Ausgabe 
21.11.1894 Erstes Blatt
 
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Mädchenschule. 4. Gesuch der Michael Kreiling zu Gießen um Concession zum Branntweinverkauf über die Straße in dem bisher von Wilhelm Seuling betriebenen Speceretgeschäft, Steinstr. 78. 5. Gesuch des Wilhelm Seuling zu Gießen um Concession zum Branntweinverkauf über die Straße in seinem Neubau, Wetzsteinstr. 45.

** Sitzung Großh. Handelskammer vom 16. November 1894. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Gail, Heichel­heim, Klingspor, Wortmann. Zunächst beschließt die Kammer die Unterstützung einer von dem Comite für Er- weiterungj deSHerford-DetmolderEisenbahnunter- nehmens im Interesse einer Kürzung des Schienenwegs von Bremen nach Kassel, bezw. Frankfurt a. M. an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten gerichteten Petition, betr. die Fortsetzung der Eisenbahnlinie Bünde Sulingen nach Norden zum Anschluß an die Osnabrück- Bremer Linie und Fortführung der Eisenbahn von Detmold nach Süden. Die Kammer erklärt ferner ihr Einverständ- ntß dazu, daß die Schwesterkammer Mainz im Namen deS hessischen Handelskammertags bei dem Deutschen HandelSrag dahin vorstellig wird, daß die ermäßigten Exportstückguttarife nach den Seehäfen auf Eilgut ausgedehnt werden. Der Vorsitzende berichtet sodann über den Verlauf der am 7. l. Mts. tzattgehabten Sitzung des Bezirks-Eisenbahnraths in Köln. Die daselbst gestellten beiden Anträge auf Einführung ermäßigter Ausnahmefrachtsätze für die überseeische Ausfuhr von Thonwaareu und Hohlglaswaaren des Spezial- lariss II über die Deutsche Seehäfen, insbesondere Hamburg fanden Annahme. Wiederholt wurde auch hier wieder Anlaß genommen, auf die durch die Bahnsteigsperre hervor­gerufenen Belästigungen des Publikums, die immer mehr zu Tage treten, hinzuweisen. In einer einstimmig^ gefaßten Resolution wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die preußische Staatsbahn Verwaltung künftig eine größere Für­sorge für das reisende Publikum bekunde in Beseitigung und Vermeidung derartiger Mißstände. Als zu diesem Zwecke besonders geeignete Maßregel wurde die Trennung des Stroms der ankommenden Reisenden von demjenigen der abfahrenden bezeichnet. Am 28. November 1894 findet die 82. Sitzung des Bezirks-Eise nbahnrathS Frankfurt a. M. statt und wird die Kammer durch ihren Vorsitzenden vertreten sein. Bon wesentlichem Interesse ist die für die Zukunft in Aus­sicht genommene Zutheilung der seither zur Direction Hannover gehörigen Strecke FrankfurtGießenLollar zum Directions- bezirk Frankfurt a. M. Von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ging der Kammer eine Nachricht zu, inhaltlich deren die von verschiedenen Zeitungen, unter Andern auch von derPost" gebrachte Notiz, daß nach Anordnung des Königl. Rumänischen Finanzministeriums neuerdings jeder Zolldeelaration die Originalfactura über die betr. nach Ru» mänien eingehende Sendung beigefügt werden müsse, auf das Entschiedenste dementirt wird. Etwaige Interessenten, die von dieser falschen Nachricht Kenntniß haben, werden aus­drücklich hierauf aufmerksam gemacht. Von höchster Staats­behörde find der Kammer ferner Anordnungen des Reichs­kanzlers zugegangen, wie man sich bei Beschwerden über Entscheidungen der russischen Zollbehörden zu verhalten habe, um die Unterstützung der Kaiserl. Regierung zu finden. Diese Anordnungen, sowie uns weiter von maß­gebender Seite zugegangene Mittheilungen über zweifel­hafte Firmen im Ausland, namentlich in Belgien, Oesterreich-Ungarn und Mexiko, liegen auf dem Büreau zur Kenntnißnahme offen, ebenso ein von dem Königl. Ungarischen Handelsminister publicirteS Werk, sämmtliche ungarische Export­firmen enthaltend. Letzteres kann durch unsere Vermittlung für 50 Pfennig bezogen werden. Auch sind Prospecte rc. für die von Mai bis November 1895 in Amsterdam stattfindende Weltausstellungfür Hotel- und Neisewesen", hinsichtlich deren die Anmeldezeit am 15. k. Mts. abläuft, auf unserem Büreau erhältlich. Die Kammer beschließt, ihre Ergänzungswahl pro 1895 auf Mittwoch den 5. December l. I. anzuberaumen. Es scheiden aus die Herren Scheel, Heichelheim und Klingspor. Als Wahlcommissär wird Herr Commerzienrath Gail, zu Urkundspersonen werden die Herren Emme lins und H. MyliuS dahier ernannt. Die Lifte der Wahlberechtigten wird vom 20. bis 30 l. Mts. auf dem Bureau des Herrn H-ichelhei m zur Einsicht offen liegen. Die Tages­ordnung für die am 22. November 1894 in Berlin ftattfindende Ausschußsitzung des deutschen Handelstags ist nunmehr festgesetzt. Von Gießen ist ein Antrag bett, die formale Ueberemstimmung der Handelsberichte eingebracht. Nachdem der Kammer von den Eisenbahn - Directionen Frankfurt a. M. und Hannover hinsichtlich der Einführung von Rundreisefahrkarten GießenGelnhausenFrankfurt Gießen ablehnende Bescheide zugegangen find, beschließt die­selbe, in Gemeinschaft mit der Schwesterkammer zu Hanau unmittelbare Anträge bei den BezirkSeisenbahnräthen Hannover und Frankfurt a. M. einzureichen.

