Ausgabe 
21.10.1894 Erstes Blatt
 
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* Der Winter steht vor der Thüre und damit eine ? große Veränderung in den Erwerbsverhältnissen vieler '

**" Schwämme von bemerkeuswerther Gröhe. Gestern wurde in der Nähe von Allendorf a. d. Lahn an einem mit drei Reihen Fichtenbäume bestandenen Abhange am Wege ein Champignon gefunden, dessen Schirm einen Durch­messer von 22 cm. hatte. Die Lamellen waren schon dunkel­braun, Fletsch am Stiel und Schirm noch weiß, aber schon schwammig.

** Kirchliche Dieustnachrichten. Dem Pfarrer Friedrich Möller zu Lindheim wurde die evangel. Pfarrstelle zu Messel, Decanat Darmstadt, dem Pfarrer Becker zu Ober- Flörsheim die kathol. Pfarrstelle zu Vendersheim, Decanat Gau-Bickelheim, dem Pfarrverwalter Wolf zu Neckar-Steinach, Decanat Heppenheim, die katholische Pfarrstelle daselbst über­tragen.

** Schuldienst-Nachrichten. Am 12. September wurde dem Schulverwalter Carl Ihrig zu Raunheim, Kr. Groß- Gerau, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, am 13. September wurden den Schullehrern Heinrich Wein­heimer zu Hetzbach und Carl Kunkel zu Etzean, sowie dem SchulamtSaspiranten Ludwig Schiemer aus Spach­brücken Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Groß'Gerau, am 19. September wurden den Schulamtsaspiranten Philipp Schadt aus Bauschheim und Johann Eckert aus Fürfeld Lehrerstellen^ an der Volksschule zu WormS über­tragen- am 20. September wurde der provisorische Lehrer an der höheren Bürgerschule zu Gernsheim, Lehramtsassessor Ludwig Schmitt, unter Verleihung der Rechte eines deftnitiv angestellten Volksschullehrers, zum Lehrer an dieser Schule, mit Wirkung vom 1. October an, ernannt.

digenden Character trägt. Soweit daher diese Vor» aussetzung nicht unzweifelhaft zutrifft, werden auch Postkarten, welche eine Zahlungsaufforderung enthalten, nicht beanstandet. Postkarten, welche dagegen eine Beleidigung für den Em­pfänger enthalten, werden bekanntlich, wenn solche von den Beamten entdeckt werden, meistens nicht abgeliefert, ebenso solche, aus deren Inhalt die Absicht einer sonstigen strafbaren Handlung herzuleiten ist.

** Geld als Gewicht. Dem Mangel an kleinen Ge­wichten, z. B. beim Abwiegen von Briefen, Gewürzen u. s. w., kann man abhelfen, indem man gemäß folgender Tabelle Münzen als Ersatz benutzt. Es wiegen: 1 Pfennig, Kupfer, 2 Gramm- 3 Zweipsennigstücke 10 Gramm - 2 Fünf­pfennigstücke, Nickel, 6 Gramm - 1 Zehnpfennigstlick, Nickel, 4 Gramm- 4 Zwanztgpfennigstücke, Silber, 5 Gramm- 4 Fünfzigpfennigstllcke, Silber, = 10 Gramm - 4 Einmarkstücke, Silber, 20 Gramm: 4 Zweimarkstücke, Silber, 40 Gr. - 4 Füufmarkstücke, Silber, 100 Gr., 1 Fünfmarkstück, Gold, 2 Gramm - 1 Zehnmarkstück, Gold, 4 Gramm - 1 Zwanzigmarkstück, Gold, 8 Gr.

