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♦ Türkenfliute» und Echvabeumadchev. Die „Eßlinger Zeitung" schreibt: Die zur Gewehrprüfungscommission nach Oberndorf commandirten Türken scheinen an den Schwaben- Mädeln Gefallen zu finden. So hat heute ein Oberfeldwebel, welcher nach Konstantinopel zurückkehrt, seine Braut, Fräulein Emttie Sieder, Tochter des Restaurateurs Sieder in der Rosenstraße hier, abgeholt, um gemeinsam nach der Türkei zu reisen. In Konstantinopel wird die Ehe nach muhamedanischem Ritus geschlossen werden.
* München, 11. Januar. Ein klassischer Kunde. Draußen ist es bitter kalt, der Schnee knarrt unter den Tritten und die dick gefrorenen Fenster gestatten keinen Ausblick- dagegen im Gerichtssaal herrscht eine behagliche Wärme, weshalb der Zuhörerraum überfüllt ist. Auf einer Bank innerhalb des Barreaus sitzen mehrere fragwürdige Gestalten unter Aufsicht eines Gefängnißwärtergehilfen. Einer der Verhafteten nimmt unser ganzes Jnteresie in Anspruch. Eine seine und hochgewachsene Figur mit einem von Gesundheit strotzenden Gesicht, rabenschwarzen, langen Haaren, Husarenschnurrbart und wohlgepflegten weißen Händen, würde Sympathie zu erwecken geeignet sein, wäre nicht in den Augen des Mannes etwas Verschmitztes gelegen, kennzeichnete nicht die lilafarbene Nase den Trunkenbold.
Richter: Sie sind der ehemalige Apotheker X.?
Angekl.: Das stimmt! Im sonnigen Franken meine Wiege stand. Apotheker bin ich noch, aber mit des Geschickes Mächten.
Richter: Woher kommen Sie und wie lange hielten Sie sich dahier wieder auf?
Angekl.: Ich komme von einem Kreuzzug aus der Oberpfalz und habe dort des Dichters Worte bestätigt gesunden: Viel Steine gabs und wenig Brod. Die Dauer meines Aufenthaltes bestimmen wohl Sie selbst.
Richter: Ich meinte, wie lange Sie schon hier sind.
Angekl.: Als der Hahn zum zweiten Male krähte, war ich schon dreimal verrathen.
Richter: Wo haben Sie zuletzt gearbeitet?
Angekl.: Ich lasse trübe Erinnerung hinten; in Schwaben mußt ich Garben binden.
Richter: Wie lange ist dies schon her?
Angekl.: Die ungewohnte Hand greift Alles'schwerer «n, ich hab es in der Juli-Hitz' gethan.
Richter: Warum kommen Sie immer wieder nach München zurück, obwohl Ihnen die Stadt verwiesen ist?
Angekl.: Das Schicksal bestimmte mich zum fahrenden Ritter, — ein solcher Zwang ist immer Hitler, — doch seiner Oberherrlichkeit sich zu entziehen, wär' nur ohnmächtiges Bemühen.
Richter: Sie werden entweder heimgeschubt oder in da- Arbeitshaus eingewiesen.
Angekl.: Die schrecklichste der Möglichkeiten malt Ihre Phantasie mit trüben Farben vor . . .
Das Gericht wartete nicht auf die weitere Antwort und der poetische Stromer wurde zu 14 Tagen Haft und Ueber- Weisung an die Landespolizei verurtheilt. Obwohl bereits der nächste Fall aufgerufen war, sprach der Verurtheilte doch noch: „In heiligen Finsternissen, Hoch über uns, geht des Schicksals verborgener Gang, und willig oder nicht, folgen wir geheimem Zwang."
* Getreide Vorräthe in den vereinigten Staaten. Nach telegraphischen Berichten aus Newyork betrugen die sichtbaren Weizen-Vorräthe am 13. Januar 80,43 Mill. Bushels gegen 79,95 Mill. Bushels vor acht Tagen und 82,68 Mill. Bushels zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Maibestände sind von 9,53 Mill. Bushels auf 11,31 Mill. Bushels gestiegen, während sie sich im Vorjahr auf 12,26 Mill. Bushels beliefen.
ÜMpijf a*i den StanOe>miÄw|t^mi
der Stadt Gießer*.
Nusgedote.