** Vom Reichsgericht. Ober-Landes-Gerichtsrath Dr. Gilmer (früher Amtsrichter in Gießen) ist zum Mitglied des Reichsgerichts ernannt worden.

** Zu dem gestern Abend von Herrn Dr. Engel aus Berlin gehaltenen Vortrage über Eisenbahnreform und Zonentarif hatte sich ein zahlreiches Publikum in den Räumen des Kaufmännischen Verein» eingefunden. Herr Dr. Engel wies zu Beginn seines Vortrags auf die Bedeutung deS Eisenbahnwesens in finanzieller, cultureller und natio­naler Beziehung hin. In Deutschland, sagte er, stecken 11 Milliarden Mark in den Eisenbahnen, eine Summe, rote sie fein anderes Reichsinstitut auch nur annähernd oufroeise. Wenn die ErtragSfähigkeit der Eisenbahnen auch nur um 1 Prozent gesteigert werden könnte, würden sich Ne Finanzen des Reiches um jährlich 110 Millionen Mark heben, Preußen, welches in seinem Staatshaushalte ein Defizit von 40 Mil­lionen Mk. verzeichne, würde 65 Mill, mehr aus den Eisen­bahnen ziehen können, wenn eS vermöge, den Ertrag um 1 Prozent zu erhöhen. WaS die Eisenbahn in cultureller

f Beziehung bedeute, könne man sich vorstellen, wenn sie nur einen einzigen Tag ihren Dienst versage. Trotz der hohen I' culturellen Bedeutung sei der Werth der Eisenbahnen weder oben noch unten jemals richtig erkannt worden, weil das ge-