W. Lich, 19. October. Zum gestrigen Festtage ist noch nachzutragen, daß, während der Fackelzug auf dem Schloß-

sonders in der Scene mit Honneg, in der sich dasKind" plötzlich als liebendes Weib entpuppt. Fräulein Hamm als Asta CraSper war ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen. Sie verstand es, der von ihr verkörperten Figur eine wohlthuende Ruhe zu verleihen und fand in der Verlobungsscene den rechten warmen Herzenöton. Wenn wir neulich Fräulein Müllers Natürlichkeit lobten, so können wir dies heute nur wiederholen- wir fanden auch diesmal nichts an deren Spiel auszusetzen. Dagegen hat u. E. Frl. Ronneberg als älteres Fräulein Schellner die Farben etwas zu stark aufgetragcn- trotzdem hatte auch sie glückliche Momente, denen die Wirkung nicht versagt blieb. So in derSchwefel­säurescene". Mit Herrn Heynes Verlagsbuchhändler Crasper erklären wir uns einverstanden. Herr Otto schien in seinem Fahrwasser zu sein- er gefiel uns als der lustige Chemiker Honneg viel besser, als neulich in der Rolle des Veilchenfreffers, obgleich heute seine Stimme indisponirt klang. Sein Spiel würde durch eine etwas weniger lächelnde Miene entschieden noch gewinnen. Im Uebrigen erfreute er wie immer durch die Sicherheit, mit der er sich auf den Brettern bewegt. Die Figur des Affeffors Benning hat an­scheinend nur den Zweck, für die jüngere Fräulein Schellner einen Mann zu schaffen, deßhalb gab sie auch Herrn Hacker wenig Gelegenheit, sich hervorzuthun. Herrn Fischer als Lieutenant Benning hätten wir weniger farblos gewünscht, auch den Nachton, den er manchen Worten anhängt, dürfte sich Herr Fischer abgewöhnen. Im Uebrigen genügte seine Darstellung. Herr Reiners forderte schon durch sein Er­scheinen bie Heiterkeit des Publikums heraus. Was den Besuch der Vorstellung anbelriffl, freuen wir uns, constatiren , zu können, daß hierin eine Besserung eingetreten ist, und daß gerade das Parquer und der Sperrsitz gut besetzt waren. Möge die Wandlung in der Betheiligung des Publikums eine dauernde fein! Az U

** ZuukermauusFritz Reuter-Abend". Am Donnerstag 1. November begrüßen wir im Gesellschaftshause wieder den kön gl. Hofschauspieler Hrn. August Junkermann, dem das große Verdienst gebührt, einen Dichter, dessen Schöpfungen in Folge ihrer Dialectform nur beschränkten Boden fanden, nicht nur in Europa, sondern auch jenseits des Oceans im besten Sinne des Wortes populär gemacht zu haben. Mit großem Geschick modificirt Junkermann das Plattdeutsche in I einer Weise, welche die characteristische Eigenart des Idioms I nicht verleugnet und doch Jedem das volle Verstehen möglich I macht. Ueber seinen letzten Vortrag in Freiburg i. Br. be< j Achten dortige Blätter:Der berühmte Recitator erntete I stürmischen und wohlverdienten Beifall, wurde am Schlüsse I von Sr. k. Hoheit dem Herrn Erbgroßherzog von Baden I unö Gemahlin in ein längeres Gespräch gezogen und ihm I für den unvergleichlichen Kunstgenuß in schmeichelhafter Weise I besonders gedankt."

** Die diesjährige Generalversammlung des hiesigen I natioualliberalku Vereins fand am Mittwoch Abend im Cafe I Ebel unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des I Bereins Herrn I. Kirch statt. Der Vorsitzende eröffnete I die Versammlung mit einem Bericht über die Thätigkeit des | Vorstandes im verflossenen Vereinsjahr, insbesondere gelegent- I lich der Wahlen zum Gewerbegericht und bei den Landtags- I wählen. Der Rechner des Vereins, Herr Stadtverordneter | Louis Perri II., legte alsdann die Rechnung vor und erhielt I Decharge. Die hierauf vorgenommene Neuwahl des Bor- I standes ergab die bisherige Besetzung- an Stelle mehrerer I infolge Krankheit auf Wunsch ausgeschiedener Mitglieder I wurden 5 neue Herren in den Vorstand gewählt. Zum I Schluß erstattete Herr Rechtsanwalt vr. Fuhr Bericht über I den Allgemeinen Delegirtentag in Frankfurt a. M., er konnte I feststellen, daß alle hiesigen Theilnehmer in jeder Weise be- ! friedigt waren von dem Verlaufe der Berathungen und deren I Ergebnissen, hatte er ihnen doch vor Allem gezeigt, daß in | der Partei, von der 438 Delegirte aus Süd und Nord, Ost I und West erschienen waren, eine erfreuliche Harmonie der 1 politischen Ueberzeugungen und Anschauungen herrscht.

** Gebrauchsmuster - Eintragung. Abfüll-Vorrichtung, I bestehend aus einem an ein gebogenes Rohr angeschlossenen I Huhn mit kreisrundem Durchgang, einer Schauöffnung und I einer zur Befestigung dienenden einschlagbaren Metallbüchse- I Heinrich Schaff st aedt, Gießen.

