Ausgabe 
22.9.1894
 
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Samstag dm 22 September

1894

Nr. 222

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Theil.

Gießen, am 20. September 1894. Bett: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfasiungseides. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gietzev au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Die Ableistung des Huldigung»- und Verfasiungseides der neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Groß­herzoglich hessischen Unterthanen, welche sich ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll, wie nachstehend an­gegeben, stattfinden:

1. Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichts- bezirken Lich und Butzbach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen

Donnerstag den 4. Oetober d. Js., Nachmittags 2 Uhr

in dem Rathhause zu Lich;

2. Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amtsgerichts­bezirken Grüuberg und Homberg gelegenen Ge­meinden des Kreises Gießen

Samstag den 6. October d. Js., Bormittags 9 Uhr

in dem Nathhause zu Grünberg-

3. Der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda ge­legenen Gemeinden des Kreises Gießen

Donnerstag den 11. October d. Js., Nachmittags 2 Uhr

in dein Rathhause zu Hungen;

4. Der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amts­gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden

Dienstag den 16. Oetober d. Js., Vormittags 11 Uhr

in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen.

Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Per­sonen zu den Terminen vorzuladen und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu berichten, daß Niemand vorzuladen war.

Hallen sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.

________________v. Gagern.____________________

Bekanntmachung,

Amtstage des Großherzoglichen Kreisamts Gießen betreffend.

Die unterzeichnete Behörde wird

Samstag den 6. Oetober 1894,

von Vormittags 9 Uhr an, einen Amtstag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den Kreis-Ein gesessenen aus den Amtsgerichts-Bezirken

Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.

Gießen, den 20. September 1894. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 20. September 1894. Bett.: Wie vorher.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasien.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Veranstalung einer Viehpreisvertheilung in Hungen betreff.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei der am 17. September l. I. durch den landwirth- schaftlichen Bezirksverein Gießen veranstalteten Viehpreisver­theilung zu Hungen die nachverzeichneten Viehzüchter für Vorführung preiswürdiger Thiere die angegebenen Preise erhalten haben.

Gießen, am 19. September 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

1. Für Bullen.

165 Mk.

1. Gemeinde Langsdorf, Ad. Roth, Simmenthaler Race 33 Mk.

2. Weller12

3. Herr von Oven von Hungen 30

4. Bert und Lantelm in Londorf Vogelsberger

Race 25

5. NMer Zimmer auf der Bingmühle zu Lauter

Vogelsberger Race 25

6. Wilh. Herrn. Schäfer von Reichelsheim

Simmenthaler Race 10

7. Eduard Kröll von Rodheim Weggeld Simmen-

thaler Race 10

8. Georg Hamann von Biebesheim Weggeld

Simmenthaler Race 10

9. Heinrich Velten von Göbelnrod Weggeld

Vogelsberger Race 5

10. Konrad Häusel von Atzenhain Weggeld

Vogelsberger Race 5

Feuilleton. I

Aennchen will ins Kloster.

Von Gäza Gärdonyi.

(Autoristrte Uebersetzung.) (Schluß.)

23. Jun».

Heute ereignete sich etwas Großes.

Wir saßen neben dem Bienenkörbe. Meine Schürze war voll von Hollunderblüthen, die mir Mama zu sammeln aufgetragen hatte. Sie macht daraus den guten Hustenthee für den Winter. Herr Balogh half mir. Ich versprach ihm zum Lohne, daß er, wenn er husten sollte, auch von dem Thee bekommen werde. Darauf erwiderte er, daß er gewiß husten werde, und wenn ich ihm dann nicht selbst den Thee kochen wollte, so sei es leicht möglich, daß er sterbe. Darauf wußte ich wieder nicht, was zu erwidern. Dieser Herr Balogh hat so seltsame Gedanken, daß man ihm wirklich nicht folgen kann.

Aennchen," setzte Herr Balogh in zärtlichem Tone hinzu, wissen Sie, daß ich Sie sehr liebe?"

Durch das Laub fielen glänzende Lichtstreifen auf den Boden. Die Bienen summten, die Vögel sangen- alles rings umher war eitel Melodie. Mir wars, als hätte ich etwas gesagt, allein ich hatte gar nicht gesprochen.

Aennchen, meine Seligkeit!" sprach Herr Balogh und ergriff zärtlich meine Hand.

Nun kehrte ich zur Besinnung zurück. Ich erinnerte mich aufs Neue der Nonnen. Alles stand lebhaft vor mir: Schwester Theresia mit ihren zarten, kleinen Liltenhänden und himmelwärts blickenden Augen; die heilig tönenden Glocken- in der Kirche das schöne Deckengemälde, das auf

den Wolken schwebende Himmelreich darstellend- die Orgel, das geheimnißvoll verschleierte Allerheiligste und der im Weihrauchnebel schwimmende, von kleinen Flämmchen be­kränzte Altar.

Herr Balogh," sprach ich mit gepreßter Stimme,ich will Nonne werden."

Die Sonnenstrahlen schwanden. Der Schatten des Nußbaumes wurde dunkler. Die Bienen verstummten. Herr Balogh schaute zum Himmel empor und sagte dann: Es wird regnen."

