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Nr. 66 Erstes Blatt. Dienstag den 20. März
1894
Der -leßenrr Ait)eifl<r erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags
Die Gießener AamttieaVtttler »erden dem Anzeiger wdchentlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeig er
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießener Jamitienölätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Amtlicher TKeil.
Gießen, am 17. März 1893. Bett: Frühjahrs - Controlversammlungen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lassen.
v. Gag ern.
Bekanntmachung.
Bet den diesjährigen Frühjahrs-Conttolversammlungen lm Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Neserve und Landwehr I. Aufgebots.
2) Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlassenen.
8) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. Oktober 1881 ab eingestellt worden.
4) Ersatz-Rtservistcn, geübte und nicht geübte.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Lontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu (Siesten
in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
Am 6. April 1894: 1. Appell Vormittags 9 Uhr
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition -er Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften der Infanterie.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr.
Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile tunb der Ersatz • Behörden entlassene Mannschaften aller ädrigen Waffen und zwar der Garde, Jäger, Cavallerie, 'Feld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn« und Luftsschiffertruppen , des Trains (einfchl. Krankenträger), Sanitätsund Beterinärperfonals, Büchfenmachergehülfen, Oeconomie- Handwerker, Marine-Mannschaften und alle übrigen im Re- leroeverhältniß stehende Mannschaften.
Am 7. April 1894; 1. Appell Bormittags 9 Uhr: Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.
2. Appell Nachmittags 2 Uhr: Sämmtliche Wehrleute 1. Aufgebots aller übrigen Waffen.
Am 9. April 1894: 1. Appell Vormittags 9 Uhr: Sämmtliche Ersatz-Reservisten.
2 Appell Nachmittags 2 Uhr für die Bewohner von Avendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
Reservisten und Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen, zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen sowie die Ersatz- Reservisten.
B. Zu Hungen
im 10. April 1894 am Friedhof für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Rkuschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots. Reservisten, sowie zur Disposition der Truppen- Iheile und der Ersatz-Behörden entlassene Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 10 Uhr: Sämmtliche Wehrleute 1. Ausgebots aller Waffen und die Ersatz-Reservisten.
C. Zu Lich
am 11. April 1894 am Bahnhof für die Bewohner von Sllbach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings- haufen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhaufen und Mühlfachfen, Münster, Nieder.Befsingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
1. Appell Vormittags 8 Uhr 30 Minuten.
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Referve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Dis- Position der Truppentheile und der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 10 Uhr.
Sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Drsatz-Reservisten.
D. Zu Lollar
am 12. April 1894 neben dem Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibettshausen, Großen- Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
1. Appell Vormittags 9 Uhr.
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 10 Uhr 30 Minuten.
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr. Ersatz-Reservisten.
E. Zu Grünberg
am 13. April 1894 an der Kirche für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strelles-Mühle und Walk-Mühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein«), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Mddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.
1. Appell Vormittags 9 Uhr.
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots, Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.
2. Appell Vormittags 11 Uhr.
Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und Ersatz-Reservisten.
Befteiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege durch das Hauptmeldeamt einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothsalle genehmigt.
Wehrleute der Infanterie, Jäger, Pioniere, Eisenbahn- und Luftfchiffertruppen, des unberittenen Trains, der unberittenen Feld-, sowie der Fuß-Arttllerie, ferner zum Sanitätspersonal Gehörige, sowie die Ersatz - Reservisten haben diesmal ausnahmsweise -überhaupt keine Aussicht aus Befreiung.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und FührungSzeugniß) müssen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Controltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 12. März 1894.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
Für den dienst!, abw. B^.-Commandeur Beck, Premierlieutenant und Adjutant.
Deutscher Reich.
Darmstadt, 17. März. Die „Coburger Ztg." schreibt: Mit besonderer Freude ist es zu begrüßen, daß sich in unserem Loburg acht Gesangvereine vereinigt haben, um bei Gelegenheit der DermählungSfeier Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Victoria Melita mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen eine gemeinschaft- ltche Serenade darzubrmgen.
Berlin, 17. März. Heute Vormittag 11 Uhr fuhr der Kaiser unangemeldet beim ReichSkanzlerpalaiS vor und überbrachte persönlich dem Grafen Caprivi in Anerkennung für das Zustandekommen deS russischen Handelsvertrages die Sette deS HauSordenS der Hohenzollern. Staatssecretär v. Marschall erhielt daS Großkreuz deS rothen Adler- ordenS.
Berlin, 17. März. Wie das „B. T." hört, hat der Kaiser dem Chef der russischen Delegirten für die deutsch- russischen HandelSvertragSverhandlungen, Wirklichen Staats- rath v. Timiziaseff, eigenhändig den Kroneuorden erster Klaffe überreicht.
Berlin, 17. März. Der Kaiser stattete gestern Rach- mittag dem hiesigen österreichisch-ungarischen Botschafter Grasen Szögyenyi-Marich einen Besuch ab. Hierauf fuhr der Kaiser bei dem russischen Botschafter vor, um demselben ebenfalls einen Besuch abzustatten.
