Ausgabe 
21.11.1894 Erstes Blatt
 
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falscher Thatsache geschädigt hat, ist von dem Schöffengericht in Wöllstein bereits zu 10 Tagen Gefängniß vcrurtheilt worden und dauert die Untersuchung nach dieser Richtung noch fort. Höchst wahrscheinlich wird sich die Gesellschaft auflösen müssen- vorerst wird sie aber wohl ihren geschäfts­führenden Direktor entlassen.

Mainz, 13. November. Für den Neubau des am Anfang dieses Jahres abgebranntenCasinos zum Guten­berg" wurde heute Vormittag das Urtheil des Preisgerichts über die eingclaufenen Entwürfe verkündet. Erster Sieger ist der bekannte Architekt Hildebrand in Charlottenburg, der den ausgesetzten Höchstpreis von Mk. 2000 empfängt. Nächst ihm stehen die Herren*Anton Adams-Köln (zwei­ter Preis: Mk. 1500) und Karl B ollmann-Bremen (Mk. 1000). Im Ganzen waren 102 Entwürfe eingelaufen.

Aus Rheinhessen, 19. November. Um verschiedenen »nlaureren Manipulationen, die bei dem Fruchthandel auf dem Lande durch unreelle Zwischenhändler und Agenten zum Nachtheil kleiner Landwirthe mit Verwechseln von Mustern u. d. gl. vielfach getrieben werden, einen Riegel vorzuschieben, haben die angesehenen Fruchfhändler vom Lande eine Ver­einigung gebildet, welche solidarisch in den einzelnen Fällen gegen die Urheber in geeigneter Weise vorgehen wird. Man hofft hierbei die Unterstützung der landwirthschaftlichen Ver- eine zu bekommen.

* Frankfurt a. M., 19. November. Die im In- und AuSlandedurch ihre vorzüglichen landwirthschaftlichen Maschinen rühmlichst bekannte Firma PH. Mayfarth und Co., Frankfurt a. Main, Berlin und Wien, har in den letzten zwei Monaten wiederum drei hervorragende Aner­kennungen für Verdienste auf landwirthschastlichem Gebiete errungen. Nämlich: Die goldene Medaille auf der Internationalen Ausstellung zu Dresden im September d. I.; die goldene M e daille und den Staatspreis, ge­geben vom preußischen Laudwirthschaftsminister, auf der Ausstellung zu Frankfurt a. Main im October d. I. für ObstverwerthungSmaschinen- die große goldene Me­daille auf der Internationalen Ausstellung zu St. Peters­burg im October d. I. für Acker-, Wein- und Obstbau- Maschinen.

* Wiesbaden, 19. Novemaer. In vergangener Nacht feuerte ein Obdachloser vor seiner Festnahme fünf scharfe Schüsse auf die Schutzmanns-Patrouille, aber er traf nur die Kleider der Schutzleute. Der Attentäter ist ein oft be­strafter Maurer aus Laubenheim.

Kaßel, 19. November. Der Geheime Commerzienrath Henschel, der Inhaber der bekannten Locomotivenfabrik, ist, 57 Jahre alt, gestorben.

* Mayen, 19 November. Der Anstreicher Schaaf band gestern Abend seine beiden Kinder zusammen, übergoß sie mit Petroleum und zündete sie an- die beiden verbrannten vollständig. Schaaf wurde verhaftet. Er ist vermuthlich geistesgestört.

Zittau, 19. November. In dem Nachbarorte Frie­ders darf wurde heute früh die Zwirnerei von Rosenkranz

ringe äschert. Die BesttzerSsrau, die 17jährige Tochter und eine 81jährige Anverwandte verbrannten.

