Ausgabe 
20.5.1894 Drittes Blatt
 
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3m Bäckerladen. Kleiner Knabe:Ich bitte um einen Laib Schwarzbrod von heute, da ist's Geld." Bäcker:Du bringst fünf Pfennige zu wenig, das Brod ist aufgeschlagen."Hm, die Mutter hat mir aber nicht mehr mitgegeben. Wann ist's denn ausgeschlagen?"Heute." So, dann geben Sie mir eben einen Laib von gestern."

* Ein Herr geht in Gesellschaft. Auf dem Corridor sagt er zum Diener:Sind die Herren alle im Gesell- schastsanzug hier?" Diener:Jawohl, alle." Herr: Also bin ich der einzige im Frack?" Diener:Nein, ick habe auch einen an."

Lan-rvirthschaftliche Winke und Rathschläge.

Aus Oberheffe«, Mitte Mai.

Larrdwirthschaftliche Rück-, Um» und Borschau.

In Nr. 81 (drittes Blatt) dieser Zeitung vom 8. April haben mir, nachdem das Osterfest velstrichen und die Zeit gekommen war, datz der Bauer zum Handwerkszeug greifen mutzte, uns über die Lage des deutschen, speciell des oberhessischen LandwirthS im Allgemeinen ausgesprochen. Es möge gestattet sein, dies zur Jetztzeit, wo wir an einer Etappe der landwirthschaftltchen Arbeiten angekommen sind, in Form einer Rück, Um- und Vorschau zu thun, denn es bieten sich eine Menge Gründe und Ursachen dafür.

Gemischte Gesühle waren es damals, als wir uns über die Lage aussprachen, denn überall, wohin man den Blick richtete, sah es unerquicklich und wenig ermutbigend aus. Es ist bester ge­worden in Acker, Wirsen «nd Garten, viel bester, a»S wir damals z« hosten wagte«. Seit einer Reihe von Jahren sah eS mcht so gut aus, wie jetzt in der Mitte des Monats Mat. Die Körnerfrüchte stehen üppig und kräftig in Halm und Aehre, denn der Roggen ist säst ganz ausgewachsen, eine Erscheinung, wie man sie um diese Zett selten findet. Dazu kommt, daß dieArrtter- anSstchten gut geworden stnd, obgleich der deutsche Klee fast ganz fehlt. Die »lüthe der Odstbäume ist ohne jede Gefahr und Schaden vorübergegangen, so daß wir wenn kein Unheil nach- fotgt wahrscheinlich eine «och reichere Obsternte zu erwarten »oben, als wir sie im vorigen Jabre 1893 empfingen. Schon gehen die Frühkartoffeln ans und daö GartengepstLnre wächst so frendig empor, daß man seine Freude daran haben muß. Ungeziefer «nd Schädlinge treten nur vereinzelt und an wenigen Orten auf. Das ist der Stand heute, am dritten Pfingstfeiertage, in der Mitte des Wonnemonats Mat. Dem Berichterstatter geht das Herz auf, wenn er in all die Pracht und Herrlichkeit hinaus­sieht und es ist ein Hochgenuß für ihn, sich so lobend aussprechen zu können.

Anders wird die Sache, wenn wir unsere Blicke, über die Grenzen unserer Provinz und unseres engeren Vaterlandes htnaus- schwetfen lassen! Die Rohheiten und Scheußlichkeiten scheinen sich immer mehr zu häufen. Kein Tag vergeht, an welchem man nicht i'gend etwas Erschütterndes lieft oder erfährt. ES gährt itt der Erdkugel, wie die fürchterlichen Erdbeben in Griechenland und Südamerika zetg.n, wöbet Tausende von Menschen das Leben ver­loren. ES gährt über der Erde, wie die Austritte in Nordamerika, in Indien, ui Frankreich und anderen Ländern beweisen. Wenn sich die Gährungen und Spannungen über der Erde entladen, werden sie viel weiter um sich greifen und viel schauderhaftere Folgen haben, als die Ausbrüche innerhalb unseres Planeten. Wir wollen hoffen, datz unser geliebtes deutsches Vaterland stark genug sein wird, die unausbleiblichen Erschütterungen ohne schwere Folgen zu ertragen und wünschen, daß Alles geschehen möchte, was diese Erschütterungen mäßigt und mildert. Man gebe dem Arbeiter was ihm gehört; man behandle jeden als Menschen, ohne Dünkel und Hochmuth, ohne daß man sich dabet etwas vergiebt. Man vergesse nicht, daß wrr uns in einer Zett des wtrthschaftliwen Umschwunges, der politischen Neugestaltungen, der religiösen und philofophtschen Kämpfe und Unklarheiten, dem Drange nach tieferer Erkenntnrß und Forl- entwickelung befinden, wo gerade der geistig und leiblich Schwache am meisten der Nächstenliebe bedarf. In ruhigen Zeiten, wenn Ge­werbe, Landwtrthschaft und Handel, Künste und Wissenschaften blühen, also die Vötkerfamtlien friedlich nebeneinander bestehen, finden auch die weniger Starken ihre Bahn vorwärts.

