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Stellung von ik-chkii-HUn, afführungen. bei Herrn Schneider. Order sind für Dm« bei den Herren Friseur traße und Friseur Wahl, nähme am Ball zu 1 U Karten zur Berechtigung Pfg. bei den vorgenannter
Der Vorstand,
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Der
#Ujeeer Auzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener
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16
Samtztag den 20. Januar
1894
Aintliche»e Theil.
Gießen, den 17. Januar 1894.
Betr.: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
Da- Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
MM dte «rstzh. BürgermeiAerete« M «reise-.
Wir erwarten die Erledigung unserer Verfügung rubri- cirten Betreffs vom 2. L Mts. innerhalb 8 Tagen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Januar. Der Kaiser hielt am Mittwoch im Berliner Residenzschlosse ein Capitel der Ritter des Schwarzen Adlerordens ab. Vorangegangen war die feierliche Investitur der neuernannten Ritter dieses berühmten preußischen Ordens , des Fürsten von Schaumburg - Lippe, des Prinzen Ludwig Ferdinand von Bayern und des preußischen Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg. Die gejammte Festlichkeit vollzog sich in dem hergebrachten glänzenden Ceremoniell.
— Seit vorigen Dienstag ist nun auch der preußische Landtag neben dem Reichstage und den übrigen bereits versammelten Landtagen in die Erscheinung getreten. Nach den betreffenden Ankündigungen der Thronrede zu urtheilen, wird diese erste Session der neuen Legislaturperiode in Preußen mit Gesetzentwürfen nicht allzu sehr überlastet werden, dennoch erscheint gerade die begonnene Session geeignet, die allgemeine Aufmerksamkeit auch dem preußischen Landtage in erhöhtem Maße zuzuwenden, trotz der bevorstehenden wichtigen Entscheidungen im Reichsparlamente. Denn durch den signalisirten Gesetzentwurf über die Errichtung von Land- wirthschastskammern erhält der am 16. Januar eröffnete Thätigkeitsabschnnt des Landtages des führenden Bundesstaates seine besondere Bedeutung nicht nur für Preußen, sondern auch für das ganze Reich. Es liegt auf der Hand, daß eine so einschneidende Reform, wie sie offenbar die an- gekündigte Maßnahme bedeutet, nicht eine lediglich auf Preußen beschränkte bleiben kann, sondern daß sie schließlich ihren Einfluß mehr oder weniger auch auf die Reichsgesetzgebung in Betreff der Landwnthschaft äußern muß. Anderseits spielt auch die weitere Frage, welche die Landtagssession in Preußen mit beherrschen wird, die finanzielle, in das Gebiet der Reichspolitik hinüber. Die finanzielle Frage in Preußen ist mit
jener im Reiche sogar vielfach oerquikt, so daß die anhebende | Thätigkeit des preußischen Landtages auch nach dieser Richtung 1 hin allgemeineres Interesse beanspruchen darf.
— Im Herrenhause ist die landwirthschaft- liche Frage schon jetzt „angeschnitten" worden. In der Sitzung des Herrenhauses vom Mittwoch richtete der Präsident Fürst zu Stolberg an den anwesenden Minister für Landwirthschast, v. d. Heyden, die Anfrage, wann die Regierung zur Beantwortung der von der conservativen Fraction eingebrachten Interpellation darüber, welche Schritte die Staatsregierung außer den schon in der Thronrede angekündigten Maßnahmen behufs Beseitigung des wachsenden landwirthschastlichen Nothstandes noch weiter zu thun gedenke, bereit sei. Der Minister erklärte die Bereitwilligkeit der Regierung zur unverzüglichen Beantwortung der Interpellation, worauf der gedachte Gegenstand mit auf die Tagesordnung der Donnerstagssitzung gesetzt wurde.
Deutscher Reichstag.
29. Sitzung. Donnerstag den 18. Januar 1894.
Am Bundesrathst.sche: Graf Posadowsky, d. Bötticher, Dr. Miquel u. A.
