nächster Nähe der Hiebsorte, Bahnhöfe Gießen, Lollar, Fronhausen, Kinzen­bach oder Wetzlar etwa 39 km. Der öffentlich meistbietende Verkauf des sämmtlichen Bau- und Nutzholzes erfolgt voraussichtlich im März 1895 an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Gießen bezw. Wetzlar. Kauf­lustige, welche seiner Zeit unentgelt­lich besondere Bekanntmachungen zu erhalten wünschen, werden um Mit­theilung ihrer Adresse an den Unter­zeichneten ersucht. 9512

Krofdorf bei Gießen, den 15. November 1894. Der Königliche Oberförster.

Frhr. Spiegel.

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Herr Carl Retter in München übergab mir eine alsHaarwasser bezeichnete Flüssigkeit mit dem Gesuche, dieselbe zu prüfen und gutachtlich darüber zu berichten. Dieses Haarwasser enthält der damit angestellten Analyse zufolge durchaus Jfetne den Haaren nach­theilige Materien; ihre Beftandtheile sind vielmehr solcher Art, daß von dem Gebrauche des Mittels eher ein wohl- t tiger Einfluß auf das Wachsthum der Haare zu erwarten ist und ftebt daher ihrer Anwendung keinerlei Bedenken ent­gegen. 5795

München, 7. September 1867.

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