Januar: 15. Joseph Georges, Kutscher dahier, mit Ernestina von E'ff, geb. Scheuplew dahier. 17. Friedrich Groß, Sattler dahier, mit Marte Luise Susanne Friederike Spies hterselbst. 17. August Philipp Rinn, Kaufmann dahier, tr it Anna Luise Margarethe Tvdl hterselbst. 17. Joh. Ludwig Friedrich Rettz, Kaufmann dahier, mit Katharine WUHelmtne Zerbach zu Niederlahnstetn. 19. Jacob Friedrich Müller, Hoboist dahter, mit Karoltne Marie Elisabeth DebuS hterselbst.
Eheschließungen.
Januar: 13. Philipp Alexander Herrmann, Kausmann dahier, mit Johanna Hermine Friederike Luise Hoffmann hterselbst. 17. Georg Heinrich Merz, Kutscher dahier, mit Elisabeths Schmidt hterselbst.
Geborene.
Januar: 7. Dem Kutscher Justus Weinsheuser ein Sohn, Heinrich. 8. Dem Sergeanten Christoph Balthaser Brücke! eine Tochter, Auguste Johanna Emilie. 12. Dem Kaufmann Wilhelm Fritsch eine Tochter. 13. Dem Feldwebel Heinrich Karl Heimann ein Sohn, Hans Julius Heinrich Christian. 13. Dem Bremser Gottfried Sauber eure Tochter.
«dtorbnu.
Januar. 12. Lilli Ludooica Wilhelmine Charlotte Elisabeth Müller, 5 Jahre alt, Tochter iDon Procurtst Gustav Müller dahter. 13. Elsa Klingemeter, 8 Monate alt, Tochter von Steuerausscher Friedrich Wilhelm Klingemeter dahier. 14. Henriette Foelling, geb. Blecker, 66 Jahre alt, dahter, Wtttwe von Oberförster Theodor Foelltng. 14. Johs. Kornmann, 67 Jahre alt, Nachtwächter von Lumda. 14. Karl Schmitt, 4>/g Jahre alt, Sohn von Landwirth Ludwig Schmitt zu Waldgirmes. 16. Johann Heinrich Weber, 1 Jahr alt, Sohn von Bahnarbeiter Karl Weber IV. dahter. 16. Erna Hansult, 21/« Jahre alt, Tochter von Kausmann WUhelm Hansult aus Wteseck. 16. Maria Rettz, 2Vt Jahre alt, Tochter von Taglöhner Georg Rettz zu Heuchelheim 16. Luise Müller, 25 Jahre alt, Dtenstmagd aus Schmitten. 18. Karoltne Bertha Otttlte Becker, 47 Jahre alt, ledig, dahter. 19. Johannette Schönberg, 4 Jahre alt, Tochter von Marmorschletfer Phrtipp Jacob Schönberg zu Niedergirmes. 19. Wilhelm Heer, 43 Jahre alt, Maschinenwärter von Eupel.
Auszug aus den Kirchenbüchern
ver Stadt Gietzcn.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Johannesgemeinde.
Am 14. Januar. Philipp Alerandcr Herrmann, Kaufmann zu Gießen, und Johanna Hermine Friederike Luise Hoffmann, Tochter des Kaufmanns Ferdinand Hoffmann zu Gießen.
Getauft«.
Matthäusgemeinde.
Den 14 Januar. Dem Schlosser Ludwig Becker ein Sohn, Theodor Jakob Ludwig, geboren den 16. November.
Denselben. Dem Tapezier Johann Anacker ein Sohn, Karl Georg, geboren den 25. November.
Lukasgemeind e.
Den 14. Januar Dem Kutscher Friedrich Köhler eine Tochter, Marte, geboren den 19. December.
Denselben. Dem Bahnwärter Karl Fach eine Tochter, Marie Mtnna Elisabeth, geboren den 4. Januar.
Verrdigtt.
Markusgemetnde.
Den 13. Januar. Magdalene Magnus, Privatin, alt 79 Jahre, starb den 11. Januar.
Lukasgemeinde.
Den 14. Januar. Heinrich Kolb, Zugführer an den Oberhessischen Bahnen, alt 50 Jahre, starb den 11. Januar.
Auswärtige aus den Kliniken.
Den 13. Januar. Luise Jsselbächer, Dienstmädchen aus Dörn- bera, alt 14 Jahre, starb den 11. Januar.
Schiffsnachrrchteir.
