1894
Sonntag den 22. Juli
Drittes Blatt
Nr« 169
Aints- und Anzeigeblntt fut den Ittcb Gieszen.
Hratisöeikage: Gießener Kamitienötätter
Feuilleton
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einzelne ausländische verirrten sich gelegentlich in unser I Grenzstädtchen. Da nun Fritz den Tauschhandel gründlich I verstand, ward seine Münzsammlung bald eine recht ansehnliche, wenigstens in unseren Augen, und wenn er uns klar zu machen versuchte, daß sie einen wirklichen Werth besitze, alle übrigen Sammlungen dagegen nur einen eingebildeten, so konnten wir uns der Wucht seiner Beweisgründe nicht entziehen und erkannten an, daß sie den ersten Rang unter den verschiedenartigen Sammlungen unserer Kameraden einnehme und daß sich selbst Conrad Heßleins Erzsammlung mit ihr nicht messen könne, obgleich dieselbe ein Bröckchen echten Silbererzes enthielt. Nun war aber Fritzens Vater, ein begüterter Kaufmann unserer Stadt, im Besitze eines Schatzes, welcher das Ziel aller Wünsche des eifrigen kleinen Münzsammlers bildete- drei Falschstücke waren es: ein großer dänischer Spezies- und zwei preußische Thaler, von denen namentlich einer mit dem Bilde Friedrich Wilhelms 111. außerordentlich täuschend nachgeahmt war. Fritzens Großvater war einst mit diesen drei Goldstücken betrogen worden und hatte sie — ich weiß nicht aus welchem Grunde — aufbewahrt; in dessen Nachlaß hatte Fritzens Vater die falschen Thaler gefunden und hütete sie nun als ein Andenken an den Verstorbenen, bis er auf den unseligen Einfall gerieth, sie seinem zwölfjährigen Sohne zum Geburtstage zu schenken. Sie wurden die Perle der Münzsammlung, denn waren es auch nur Falschstücke, so bildeten sie doch das einzige Silberartige in der Sammlung, und Fritz versicherte uns oft ‘genug, daß sie wirklich Silber enthalten müßten, sonst könnten sie unmöglich so täuschend ähnlich sein, und daß namentlich der eine der falschen Preußen mindestens einen Werth von 24 Groschen haben müßte.
Es ging unserem Fritz aber, wie es so vielen Knaben ergeht- als keine Aussicht mehr vorhanden war, seine Sammlung zu bereichern, erlahmte allmählich das Interesse an derselben und er wandte sich anderen Dingen zu. Sein Vetter, ein Seemann, hatte ihn mit einigen ausländischen Schneckenhäusern beschenkt und ihn auf die verschiedenen Arten unserer heimischen Land- und Süßwafserschnecken aufmerksam gemacht- da wurden nun „Muscheln" gesammelt, wie Fritz die Dinger nannte, und die Münzen standen unbeachtet in einer Schub
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lade seines Schreibtisches, bis den sonst wohlerzogenen Knaben einmal der Teufel plagte, den besten der falschen Preußen herauszuholen und ihn zum Krämer zu tragen.
Es war an einem schulfreien Samstag-Nachmittag, als Fritz gemeinsam mit Conrad Heßlein das Wagntß unternahm. . ,
„Der Thaler ist ganz gewiß vierundzwanzig Groschen Werth," betheuerte Fritz nochmals und wog ihn prüfend auf der Handfläche, während Conrad seine aufkeimenden Bedenken durch die Worte beschwichtigte: „Wenn wir uns etwas dafür kaufen, so verdient der Krämer ja auch noch daraus So ermutigten sich die Knaben gegenseitig. Fritz trat an die Tonbank heran, forderte Naschwerk und legte klopfenden Herzens den falschen Preußen vor den Händler hin und dieser, welcher natürlich nicht im Entferntesten argwöhnte, daß ihn die wohlgekleideten Bürgerssöhne betrügen wollten, zahlte darauf achtundzwanzig Silbergroschen heraus. — Die Knaben waren zu Verbrechern geworden.
Mit ihrem Zuckerwerk und dem unrechtmäßig erworbenen Gelbe zogen sie zum Stadthor hinaus, trieben sich in Wald und Feld umher und kehrten dann im nächsten Dörfchen ein, wo Fritz seinen Freund fürstlich bewirthete. Aber so anspruchsvoll wie die Herren Jungen heutigen Tages sind, waren wir damals noch nicht und ein Thaler reichte wert, die beiden Buben hatten Mühe, den dritten Theil des Geldes zu verzehren, und als sie am Abend heimkehrten, waren noch volle zwanzig Groschen übrig. Wohin jetzt nut dem vielen Gelde? Wo es verbergen? Das war eine schwere Sorge für unseren Fritz. Wie nahe lag die Möglichkeit, daß die Eltern seinen Reichthum und somit sein Verbrechen entdecken könnten. In seinen Kleidern durften die Groschen nicht bleiben, denn es war Samstag und die Mutter würde ihm heute Abend die Sonntagskleider vor das Bett legen, das tägliche Zeug aber fortnehmen, um etwaige Schäden aus- zubessern- in die Stiefel also- nein, auch das ging nicht, dort würde das Dienstmädchen sie am Morgen finden. Schließlich legte Fritz das Geld, nachdem er es in ein Blatt Papier gewickelt hatte, auf sein Bücherbort hinter die Bücher.
(Fortsetzung folgt.)
Der falsche Preuße.
Von Georg Paysen Petersen.
(1. Fortsetzung.)
Senator Erich aber ließ sich durch mißbilligende Blicke niemals beirren und fuhr daher auch heute ganz gleich- müthig fort:
„Gefällt es den Herren, so kann ich Ihnen aus meiner Jugendzeit eine wahre Geschichte erzählen, welche zu hören Manchem nützlich sei und manches Urtheil über unsere Jugend mildern dürfte."
Herr Senator Erich und — eine Geschichte erzählen, das war für die Tafelrunde der „Freien Stadt Hamburg" allerdings etwas noch niemals Dagewesenes- was Wunder also, daß man den Kaufherrn von allen Seiten bestürmte.
„Als ich, ein zwölfjähriger Knabe, das Gymnasium meiner Vaterstadt besuchte," begann Senator Erich, „war unter meinen Mitschülern in der Quarta ein munterer Putsche, gleich mir Fritz geheißen, an dem wir alle mit großer Liebe hingen, denn er war ein offener ehrlicher Junge, der niemals einen Spaß verdarb, dabei ein aufgeweckter und, soweit es seine Neigung zum Umherschwärmen in der Natur zuließ, auch ein fleißiger Knabe, welcher sicherlich einmal ein tüchtiger Arzt geworden wäre, wie er es werden wollte, hätte nicht ein grausames Verhängniß alle seine Hoffnungen mit einem Schlage vernichtet. Wir Knaben sammelten schon damals, wie solches ja leider auch heute noch geschieht, der eine Briefmarken, der andere Vogeleier, ein dritter Erze und Gesteine - Käfer- und Schmetterlingssammlungen, sowie Herbarien gabs in unserer Klaffe eine große Menge, aber eben deßwegen standen sie in geringerem Ansehen, denn jeder wollte etwas Eigenartiges sammeln, wären es auch Livreeknöpfe gewesen. Unser Fritz hatte sich eine Münzsammlung angelegt, wie er mit echt knabenhaftem Stolze den kleinen blauen Kasten voll Kupferpfennige aus aller Herren Ländern nannte. Es war damals nicht so gar schwer, hundert verschiedene deutsche Kupferstücke zusammenzubringen und selbst
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