Ausgabe 
20.11.1894 Erstes Blatt
 
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i894

Dienstag den 20. November

Erstes Blatt.

Nr. 272

Rcdacüon, S^pcbitie* und Druckern:

Schulstraße?lr.7.

Fernsprccher 51.

Bierteljähriger

AVonuemeotsPreiO: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Die Gießener Mamilienvlälter werden dem Unzeiger Wöchentlich dreimal bcigelrgt.

Der

Gießener Anzeiger rrichnnt täglich, mit Ausnahme de» Montag-.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Unzeiger.

Amts- und Zlnzeigeblatt für den Areis Gieren.

chratisöeikage: Hießener Kamilienbtätter

o

a) b)

1894.

Königlichen Königlichen

Willigkeit, den Freiwilligen während einer ein­jährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich zu bescheinigen;

ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen militärberechtigten Anstalten) durch den Director der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bew «otgcnbcn Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr.

Das Vorkommen von Viehseuchen im Grotzherzogthnm Hessen

während des Monats Octo der 1894.

Milzbrand wurde festgestellt in Bönstadt, Kreis Friedberg, am 19. bei einem nothgefchlachteten Rinde und in Nieder-Weisel, Kreis Friedberg, am 21. bei einem nothgefchlachteten und am 27. October bet einem creptrten Rinde. ___

Raufchbr and wurde festgestellt in Eschenrod, Kreis Schotten, am 30. October bet einem creptrten Rinde.

Rotz. In Nteder-Ramstadt, Kreis Darmstadt, stehen 3 Pferde bei 3 Besitzern und in Eberstadt, in demselben Kreise, 1 Pferd wegen Ansteckungsoerdacht unter polizeilicher Beobachtung.

Derselben Maßnahme sind unterworfen in Ronnenroth, Krers Gießen, 1 Pferd, in Bletchenbach, Kreis Büdingen, 2 Pferde eines Besitzers, in Büdesheim, Kreis Friedberg, 28 Pferde eines Besitzers, in Ober-Eschbach, in demselben Kreise, 2 Pferde eines Besitzers und in Harxheim, Kreis Mainz, 2 Pferde eines Besitzers. Die Maß­nahmen in den vorbenanntrn fünf Orten sind veranlaßt durch die Feststellung des Rotzes bet einem in Wiesbaden geschlachteten Pferde aus Büdesheim. .

Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Büdingen und in Kettenheim, Kreis Alzey. r. .

Die Seuche wurde festgeftellt und herrschte am Schlüsse des Monats noch fort in Ueberau, Kreis Dieburg, in Sprendlingen, Kr. Offenbach, und in Petterweil, Kreis Friedberg.!

. Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Grünberg, Kreis Gießen, in Billertshausen, Storndorf und Vaden­rod, Kreis Alsseld, in Bingenheim, Ortenberg und Bellmuth, Kreis Büdingen, in Wölfersheim, Kreis Friedberg, und in Gedern, Kreis Schotten.

Dienstbehörde auszustellen ist;

d) das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein

der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 ausgestellt sein müssen. . QQ

Ai Uebrigen wird auf die Bestimmungen der 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.

Großh. Prüfung- - Commission

für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende: Buch inger.

Bekanntmachung, die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen, den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll- Kündige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfung-- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum gestellungs- pflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufent­haltsort hat. n ,

2) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein- jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. (Wenn z B. mit Rücksicht auf das Lebens- alter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus- gefchoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugniß bis 1. April nachfolgen werde.

Z) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere

Adresse anzugeben.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: Geburtszeugniß;

Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit-

DerrtschU Reich.

Berlin, 17. November. Nach einer Meldung der Volkszeitung" hat die Regierung die ganze Action zur Organisation des Handwerkes bis aus Weiteres aufgegeben.

Berlin, 17. November. In einer gestern Abend statt­gehabten antisemitischen Volksversammlung sprach der Abgeordnete Böckel über das Thema:Die bevorstehende Ausnahmegesetzgebung, eine Gefahr für das deutsche Volk". Es wurde eine Resolution angenommen, worin die Anti­semiten sich entschieden gegen jede Ausnahmegeietzgebung wenden.

