Ausgabe 
21.9.1894
 
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Travemünde auS dem Fahrwasser der Trave durch die Dagger- schtffe entfernt und nach Lübeck transportirt; hier wurde der Steinkoloß mittelst deS 100 Tons-KrahnS aus dem Wasser gehoben und auf die Quaimauer gelegt. Das Steinungethüm findet viele Bewunderer.

Braunschweig. 19. September. Die der Sage nach von Heinrich dem Löwen gepflanzte, schon gänzlich vertrocknete historische Linde am Dom ist heute von selbst um­gestürzt.

Die Deutsche Volksbaugefellschast, deren zweiter Jahres­bericht vorltegt, verfolgt den Zwrck, der Wohnungsnoth und den aus ihr entspringenden moralischen und physischen Schäden in umfassender Weise zu steuern. Sie willauch den wenig kapitalkräftigen Bevölkerungsklassen die Möglich­keit eröffnen, sich ein Eigenhaus zu verschaffen, die Zahl der kleineren Grundbesitzer in Stadt und Land zu vermehren, dadurch die Gesundheit und geistige Frische der Bevölkerung zu steigern und in Folge dessen die Gefühle der Liebe und Treue zu unserem Kaiser und König und zu unserem Baterlande mit seinen Einrichtungen zu beleben und zu stärken". Sie will also auch wenig Bemittelten den Erwerb eines eigenen Heims thunlichft erleichtern. Sie verlangt nur eine entsprechende Anzahlung, sowie ferner, daß der Anwärter gewöhnlich eine einjährige LebeuSversicherungpolice im Voraus zahlt. Kleine Einzahlungen der Reflectanten verzinst sie so lange mit 5 pCt., bis sie die für die Anzahlung erforderliche Höhe erreicht haben. Die Wirksam­keit der Gesellschaft erstreckt sich auf alle Stände; sie errichtet vornehmlich Einfamilienhäuser mit Gärten. Der Erwerber eines Heims wird mit dem Erwerbspreis bet einer von der Gesellschaft zu bestimmenden Lebensversicherungs' gesellschaft auf Todes- und Altersfall versichert. Alsdann erhält er sofort das Besitzthum, dessen buchmäßiges Eigenthum er iudeß erst im Augenblick des erreichten vorgesehenen Alters oder seine Erben im Todesfall erwerben. In bestimmten Fällen kann ein anderes Familienmitglied versichert werden. Den Gewinn der Gesellschaft, der im Verkaufspreis bereits enthalten ist, bildet ein einmaliger, etwa 5 pCt. betragender Aufschlag auf die Selbstkosten. Der Abschluß für 1893 ge­stattete den Mitgliedern, nach Dotirung der verschiedenen Fonds eine Dividende von 4pCt. zu gewähren. Mitglied der Gesellschaft wird man durch Erwerbung eines Geschäfts- antheils. Ein einzelner Geschäftsantheil der Gesellschaft be­trägt 1000 Mk., ein Mitglied kann bis 200 dieser Antheile erwerben. Eine Betheiligung an der Gesellschaft ist ferner möglich durch Uebernahme vierprocentiger Grundschuldbriefe der Gesellschaft, durch Einlagen und feste Anlage von Be­trägen. Die Gesellschaft hat seit ihrer Constituirung bis Frühjahr 1894 mehr als 320 Bauten hergestellt. Erwerber, welche Kaufverträge abgeschlossen haben, sind zumeist Arbeiter, Handwerker und Subalternbeamte, jedoch auch Personen an­derer Stände.

* Seltsame Vorgänge sind aus einem Damen-Pensionat in der Friedrichstadt Berlins lautbar geworden. Die In­haberin der Erziehungsanstalt für Töchter aus den besten Familien ist wegen unbefugten Betriebes der Schankwirthfchaft zur Anzeige gebracht und bestraft worden. Sie erhob Ein­

spruch dagegen, allerdings ohne Erfolg, und hat einschließlich der Kosten 108 Mark zu zahlen. Bei den Zeugenver­nehmungen hat sich ergeben, daß in dem Pensionat Festlichkeiten stattgefundeu haben, die mit richtigen Er- ziehung-principien kaum harmonieren dürften. Man will öfter den Knall von Champagnerpfropfen gehört haben. Ob sich an den unbefugten Schank noch ein weitergreifendes Gerichtsverfahren knüpfen wird, läßt sich noch nicht Über­sehen. Jedenfalls möchten wir im Anschluß an solche Nachrichten wieder an unsere Leser, besonders Mütter, die Bitte richten, sich stets, ehe sie ihre Töchter nach Berlin in Pensionäre senden, bei dem Bureau der deutschen SittlichkeitS-Conferenz W., AnSbachstraße 53 oder bei dem Bureau der Berliner Stadtmission SW., JohanniStisch 6 Auskunft zu erbitten, dieselbe wird bereitwilligst und unent­geltlich ertheilt.