Hamburg-Amerikanische Packetfabrt Actien-Gesellschaft.
Postdampfer „Teutonia" ist am 18. Januar von Hamburg und Havre tu St. Thomas angekommen. Postdampfer „Wandrahm" ist am 17. Januar von Hamburg via Havre in Vrra Cruz angekommen. Postdampfer „Rugta" ist am 18. Januar, Morgens, von Newyork in Hamburg angefommen. Dampfer „Venetta", von Newyork via Gothenburg und Kopenhagen nach Stettin zurückkehrend, ist am 17. Januar, 7 Uhr Abends, Butt of Lewis passirt. Doppelschrauben - Schnelldampfer „Fürst Bismarck", von Hamburg via Southampton nach Newyork bestimmt, ist am 18. Januar, 12 Uhr Mittags, von Cuxhaven in See gegangen. Dampfer „Slavonia" ist am 18. Januar von Hamburg via Savannah in Neworleans angekommen. Postdampfer „Russia", von Newyork nach Hamburg zurückkehrend, ist am 19. Januar, 8 Uhr 50 Min. Morgens, bei Cuxhaven auf der Elbe angekommen.
Verkehr, Land- und Volk-rvirthschaft,
Giefle«, 20. Januar-* Marktbericht. Aut dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter vr. Pfd. X 0,80—0,90, Hühnereier 2 Stück 11— 154}, 2 Stück — H, Käse or St. 5—8 H, Ermatte pr. St- 3 »di, Erbsen vr. Liter 18 H, Linsen yr. Liter 30 A, Tauben pr. Paar * 0,70—0,80, Hühner pr. Stück & 1,00—1.20, Hahnen pr. St. * 1,20-1,40, Enten pr. ©t .* 1,80 bis 2 2), Ochsenfletsch pr. Pfd. 62—68 Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 50—56 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 60-70 4/ Kalbfleisch pr. Pfd. 50-56 4, Hammelfleisch pr. Pfd. 40-60 X Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,00-5,00 Jt, Weißkraut pr. Stück 4—10 3, Zwiebeln pr. Eentner 7,00—8,00 JL, Milch px. Liter 16 20 A, Gänse pr. Pfd. 50-60 H
HolzverfteigeruriHen in Gräflicher Obersörflerei Äulmch:
I. Montag den 29. Januar d. I. im Districte Hirfchroth (bei Villingen): 650 rm Buchen-Scheiter, 260 rm -Prügel, 100 rm -Stöcke, 400 rm Reiser, 1 Buchenstammabschnitt von 74 cm Dchm. und 3 m Länge;
II. Mittwoch den 31. Januar l. I. 1) im Hausplatz und Süßekopf (Thiergarten): 370 rm Buchen-Scheiter, 200 rm-Prügel, 110 rm -Stöcke, 410 rm -Reiser; 2) im Süßekopf (Nachmittags von 1 Uhr an ausgeboten): 812 Fichtenstangen von 7—14 cm Dchm. — 53,70 cbm.
Zusammenkunft jedesmal um 9‘/2 Uhr Vormittags, am ersten Tage in den Hirschröther Wiesen, am zweiten im Hausplatz beim Pflanzgarten. Laubach, den 15. Januar 1894.
605 Gräfliche Oberförsterci.
Holzversteigerung.
Donnerstag den 25. d. M., von Vormittags 9^/z Uhr an, soll im Garbenteicher Gemeindewald, District Rothläufchen, Flettenberg und! Langenwald nachverzeichnetes Holz1 versteigert werden:
4 Rmtr. Eichen-Knüppel,
217 „ Nadel-Knüppel,
43 ,, „ Stock,
2060 Wellen Eichen-Reifer, 5760 ,, Nadel- „
110 „ „ „ geeignet
zu Bohnenstangen,
24 Nadel-Stämme, 6—10 Meter lang und 18—32 Zentimeter Durchmesser,
317 Nadel-Reisslängen.
Ter Anfang ist zur bestimmten Stunde im District Rothläufchen am Vicinalweg von Garbenteich nach Grü- ningen mit den Eichen-Wellen, Fortsetzung in Flettenberg, circa 1 Uhr im Langenwald, woselbst das Stammholz mit zur Versteigerung kommt.
Garbenteich, am 19. Januar 1894. Hroßh. Bürgermeisterei Garbenteich. 609 Schwarz.
Zur Beachtung!