. sammte Eisenbahnleben ohne jede Mitwirkung der Volks­vertretung vor sich gehe. Man sollte es kaum für möglich halten, daß in einer der wichtigsten staatlichen Einrichtungen die Volksvertretung ausgeschlossen ist, und nur die Eisen­bahnminister in Einführung oder Unterlassung von Verbesse­rungen, in der Einführung von Tarifen etwas zu sagen hätten und nach Belieben ändern könnten. Hier zeige sich der Mangel an einem Eisenbahnrecht- ein thörichter Eisen­bahnminister sei im Stande, durch falsche Tarife eine ganze Industrie lahm zu legen. Die Mehrheit der Nation sei infolge unserer heutigen Personentarife von der Benutzung der Eisenbahn ausgeschloffen - für die Arbeiter, die die Mehr­heit der Nation ausmachten, seien die Fahrpreise unerschwing­lich- ein Arbeiter müsse z. B., um eine Reise von Gießen nach Frankfurt und zurück auf einer Holzbank zu unter­nehmen, einen doppelten Tagelohn aufwenden. Im Eisen­bahnwesen ständen wir heute gerade noch auf derselben Stufe rote zur Zeit, als ein Brief noch 1 Mk. 90 Pfg., eine Depesche 14 Mk. kostete- damals sei ebenfalls die Mehrheit des Volkes von dem Austausch von Nachrichten ausgeschlossen gewesen, heute könne man für 10 Pfg. um die ganze Welt^ correspondiren, für 50 Pfg. durch ganz Deutschland tcle- ; graphiren, warum sollte eine derartige Verbilligung nicht auch im Personenverkehr möglich sein. Welcher 'Steigerung des Personenverkehrs die Eisenbahn fähig sei, gehe daraus hervor, daß in Deutschland auf den Kopf der Bevölkerung jährlich nur 7 Eisenbahn-Benutzungen kommen, wobei zu bemerken ist, daß ein Achtel des gelammten deutschen Personen-Ver kehrs auf den VorortLoerkehr von Berlin entfällt; dort be­nützten 50 Mill. Personen die Eisenbahn. Ohne den Vor­ortsverkehr in Berlin kämen nur 1 bis 2 Eisenbahnbenutz- ungen auf den Kopf der deutschen Bevölkerung. Vom kauf­männischen Standpunkte betrachtet, gebe es keine Unterneh­mung, welche unter so günstigen Bedingungen arbeiten könne wie die Eisenbahn, denn erstens sei sie bei dem heutigen Culturzustande unentbehrlich, sie arbeite zweitens nur unter Baarzahlung und sei drittens ohne Coneurrenz. Aber es gäbe auch fein faufmännisches Unternehmen, welches so schlecht rentire, wie die Eisenbahn, sie arbeite geradezu mit einer Bankrottrente, so daß die Staatsbürger zuschießen müßten. Die durchschnittliche Rente betrage 472% und dies sei keine Rente für einen unter so günstigen Vorbedingungen arbeiten­den kausmännischen Betrieb. Die Frage, wie wird die Eisen­bahn ausgenutzt, beantwortete der Vortragende mit der Mit­theilung, daß von 100 rollenden Plätzen im Durchschnitt 24 besetzt seien- in der ersten Klaffe gingen von 100 Plätzen 91' leer, die übrigen neun aber würden nur zu einem ge­ringen Theile bezahlt, weil in erster Klaffe meistens die­jenigen Leute führen, die Kraft ihres Amtes freie Fahrt hätten. Angesichts dieses geringen Ertrages der ersten Klasse würde der Staat ein gutes Geschäft machen, wenn er jedem, der eine Fahrkarte erster Klaffe verlange, 10 Mark ein» händigte und ihn ersuchte, zweiter Klasse zu sahren. In der zweiten Klasse gingen von 100 Plätzen 20 leer, tn der dritten seien von 100 nur 25 besetzt, in der vierten nur 30. Dasselbe Mißverhältniß, welches in der Aus­nutzung des rollenden Materials bestehe, mache sich auch in den Tarifen geltend - Redner gab davon eine Reihe drastischer Beispiele. Jeder Kaufmann gewähre einem Kunden, der größere Posten Maaren beziehe, Rabatt, die Eisenbahn ver­fahre umgekehrt- wer z. B. auf eine kurze Entfernung eine Hin- und Rückfahrkarte löse, genieße für die Rückfahrt Er­mäßigung, wer aber 1000 und mehr Kilometer in einer geraden Linie nut einmal zurücklege, sei von einem der­artigen Rabattgenuß ausgeschlossen. Als weitere Eisenbahn- curiosität führte Herr Dr. Engel an, daß man in Berlin für die Reise nach Blankenburg am Harz und zurück dreierlei Fahrkarten dritter Klaffe haben könne; eine gewöhnliche Rück­fahrkarte mit dreitägiger Giltigkeit koste 22 Mk., eine solche mit lOtägiger Giltigkeit 17 Mk. und eine solche mtt 45tägtger Giltigkeit 18 Mk.! Die Frage, was man mit einer Eisen­bahnreform bezwecken wolle, sei dahin zu beantworten: Jeder Mann solle jedes Verkehrsmittel unbeschränkt benutzen können, darum sei die Parole:Die Eisenbahn für Jedermann", diesem Ziel war die Eisenbahn ursprünglich gewidmet, aber die Bureaukratie sei es, die die Ausnutzung des Dampfes für die Mehrheit der Nation ausschließe. Der Einwand deS Mißbrauches verbilligter Fahrgelegenheit sei hinfällig, Mißbrauch würde mit allen Einrichtungen getrieben, auch die Post würde durch die trivialste Correspondenz mißbraucht, ohne daß eS Jemand einfiele, die billigen Portosätze abzu- schaffen, der Mißbrauch bilde die Ausnahme, nicht die Regel- das jetzige Eisenbahnverfahren diene nicht dem Wohle der Nation, im Gegentheil, es beute die Nothlage des Einzelnen aus. Redner empfiehlt für die Benutzung der Eisenbahnen die Einsührung von drei Zonen, Post- und Telegraphen­verkehr hätten den Dreizonentarif schon längst. DaS Vorgehen Ungarns mit dem Zonentarif habe eine coloffale Steigerung des Verkehrs und ein Aufblühen der ungarischen Finanzen im Gefolge gehabt- die Zahl der in Budapest jährlich an­kommenden Personen habe sich von P/s Mill, aus 57a Mill, gehoben, Budapest sei in Folge des gesteigerten Verkehrs auf dem Wege, Wien zu überflügeln. Der von den Gegnern deS Zonentarifs befürchtete Verlust in den Einnahmen fei, falls er wirklich eintreten sollte, nicht nationaler Natur, aber die geschäftliche Regsamkeit werde gestärkt, was der Staat einbüße, werde die Nation verdienen, die Eiienbahn solle nicht Selbstzwecken dienen, sondern Gemeingut der Nation sein. An dem Tage, an welchem Deutschland den Zonentarif einführe, wtzrde es den größten Vorsprung des Jahrhunderts gewinnen. Deutschland könne nicht zurück-