Ein Unglucksfall, herbeigeführt durch einenScherz", ereignete sich in Niederroßla. In der Nähe des Dorfes war die Dampfdreschmaschine in Thätigkeit, neben dieser stand ein Bottich mit heißem Wasser. Einer der umstehenden Knaben, der 9jährige Sohn des Webermeisters Karl Kirchner in Niederroßla, sagte, auf den Bottich zeigend:Da mal nein!"Nun", antwortete einer der dort beschäftigten Arbeiter,das können wir gleich 'mal versuchen!" Er hob den Knaben in die Höhe und hielt ihn über das heiße Wasser. Dabei müssen ihm die Füße abgeglitten sein, er fiel, und der Knabe stürzte in das heiße Wasser. Der Mann raffte sich schnell wieder auf und holte den Knaben wieder heraus. Selbstverständlich war der Körper des Knaben, wie auch beide Arme des Mannes mit Brandwunden bedeckt. Aerztliche Hilfe wurde sofort aus der Stadt geholt, doch ist der Knabe den erlittenen schweren Verletzungen erlegen.

* Beim letzten Manöver war der gesuchteste Soldat seiner ganzen Corporalschaft der Einjährige B. Der vielgereiste junge Mann hatte ein Töpfchen Liebigs Fleisch-Extract in den Tornister gepackt, da er schon aus Erfahrung wußte, welche pure Dienste dies Labemittel in der Fremde leisten kann. Kommt man nach anstrengendem Marsche müde und matt ins Quartier, so stärkt und erquickt bald eine Tasse guter Fleischbrühe, denn ein Töpfchen Waffer ist rasch in's Kochen gebracht, während man sich wäscht und den Anzug ordnet. Die stets unschädliche Bouillon labt in ganz anderer Art, als Milch, Bier, Wein oder gar Schnaps. Und wie außerordentlich werthvoll erweist sich das Fleisch-Extract zur Verbesserung der Kost, sowohl der vom Wirthe gelieferten, wie der im Btvouak selbstbereiteten! Das merkten auch die Kameraden bald, und B. theilte ihnen gern von seinem Schatze mit._______________________

liniocrfUäts - Nachrichten.

Der älteste deutsche Universitätslehrer, der Physiker und Mtneralog Franz Neumann, beging am 11. d. M. tu Königs­berg seinen 96. Geburtstag. Der Nestor, dem anläßlich des 350jährigen Jubiläums der Königsberger Hochschule der Titel eines Wirklichen Geheimen Regierungsraths verliehen wurde, ist am 11. September 1798 zu Joachimstbal bei Berlin geboren, machte als fteiwtlliger Jäger im Colberger Regiment den 1815er Befreiungs­

krieg mit und wurde in der Schlacht bei Ligny schwer verwundet. Rach mehrjährigem Studium in Jena und Berlin wirkt er, wie die Franks. Ztg." schreibt, nunmehr ununterbrochcn seit 66 Jahren oI6 ordentlicher Professor der Physik und Mineralogie an der Albertina. Noch im letztoergangenen Semester befand sich der Name deS Prof. Dr. Franz Neumann unter der Zahl der Professoren, die Vorlesungen angekündtgt hatten.

Citeratur und Aunft.

Im Verlage von Emil Roth in Gießen sind von den bekannten Hess. Schulmännern P. Müller und F. A. Völker einige Hefte zu einem derm ächst in Gesammtausgabe erscheinenden »Realienbuch, ein Wiederholungöbuch für die Hand der Schüler* erschienen. Dieselben behandeln: 1. Der menschliche Körper. 2. Thierkunde. 3 Pflanzenkunde. 4. Mineralkunde. Diese 4 Hefte haben bereits bet verschiedenen competenten Beurthetlern eine überaus günstige Aufnahme gefunden. Einer davon spricht sich in nachstehender Weise aus:Wenn wir die Fülle des in diesem Wtederholungsbüchlein gebotenen Stoffes überschauen, so müssen wir uns sagen: Das ist nicht nur ein Wiederholungsbüchlein sür Schüler, sondern ein praktisches Handbuch sür den Volksschullehrer." Wenn nun auch die angekündigien weiteren Heftchen: Naturlehre, Geographie und Geschichte erschtenrn sind, dann haben wir ein Buch, wie wird uns besser nicht denken können. Leicht faßlich, gut stilistttch geschrieben, bietet das Buch einen sämmtliche Realien in der Volksschule er­schöpfenden Stoff, der, vorzüglich angeordnet, von den Lehrern mit Leichtigkeit in der Schule verwerthet werden kann, da es wirklich schon eine Lust ist, die sauberen Musteraufsätzchen durchzuleser." Wir machen wettere Kreise der Lehrerschaft aus oas Welchen, das sich allerwärts Beachtung verschaffen dürfte, hiermir aufmerksam.

Schiffsnachvichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Earl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 19. September. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Weimar, Capttän C. Steenken, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. September von Bremen abgegangen war, ist gestern, 1 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Der PostdampferWesternland" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 17. September wohlbehalten in Newyork angekommen.

Verkehr, Land- rrrrö Volkswirthschaft»

Ltmbnrg, 19. September. Frucht markt. Rother Weizen JL 11.45, weißer Weizen 00.00, Korn JL 8.25, Gerste Jt 0.00, Hafer 5 00.

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Bekanntmachung.

Betr.: Die Vergebung der Holz­hauer- und Setzerlöhne für den Gießener Stadtwald pro 1895/96.

Die vorbemerkten Löhne sollen Dienstag, den 25. d. Mts., Bormittags 11 Uhr, im Saal des alten Rathhauses öffent­lich versteigert werden.

Gießen, 18. September 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 7680

Verdingung.

Die zur Herstellung eines Fuß- gängerbankets am Riegelpsad und von 560 qm Chaussirung längs des Anatomie» Gebäudes erforderlichen Pflaster- und Chaufftrarbeiten sollen

Montag, den 24. d. Mts., Bormittags ll>/2 Uhr, im Wege des schriftlichen Angebot­verfahrens auf dem Stadtbauamte vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen daselbst während der Dienststunden offen und sind Angebote auf vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Termin dorthin einzureichen.

Gießen, 18. Septbr. 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. 7681 Gnauth.

Samstag den 22. Sept., Nachmitta-S 2 Uhr, versteigere ich Marktplatz 20 dahier Segen Baarwhlung:

1. 1 Sopha, 1 Nachttisch, 1 Spiegel, 1 Reisetasche. 1 Bücherbrett, 3 Bilder, 1 goldene Halskette mit Medaillon

2. 2 Pferde, 1 eisernen Petroleumbe­hälter mit Leitung, 5 vollständige Betten, 8 Oelbilder, Sophas, Tische und anderes Möbel, sowie 2 Taschen­uhren und Schmucksachen.

Die Versteigerung ad 1 findet bestimmt statt, ad 2 teilweise.

7721 Boni, Gerichtsvollzieher.

Vergebung von Bauarbeiter».

Die Maurer-, Zimmer-, Dach­decker- , Spengler- und Schreiner­arbeiten zu einer Spielhalle für die Kleinkinderschule sollen vergeben werden.

Pläne, Voranschläge und Beding­ungen können bei den Herren Archi- ecten Stein u. Meyer bis zum 27. ds. Mts. eingesehen werden.

Gießen, 19. September 1894.

Der Vorstand

der Kleinkinder-Bewahranstalt. 7722 Dr. Naumann.

Obstversteigerung.

Dienstag den 25. d. Mts. oll das hiesige Gemeinde-Obst, be­stehend in Birnen, Aepfeln und Zwetschen, versteigert werden.

Der Anfang ist Vormittags um 8 Uhr am Weg nach Wieseck, am Auweg.

Alten-Buseck, am 19. Sept71894. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. _________Krämer.______7716

Obstversteigerung.

Montag den 24. Leptbr., von Nachmittags 3 Uhr ab, wird das hiesige Gemeinde-Obst, be­stehend in Aepfeln und Birnen, an Ort und Stelle verkauft.

Zusammenkunft an meiner Wohnung.

Kinzenbach, den 20. Septbr. 1894.

Der Gemeindevorsteher: ___________Pfaff.________7706

Obstversteigerung.

Dienstag den 25. d. Mts., von Nachmittags 1 Uhr an, soll das Obst in den Frecherrlich von Rabenan'schen Gärten beiAlten- Bufeck versteigert werden.

Londorf, den 19. Septbr. 1894. Der Rentmeister:

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