* Ueder die afrikanischen Diamautmineu wird der New Yorker Handelsztg." geschrieben: Der gesammie süd­afrikanische Diamantendistrict ist mit einer hohen Steinmauer eingefriedigt, welche Niemand übersteigen darf, ehe er nicht aufs Allersorgfältigste visitirr worden ist. Innerhalb des SteinwalleS befinden sich 10,000 Neger, welche für eine Zeitperiode von 6 Monaten zur Minenarbeit engagiit worden sind. Ihre Hauptnahrung besteht aus Maismehl, während ihr Lohn 50 bis 60 Cents pro Tag beträgt. Dieselben kommen 500 bis 1000 Mellen weit aus dem Innern und werden von ihren Häuptlingen bei Todesstrafe zu den Dia­mantgruben commandirt. Dec Minen-Agent zahlt dem Häuptling ein hübsches Kopfgeld und den armen Negern bleibt keine Wahl als Gehorchen. Befindet sich der Aermste innerhalb dieser Riesenfestung, so ist ihm jede Möglichkeit des Entkommens abgesckmitten, er gräbt darauf los, bis die 6 Monate abgelaufen sind. Dann wird er abgelohnt und die ganze StammeSgenossenschaft marschirt in geschlossener Colonne durch die Wüste heimwärts. Sehr selten sieht man einen Schwarzen zum zweiten Male im Mtnen-District. Und zwar aus guten Gründen. Mit dem verdienten Lohne kann er sich nun verschiedene Frauen kaufen, mauMnal vier Stück. Ein Neger, der vier Frauen sein eigen nennt, braucht bis zu seinem Lebensende nicht mehr zu arbeiten. Er ist dann einGentlemckn", seine Weiber müssen die Arbeit ver­richten, während er zu denProminenten" seines Stammes zählt. Ueber die inneren Vorgänge in den Minen dringt nur wenig an die Oeffentlichkeit. Jeder Zugang wird aufs Sorgfältigste durch Deteclives bewacht, während ein Fremder, der sich in der Umgebung zu schaffen macht, Gefahr läuft, unter der Anklage, gestohlene Diamanten gekauft zu haben, mit Ge- fängniß von 5 bis zu 15 Jahren bestraft zu werden. Vor einigen Jahren war der Handel mit gestohlenen Diamanten der­maßen im Schwünge, daß die Eigenlhümer der Minen wahr­haft diakonische Gesetze gegen die Defraudanten von der Legislatur zu erwirken wußten. Alle Ucbertreter wurden unter Ausschluß der Geschworenen von drei Richtern ab- geurtheilt. Gegen die auf langjährige Gefängnißstrafen lautenden Urtheile gab es keine Appellation. Das Gesetz wirkte geradezu Wunder. Die Richter waren uner­bittlich, es sollen sich jetzt mindestens tausend dieser Gesetzesübertreter in der Strafanstalt in Capstadt befinden, wo sie an Uferarbeiten beschäftigt werden. Unter den Ver- urtheilten sollen sich viele vermögende Leute befinden- an eine Begnadigung ist jedoch voierst nicht zu denken, da der Diamanten-Trust zur Zeit in Südafrika allmächtig ist.

Jung im Alter, d. h. jugendsrisches Aussehen auch noch in den reiferen Jahren zu haben, erreicht man dadurch, baß man die Haut pflegt, sie zart und geschmeidig erhält, namentlich aber, daß man die Anwendung schlechter, soda- scharser Seifen vermeidet. Wer das Antlitz immer hübsch, die Haut zart und frisch erhalten will, verwende für feine Toilette keine andere Seife als die unübertreffliche Doerings Seife mit der Eule, die sowohl parfümirt als auch unparfümtrt ä 40 Pfg. zu haben ist. 6223

