Ausgabe 
19.12.1894 Erstes Blatt
 
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Nunmehr wird über den Antrag Singer auf Vertagung namentlich abgestimmt. ES ergibt sich die Anwesenheit von nur 158 Mitgliedern. DaS HauS ist also beschlußunfähig.

Präsident v. Levetzow: Ich sehe mich zu meinem tiefen Be­dauern in der Ausübung meiner Amtspflicht, die Arbeiten des HauseS in der Weise zu fördern, wie ich es mir vorgenommen hatte, durch den Vertagungsantrag und die dadurch constatirte Beschluß- Unfähigkeit zu deren Constattrung der Antrag ja gestellt war behindert. ES würde ganz vergeblich sein, heute oder morgen eine Sitzung anzuberaumen, da wir unS dann in derselben Lage wie heute btfinden würden. Ich lade Sie daher zur nächsten Sitzung ein auf Dienstag den 8. Januar und bitte Sie, zahlreich zu erscheinen, damit das Land im HauS nicht wieder ein so beschämendes Schauspiel erlebt, wie heute.

Neueste Nachrichten»

WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Berlin,' 17. December. Die officiöseBerl. Corresp." theilt mit, der Staalssecretär des Reichsmarineamts habe am 15. d. M. auf dem Krupp'schen Schießplätze bet Meppen einem von Krupp veranstalteten Versuchsschießen auf nach einem besonderen Verfahren hergestellte NickelstaHl- Panzerplatten beigewohnt. Die Ergebnisse seien außer­ordentlich günstig gewesen. Die 142 bis 146 Millimeter dicken Platten zeigten eine Widerstandsfähigkeit, die einer solchen von 240 Millimeter dicken, nach der bisherigen Her- stellungsweise angefertigten Platte entsprach.

Kiel, 17. December. Die ganze Manöverflotte ist heute Nachmittag von ihrer zehntägigen Uebungsfahrt wieder hier eingetroffen.

Rom, 17. December. Rudini richtete an seine Wähler ein Schreiben, worin er gegen das Decret, betreffend die Vertagung der Kammer, protestirt. Das Schreiben schließt: Die hohe Weisheit, unvergleichliche Loyalität und Stärke des Herrschers veranlaffen uns, zu vertrauen, daß das nicht durch die Ungebundenheit des Parlaments, sondern durch die Ungeschicklichkeit einer Person unterbrochene gesetzgeberische Werk wird ausgenommen werden können in der Absicht, Italien der heiteren Sphäre zuzusühren, welche von der Tugend und dem Patriotismus unserer Vorfahren beständig angestrebt wurde."

Paris, 17. December. Die Gerüchte von der D e m i s s i o n ' des englischen Botschafters werden formell für un- i begründet erklärt.

Madrid, 17. December. Der ehemalige Justizmtnister Canajelas nahm das Portefeuille der Ftnanzev an und leistet voraussichtlich heute Abend den Eid. Die Kammern werden ihre Sitzungen wieder ausnehmen.

Kalkutta, 17. December. Reuter-Meldung. Die Re­gierung brachte im gesetzgebenden Rathe eine Vorlage ein, welche Baumwollenwaaren mit seinem Einfuhrzoll von 5 pCt. und indische Baumwollfabrikate über Nr. 20 mit einer gleichwertigen Accise belegt. Außerdem ist eine Zoll­befreiung für Baumwollenwaaren bis Nr. 24 in Aussicht genommen. Die Vorlage ist einem besonderen Ausschuß über­wiesen und tritt sofort in Kraft.

Tieutfiu, 17. December. Die Garnison der Taku- fortS soll unzufrieden sein und wird voraussichtlich deser- tiren, wenn die FortS von den Japanern angegriffen werden.

Yokohama, 17. December. Reuter-Meldung. In der Schlacht bei Fenghuang verloren die Japaner zwölf Tobte und 63 Verwundete. Auf dem Schlachtfelde blieben 139 Chinesen, 16 wurden von den Japanern gefangen ge­nommen. Es fehlen Nachrichten vom General Osaka- die Verbindung ist unterbrochen.

Shanghai, 17. December. Einem Localblatte zufolge nähern sich zwei japanische Armeen Ntutschwang.