Eine krankhafte Sucht unter der j tzt lebenden Menschheit ist diejenige: vo« fich rede« z« mache«. Darauf läuft zum guten Theile das Sponwesen hinaus. Einer will es dem Anderen zuvor- fbun und so kommen die tollsten Fexereten zum Vorscheine. Was ist das Höhlenabenteuer in der Luelochdöhte im Semrtachthale anders als eine Fexerei und Sportlerei, die man spleenigen Eng­ländern überlassen muß, welche Zeit und Geld genug haben, der­artige brotlose Künste auszuüden. Auch unter den Landbewohnern rtgt sich der Nachahmungstrieb für solches Allotria. Wir Bauern haben wahrlich genug zu thun und brauchen uns nicht mit Rad­lereien, Ruder clubereten, Pferderennen, Jagdvergnügen, Angel- und Ftschereiparthieen, wie es hie und da vorkommt, die Zett zu ver- t eiben. Ebenso häßlich, vom Standpunkte des Rechtes und der Sittlichkeit aus betrachtet noch viel verwerflicher, ist das nichts­würdige Bestreben der Menschen, ihre Mitmenschen Und Nachbaren herabzusctzen und zu oerläumden. Das Schreiben von annoymen Briefen ist in manchen Orten epidemisch geworden. Die Wahlen tragen zu diesen, die Eharackere untergrabenden Erscheinungen vieles bet. Man muß es der Gerichtsbehörde danken, daß sie die Derläumder und annonymen Bttesschreiber die ganze Schwere des Gesetzes fühlen läßt. Diese Erscheinungen, wie noch viele andere, auf die wir nicht näher etngehen können, sind Zeichen der Zett, gleichsam Zuckungen tat staatlichen und kirchlichen Leben, die Den Sturm andeuten. Er wird kommen und die Luft wieder reinigen, wie es bei allen derartigen Stürmen seit Jahrhunderten der Fall gewesen ist.

Wir wenden uns nach dieser kleinen Abschweifung wi der zur Landwirthschaft zurück. Schon vor mehreren Johnn sprachen wir in dieser Zeitung klar und deutsch aus: Deutschland müffe dar­nach strebe«, feine Brotfrüchte selbst hervorz«bringe«, damit es von dem A«Sla«de unabhängig würde. Dazu gehöre, daß es durch intensivere, rationelle Bewirthschaftung höhere Erträge aus seinem Grund und Boden herauszöge. Unsere Ansicht ist durch eine Arbeit des Herrn Geh. Oberregierungsrathes Dr. Thiel bestätigt werden. Deutschland braucht etwa 22 Millionen Doppelcentner Getreide (Haser, Gerste, Wetzen, Roggen) und Hülfenfrüchte (Erbsen) mehr, als es seither erzei gt hat. Wir zahlen dafür in runder Summe an das Ausland 300 Millionen Mark. Herr Dr. Thiel hat nun Durchschnittsberechnungen auf Grund von zehnjährigen Erfahrungen angestellt und gesunden, daß unser Vaterland seine Körnerfrüchte selbst hervorbringen wird, sobald aus den Mo, gen Roggen ca. 70Pfd., aus Weizen ca. 160 Pfd., auf Gerste 150 Pfd., auf Hafer 30 Pfd. und auf Erbsen etwa 30 Psd. mehr erzeugt wird, als seither. Wir haben nun in der Wetterau die Erfahrung gemacht, daß durch Rübenbau, künstliche Dungftoffe und tieferes Pflügen wett mehr als oben angegeben, erzeugt wird. Für uns bestehl daher kein Zweifel darüber, daß unser Vaterland ferne Brotfrüchte selbst erzeugen kann.