595] Die auf Dienstag den 23. ds. angefetzte Versteigerung, Weferstraße 7, findet nicht statt.
631] Ein Wohnhaus mit Werkstatt zu »erlaufen.
Näheres in der Exped. d. Bl.
Holz-Versteigerung in dem
Walde der Gemeinde Wieseck.
Freitag den 26. und Samstag den 27. Januar 1894, jedesmal von Vormittags 10 Uhr an, ■ soll in dem hiesigen Gemeindewald, District Badenburgerwäldchen das nachverzeichnete Holz versteigert werden A. Bau-, Werk- u. Nutzholz:
99 Eichenstämme mit 78,93 Fstm., 11 Buchen- und Birkenstämme mit
2,34 Fstm.,
62 Nadelstämme mit 16,75 Fstm., 336 Nadelstangen mit 20,80 Fstm.
B. Brennholz:
Scheith. Knüppelh. Stockh. Reish.
Rmtr. Rmtr. Rmtr. Wellen
Buchen 237 41 34 2965
Eichen 108 64 30 2205
Nadel 31 82 8 2260
Die Zusammenkunft ist an beiden Tagen zur angegebenen Stunde in dem genannten District in der Nähe der Lehmkaute.
Bemerkt wird, Laß am ersten Tage das Brennholz und am zweiten Tage das Bau-, Werk- und Nutzholz zur Versteigerung kommt.
Wieseck, am 19. Januar 1894.
Großh. Bürgermeisterei Wieseck.
604 Sommerlad.
Holz-Versteigerung.
Donnerstag den 25. Januar soll in dem Gemeindewald zu Watzenborn-Steinberg nachstehendes Holz versteigert werden:
107 Eichenstämme, 36,67 Festmtr., 5—12 Mir. Länge, 15—45 Centimtr. Durchmesser,
94 Nadelstämme, 67,01 Festmtr., 5—22 Mtr. Länge, 15—38 Centimtr. Durchmesser,
17 Rmtr. Eichenscheiter,
34 j, Eichenknüppel,
18 „ Nadelknüppel,
2050 Eichen- und Nadelwellen,
77 Rmtr. Eichen- und Nadelstöcke.
Die Zusammenkunft ist Vormittags 9 Uhr im Drisch.
Steinberg, am 20. Januar 1894.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg.
628 Heß.
Frcitsg den 26. Januar,
Nachmittags 2Vi Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die zum Nachlaß des Eduard Philipp Sack tn Gießen gehörigen Grundstücke: Flur 17 Nr. 50 — 431 qm Acker am
Hamm, * - -'äBteÄ
Flur 36 Nr. 248 - 1669 qm Wiese am Gänseacker,
Flur 39 Nr. 90 - 2819 qm und Nr. 91,5 — 1538 qm Acker rechts des Wiesecker Wegs, - 1702 qm Wiese daselbst,
Flur 42 Nr. 160 — 1619 qm Wiese an der Steinkaute, auf den Weg und die Lahn,
Flur 42 Nr 161 — 1619 qm Wiese daselbst
öffentlich freiwillig mit dem Bemerken versteigert werden, daß mit dem Zuschlag die Genehmigung ertheilt wird.
Gießen, 20. Januar 1894.
Großh. Ortsgericht Gießen.
I. A.: Bogt. 596
fünf junge M-Pferde, 5—8 Jahre alt, sowie ein Ponny und ein Fohlen billig zu verkaufen. Keßler, 625 Pferde-Händler.
632] Per 15. April gesucht eine helle Pferde znw Schlachte» Wohnung von 5-6 Zimmern mit allem' stets angÄauft. [23 ^Offerten unter AAlan die Erp. d. Bl. * Keßler, Roßschlächter.
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Wilh. Reinhold
früher Geschäftsführer Trier'scher Hof, Coblenz.
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— Ein hochinteressantes Buch — wird der soeben erschienene Roman au» der frauzöficheu Aristokratie EinKben♦ Guy de Maupafsant genannt- Satte südliche Glut liegt über die ganze Erzählung gegossen — der über» geistreiche Maupassant, der genialste unter den Schriftstellern Frankreichs, dessen ttagisches Schicksal geistiger Umnachtung und jüngst erfolgter Tod seinen Namen durch alle Zeitungen der Welt getragen, hat sich in dieser Erzählung hier selbst überttoffe«. , .,
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