WB. Berlin, 18. December. Die von hiesigen Morgen­blättern gebrachte Meldung von dem erfolgten Rücktritt Levetzows vom ReichStagspräsidium wird von zuständiger Seite für völlig unbegründet erklärt.

Depeschen de» Bureaufccrolb*.

Berlin, 17. December. DieNordd. Allgem. Ztg." erklärt die Meldung desVorwärts", daß der Staatsanwalt Bondix der Verfaffer des bekannten juristischen Artikels Zur beantragten strafrechtlichen Verfolgung Liebknechts" sein soll, als unwahr.

Berlin, 17. December. Der Kaiser empfängt am Mittwoch den General Swatschina in Audienz, um die Notification von der Thronbesteigung der Czaren Nikolai entgegenzunehmen. Das Centrum des Reichstags hat sich über seine Stellung zur wirthschaftlichen Vereinigung und den Beitritt seiner Mitglieder von einer Aenderung der Satzungen abhängig gemacht. Da sich die wirthschaftliche Vereinigung schwerlich zu dem verlangten Schritte entschließen wird, so erscheint der Beitritt von Centrumsmitgliedern als ausgeschloffen.

Berlin, 17. December. Das Centrum hat zwei Anträge eingebracht: 1) daß die Mittel der Versicherungs­anstalten in weiterem Umfange als bisher für das landwirth- schaftliche Creditbedürfniß und für die Erbauung von Arbeiter­wohnungen und 2) daß auch die Mittel der Reichsbank dem landwirthschastlichen Creditbedürfniß zugänglich gemacht werden.

Prag, 17. December. Die hiesige Studentenschaft wird in den nächsten Tagen eine Protest Versammlung in der Affaire des UniverfitätSprofessorS Brentano abhalten.

Budapest, 17. December. Dem Ministerpräsidenten Wekerle ist gestern das Diplom als Ehrenbürger der Stadt Budapest überreicht worden.

Budapest, 17. December. 30 Abgeordnete, welche bei der Berathung der kirchenpolttischen Vorlagen aus der Regierungspartei ausgetreten waren, sind unter der Leitung des Barons Atzel in den Verband der Nationalpartet eingetreten.

Bern, 17. December. Die Einführung des pro­portionalen Wahlverfahrens für die Stadt Bern, ein Verlangen der Socialdemokraten und Conservativen, wurde gestern mit geringer Majorität beschloffen.

Rom, 17. December. Trotzdem die Ruhe bisher nicht gestört wurde, ist die Garnison um 10 Bataillone verstärkt worden. Aus Mailand werden Demon­strationen gegen CrtSpi gemeldet.

Loudon, 17. December. Aus Shanghai wird ge­meldet, daß der Tschung-li Namen entschloffen ist, offictell und feterlichst von Japan Frieden zu verlangen. Die chinesische Regierung hat den Steuerpräsidenten Chang-jen- kung zum Specialgesandten ernannt, um die Friedens­verhandlungen zu leiten. Derselbe reist demnächst mit zahl­reichem Gefolge und herrlichen Geschenken für den Mikado nach Tokio.

Loudon, 17. December. Wie aus Newfoundland gemeldet wird, ist das geschäftliche Elend infolge des Falliffe- ments aller Banken ein geradezu unbeschreibliches. Die An­nahme von Banknoten wird überall abgelehnt, wo nicht Garantien durch Depositen vorhanden sind.

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Sießeu, den 18. December 1894.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordueteu.Ver- sammluug Donnerstag den 20. Decemberl89 4, Nach­mittags 4 Uhr. 1. Mittheilungen. 2. Vorlage der Rechnung der Kasse des Großh. Realgymnasiums und der Realschule pro 1893/94. 3. Gesuch der Firma Georg Philipp Gail zu Gießen um Concession zur Aufstellung eines Dampfkeffels. 4. Gesuch des Gottlieb Nauheimer zu Gießen um Erlaubniß zur Erbauung von sechs Villen in der Löberstraße. 5. Gesuch des Wilhelm Seipp dahier um Bauerlaubniß für den Steinweg. 6. Ausbau der Schanzen- ftraße im Anschluß an die Westanlage. 7. Erbauung eines Feuerlöschgeräthemagazins, jetzt: Thurmhaus am Brand - hier: Rechnung über Weißbinderarbeiten. 8. Gesuch des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege um unentgeltliche Ueberlaffung von GaS und Wasser für die Kochschule in der Stadtmädchenschule. 9. Den Unterricht der Stotterer- hier: Vergütung des Lehrers hierfür. 10. Den Transport der Cadaver gefallener Thtere- hier: Beschaffung eines Wagens hierzu. 11. Handhabung der Fleischbeschau, insbesondere Erlaß eines Verbots über den Verkauf von Fleisch auswärts geschlachteten Viehes durch hiesige Metzger. 12. Gesuch des Karl Wttlmann von Ems um Concession zum Wirthschaftsbetrieb im Hause Schanzenstraße 2. 43. Gesuch des Louis Weiffenbach zu Gießen um Concession zum Wirth- schaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße 11. 14. Gesuch des Otto Germann von Gießen um Concession zum Wirthschafts- betrieb im Hause Notanlage 38 (Röhrles Brauerei).