(Schluß folgt.)

lieber die Verjährung.

Die V rjäb'ung der Forderungen spielt im Gefchäfttzleben eine große Relle. So mancher Posten wird uneinbringlich, rotil der Gläubiger verabsäumt hat ehe die Verjährungsfrist eintrat, gegen den Schuldner durch Zah!ungsbefehl ober Klage die Verjährung zu unterbrechen ober sich em ausdrückliches Scdnldunei kenntniß ousstellen zu laffen. Das kann um so leichter vasfiren, als die Veijährungs- friften in den einzelnen Staaten Deutschlands verschiedenartig sind.

Die landrechtlichen Verjährungsfristen muß aber Jeder kennen, der Geschäfte außerhalb seines Heimathsftaates vornimmt, und es verlohnt sich daher wohl, einmal diese Fristen tabellarisch anzugeben, damit die Leier fich jederzeit orienttren können, wann die ober jene ihrer Forberungen verjährt. Man unterscheidet zwischen allgemeiner oder längerer Verjährung und besonderer ober kurzer Verjährung. Dre letztere greift Lei Forderungen von Kaufleuten, Buchhändlern, Krämern, Händlern jeder Art, Fabrikanten ufw. Platz, wenn nicht Maaren und Arbeiten in Frage kommen, die dem Schuldner zum eigenen Grwerbs- oder Handels-Betriebe geliefert oder geleistet worden sind. Im letzteren Falle greift, mit Ausnahme von Braunfchweig, Sachfen- Metningen, Schaumburg-Lippe, Württemberg und Bremen (in welchen Staaten auch bei Lieferungen und Leistungen letztgedachter Art die kurze Verjährung gilt), immer die allgemeine Verjährung Platz. Wir werden die allgemeine Verjährung mit A und die kurze Verjährung mit K bezeichnen.

Die Verjährungsfristen sind in:

S.-Altenburg: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage. K 3 Jahre. Anhalt-Bernburg und Anhalt Dessau: A 30 Jahre. K 3 Jahre. Baden: A 30 Jahre. K 1 Jahr.

Bayern: A 30 Jahre. K (rechtsrheinisch) 3 Jahre, (linksrheinisch)

1 Jahr.

Braunfchweig: A 10 Jahre. K 2 Jahre.

Bremen: A 10 Jahre. K 3 Jahre.

Elsaß Lothringen: A 30 Jahre. K 1 Jahr.

Sachsen Cobura-Gotha: A 31 Jabre 6 Wochen 3 Tage. K 3 Jahre. Hamburg: A 20 Jahre bezw. 10 Jahre (je nachdem Gläubiger und Schuldner an einem Orte wohnen oder nicht). K gewohnhetts- rechtliche Fritten.

Hessen: A 30 Jahre. K 2 Jahre in den Provinzen Starkenburg und Oderhessen, 1 Jahr für Rbeinhessen.

Lippe-Dettmold: A 30 Jabre. K 2 Jahre.

Lippe-Schaumburg: A 30 Jahre. K 3 Jahre.

Lübeck: A 10 Jahre. K gewohnheitsrechtliche Fristen. Mecklenburg-Schwerin und Strelitz: A 30 Jahre. K 3 Jahre. S.-Meiningen: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage. K 3 Jahre. Oldenburg: A 30 Jahre. K 5 Jahre (fürnichtoervriefte Forder­ungen").

Preußen: A 30 Jahre. K 2 Jahre.

Reuß ältere und jüngere Linie: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage.

K 3 Jahre.

Sachsen: A 30 Jahre. K 3 Jahre.

Schwarzburg-Rudolstadt: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage. X 3 Jahre. Schwarzburg-Sondershausen: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage.