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Petroleum in Concurren, mit elektrischem lSaS» glühlicht. Es ist bemcrkenswerth, welche Wandlungen die ver­schiedenen Beleuchtungsarten durchmachen in dem Bestreben, dm Menschen besseres Licht zu schaffen. Vom Ktenfpahn zur Kerze hier fing so etgmtlich der DrrbcsserungS - Elfer an von der Kerze zur Oellampe, zum Petroleum, zum Gas, zum electrischen Licht, zum Gasglühlicht, jede einzelne Stufe zeigt unS so recht daS Be­streben, unserem erhabensten Vorbild alles LichteS, der Sonne näher zu kommen. Heule liegt unS ein Prosp.'ct nebst IlntersuchungS- ergebnissen des Chemikers vr. Scholz vor über ein in allen Staaten paienttrtes Präparat von der Fi>ma Schewe u. Co. in Köln, genannt Petrolith". Dieses chemische Präparat dürfte bald seinen Weg über die ganze Erde nehmen, der» die Wirkungen desselben in d>r Petroleumlampe sind so mannigfach, daß jede Hausfrau, jeder, der aus naheliegenden Gründen bei bet Petroleumlampe arbeiten muß, sich gerne dieses Präparat kaufen und verwenden wird. Laut ein­gehendster Untersuchung des genannten Chemikers werden durch Zu­satz vonPctroltth" bis zu 25 pCt. Petroleum erspart, die Lampe kann nicht mehr schwitzen und man erhält je nach der Construction der Lampe und je nach Qualität des zu verwendenden Petroleums bis zu 25 pCt. höbere Leuchtkraft. Diese drei Vortheile sind so wesentlicv, daß Petrolith in der Thal geeiqnet ist, unsere alte Petroleum­lampe wieder zu Ehren zu bringen. Dann ist festgestellt, daß die Explosionsgefahr durch Zusatz von Petrolilh ganz aufgehoben wird. Nebenbei brennt die Lampe gleichmäßig ad, braucht nicht mehr so oft geputzt und beschnitten zu werden; denn das Ruhen, Blaken wird von Petrolith verhindert und der üble Geruch des Petroleums fällt in hohem Maße fort. Es ist interessant, wie Dr. Scholz in seinen Ausführungen nachwcist, daß Schwitzen, Rußen, Blaken ?c. der Petroleumlampen auf eine und dtefelbe Ursache zurückzuführen ist und auch mit einem Schlags beseitigt wird. Petrolith ist nebenbei sehr billig; der Preis dafür wird durch di; enorme Petroleum» ersparniß schon in den ersten Tagen ausgeglichen. Bei Verwendung von Petrolith kann die Hausfrau im Winter alfo noch ein hübfches Sümmchen erübrigen, weil die Ausgabe für Petroleum sich verringert. Petroltty wird abgegeben in Schachteln ü 80 Pfg. Der vierte Theil, a so für 20 Pfg. Petrolith genügt für eine gewöhnliche Lampe volle 4 Wochen, d. h. es wird der vierte Theil der Schachtel in die Lampe geworfen und kann dann 4 Wochen lang nachgkgosfen werden, bis sich Pctrolith ganz aufgelöst hat und verbraucht ist. Man kann daher auch von dieser Stelle aus den Artikel warm empfehlen. 9323

50 000 ka«fmL«nische Stellen besetzt. Eine Jubiläums­feier von großer Bedeutung, wie sie bisher noch niemals stattgefunden hat, konnte dieser Tage derVerein für Handlungs-Commis von 1858" in Hamburg begehen. Durch feine Vermittelung wurde am 14. November die 50 OOOfte kaufmäimifche Stelle besetzt, nachdem der Verein am 22. August d. I. die Besetzung der 49 OOOsten Stelle zu verzeichnen hatte. Hervorzuheben ist hierbei, daß die Vermittelung des Hamburger kauimunnischen Vereins, obgleich ihm durch sein ausgedehntes Auskunftswesen ganz bedeutende Stoffen entstehen, sowohl für stellesuchende Mitglieder, als auch für jnnge Leute suchende Firmen völlig kostenfrei ist. Nur solche Bewerber werden in Vorschlag gebracht, über die der Verein durch seine direclen Aus­künfte gute Empfehlungen besitzt. Der Erfolg deS Hamburgs Ver­eins ist ein um so bedeutenderer, als erst am 22. Juli 1889 die 30 OOOfte Stelle durch ihn zur Besetzung gelangte. In etwa 5 Jahren sind durch denVerein für Handlungs-Commis von 1858" in Ham­burg mithin über 20 000 Stellen besetzt worden. Seine Mitglieder­zahl stieg in der gleichen Zdf von 25 000 auf übec 46 000. Hierunter befinden sich mehr als 5600 etablirte Kaufleute. Der Verein, welcher am 25. Juli 1858 von 70 jungen Handlungsgehülfen gegründet worden ist, um die ftellesuchenden Eollegen vor der Ausbeutung durch die gewerbsmäßigen Stellenoermittler zu schützen, erfüllt mit- hin seine Aufgabe in kaum jemals geahnter vorzüglicher Weife.

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