Berlin, 17. März. Der Kaiser tritt an diesem Montag die Reise nach Abbazi a an, um daselbst die nächsten Wochen über im Verein mit seiner Familie zu weilen. Die letzthin aufgetauchten Gerüchte, welche von einem erschütterten Gesundheitszustand des Monarchen wissen wollten und mit dieser Behauptung den Aufenthalt deS hohen Herrn im Süden Oesterreichs in Verbindung brachten, sind völlig unbegründet, der Kaiser erfreut sich vielmehr deS besten Wohlseins. Soweit bekannt, wird die FrühltngSvilleggiatur der kaiserlichen Herr- schäften in Abbazia bis in den Mat hinein dauern, alsdann wird sich die Kaiserin nebst den kaiserlichen Kindern nach Schloß WilhelmShöhe bei Cassel begeben, um hier noch einige Zett zuzubringen, während der Kaiser bis auf Weiteres seine Residenz im Neuen Palais bei Potsdam zu nehmen gedenkt.
Berlin, 17. März. Der BundeSrath hielt heute eine außerordentliche Sitzung ab, in welcher der ReichShauS« haltSetat für 1894—95 nebst dem Anlethegesetz, sowie der Handelsvertrag mit Rußland und das Gesetz über die Aufhebung des Identitätsnachweises nach den Beschlüssen des Reichstages genehmigt wurden.
— Auch daS preußische Abgeordnetenhaus hat am Freitag feine Osterferien angetreten, nach vorheriger defintttver Genehmigung einer ganzen Reihe von Vorlagen. Am gleichen Tage gelangte ferner die Session des sächsischen Landtages zum Abschluß. Die Thronrede, mit welcher der Landtag verabschiedet wurde, gedenkt der vielen Beweise inniger Theilnahme anläßlich der jüngsten Krankheit deS Königs Albert und weiter der bevorstehenden Vermählung deS Prinzen Johann Georg und zählt weiter die hervorragendsten Ergebnisse der Session auf.
— DerVertr ag zwischen Deutschland und Frankreich über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären im Hinterlande von Kamerun ist am vergangenen Freitag zur Veröffentlichung gelangt. AuS seinem Inhalte ergiebt sich, daß bet dem Vertrage Deutschland keineswegs so sehr benachtheiligt worden ist, wie man in unteren colonialpolitischen Kreisen vielfach behauptet. Denn laut dem vereinbarten Abkommen ist der größte Theil Ada- mauas, eines der schönsten Länder CentralafrikaS, Deutschland definitiv zugesprochen worden, weiter ist hierdurch Deutschland der territoriale Zutritt zum südlichen Tsadsee und der handelspolitische Zutritt zum centralen Sudan gesichert.
Berlin, 17. März. Wie verlautet, steht die Beförderung des Prinzen Friedrich von Hohenzollern, welcher die Führung deS 3. ArmeecorpS inne hat, zum General der Cavallerie unter gleichzeitiger Ernennung zum commandirenden General des 3. Corps nahe bevor. Damit dürfte zugleich auch die Beförderung des Generallieutenant Generaladjutanten v. Winterfeld zum General der Infanterie unter gleichzeitiger Ernennung zum commandirenden General erfolgen.
Wien, 17. März. Wie die „Reichswehr" schreibt, werden in diesem Jahre bei fünf CorpS größere Manöver und bei den übrigen TorPS nur Manöver innerhalb der Divisionen stattfindeo. CorpSmanöver mit Gegenseitigkeit sind geplant in der Gegend von Böhmisch-Trübau und LandSkron. Manöver im Corps find nur beim Prager SorpS in Aussicht ge« nommen.
Wien, 17. März. Nach einer Meldung der „Neuen Freien Presse" aus Graz hat sich gestern Graf Potockfi angeblich wegen mißlicher Bermögensverhältniffen erscho sffen.
Praß, 17. März. In Tep litz find zwei Personen verhaftet worden, bei welchen Recepte zur Anfertigung von Bomben und tödtenden Giften gefunden wurden. Der eine der Verhafteten soll Joseph Punde heißen und auS Berlin sein, während in dem zweiten ein entsprungener Sträfling wiedererkannt worden ist.
Prag, 17. März. Infolge heftiger Schneefälle ist in Böhmen an vielen Orten der Bahn- und Wagenverkehr unterbrochen. Die Schneedecke liegt stellenweise.zwei Fuß hoch.
Neapel, 17. März. In San GregoreS ist gestern vor dem Gemeindehause eine Dynamitbombe epplodrri. Der Bürgermeister Paulucct ElipdiS wurde sofort getödtet, der Gememdesecretär schwer, und ein Hirte, welcher gerade vor dem Gemeindehause vorbeigiug, leicht verwundet. DaS Haus ift vollständig demolirt. 15 Anarchisten, welche verdächtig