K 4 Jabre.

Waldeck: A 30 Jahre. K 4 Jahre.

S.-Weimar-Eisenach: A 31 Jahre 6 Wochen 3 Tage. K 4 Jahre. Württemberg: A 30 Jahre. K 3 Jahre.

Es sei bei dieser Gelegenheit gleich aus Folgendes noch hin- gcwiesen: Eine einfach briefliche Mahnung unterbricht die Verjährung nicht, vielmehr nur die Klageerhebung ober bie Erwirkung eines Zahlungsbff hlek. Wirb ein schriftliches ober mündliches 9h er; kenntniß der Schult) gegeben, so verjährt bie Forberung erst nach Ablauf her Zeit, bie für bie allgemeine Verjäh ung gefetzlich fest- gestellt ist. ES ist jedoch nicht sls ein Anerk nntniß der Schuld anzufehen, wenn der Schuldner Abzahlungen darauf geleistet hat. Vrelmehr ist trotz der Abzahlungen der R st der Forderung der Verjährung unterworfen.

V-rb.-Ztg. der Vereine Ereditreform.

Verkehr, Land« «nd Volkrn-irthschast.

Die Soci6t£ de la Liqueur BSnedictine der Ahtet zu Focamp, deren Streben sters dahin geht, den guten Ruf zu bewahren, welchen ihr Product in Folge feiner Reinheit, Feinheit und Vortrefflichkeit erlangt hat, betrachtet es als ihre Pflicht, die Consumenten auf die unredliche Handlungsweise aufmerksam zu machen, deren sich eine deloyale Eoncurrenz bedient, um den echten Liqueur B6n6dictine durch irgendwelche Llqueure anderer Fabrikation zu ersetzen. Die Eonsmnenten werden daher gebeten, stets genau den Liqueur de Fdcamp zu verlangen und darauf zu achten, datz man ihnen die Original-Flasche mit den betr. Marken und Et quetten und deren Handzeichnung des General - Directors A. Legrand aine verabfolgt.

Köstritz, 12. Mai. Die hiesige Brauerei, deren Producte einen Weltruf besitzen und bis in die fernsten Zonen ve> sendet werden, hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen, den Jeder, der sich an den Prvducten derselben erlabt hat, mit Freuden begrüßen wird. Auf der internationalen Ausstellung für gewerbliche und landwirthschaft- liche Producte zu Amsterdam, ist der Brauerei ein Ehrendiplom mit der Berechtigung zur Führung der goldenen Medaille zu Theil geworden. Eine Thalsache, die um so bedeutender ist, wenn man b,denkt, welch eine große Eoncurrenz auf dem Ausstellungs­wesen besteht. Die fürstliche Brauerei Köstritz unterhält auch am hiesigen Platze Niederlagen und verweisen wir unsere geehrten Leser auf die bequemen Bezugsquellen.

Köstritz, 12. Mai. Am Mittwoch den 9. ds. Mts. fand der diesjährige Remonte markt statt, zu welchem von dem Pächter des sürttlrch n Rittergutes Herrn O-conomierath Zersch 21 Pferde gestellt worden waren, von denen 14 Stück von Seiten der Commission gekauft worden sind. Diese Thalsache ist mit Freuden zu begrüßen, roetl sie den Beweis bringt, datz es mög ich ist, auch in unserer Gegend Pferdezucht mit Erfolg zu betreiben. Sämmtliche vorgesührte Pferde erhielten allgemeine Anerkennung, und die von der Commission nicht gekauften Pferde dürften als elegante Wagenpferde ansprechen und allen denen empfohlen werden, welche auf ein gesundes und leistungs- sähiges Material Werth legen.

