Ausgabe 
21.7.1894 Erstes Blatt
 
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besonders schlechte Witterung eintritt, geräumt fein. Die HeugraSpreise sind dieses Jahr wieder ziemlich normale ge­worden und gingen bei den kürzlich vorgekommenen Ver­steigerungen nur wenig über daS Taxatum hinaus. Etwas mehr macht es auf den forstfiScalischen Wiesen der Ober­försterei Grebenhain aus, wo 20 bis 25 pCt. über das Taratum erzielt worden sind. Mit dem diesjährigen Stande unserer Felder sind wir zufrieden.

Darmstadt, 19. Juli. Eine hiesige Frau, welche sich lang" am Woog umhertrieb und Miene machte in das Wasser zu springen, führte gestern Abend nach 10 Uhr ihren Entschluß aus, aber an einer Stelle, wo ihr das Wasser nur bis an die Waaden reichte. Schon zuvor rief sie fürchterlich um Hilfe. Der Militärposten an der Schwimm­schule reichte ihr die Hand und zog sie die Mauer herauf. Hoffentlich ist sie jetzt von ihren Selbstmordgedanken curirt.

Mainz, 19. Juli. Der Bau der neuen ausgedehnten Kasernements in dem nahen Gonsenheim, die im Ganzen zu 600000 Mk. veranschlagt sind, wurde gestern in engerer Submission bet einem Abgebot von 8 Procent der Baufirma Groh in Kastel übertragen. Von den übrigen concurrirenden Bauunternehmern überboten drei den Voranschlag, während ein vierter Unternehmer den Bau für die veranschlagte Summe ausführen wollte. Der Rohbau muß innerdalb vier Monaten sertiggestellt sein, weßhalb mit den Arbeiten gestern noch begonnen wurde und in den nächsten Tagen schon 600 Italiener für die Ausführung der Grundarbeiten eintreffen werden. In dem neuen Kasernement sollen neben einem Artillerie­regiment eine Abtheilung Cavallerie und eine Abtheilung Pioniere untergebracht werden. Die großen Pionier­übungen, die im Laufe dieses Monats durch mehrere Abtheilungen der in Metz, Coblenz und Kastel garnisonirenden Pionierbataillone No. 8, 11, und 16 hier auf dem Rheine stattfinden werden, haben heute ihren Anfang genommen und zwar zunächst mit dem Aufschlagen einer Brücke oberhalb der hiesigen Straßenbrücke. Die Uebungen, die eine theilweise Sperrung der Schifffahrt erforderlich machen, erregen all­seitiges großes Interesse und wird von den nicht militärischen Zuschauern, die sich ständig in großer Zahl auf der Straßen­brücke . aufhalten, hauptsächlich die rasche und exacte Aus­führung des Brückenaufschlags bewundert. Die Gesammt' lettung über die Uebungen hat der Jngenieuroberst von Rhon aus Metz.

Worms, 18. Juli. In der verflossenen Nacht ver­brannte in seiner Kammer ein 16jähriges Mädchen. DaS Mädchen, das bei einem Bäcker bedienstet war, wollte wahrscheinlich arbeiten, dabei fiel die Petroleumlampe um und daS Mädchen gerieth in Brand. Als die Hilferufe der Unglück­lichen ertönten, war es bereits zu spät.

Vermischtes.

* Frankfurt a. M., 19. Juli. Das seit 14 Tagen an­gekündigte Sommerfest im Zoologischen Garten verlief gestern geradezu glänzend. Während noch um V27 Uhr der Regen in wildem Gusse niederstürzte, schlug um 1I28 Uhr die Witterung plötzlich um. Wie auf Commando schwieg der heftige Wind und der Himmel klärte sich auf. Um 9 Uhr war die Illumination des Gartens vollendet; viele Tausende von Lampen und Lichtern erglühten aus den Büschen und

von den Gebäuden und schufen die Parkwege zu feenhaften Wandelgängen um, in denen Ströme fröhlicher Menschen auf- und uiederwogten. Das Feuerwerk wirkte dadurch be­sonders effectvoll, daß die Gluthregen und Feuerkugeln aus der Tiefe des Weihers emportauchten. Vor dem glänzend illuminirten Bärenhause wurden unter den Klängen neapolita­nischer Volksweisen südliche Weine und Speisen verabreicht. Das einzige, woran es gebrach, war Platz, und selbst wer nur an der Osteria vorübergcheu wollte, mußte sich jeden Fußbreit erkämpfen. An der anderen Seite des Gartens waren Stände für Süßigkeiten und Luxusgegenstände, in denen allerliebste Italienerinnen als Verkäuferinnen fungirten. Wer die niedlichen Gestalten ansah, mußte einsehen lernen, um wie viel kleidsamer die schmucke italienische Mädchentracht ist, als die der nordischen Mode. Der Ball endigte um 4 Uhr unter lebhaftem Protest der tanzlustigen Jugend.