Arbeiter. DaS ist für die Jnvaliditäts- und Alters­versicherung der letzteren von großer Bedeutung. Die meisten im Bauhandwerk beschäftigten Arbeiter, besonders Maurer und Zimmerleute, ferner auch Flößer und Schiffer sind gezwungen, ihre Arbeitsstätte zu verlassen und sich ent­weder irgendwo sonst Erwerb zu suchen ober ben Winter | über unthätig zu sein. Alle solche Arbeiter, beten Beschäf- | ttgung eine Unterbrechung erleibet, seien auf folgenbes zu I ihrem Besten aufmerksam gemacht: Für Zeiten, in welchen j diese Arbeiter feiern, finbet ein Zwang zur Versicherung i nicht statt, es liegt aber burchaus im Interesse berjelben, I sich burch freiwillige Fortsetzung bes Versiche- irungsverhältnisses weiter zu versichern, wenn ein | Arbeiter beim selben Arbeitgeber bleibt unb im Frühjahr | toteber eintreten will, braucht er nur für jede Woche 1 Marke | der Lohnklasse, welche vorher verwandt wurden, weiterzu- I kleben. Andernfalls muß er Doppelmarken (zu 28 Pfg.) I verwenden. Wenn er dies nicht thut, so läuft er Gefahr, I daß etwaige spätere Ansprüche auf Rente abgewiesen werden, I weil er die gesetzliche Wartezeit nicht erfüllt hat. I Seither sind aus diesem Grund zahlreiche An- I sptüche abgewiesen worden. Wenn z. B. ein Mauter- I geselle alle Iahte vom 1. März bis 1. November beschäftigt I ist und dann im Winter feirte, so bekommt er alle Jahre I blos 34 Marken in seine Quittungskarte- wird er nun er- I werbsunfähtg, so muß er, um Invalidenrente beanspruchen I -u können, 235 Beitragswochen für die letzten 5 Kalender» I jähre nachweisen. Das kann er aber n'chr, wenn er in der I 4monatlichen Winterpause nicht selbst Marken weiterklebt- I hätte er im Winter jedesmal mindestens 13 Marken frei- I willig eingeklebt, so wäre sein Anspruch in Ordnung. I Gerade so ist es bei der Altersrente. Wenn der Maurer I natürlich im Winter auf Taglohn ober als Holzhauer I arbeitet, so müssen schon Marken für ihn verwanbl werben. I Die gleichen Grunbsätze gelten für alle Unterbrechungen von Ardeitsverhältniffen. Wie oft kommt es vor, baß ein Arbeiter einige Wochen aus ber Fabrik bleiben muß, weil seine Frau ober Kinber krank sinb unb et bie Besorgung bes Haushalts oder Pflege übernehmen muß. Kurz bei jeber Art ber Unter­brechung der Arbeit burch Urlaub, Betriebseinschränkung, Arbeitslosigkeit empfiehlt es sich, freiwillig Marken weiter zu kleben. Man scheue ja nicht die geringe Ausgabe. Es giebt ferner Arbeiter, bie nur einen Theil bes Jahres als Lohn­arbeiter thätig sinb, bann aber ihre eigene Lanbwirthschaft

I ober ein kleines Handwerk betreiben. Diese können ebenfalls für bie Zeit, in welcher sie für sich arbeiten, burch Doppel­marken ihre Versicherung weiterführen. Viele Versicherten haben bisher, in der Hoffnung, sie kämen doch nicht in die Lage, eine Rente einmal beanspruchen zu können, sich sowohl gegen die Verwendung von Marken für sie überhaupt, als auch gegen die freiwillige Fortsetzung ber Versicherung gesträubt. Trat nachher doch ber Fall einer Jnvalibität oder ber Er- - reichung des 70. Lebensjahres ein, bann wollten sie alles nachholen - sie haben aber zu ihrem Schaben erfahren, baß bas nicht angeht. Eine nachträgliche Betwenbung von Marken für Fortsetzung ber Versicherung ist nicht mehr zu­lässig, sobalb bas alte ober ein neues Arbeitsverhältniß auf­genommen ist ober Invalidität bezw. das 70. Lebensjahr eingetreten ist. Es dürste sich für die Arbeitgeber empfehlen, ihre Arbeiter bei Eintritt ber Unterbrechung auf bie Vor- theile ber Weiterversicherung aufmerksam zu machen - ebenso könnten bie Rechner ber Krankenkassen unb Hebstellen, bie Vertrauensmänner unb bie Bürgermeister biks thun.