i bleiben, nachdem sogar demnächst für Rußland Reformen ein» i geführt würden, die daö Verkehrsroesen Deutschlands in den Schatten stellten - die Türkei, Frankreich, Belgien u. s. w.

gingen reformatorisch vor, darum müsse auch Deutschland eiw System verlassen, welches die freie Entwicklung des Verkehrs hemme. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vor­trag schloß sich eine lange, interessante und antmirte Be­sprechung sowohl bezüglich des Personen- wie Güterverkehrs; auch wurden lehrreiche Meinungen ausgetauscht über den Einfluß, den die Einführung des Zonentarifs aus das Ge­schäftsleben kleinerer Städte auSüben würde und dabei die Jntereffcn Gießens eingehend behandelt.

** Ueber die Zweckmäßigkeit der verfchiedevcn innere» Einrichtungen der Personenwagen sind Erhebungen angestellt worden, die zu folgendem Ergebnisse geführt haben: Bei Schnellzügen auf Hauptbahnen mit starkem Wechsel der Rei­senden werden vorwiegend Wagen mit besonderen Abheilungen verlangt. Die Nothwendigkeit der Einrichtung von Aborten, welche von jeder Abtheilung zugänglich sein sollen, wird na­mentlich für die Schnellzüge und für die längere Strecken durchfahrenden Personenzüge als zweckmäßig erachtet. Bei größerem Massenverkehr, sowie für den Naheverkehr der Hauptstädte werden hauptsächlich Abtheilwagen mit Seiten- thüren wegen schnellerem Ein- und Aussteigen bevorzugt. Diese Anschauungen decken sich im Allgemeinen auch mit den Wünschen des Publikums. Sogeitannte Durchgangswagen sind beliebt, namentlich wenn größere Strecken in Frage kommen - der Reisende fühlt sich behaglich, weil er an seinen Platz nicht gefesselt ist. Andere Reisende ziehen aber den Abtheilwagen vor, weil sie besser das Ruhebedürfniß befrie­digen können. Von verschiedenen Bahnen wird den letztge­nannten Wagen ebenfalls der Vorzug gegeben, weil sich die Ausscheidung der Frauen und Nichtraucher vollständiger durch- | führen läßt und die Uebersicht nach freien Plätzen vom ' Bahnsteige aus leichter ist. Je nach der Verkehrsstärke, dem ; Klima und den Gewohnheiten der Bevölkerung sind die Er- ; fahrungen verschieden.