Citeratar tuib Tlunft

Mütter« dürste bie Nachricht willkommen fein, daß der bekannte Verlag von John Henry Schwerin in Berlin vom April- Quartal ab unter dem bezeichnenden TitelKindergarberobe", illu- ftrirte Monatsschrift mit Zufchneibebogen zur Selbstanfertigung der Kinderbekleidung und Zertfchrift zur handarbeitl chen Beschäftigung und Unterhaltung derKleinen", ein Blatt herausgiebt, das die Verwerthunq unmodern gewordener oder abgenutzter Kleider Er- wachfener für die Kinder gestattet und solche handarbeitliche Beschäf­tigungen für dieKleinen" vorsührt, welche aus anderweitig nicht mehr verwendbaren Gegenständen, wie Wollresten, alten Postkarten, Garnrollen, Zündholzschachteln und Aehnlichem zur Freude der Lieblinge selbst angesertigt werden können. Jede Nummer bringt einen großen doppelseitigen Zuschneidebogen, der vollständige Schnitte für jedes der vielen verbildlichten Kinder - Costüme enthält. Dieses coucurrenzsreie nützliche Blatt kostet nur 60 Pf. vierteljährlich. Un­entgeltliche Probenummern bei sämmtlichen Buchhandlungen. Abonne­ments durch die Buchhandlungen und alle Postanftalten. Neben dieser allen Müttern gewiß sympathischen Zeitschrift bringt genannte Verlagsbuchhandlung (John Henry Schwerin, Berlin W.) des Weiteren vom April - Quartal ab ein Blatt zur Ausgabe, das von den handa«.beitenden Domen gewiß mit ausrichtiger Freude begrüßt werben bürste. Es nennt sichFrauenhände" illustrirte Monats­schrift für weibliche Handarbeiten, ist von der Fachautorität Emmy Heine redigirt und bringt, Masche um Masche, Stich um Stich ver­bildlicht und beschrieben, in Naturgrößen Originalen, Vorlagen aller nur möglichen Handarbeitentechniken. Der erstaunlich billige Viertel­jahr spreis fürFrauenhände" von 50 Pf. läßt bei dem gediegenen Inhalt des Blattes solgern, daß die Zeitschrift in allen Familien sich bald heimisch machen werde. Sämmtliche Buchhandlungen ver­abfolgen vonFrauenhände" kostenfreie Probenummern und nehmen Abonnements zu 50 Pf. vierteljährlich entgegen. Auch bei allen Postanftalten kann man aufFrauenhände" zu 50 Pf. quartaliter abonniren.

Deutsche Bürgerkunde. Kleine« Handbuch de« politisch Wiffenswerthen für Jedermann von Georg Hoffmann und Emst Groth. Gebunden 2Mk. Verlag von Fr.Wilh. Grünow in Leipzig. Alle von Vaterlandsliebe und echt deutscher Gesinnung beherrschten Männer fühlen die Pflicht, an dem öffentlichen Leben entschiedener und thatkrästiger Theil zu nehmen, als es bisher ge­schehen ist, aber viele weichen vor den Aufgaben zurück, weil ihnen die Fragen, um die es sich in den politisch und witthschafilichur Kämpfen handelt, unklar, verworren, unlösbar erscheinen, weil sie keine ausreichende ober genaue Kenntniß von den Formen des öffentlichen Lebens im Reich, Staat und Gemeinde hoben, und well ihnen auch keine Hilfsmittel zu Geboten stehen, aus denen sie sich in allen den wichtigen Streitfragen über Verfassung, Recht, Steuer­wesen, Militär, Wirthfchaftspolitik u. s. w. sogleich Aufklärung ver­schaffen könnten. In der vorliegenden Bürgerkunde haben die Ver­fasser. denen eine längere richterliche und lehramtliche Praxis zur Sette steht, dem deutschen Volke ein solches Hilfsmittel, ein kleines Handbuch des politisch Wiffenswerthen geboten. Es ist ihnen ge­lungen, den schwierigen Stoff, die verwickelten Fragen des staatlichen Lebens, in einer klaren Form, in einer gemeinverständlichen, ge­diegenen Sprache darzust-llen, sodaß ein zweckmäßiges Handbuch für Jedermann entstanden ist. Jedermann heißt bet diesem Buche aber in der That jeder Mann jedes Standes. Der Arbeiter wie der Handwerker, der Kaufmann wie der Landwirth, der Beamte wie der Gelehrte, alle flehen im öffentlichen Leden und haben darin mitzu- wirktn, unb für Jeden flieht das Buch klaren Aufschluß über hundert Fragen, die an ibn herantrdten. Die Verfasser haben nicht vom Standpunkt irgend einer politschen Partei aus geschrieben. Sie sind der fetten Ueberzeugung, daß sich mit der wachsenden Kenntniß der Grundlagen in unserem Staatsleben auch die Parteigegensätze mildern unb sich bie Liebe zum Vat.rlanbe unb deutsches Staatsbewußtsein kräftigen werden, und so hoffen sie, daß sich dieseBürgerkunde" als ein rechtes Volksbuch für das ganze Volk erweisen wird, iiiirri" ---- --------------