** Der Getreidemarkt. Im Getreibegeschäft macht sich endlich eine kleine Reaction zum Bessern bemerklich, wozu wohl die anhaltende naßkühle Witterung das Meiste beitragen dürfte. In Roggen wie in Weizen zogen bie Preise fast an allen Plätzen an, zwar betrug bie Besserung in beiden Artikeln burchschnittlich nur eine halbe Mark bis breiviertel Mark, boch war bie Tendenz recht fest, was eine weitere Preissteigerung nicht ausschließt. Hafer war ebenfalls recht fest bei steigenden Preisen, anscheinend hat sich in Nord­rußland die Tendenz für letzteren Artikel befestigt. PreiS- notirungen an der Berliner Productenbörse: Weizen per 1000 Kilogramm 112 Mk. bis 132 Mk., Roggen 102 Mk. bis 110 Mk., Gerste 95 Mk. bis 180 Mk., Hafer 107 Mk. bis 143 Mk.

** Sind Mahnungen auf Postkarten zulässig oder nicht? Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß ber Inhalt einer Postkarte, in welcher Jemanb wegen Bezahlung einer Schulb gemahnt wirb, als betetbigenb anzusehen sei. Demgegenüber erfährt man aber, baß nach einer Entscheidung des Berliner Kammergerichts eine solche Mahnung an fflch keine Belei­digung ist, sie wird erst dann eine Beleidigung, wenn die Form, in welcher die Mahnung abgefai-t ist, einen beleb

i hofc Aufstellung genommen, zuerst bie ganze Versammlung //HeÜ Dir im Siegerkranz" anstimmte, worauf ber Fürst ein Hoch auf Se. Majestät ben Kaiser ausbrachte- hierauf sangen unsere Gesangvereine je ein Lieb. Im Schlöffe fanb später Tanzbelustigung statt. Heute Nachmittag trafen bie Fürstlich, feiten von Bübingen unb Meerholz hier ein, um AbenbS am großen Hofball im Schlosse Theil zu nehmen. Morgen gehen sämmtliche Hochzeitsgäste nach Laubach, wo beim Grasen Solms-Laubach großer Empfang unb Ball vorgesehen ist. Montag Abenb findeH im Schlosse zu Lich für die Beamten des fürstlichen Hauses, wozu ein Theil der Bürgerschaft eingeladen ist, ebenfalls ein Ball statt. Nach Schluß der Festlichkeiten in Lich bcgiebt sich die Fürstlich Solms-Ltcher Familie nach dem Jagdschloß Hohensolms, von aus wo das Erbprinzliche Paar eine längere Hochzeitsreise antreten wird. Der Erbprinz wird jedenfalls Ende Februar oder Anfang März in sein bisheriges Regiment (Garde- Husaren, Potsdam) wieder eintreten. Der Graf Stolberg- Wernigerode begab sich heute Vormittag von Lich nach Ost- Friesland.

-ck. Grünberg, 19. October. Unseren gestrigen und vorgestrigen Gallusmarkt begünstigte in Anbetracht ber jetzigen Wetterlage recht gutes Wetter. Schneite es auch am Vormittage bes ersten Markttages, so klärte sich boch ber Himmel am Nachmittag noch auf unb bie Sonne beschien das fröhliche Markttreiben, ja gestern herrschte sogar ein echterAltweibersommertag". Der Untergrunb bes Markt­platzes ließ allerdings nach ben vorausgegangenen Regen­tagen vieles zu wünschen übrig- wem eben bie Schuhe z« groß bemessen, bem blieben sie leicht im zähen Schmutze stecken. Der Besuch bes Marktes war nach Maßstab ber jetzigen Marktverhältnisse ein guter- ber gestrige heitere Tag hielt dagegen wohl manchen Marktbesucher vom Markte zurück, ba im Felbe noch sehr viel Arbeit zu bewältigen iss, bie umsomehr zur Beenbigung brängt, als bie Vorboten beS Winters sich bereits zeigen. DerJuxplatz" war mit Schau» buben gut besetzt unb von Zuhörern unb Zusehern lebhaft frequenttrt. Nur bie Reihen ber Krärnerstänbe unb Krämer­buden erschienen gegen sonst stark zusammengeschrumpst- sie erreichten kaum mehr die Hälfte ihrer Ausdehnung vor einem Jahrzehnt. Der früher so beliebte Einkauf auf dem Markte ist eben durch bie jetzigen Verkehrsverhältnisse sehr stark zurückgegangen. Der mit bem ersten Markttage verbundene Viehmarkt zeigte eine mäßige Anzahl Rindvieh und eine große Auffahrt an Schweinen. Während beim Rindvieh ber Handel bei den seitherigen hohen Preisen gut ging, zeigte sich im Schweinehandel eine sehr bemerkbare Ver- flauung. Das Angebot übertraf bei weitem die Nachfrage so stark, daß viele Verkäufer gar nicht um ben Preis ihren Stücke befragt würben. Jnfolgebessen stockte ber Handel unb bie Preise zeigten eine mattere Tenbenz als seither. Dessenungeachtet müssen bie Preise immer noch als hohe an­gesehen werden. Man zahlte für das Paar Ferkel zweiter Qualität 30 bis 40 bis 45 Mk., für bas Paar erster Qualität 45 bis 50 bis 60Mk. Läufer galten baS Paar im Durchschnitt 80 bis 90 unb 90 bis 100 Mk.