Zur Berathung steht zunächst ein schleuniger Antrag Auer auf Einstellung eines gegen den Abg. Klees fchwebenden Strafverfahrens. Der Antrag wird debattelos angenommen.
Es folgt die erste Lefung der Wetnsteuer-Vorlage.
Schatzsecretar Gras Posadowsky: Ich glaube nicht, daß durch die Wetnsteuer der Druck auf den Winzer sich vergrößern wird. Die Weinpretse sind am niedrigsten, wenn der Wein von der Kelter kommt. Weinhändler und Consumenten werden fortan bemüht sein, den Wein von der Kelter weg zu kaufen. Die kleinen Weine sind ja auch schon jetzt mit Landessteuern belegt, welche höher sind, als die hier vorgeichlagene Steuer. Man Hal gesagt, die Steuer werde auf eine Verschlechterung der Qualität hlnwtcken, das glaube ich nicht. Ein großer Vorzug der Vorlage liegt doch auch darin, daß sie die ausländuchen Weine zur Steuer heranzieht. Das wird zur Folge haben, daß man im Jnlande bestrebt sein wird, edlere Gewächse zu ziehen. Der Gesetzentwurf hat ferner den Vorzug, daß er die billigen Weine frei läßt. Daß dieses Gesetz einen Eonsum- rückgang zur Folge haben würde, glaube ich nicht. Auf der Verhandlung in Deidesheim hat der bayrische Landtagsabgeordnete Herr Seiffert aber zugegeben, daß die Wetnsteuer im Volke beifällig ausgenommen werde. Hoffentlich tritt die Majorität des Reichstages diesem Urtheil der Mehrheit im Volke bei.
Abg. Schmidt (Elberfeld, freis. 93p.): Es handelt sich hier nicht nur, wie man behauptet, um eine Besteuerung der besitzenden Klassen. In West- und Südwestdeutschland trinkt man den Wein statt Bier und Branntwein. Wollen Sie wirklich die Besitzenden besteuern, so führen Sie doch eine Reichsetnkommensteuer ein! Wir hier wollen nicht, daß dem kleinen Mann, der Wein statt Branntwein trinkt, sein Getränk vertheuert wird und er dadurch gezwungen wird, zum Branntwein überzugehen. Sie wollen ja mit dieser Vor
lage den Kunstwrin treffen. DaS ist ja recht schön und ich habe nichts dagegen. Aber Sie defintren ja hier den Kunstwetn nich einmal so wie in dem Weingesetze. Wetter krttisirt Redner die Controllbesttmmungen, die zum Theil geradezu unerhört seien. Der Kleinhandel, der mit geringem Kapital arbeitet, muß dem Großhandel unterliegen. Nach alledem bitte ich Sie, daS Gesetz abzulehnen, und es auch nicht erst in eine Eommtssion zu verweisen. Geben Sie ihm gleich hier im Plenum eine schöne Bestattung!
Abg. Bürkltn (natl.): Die Gegner der Vorlage gehen nicht alle von demselben Standpunkte aus. Eine Luxussteuer ist die Wetnsteuer bei uns nicht. Der Wein ist bei uns ja Dolksgetränk und wir hoffen, er soll es bleiben. Die Grenze von 50 Mk. ist aber nun viel zu tief gegriffen. Greifen Sie aber viel höher, so kommt bet dieser ganzen Steuer nicht viel heraus. Der Eonsumrückgang ist beim Wein noch viel zwetselloser als beim Tabak. Wer rauchen will, muß Tabak rauchen. Vom Weine dagegen kann, wer trinken will, sich zurückztehen und statt dessen Bier trinken. Redner schließt: Meine Freunde und ich stimmen gegen diese Vorlage, weil sie die Production, die Winzer, trifft und nicht den von der Regierung erwarteten Ertrag bringt. m
Abg. von der Groeben (eons.) erklärt, im Wesentlichen mit dem Vorredner übereinzustimmen. WaS Vorredner zum Schutze deS Winzers gesagt, habe ihn gefreut; hoffentlich werde derselbe aber auch sonst in gleicher Weise das landwirthschaftltche Interesse wahr- nebmen. Eine Weinsteuer sei nothwendtg, aber nicht eine solche, wie sie hier vorgeschlagen sei. Redner schließt damit, seine Freunde seien gewillt, in der Eommtssion an einer Umarbeitung des Gesetzes, um dasselbe annehmbar zu gestalten, mitzuwtrken.