» Koblenz, 19. Juli. Bet der Fundamentirung des Neubaues für das Körnermagazin des Militärfiskus an der Eisenbahnftraße wurden gestern Abend zwei Arbeiter in 9 Meter Tiefe ver schüttet. Die Pioniere haben sich die ganze Nacht und heute Morgen hindurch bemüht, die un­zweifelhaft Tobten aufzufinden, bis jetzt aber vergebens. DerFranks. Ztg." wird weiter berichtet: Es sind zwei Arbeiter im Alter von 19, bezw. 22 Jahren verschüttet worden, ein dritter erlitt nur eine Armverletzung. Die Pioniere arbeiteten von gestern Abend 61/2 Uhr bis heute früh 3 Uhr, um zu den Verschütteten, die unter gewaltigen Erd- und Steinmassen liegen die Fundamentgruben waren schon bis auf 9 Meter Tiefe gefördert zu gelangen. Der an­wesende Arzt erklärte, daß die Verschütteten tobt seien- darauf rückten die Pioniere ab. Die Leichen wurden während der Nacht theilweise freigelegt, konnten aber durch das Holz­werk, welches zwischen den Erdmassen liegt, nicht geborgen werden. Mit den Bergungsarbeiten der Leichen hat der Unternehmer des Baues heule Morgen beginnen lassen. Bis zur Mittagsstunde sind die Leichen noch nicht gefunden, da die losen Erdmassen an der Baustelle befand sich früher ein Festungsgraben, der nur mit loser Erde zugeschüttet wurde immer wieder nachstürzen. Wie das Unglück ent­standen ist, läßt sich noch nicht sagen. Heute Nachmittag findet die richterliche Augenschetneinnahme statt, wobei durch Sachverständige festgestellt werden soll, ob bei der Abstützung der Erdgruben die nöthige Vorsicht und die dringend noth- wendigen Maßregeln zur Sicherheit der Arbeiter getroffen waren.

* Düsseldorf, 18. Juli. DieRheinisch-Westfälische Wirthe-Zeitung" befaßt sich mit dem Concurse eines der ältesten hiesigen Gasthöfe, der erst kürzlich von dem jetzigen Besitzer in großartigem Stile umgebaut wurde. In dem Concurse gelangen im Ganzen 6000 Mk. zur Vertheilung an die Gläubiger, während die bisher angemeldeten For­derungen neben 488,000 Mk. Hhpothekenschulden und rück­ständigen Zinsen 48,000 Mk. betragen. Diese Forderungen stammen fast ausschließlich von Handwerkern und Händlern. So hat u. A. ein Fischhändler 1700 Mk., ein Hauderer 1030 Mk., ein Metzger 5500 Mk., ein Käsehändler 1360 Mk., ein Bäcker 1376 Mk. und schließlich ein Barbier 100 Mk. zu fordern.

* Lübeck, 19. Juli. Die wegen Beseitigung eines Kindes zum Tode verurtheilte Hebamme Langmaak wurde vom Senate begnadigt.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof.

Bremen, 19. Juli. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Havel, Capitän Th. Jüngst, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 10. Juli von Bremen und am N. Juu von Southampton abgegangen war, ist gestern, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 19. Jali. fPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer Willehad, Capitän R. Ntertch, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juli von Bremen abgegangen war, ist gestern, 12 Uhr Mittags, wohlbehalten in Newyork ange- kommen.

Der DampferPennsylvania" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 17. Juli wohlbehalten in Philadelphia angekommen.

Atrchliche Anzeige« der Stadt Stehen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst

Sonntag den 22. Juli. 9. Sonntag nach Trinitatis.

In der Stadtkirche. *

Vormittags 7»/< Uhr: Frühgottetzdienst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Markusgemeinde. Pfarrverwalter Dr. Grein. , _

Vormittags 9»/> Uhr: Professor Stamm.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer ^^Nmhmittags 2 Uhr Gottesdienst mit Christenlehre für die Neukonfirmirten aus der Matthäusgemeinde: Pfarrer Schlosser.

Die Kinderkirche fällt aus, und wird wieder gehalten: Sonntag den 29. d. M-, Vormittags 11 Uhr. Die Vorbereitung hierzu ist Donnerstag den 26. d. M, Nachmittags 4 Uhr in der Kirche.

An der JoharmeSkirche.

Vormittags 7»/. Uhr: Frühgottesdienst mit ^Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Johannesgemeinde. Pfarrer vr. N a u m a n n.

Vormittags 9'/,Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Die Ktnderktrche der LukaSgemeinde fällt aus und wird am künftigen Sonntag, 29. Juli gehalten werden.

Katholische Gemeinde.

Sonntag den 22. Juli. 10. Sonntag nach Pfingsten.

Samstag:

Nachmittag? um 4*/- Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag:

Vormittags von 6»/, Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;

um 6V» Uhr erste hl. Messe;

um 71/» Uhr Austbeilung der hl. Communion;

Vormittags um 8 Uhr zweite hl. Messe;

um 91/» Uhr Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2 Uhr: Andacht für bte Abgestorbenen.

Gottesdienst in der Synagoge.

Vorabend 7Ubr, ^Morgen? 880 Uhr, Nachmittags 4°° Uhr Sabbathausgang 9,s Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschast.

Freitag Abend 7»° Uhr, SamStag Vormittag 8 Uhr, Nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgang 915 Uhr.

Temperatur der Lah« und der Luft nach Reaumur gemessen am 20. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Luft 14°.

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