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1894
Dienstag de« 21. Au»uft
Nr. 194 Erstes Blatt.
Rrdaction, Exp.diüoi» und Druckerei:
Schutstrahe Mr.7.
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Vierteljähriger ZVonuemeutsprelL: 2 Marl 20 Psg. mit Bringerlohn.
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Die Gießener
I»amlrie«0tä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der chleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Kiehener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
Zimts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
Hralisöeitage: Gießener Kamitienötätter.
Amtlichem Theil
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.
Arrslaird.
Rom, 18. August. Im Ministerium des Innern lief ein Telegramm aus Paris ein, welches die Namen und Signalements aller gegenwärtig in den größeren Städten Frankreichs sich aufhaltenden Anarchisten enthält.
Paris, 18. August. Das „Journal" meldet, die Mitglieder desComplotts gegen Dupuy seien in Barcelona verhaftet worden.
Lyon, 18. August. In der letzten Nacht hatte man eine rothe Fahne auf das Grab Caserios gepflanzt. Die Polizei entfernte dieselbe und traf Vorkehrungen, daß derartige Kundgebungen unterbleiben.
Bordeaux, 18. August. Die Geheimpolizei constattrte die Anwesenheit einer Anzahl spanischer und italienischer Anarchisten im Hafen von Bordeaux. Die Signalements der Betreffenden wurden telegraphisch nach Barcelona übermittelt, weil man annimmt, daß unter diesen Leuten sich auch diejenigen befinden, welche die Verschwörung gegen Dupuy angezettelt haben. Inzwischen werden dieselben polizeilich scharf überwacht.
— Fast zur selben Zeit, da der Meuchelmörder Las er io aus dem Schaffst zu Lyon den verdienten Lohn für seine Unthat empfangen hat, sind aus Frankreich sensationelle Meldungen über verschiedene gegen den Ministerpräsidenten Dupuy geplante Attentate der Anarchisten eingegangen — sollte Herr Dupuy wirklich bestimmt sein, der Rachsucht der Anarchisten zum Opfer zu fallen? Nach einer Meldung aus guter Quelle hätten spanische Anarchisten beschloffen, Herrn Dupuy in seinem gegenwärtigen Aufenthaltsorte, dem Pyrenäenbade Vernet-les-Bains, durch Dynamit zu tödten, während ein zweiter Anschlag zur Ermordung Dupuys in Vernet-les-Bains von französischen Anarchisten geplant sein soll. In dem genannten Badeorte sind daher umfaßende Vorkehrungen zum Schutze Dupuis getroffen worden. Noch aufregender nimmt sich jedoch eine Nachricht aus, der zufolge der französische Cabinetschef vergiftet worden sein soll, während es bislang hieß, er sei nierenkrank. Natürlich bleibt noch abzuwarten, was es mit dieser sensationellen Kunde auf sich hat, jedenfalls aber verschlimmert sich der Zustand Dupuis, wie neuere Depeschen aus Vernet-les-Bains besagen.
Loudon, 18. August. Die japanische Gesandtschaft erhielt von ihrer Regierung eine Depesche, wonach das japanische Lazarethcorps während der Pflege der Verwundeten, wobei es keinen Unterschied zwischen Freund und Feind machte, von den Chinesen mit Granaten beworfen und niedergemetzelt worden sei.
Afrika zurückkehren, da ihm bereits die Theilnahme an einer Expedition angeboten worden ist.
Potsdam, 18. August. Während der heutigen Parade- täfel von circa 300 Gedecken erhob sick der Kaiser und trank auf das Wohl des Kaisers von Oesterreich mit folgenden Worten: „Ich trinke auf das Wohl des Kaisers Franz Josef, meines treuen Freundes und Bundesgenoffen- Seine Majestät Hurrah!" An der Tafel nahm auch der österreichische Botschafter Theil.