Adg. Braubach (Ctr.) erklärt sich Namens seiner Freunde entschieden gegen diese Vorlage, welche in erster Linie die Production belaste. Die Winzer seien hauplsächltch kleine Leute und auf Qualttätswetne angewiesen, und gerade diese wolle ja die Vorlage besonders treffen. ,, .
Staatssecretär Graf Posadowsk y tritt namentlich der Unterstellung entgegen, als ob die Regierung bet Ausarbeitung der Vorlage ohne genügende Kenntnisse der Verhältnisse vorgegangen sei.
Abg. Dietz (Soc.) spricht sich mit Lebhaftigkeit gegen die Vorlage aus. Seine Partei lehne überhaupt Alletz ab, was zur Deckung der Militärvorlage diene.
Die weitere Debatte wird sodann vertagt auf morgen, Freitag, 1 Uhr. Schluß nach 5 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphtfcheS Eorrespondenz-Bureau.
Prag, 18. Januar. Omladinaproceß. Bei der heutigen Fortsetzung des Verhörs der Angeklagten ermahnte der Präsident die als Vertrauensmänner anwesenden ZeitungS- berichterstatter dringend, objeciiv zu berichten und sich subjec- tiver Bemerkungen zu enthalten. Hieraus laS der Präsident das Schreiben vor, das Zieg loser aus der Untersuchungshaft nach Außen zu schmuggeln suchte und in dem er seinen Vater und den Hausmeister-bittet, zu seinen Gunsten auszusagen. Der Staatsanwalt bezog diese Handlung als Verbrechen des Betruges in die Anklage ein und beantragte die Vor-
Feuilleton.
Das Amulett.
Eine Pferdegeschichte von Th. Müller-Plattensteiner.
(Nachdruck verboten.)
„Dämelmann!"
„Herr Oberstlieutenant?"
„Haft Du gesattelt?"
„Zu Befehl, Herr Oberstlieutenant. Ich will nur, ehe ich die Candare auflege, George Brown nochmal tränken und dann einige Male auf- und abführen, er bläht sich wieder so auf."
„Hrrrrm," machte der Oberstlieutenant v. Kronen und trat vom Fenster, aus dem er über den Hof gerufen, zurück, um mit auf den Rücken gelegten Händen seine. Promenade durch das geräumige Zimmer sortzusetzen. Er war trotz der frühen Morgenstunde in voller Uniform mit allen Orden und Ehrenzeichen, deren er nicht wenige besaß, denn er hatte den letzten Feldzug in hohen Ehren mitgernacht, war seitdem mit Recht von der Sonne der Gnade seiner Vorgesetzten beschienen, bis zu seiner jetzigen Charge aufgerückt und heute sollte es sich entscheiden, ob er würdig sei, eine weitere Sprosse auf der Leiter des Ruhmes cmporzusteigen — er stand unmittelbar vor dem Regimentscommandeur — und heute war —> Jnspicirung.
Er für seine Person war keinen Augenblick im Zweifel, wie bisher so auch diesmal glänzend zu bestehen, aber es hatte da noch Einer mitzusprechen, und wenn dieser Eine nicht bei (fhter Laune war, dann gute Nacht, Herrendienst! Dieser Eine war George Brown, der eben von dem Burschen aus dem Stalle gezogen wurde und der heute leiber — ungemein grämlich aussah — es war kein guter Blick, den ihm Kronen, der wieder an das Fenster getreten war, zuwarf.