** Lebensmittel-Preise Ende October 1894. Nach einer i Zusammenstellung der Großh. Centralstelle für die Landes- ? statistik kosteten:

1

Ochsenfleisch per Pfund

Rindfleisch per Pfund

Kalbfleisch per Pfund

Schweinefl. per Pfund

Hammelfleisch per Pfund

Gemischtes Brod

Roggen- Brod

Butter per Pfund

Milch 1 Liter

(Ster ! 1 Stück i

Städte mtt Octroi

Darmstadt Main- Offenbach Worms Gießen Städte ohne

Octroi Lingen Bensheim Alzey Friedberg Alsfeld Lauterbach

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12

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9

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10

11.5

15

11,5

12,5

12

11

10,5

10

9

9

9

9

9

10

9,5 9

95-109 105-115 116-125 103-114

90-104

101-111

101-106 100-110

110120

100-110 120

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18

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17

17

18

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16

7-8 5-7

5-9 5-8

7

5-7

7-8 9-10 89^ 6-7

6

Großen Linden, 19. November. In hiesiger Gemeinde : feierte Sonntag, den 18. November der Flurschütz und , Kirchenvorstand Johs. Muhl II. und seine Ehefrau Marie j Katharina, geb. Größer das seltene Fest ihrer goldenen ! Hochzeit im Kreise ihrer Kinder und Enkel. Beide sind j noch rüstig und thätig. Der gestrige Tag gestaltete sich für \ sie zu einem frohbewegten Festtage, den sie voll Dankbarkeit i für die Gnade Gottes begingen. Nach der feierlichen Ein- I fegnung durch den Ortsgeistlichen überreichte ihnen derselbe ! eine prachtvolle Bibel mit entsprechender Widmung und ein i Predigtbuch, das Herr Dekan Wahl von Hausen dem i Jubelpaare mit seinen Segenswünschen übersandt hatte. ! Große Freude erregte aber vor Allem eine Hochzeitsspende ' Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs und seiner hohen ; Gemahlin im Betrage von zusammen 50 Mk. Möge Beiden ; noch ein freundlicher Lebensabend beschieden sein!

nn. Darmstadt, 19. November. Aus Anlaß der am 22. d. M. stattfindenüen Vermählung Ihrer Kaiser!. Hoheit der Prinzessin Alix von Hessen mtt dem Kaiser Nicolaus II. von Rußland sendet derAliccverein für Frauenbildung und Erwerb" eine ganz in der vom Verein geführtenAliceschule" fertiggestellte prachtvolle Truhe als Hochzeitsgeschenk nach Petersburg, welche für die Kaiserliche Braut bestimmt ist. Begleitet ist das Geschenk von einer von dem Hoskalligraphen Göttmann ausgesührten Adresse, welche folgenden Wortlaut hat.Durchlauchtigste Groß­fürstin! Gnädigste Prinzessin! Ero. Kaiser!. Hoheit wollen den gehorsamst Unterschriebenen allergnädigst gestatten, eine kleine Erinnerungsgabe an das Heimathland und an eine der segensreichsten Stiftungen der hochseligen, geliebten und J unvergeßlichen Großherzogin in Ihre Hände zu legen. \ Möchten Ero. Kats. Hoheit die kleine Truhe, die ganz in der i Aliceschule gearbeitet ist, nachsichtig unb huldvoll anzunehmen s geruhen und in derselben ein Zeichen der Treue und Ver­ehrung erkennen, mit welcher wir Sie in die neue Heimath und zu der großen und schönen Lebensaufgabe begleiten, welche Ihnen die Liebe bietet und die Sie, gnädigste Groß­fürstin, beglückend und beglückt in gleicher Liebe erwählt haben. Unsere aufrichtigen und wärmsten Segenswünsche folgen Ihnen. In tiefster Ehrerbietung Ew. Kaiserl. Hoheit gehorsamst ergebenen: Die Vorstands-Damen."

A Mainz, 19. November. Die Deutsche Viehver- sicherungsgesellschaft, welche am Samstag hier eine Gene­ralversammlung mit ffehr turbulentem Verlauf abhielt, hat neben dem, daß ihr von der Verwaltungsbehörde die Con­cession für Hessen entzogen wurde, bereits die Aufmerksam­keit der Staatsanwaltschaft auf sich gelenkt und sind von der letzteren schon eine große Anzahl Personen vernommen worden, die sämmtlich durch die Gesellschaft mehr oder min- 1 der bedeutend geschädigt worden sind. Ein Agent der Ge­sellschaft, der Buchhalter Keller, der angeblich ohne Wissen der Verwaltung viele kleinere Leute durch Vorspiegelung