Kattowitz, 18. August. Der Verein der Oberschlesischen Bergarbeiter, der dem deutschen Berg- und Hüttenarbeiter- Verband zugehört, wurde auf miffisterielle Anweisung aufgelöst.
Kaiserslautern, 18. August. Ein Gesuch des Verschönerungsvereins, hier ein Denkmal für den Fürsten Bismarck zu errichten, wurde vom Stadtrath einstimmig
Metz, 18. August. Heute Nachmittag fand bei Mo- gador die militärische Weihe des an jener Stelle errichteten Denksteins statt, wo König Wilhelm die Schlacht von Gravelotte leitete. Der Denkstein ist ein 280 Gentner schwerer Granitblock und vom Großherzog von Baden gestiftet. Anwesend waren der commandirende General Graf v. Haeseler und Deputationen der hiesigen Truppen und Vereine.
Deutscher Reich.
Berlin, 18. August. Bei bedecktem Himmel fand heute Morgen auf dem Tempelhofer Felde die große Herbstparade der Berliner und Potsdamer Garnison statt, welcher das Kaiserpaar, zahlreiche Fürstlichkeiten und viele fremd- ländische Offiziere, sowie ein nach Tausenden zählendes Publikum beiwohnten.
Berlin, 18. August. Gegenüber dem von anderer Seite gebrachten Dementi hält das Depeschenbureau „Herold" die Nachricht, daß der Kaiser gestern ab Kiel Abänoerungen der Manöver wegen Verseuchung der Danziger Gegend telegraphisch angeordnet hat, aufrecht.
— Die angekündigte Novelle zum preußischen Vereins- und Versammlungsrecht soll sich im Ministerium des Innern bereits in Ausarbeitung befinden, um wahrscheinlich bereits in der nächsten Landtagssesston vor- gelegt zu werden. Der Kernpunkt der Novelle besteht dem Vernehmen nach darin, daß ein bestimmtes Alter für die Theilnahme an politischen Vereinen und Versammlungen festgesetzt wird.
— Mit den jüngst in Berlin erfolgten Verhaftungen zahlreicher Anarchisten hat die Polizei anscheinend einen wichtigen Fang gemacht. ES sollen nach allerdings noch nicht beglaubigten Meldungen aus guten Quellen bei den in den Wohnungen der verhafteten Anarchisten vorgenommenen Haussuchungen gefüllte und zum Gebrauch fertige Bomben vorgefunden worden sein, auch wird versichert, die Polizei babe erdrückende Beweise über die enge Verbindung d r Berliner Anarchisten mit den französischen Anarchisten in Händen. Schließlich heißt es noch, die Polizei sei von der beabsichtigten Verwendung des Sprengstoffes unterrichtet gewesen. Wenn sich das alles wirklich so verhält, dann ist allerdings an dem Bestehen einer gefährlichen anarchistischen Verbindung in der Reichshauptstadt kaum mehr zu zweifeln, dann aber wäre es in der That Zeit, daß man auch in Deutschland dem unheimlichen Treiben der anarchistischen Verschwörer mit aller Entschiedenheit endlich entgegenträte.
Berlin, 18. August. Die Kaiserin hat dem Comitö zur Unterstützung der durch das Erdbeben in Konstantinopel Geschädigten 1000 Mk. überwiesen.
Berlin, 18. August. Das „Berliner Tageblatt" meldet: „In derj Disciplinaruntersuchung gegen den Kanzler Leist und den' Affeffor Weh lau erhalten wir von gut unterrichteter Seite folgende Mittheilungen: Danach ist der Dr. Vallentin heute Vormittag im Auswärtigen Amte als Hauptbelastungszeuge vernommen worden und zwar handelt es sich heute um die Untersuchung gegen Wehlau. In Sachen contra Leist steht die Vernehmung Dr. VallentinS noch bevor. Wie wir erfahren, ist übrigens Dr. Vallentin definitiv aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Er wird jedoch trotzdem nach
Nerieste Nachrichten»
WolffS telegraphische« Correfpondem-Bureau.