- Theatralische KÜchengeheimniffe. Die Tendenz nach möglichst realistischer Darstellung der Bühnenereignisse hat sich auch auf die Nahrungsmittel erstreckt, und jedes Theater, das sich und seine Künstler respectirt, ist weit von seiner veralteten, naiv-primitiven Auffassung entfernt, welche es gestattete, ein Festmahl mit Schau­gerichten aus Pappendeckel zu bestreiten, bei dem aus zinnernen Gesäßen kein perlender Wein floß. Allerdings muß man in des schönen Scheines" sich oft mit Täufchungen behilfen. So wird z. B., wie die »Wiener Mode" erzählt, im Burgtheater anstatt der Suppe Thee servirt; die substanziellen Gänge, Fisch, Rindfleisch unb Braten werden durch täuschende Nachahmungen aus Marzipan ersetz', und auch der Käse unb bie Birne zum Schluffe bes Diners sind Werke des Zuckerbäckers. Nur so ist es möglich, den WirklichkeitSdrong des Publikums zu befriedigen, ohne den Kauwerkzeugen des Salon­liebhabers und der Naiven zuviel zuzumutben. Wen auch die Wein­karte interessirt, dem wollen wir verrathen, daß der feurige Rbem- oder Ungarwein Limonade, der dunkle Bordeaux ober ®urgunber Himbeersaft sind. Nur der Champagner wird durch die Mumficenz der Intendanz echt, und zwar in den besten Marken behufleUt, weil er nicht wie die übrigen Weine, die Stimme umschleiert viel­leicht auch, weil man von ihm einen befeurigenden Einfluß auf die Darstellung erwartet.

Brodpreise

vom 20. Mai bis 3. Juni 1894.

2

24

u

w

1

2

1

2

1

2

1

1

2

3

Der hiesigen Bäcker.

Kg. (2 Pfd.) Tafelbrob

Kg. (4 Pfd.)

Kg. (2 Psd.) Weißbrot) .

bei S. Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod)

Kg. (4 Pfd.) Weißbrot)

bet S. Stern (Schlüchterner u. Casseler Brod)

Kg. (2 Psd.) Schwarzbrod

Kg. (4 Pid.)

Kg. (6 Pfd.)

25 Psg.

50

23

25

46

50 ,

21

42

63 ,

Der auswärtigen Bäcker.

Kg. (2 Pfd.) Weißbrot) bei Aug. Deibel von Wiestck .

Kg (4 Pfd.) Gg. Ant. Heuser v. Gr.-Linden 40

Ka. (2 Psd.) Schwarzbrod b. W. Steinmüller v.Lang-Göns21 Kg. (4 Psd.) Gg. A. Heuser v. Gr.-Linden 38

F. Schön v. Ruttershausen u.

Joh. Kd. Veite v. Kirch-Göns 40 W. Steinmüller v. L.-Göns 42

Äug. Deibel von Wieseck . 44

3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod Gust. Jacobi v. Alten-Buseck,

8 V Balth. Christ Ww. v. Wieseck 66

Der Brodverkäuser.

1 Kg. (2 Pfd.) Tafelbrod 25 Pf«.

2 Kg. (4 Pfd.) Tafelbrod 50 r

1 Kg. (2 Pid.) Weißbrot) 23 ,

2 Kg. (4 Pfd ) Weißbrot) A ,

1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrod 21

2 Kg. (4 Pfd.) Schwarzbrod

3 Kg. (6 Pfd.) Schwarzbrod 63 w

Gießen, den 19. Mai 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Privat-Verkehr gebräuchlichen

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