Berlin, 17. November. In einem LeitartikelTabak­steuer oder Biersteuer" erklärt dieKreuzztg." eine weitere Belastung der Tabaktndustrie als den schlechtesten und socialpolitisch gefährlichsten Weg, um zu einer Reichsfinanz­reform zu gelangen. Sie müsse vor dem Beschreiten dieses Weges wegen der damit verbundenen Brodloswerdung vieler tausend Arbeiter, welche dann ins socialdemokratische Lager übergehen, entschieden warnen. Dagegen fordert dieKreuzztg." auf, an Stelle der Tabaksteuer die Erhöhung der Bterfteuer vorzunehmen, was jetzt, wo Graf Caprivi, der sich gegen eine erhöhte Bterfteuer persönlich engagirte, nicht mehr im Amte ist, leicht und ohne die ernsten socialen Folgen wie bei der Tabaksteuer einzusühren wäre.

Berlin, 17. November. DerReichsanzeiger" veröffent­licht die Verleihung des Rothen Adler-Ordens erster Klasse mit Eichenlaub und Schwertern an den commandirenden General des 2. Armeecorps, General der Infanterie v. Blomberg.

Berlin, 17. November. DieNordd. Allg. Ztg." be­zeichnet die Nachricht, der Kaiser würde am Dienstag zur Vereidigung der Mariuerekruten in Kiel emtreffen, als unrichtig. Die Vereidigung der Marinerckruten werde erst nach der Rückkehr des Prinzen Heinrich aus St. Peters­burg erfolgen, wo derselbe nicht nur der Beisetzung des ver­ewigten Czaren, sondern auch der kurz darauf ftattfindenden Vermählung des Kaisers Nicolaus II. mit der Prinzessin Alix von Hessen beiwohnen werde.

Berlin, 17. November. Am Montag den 19. d. Mts. bleiben die hiesigen Königlichen Theater anläßlich der Besetzung des Czaren Alexander III. auf Befehl des Kaisers geschlossen.

Berlin, 17. November. Dem Bundesrarh ist, wie

Grotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheit der Groß' Herzogin fällt mit dem Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zufammew auf den 25. November. Es soll deshalb bei der durch das Ministerialamtsblatt Nr. 9 vom 22. August 1879 (mitgetheilt durch unser Ausschreiben vom 30 August 1879) angeordneten Schulfeier auch des Geburts­tags Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin in an­gemessener Weise regelmäßig gedacht werden.

Im laufenden Jahre fällt der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten auf einen Sonntag. Die oben er­wähnte Schulfeier ist daher in diesem Jahreberetts am vor­hergehenden Tage Samstag, den 24. November ab- jufjaltetL wogen vorstehender Verfügung ensprechend, das Er> sorderliche veranlassen.

v. Gag er n.

Alle Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlichem Theil.

Gießen, den 17. November

Betr.: Die Feier des Geburtstages Seiner Hoheit des Großherzogs und Ihrer Hoheit der Großherzogin.

Die

Militär-Strafgesetzbuchs und des Gesetzes über die Presse. Wie es heißt, ist eine umfangreiche Begründung betgefügt.

Berlin, 10. November. DerReichsanzeiger" schretbt: Die bereits bekannt gegebenen Verluste der südweft­afrikanischen Schutztruppe in den letzten Kampfe» gegen Witboi belaufen sich nach der von Major Leutwein eingesandten Verlustliste auf 14 Todte, 9 Schwerverwundete und 15 Leichtverwundete. Gefallen oder an den Verwun­dungen später gestorben sind : Premierlieutenant Diestel, die Unteroffiziere Schern und Seidler, die Reiter Kluth, Bock, Barthel, Rocher, Gerke, Pinske, Eckhardt, Frey, Höldermann, Lange, Fläscher. Schwerverwundet: Hauptmann Estorfs, Unteroffizier Polett, die Reiter: Hormann, Krause, Moser, Balecke, Koch, Langerhausen, Gesreiter Reiche. Leichtver­wundet: Assistenzarzt Schöpwinkel, Lazarethgehilse Tessen- dorff, dir Reiter: Wahlen, Müller, Lindau, Polzin, Gerke, Schäfer, Wischkom, Gries, Kohn, Muschiol, Iben. Außerdem sind gestorben Lieutenant Eckart und die Reiter Pohland und Börtsch. v . ,

Die Nachricht von der Beendigung der iah re- langen Kämpfe der Schutztruppe in Deutsch- Südwestafrika gegen den rebellischen Hottentotten Haupt- ling Hendrik Witboi infolge der bedingungslosen Unterwerfung desselben unter die deutsche Herrschaft bestätig» sich. Zugleich wird weiter gemeldet, daß Major Leutwein im Interesse der dauernden Beruhigung Deutsch-Südwestafrikas Witboi in deutschen Diensten mit 2000 Mark^Jahreögehalt angestellt habe- hoffentlich schlägt dies Experiment nicht fehl.