Rom, 19. August. Anläßlich des Festtages des heiligen Joachim empfing der Papst heute 16 Kardinäle und mehrere Bischöfe und Prälaten. Der Papst unterhielt sich längere Zeit mit verschiedenen Persönlichkeiten und sprach u. A. von der günstigen Aufnahme der letzten Encyklika im Orient, von der Congregation de Propaganda fide, von der Reform des liturgischen Gesanges und der Reform des Predigervereins. Der Gesundheitszustand des Papstes ist ausgezeichnet.
£ocoU» und prsuinrtellc».
Sieben, den 20. August 1894.
** Hessischer Feuerwehrtag. Am Samstag Nachmittag 3 Uhr begannen hier in Steins Garten die Verhandlungen der Delegirten Versammlung. Den Vorsitz führte der Vorsitzende des Landesverbandes, Branddirector Ju stu S-Darm- stadt. Vor Eintritt in die Verhandlungen erhob sich Herr Provinzialdirector Freiherr v. Gage rn, um im Namen der Regierung die erschienenen Delegirten zu begrüßen. Die Regierung laste der Feuerwehrsache fortwährend ihre Fürsorge zu Theil werden, sie habe dafür unter Anderm durch Erlaß einer LandeSseuerlöschordnung Zeugniß abgelegt; diese Feuerlöschordnung stelle zwar erhöhte Anforderungen an die Feuerwehr, andererseits habe aber die Regierung es als ihre Aufgabe betrachtet, die Anforderungen der Feuerwehren an die Gemeinden nach Kräften zu unterstützen. Die freiwilligen Feuerwehren gäben durch ihr Bestreben, allen an sie heran- tretenden Anforderungen gerecht zu werden, ein schönes Beispiel von Bürgertugeud für alle Kreise- er schätze sich glücklich, sich heute als Dolmetsch des Interesses der Regierung für das Feuerlöschwesen, dessen schönste Blüthe die sreiw. Feuerwehr sei, zu betrachten- er hoffe, daß der Feuerwehrtag für alle Thetlnehmer befriedigend verlaufe. — Herr Oberbürgermeister Gnauth begrüßte Namens der Stadt die Versammlung- er stattete zunächst seinen Dank dafür ab, daß der Feuerwehrtag nach 25 Jahren wieder in Gießen eingekehrt sei. Daß dies nicht früher geschehen konnte, daran sei Gießen eigentlich selbst schuld, nicht weil es an Gastfreundschast mangele, denn in dieser Beziehung werde Gießen in diesen Tagen daS Gegentheil beweisen- die Versüssung der Feuerwehren, die Stellung der beiden Corps zu einander, die Opferwtlligkeit der Gemeinde und sonstige Umstände waren nicht immer so,zwie es hätte sein sollen. Heute sei erfreulicher Weise vieles anders und dies sei vielfach mit zu danken dem Einfluß des hessischen Feuerwehrverbandes. Die Lösch- einrtchtungen in Gießen seien sowohl durch bcstere Ausrüstung der freiwilligen Feuerwehren, wie durch Errichtung einer Pfltchtfeuerwehr in die Höhe gebracht worden, ein neues Geräthehaus sei errichtet und die Wasserversorgung erweitert worden- es blieben nur noch zweckmäßige Vorkehrungen im Meldewesen zu treffen. Die Stadt wie die Feuerwehr würden in diesen Tagen dankbar sein für jeden Wink und Rathschlag, den die Gäste ihnen ertheilten. Herr Oberbürgermeister Gnauth gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß ein guter Stern über den Verhandlungen walten und die Gäste alle frohe und angenehme Stunden verleben möchten. Mit diesem Wunsche heiße er die Erschienenen doppelt willkommen, im Namen der Stadtverordneten, im Namen deS FestauSschusteS. — Der Vorsitzende dankt den Vorrednern für tue ehrenden Worte und giebt der Freude