* *

- 24. Juni.

Die ganze Nacht konnte ich kein Auge schließen. Ich weivre. Ich bedauerte den armen, guten, lieben Herrn Balogh, ich fühlte mich ihm gegenüber schuldig, ohne mein Vergehen gegen ihn herauSfinden zu können. ES reute mich, ihn betrübt zu haben. Der arme Herr Balogh, er hat mich niemals gekränkt.

Ich erhob mich im Bette auf die Kniee und flehte zu Gott, daß er ihn bald trösten möge, sehr bald, morgen schon.

Ich fühlte, daß Gott mein Gebet erhört hatte. Herr Valogh wird wieder fröhlich sein, wie früher.

* .

25. Juni.

Mama hielt mir eine Strafpredigt, weil ich mir durch das unablässige Oeffnen der Fenster Kopfschmerzen zuziehen würde. Ich hatte alle Fenster geöffnet. Sie dachten, ich wollte den Tabakrauch hinausziehen lasien, während ich doch Herrn Balogh erwartete.

Nachmittags zitterte ich schon vor Unruhe. Ich ging auf die Wiese hinaus, bis an den Waldesrand. Er kam nicht.

* ,

2. Für Kühe Vogelsberger Race.

1. Herr Zimmer Bingmühle bei Lauter 35 Mk.

2. Christian Velten I. von Göbelnrod 30

3. Heinr. Bender VI. von Langsdorf 25

4. Joh. Walter IV. von Ober-Bessingen

die Kuh hat einen weißen Fleck am Euter 10

5. Jacob Scheid aus Langsdorf desgl. 10

Für Kühe rein Simmenthaler Race.

6- Herr Gg. Hahn von Bellersheim für 2 Stück 35

7. Friedr. Bopp von Bellersheim 30

8.. Konrad Köhler von Langsdorf 25

9. Jacob Gerlach von Eberstadt 20

10. Phl. Seibert von Hungen Bastard 15

11. Wilh. BoppIV. von Bellersheim Bastardkuh

mit Kalb 15

12. Karl Vogt von Hungen desgl. 10

13. Paul Köhler von Lich Weggeld 5

265 Mk.

3. Für Rinder.

1. Herr Gg. Dietrich v. Langd Simmenthaler Race 35 Mk.

2. Ludwig Enders von Reiskirchen Vogels­berger Race 30

3. Bert und Lantelm von Londorf Simmen­thaler Race 25

4. Julius Zimmer auf der Bingmühle bei

Lauter Vogelsberger Race 20

5. Heinr. Roth von Bettenhaufen Simmenthaler Race 15

6. Johann Jacob von Inheiden Simmenthaler Race 10

7. Bürgermeister Kuhl von Dorf-Gill Simmen­thaler Race 10

8. Heinr. Damm von Göbelnrod Vogelsberger Race 10

9. Wilh. Stoll von der Riedmühle bei Inheiden Simmenthaler Race 10

10. Christian Weck von Hungen Simmenthaler Race 10

11. Heinr. Schleusing von Weckesheim Simmen­thaler Race 10

12. Gg. Müller von Langd Simmenthaler Race 10

13. Wilh. Kröll von Rodheim 10

14. Friedr. Wilh. Leidner von Villingen Simmenthaler Race 10

15. Heinr. Hofmann II. von Hungen Simmen­thaler Race 10

16. Carl Vogt von Hungen Simmenthaler Race 10

17. Joh. Döll VIII. von Borsdorf Simmen­thaler Race 10

27. Juni.

Endlich ist er gekommen! Er war ungewöhnlich ernst. Ich dachte, er sei krank, allein ich wagte nicht, ihn darum zu befragen. Auch nicht um etwas anderes, was ich gern von ihm erfahren hätte: nämlich, welche Ansichten er über die Nonnen habe.

Als die Mama aus dem Zimmer hinausging, seufzte er auf.

Was fehlt Ihnen, Herr Balogh?" fragte ich teil­nehmend.

Fräulein Aennchen," erwiderte er traurig,wir sehen uns zum letzten Male."

Ein kalter Schauer überlief mich- nein, kein kalter, son­dern ein sonderbarer, kalt-warmer.

Fräulein Aennchen," fuhr er mit herzerschütternder Stimme fort,Sie sagten, daß Sie Nonne werden wollen?"

So ist es," bestätigte ich mit gepreßter Stimme.

Herr Balogh fuhr nun traurig fort:So beschloß denn auch ich, dem weltlichen Leben zu entsagen. Wenn Sie Nonne werden, so werde ich Mönch."

Ich fiel fast in Ohnmacht. Es wurde mir dunkel vor den Augen. Ich faßte mich mit der Hand an der Stirn und sah ihn so, halb tobt und halb lebendig, an.

Gott behüte Sie!" sprach er mit zitternder Stimme und ergriff meine Hand, um sie zu küffen. Ich war nicht im Stande, einen Ton hervorzubringen. Ich hielt nur seine Hand, hielt sie fest in der meinen- dann erhob ich mich plötz­lich und umschlang seinen Nacken mit den Armen. Ich umfing ihn aus voller Seele.

---Nein, ich lasse ihn nicht Mönch werden.