Berlin, 17. November. Der Kaiser wird in nächster Zeit wieder einige Jagdausslüge unternehmen. Am 24. November gedenkt er in Schloß Hummelshain als Jagd- east des Herzogs von Altenburg einzutreffen, und für den 29. d. Mts. hat sich der Kaiser beim Fürsten Ltchnowsky, dem reichen schlesischen Magnaten, zur Jagd angesagt. Am 14. und 15. December beabsichtigt der Monarch dann selbst größere Hofjagden in den Revieren von KönigSwusterhausen abzuhalten, und hat zu denselben u. A. der König von Lachsen sein Erscheinen zugesagt.

Heber den GeschäftSplan d es Reichstages vor Beginn der Weihnachtspause lauten die Angaben noch immer recht widerspruchsvoll. Namentlich dreht sich der Streit darum, ob von den größeren zu erwartenden Vorlagen der neue Etat vor den parlamentarischen WeihnachtS- ferien mit zur erstmaligen Lesung gelangen wird. Es wäre da sehr angezeigt, wenn die Reichsregierung ihre bezüglichen Dispositionen in irgend einer unzweifelhaften Form bekannt gäbe. Ueberhaupt könnte es aber nichts schaden, wenn nun­mehr über das muthmaßliche Arbeitsprogramm des Reichs­tages in seiner bevorstehenden Session Authentisches bekannt würde, denn auch in dieser Beziehung sehlt es nicht an starken Widersprüchen. Z. B. hieß es unlängst, die schon mehrfach angekündigte Vorlage über die Reform des Börsen­wesens würde in der neuen Reichstags Session bestimmt eingebracht werden, andere Nachrichten aber wollen wissen, der betreffende Entwurf sei noch gar nickt in Angriff ge­nommen. Inzwischen soll nun, wie dieApotheker-Zeitung meldet, der Entwurf eines Reichs-Apothekcn-Gesetzentwurfe- in seinen Grundzügen fertiggeftellt und einzelnen Bundes­regierungen behufs gutachtlicher Aeußerungen übermittelt worden sein. Ob wenigstens diese Meldung zutreffend ist, wird sich wohl bald Herausstellen.

- Herrn Schönstedt, dem neuen preußischen Justiz mini st er, folgen von verschiedenen Seiten rühmende Anerkennungen seiner bisherigen Thätigkeit wie seines persön­lichen Verhaltens in das Ministeramt nach. Es wird die ausgezeichnete Ausübung seiner rickterlichen Functionen wie die vorzügliche Handhabung der Vcrwaltungsgeschäfte des Celler Oberlandesgerichtes gleich warm betont, während man außerdem seinem Verhalten zu den Untergebenen und seinem Verkehr mit Richtern und Angeklagten volle Anerkennung zollt. Auch gilt Herr Schönstedt als ein eifriger Freund und Förderer von Kunst und Wiffensckaften.

Breslau, 17. November. Wie derBresl. General- Anzeiger" mittheilt, wurde heute Vormittag in Berlin der Mörder der Elsa Groß festgenommen. Es ist der früher in Breslau wohnhaft gewesene Kaufmann Ernst S ch w a n d k e. Der Mörder hatte in Berlin eine Restauration eröffnet; er befindet sich bereits auf dem Wege nach Breslau.

Leipzig, 17. November. Der erste Strafsenat des Reichs­gerichts hat heute das gegen Frau Jsmert aus Metz wegen Verdachts der Spionage eingeleitete Verfahren ein­gestellt.

München, 17. November. Der Schriftsteller Adolf Müller versaßt im Auftrage der socialdemokrattschen 1 LandtagSfraction eine Broschüre überdieFuchsmühler

muß.

Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme r t .

der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben dieKreuzztg." vernimmt, heute der Entwurf eines Gesetzes gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima I zugegangen betreffend Abänderung des Strafgesetzbuchs, des