„Kann Sie auf Ehre versichern," hatte dazumal, als ! er George auf der Reitbahn bei den Cürafsiren wegen Kaufes probirte, . . . „kann Sie auf Ehre versichern," hatte der Premierlieutenant Graf Schmetter, das Monocle fallen lassend, in seinem schleppenden Tone zu Kronen gesagt, . . . „machen brillanten Handel; der Gaul ist nicht umzubringen, von dem dürfen Siss was verlangen . . . nur eins bitte ich zu beachten, der Kerl ist gewöhnt, daß er seinen Leistungen entsprechend geritten wird — lassen Sie ihn, mit allem Respect seis gesagt, nicht verbummeln . . . sein Rücken ist immens stark ... er würde gerade wieder so bockig werden, wie er damals war, als ich ihn roh bekam, bis ich ihm . . . Donnerwetter ja, . . . fast die Knochen gebrochen hatte!"
Der Handel wurde abgeschlossen.
v. Kronen, der gerade im Stande war, ein gut gerittenes Pferd ordentlich zu steuern und dabei hübsch im Sattel zu sitzen, war entzückt von feinem Kaufe - er hatte, seiner eigenen Aussage nach, in seinem Leben noch kein so folgsames, leistungsfähiges Pferd unter sich gehabt als George Brown und — wurde richtig zu sorglos.
Der Gaul, bei dem bis jetzt die Schmetter'sche Dressur vorgehalten hatte, bekam allmälig weniger Bewegung; da die Verpflegung aber eine gleich gute blieb, begann er, schlechter zu verdauen, sein früherer Sattelzwang stellte sich wieder ein, er wölbte seinen Rücken wieder nach aufwärts, „gab ihn nicht mehr her", der Kopf mit dem bequem langgestreckten Halse entzog dem Reiter fortwährend die Zügel und bald glaubte Kronen sein Bataillon nicht mehr von einem Pferde, sondern von einem Dromedar herab zu com- mandiren. Hätte er es über sich vermocht, ihn einem tüchtigen Reiter zur Correctur zu übergeben, so wäre mit der Zeit vielleicht alles wieder ins richtige Geleise gekommen, dies gab aber sein Stolz nicht zu, er dünkte sich selbst Manns genug; da er aber nicht im Stande war, ernstlich mit George zu raufen, so zog er jedesmal den Kürzeren.
So lange er ein Bataillon führte, war Kronen natürlich weniger exponirt; als er aber Oberstlieutenant und etatsmäßiger Stabsoffizier geworden war und sehr häufig den Regiments Commandeur zu vertreten hatte, gab die Un- folgsamkeit George Browns zu den größten Unannehmlichkeiten Veranlassung . . . schon einige Male hatte der Divisions- Commandeur, Excellenz, zu Krönens Brigade- und RegimentS- Commandeur geäußert: „Wenn je einer der Stabsoffiziere meiner Division zum Regiments - Commandeur prädestinirt war, so ist es Kronen, . . . aber die Reiterei in letzter Zeit, die Reiterei ... ei, den Teufel noch mal!"
Er hatte es wohlmeinend an der inbirecten Aufforderung, sich für den wichtigen Tag mit einem zuverlässigeren Pferde zu versehen, nicht fehlen lassen, in dem Punkte aber war Kronen, wie schon bemerkt, eigensinnig, er hätte lieber den Hals gebrochen, als eingestanden, er könne George wirklich nicht mehr reiten.
„Na also," machte v. Kronen, nachdem er einen prüfenden Blick auf die Uhr geworfen, drückte sich den Helm in die krausen, noch tadellosen Haare, und schon im Begriffe, die Thürklinke zu fassen, wandte er sich nochmals zurück, zündete eine Cigarre an, schob dieselbe, „heute erst recht, murmelnd, in den Mundwinkel, nahm im Vorübergehen von seiner Frau und Tochter, welchen die Bedeutung des heutigen Tages schwer auf der Seele lag, kurzen Abschied und betrat gleich darauf den Hof.
George Brown war entschieden sehr schlechter Laune. Mit gestellten Haaren, hängendem Kopse, die Ohren scharf zurückgelegt, so ließ er sich, aufgetriebenen Leibes, in dem Hose herumziehen.
(Fortsetzung folgt.)