§ Alsfeld, 18. October. Die diesjährige KreiSconferen^ der Lehrer unseres Kreises fand gestern imDeutschen HauS" dahier unter nahezu vollzähliger Betheiligung statt. Der Vorsitzende, Herr Kreisamtmann Rach, begrüßte die Erschienene« unb gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß dieselben trotz des schlechten Wetters so zahlreich sich eingestellt. Herr KreiS- schulinspector Müller erstattete hierauf nach der Mittheilung einiger schuldienstlicher Angelegenheiten Bericht über den Stand des Schulwesens im verflossenen Schuljahre. Demselben ent­nehmen wir, baß unser Kreis 76 einfache, eine erweiterte Volksschule und eine Privatmädchenschule in Alsfelb besitzt. Von tiefen 76 einfachen Schulen sind 59 einklassig, 13 zwei- klassig, 3 drelklassig und 1 mehrklassig. An diesen Schule« wirken 102 Lehrer, worunter 75 definitive, 27 provisorische und 2 Schulgehülfen sich befinden. Hierzu kommen noch 2 Lehrer an der erweiterten Volksschule in Homberg und 3 Lehrerinnen an der Privatmädchenschule in Alsfeld. Die Gesammtzahl der Schulkinder des Kreises beträgt 6148 gegen 6175 des vorigen Jahres, was eine Abnahme von 27 Kinder« ergiebt. Unter dieser Schülerzahl befinden sich 3042 Knabe« und 3106 Mädchen (bei den Knaben ein Mehr von 12, bei den Mädchen von 15 gegen das Vorjahr), hiervon sind 5677 evangelisch (+ 26), 307 katholisch (-}- 3) und 306 israelitisch ( 2). Die Fortbildungsschulen des Kreises wurden von 1082 gegen 1109 Schülern des Vorjahres besucht, mithin ein Weniger von 27 Schülern, hierunter befanden fich 102» Evangelische (11), 42 Katholische (10) und 20 Israeliten. Der Besuch der Lehrerconserenzen war ein regelmäßiger, die gelieferten Referate und Probelectionen mit Geschick und Fleiß ausgearbeitet. Nach Erschöpfung des geschäftlichen Abschnitte- erhielt ber erste Referent, Herr Lehrer Maurer von Oppenrod, bas Wort zu seinem Vortrag:Wie erzieht bie Schule zur Vaterlandsliebe?" Der schöne, lichtvolle Vortrag führte als Mittel zur Erreichung dieses Zweckes auf 1) den geographischen Unterricht, 2) ben Geschichtsunterricht, 3) bie Muttersprache unb Natlonallitteratrr, 4) ben Gesang, 5) ben Religions­unterricht, 6) bie Gesetzeskunde unb Volkswirthschasss lehre in der Fortbilbungsschule- hierzu kommen noch als besondere Mittel: 1) das Beispiel des Lehrers, 2) die würdige Feier der vaterländischen Gedenktage und 3) die Mitwirkung de- Elternhauses. Nach Klärung eines Quidproquos über die Frage, ob die Vaterlandsliebe angeboren ober anerzogen werde?, sprach ber Vorsitzenbe bem Referenten seinen Dank aus. Eine kurze Pause folgte, bann wurde zur Behandlung des zweiten ThemasDer Wasserstoff", Vortrag mit Experi­menten durch Herrn Lehrer Gnndrum von Eudorf geschritten. Mit gespanntem Interesse folgte die Versammlung ben für die Volksschule ausgewählten, sehr gelungenen Versuchen und bazu gegebenen einfach klaren Erklärungen. Durch biese ge­schickte Behandlung zeigte Herr Gundrum evident, wie auch ein auf den ersten Blick schwieriger Lehrgegenstaub ben Schülern durch die Anschauung verständlich gemacht werden