über den herzlichen Empfang Ausdruck- daß es im Feuerlöschwesen anders geworden, sei auch mit den sreiw. Feuerwehren zuzuschreiben, die durch Ausdauer das zu erreichen suchten, was zur Hebung des Feuerlöschwesens noch nöthig sei- auch er hoffe, daß das Fest einen guten Verlauf nehmen werde und die Verhandlungen segensreiche Früchte tragen werden. — Es folgten nunmehr die Berichte der einzelnen Provinzialvorsitzenden über den Stand des Feuerlöschwesens- es ist daraus zu entnehmen, daß im Allgemeinen im Großherzogthum die Sache der sreiw. Feuerwehren günstig steht, besonders hat sich in Starkenburg und Rheinhessen die Einführung der Landesfeuerlöschordnung dem freiw. Löschwesen als förderlich erwiesen, während von der Provinz Oberhesten weniger Erfreuliches zu berichten war. Man hofft namentlich hier noch viel von dem Einflüsse der Kreisfeuer- wehrinspectoren. In Rheinheffen sind fast alle Gemeinden im Besitze sreiw. Feuerwehren (der Kreis Alzey besitzt 52), in Starkenburg die Mehrheit, während in Oberhesten, z. B. in dem Kreise Büdingen nur 3 beständen - am besten sind die Verhältnisse im Kreise Friedberg, befriedigend im Kreise Gießen. — ES wurde hierauf zu Punkt 2 der Tagesordnung, den Antrag des oberhessischen Feuerwehr-Verbandes, übergegangen. Der Antrag lautet: Der Landesverband möge bei Großh. StaatS- regierung vorstellig werden, den Feuerwehrleuten, welche Dele- girtenversammlungen besuchen, Fahrpreisermäßigung auf den Eisenbahnen zu gewähren und zwar in Form freier Rückfahrt auf ein gelöstes einfaches Militärbillet an Feuerwehrleute in Uniform. Der Antrag wird von dem Berichterstatter Feller-Lollar eingehend begründet und bargetegt, daß die Bewilligung von Fahrpreis-Ermäßigung bei gleichzeitiger Lösung von 30 Fahrkarten für die Feuerwehren zwecklos sei, selten kämen so viele Personen, die Delegirten-Versammlungen besuchten, zusammen, die Feuerwehren könnten einen gewissen Vorzug infolge ihres Berufs vor.anderen Vereinen gewiß beanspruchen, sie stellten
Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Bekanntmachung,
betreffend Schafräude zu Stangenrod.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß bei der Herde des Kilian Ulrich zu Stangenrod die Räude festgestellt worden ist. Wir haben die Sperre der Herde ver- fügt. Derselben wird durch Gr. Bürgermeisterei Stangenrod ein bestimmter Weidebezirk angewiesen werden, welchen sie nicht überschreiten darf.
Es ist deßhalb bis auf Weiteres die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung Stangenrod nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal besonders einzuholenden polizeilichen Erlaubniß zulässig.
Gießen, am 18. August 1894.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. Gagern. ______________
Wieseck, am 18. August 1894.
Betr.: Decanatsmissionsfest.
Das Großh. ebangel. Dekanat Gießen
an die Gemeinden des Decanats.
Nächsten Donnerstag den 23. d. Mts., von Vormittag 10 Uhr wird in Oppenrod unser diesjähriges Decanatsmissionsfest gefeiert werden. Am Vormittag predigt Herr Pfarrer Adolph aus Rodheim v. d. H. über äußere, am Nachmittag Herr Pfarrer Volp aus Mendorf a. d. Lumda über innere Mission. Bet günstigem Wetter findet noch eine Nachfeier statt. Zur Theilnahme an rubr. Feste wird freundlichst eingeladen. Wahl.