H. Neues Theater.Die Schmjetterlingsschlacht", Comödie in 4 Acten von Herm. Sudermann Wie alle empor­strebenden Talente, die sich vom Althergebrachten emancipiren und mit neuen Gedanken vor die Oesfentlichkeit treten, hat auch Sudermann von Anfang an eine starke Opposition ge­funden. Bei den Aufführungen seines jüngsten Werkes hat sich in Berlin sogar ein Widerspruch geltend gemacht, der nicht mehr auf rein künstlerische Bedenken zurückgeführt wer­den kann. Die Verurtheilung von Sodoms Ende hatte ihre volle Berechtigung, aber alle anderen Stücke Sudermanns, Die Ehre",Heimath", und schließlichDie Schmetterlings­schlacht" dürfen nicht schlechtweg alsmodern realistisch" verworfen werden. In ihnen steckt ein gutes Stück Idealis­mus, das freilich nicht dem Auge jedes oberflächlichen Be­schauers sichtbar wird. Oder ist das vielleicht kein Idealismus, wenn uns der Dichter bei der Schilderung furchtbarer socialer Zustände mitten in diesem Gräuel Seelen wie die der reichen Commercienrathstochter und des jungen Heinecke in der Ehre" und wie die der Rost und des Max in derSchmetter­lingsschlacht" zeigt, oder wenn er in dem letztgenannten Stück den alten verknöcherten Geschäftsmann Winkelmann von der Größe eines reinen Herzens überwältigt werden läßt? Die Kunst Sudermanns ist eine deutsche Kunst und wir dürfen gewiß einst stolz sein, einen solchen Dichter den unseren zu nennen, der uns mit so ergreifenden Tönen das Elend gewisser Zustände schildert und unS dabet doch so tröstlich zeigt, welch ein guter Kern eigentlich im Volke steckt. Die Idee, die derSchmetterlingsschlacht" zu Grunde liegt, die Schilderung der Lage einer armen vaterlosen Beamtenfamilie, de­ren Töchter auf die Männerjagd gehen, ist an sich nicht neu. Des Italieners Marco Praga StückEhrbare Mädchen" (Vir­gin!") behandelt denselben Gedanken. Aber wie ganz anders weiß ihn Sudermann zu gestalten! Die SteuerinspectorS- wittwe Frau Hergentheim nebst ihren beiden älteren Töchtern, der verwittweten Else und der schönen aber trägen und be­schränkten Laura wird durch die jüngste Tochter Rost, welche für Geschäfte Fächer mtt Schmetterlingen bemalt, kümmerlich ernährt. Um dem Elend ihres Lebens zu entfliehen, sind die beiden älteren Töchter kräftig unterstützt durch die Mutter auf der Jagd nach reichen Partieen. Der ältesten Tochter gelingt es, sich mit einem arglosen Kaufmann, dem Sohn des reichen Fabrikanten Winkelmann (Max), zu verloben. Trotzdem setzt sie ein früheres Verhältnis mit dem Geschäfts- reisenden Keßler, der bei Winkelmann angestellt ist, fort, in­dem sie sich ihrer für zu unerfahren und arglos gehaltenen Schwester Rost als Vermittlerin zu bedienen sucht. Aber durch Rosis gut und edel empfindendes Herz, das das ihrem Schwager angethane Unrecht mehr fühlt als versteht und sich selbst unbewußt Max zuwendet, kommt die Geschichte heraus. Doch Rosi, durch ihre Familie und die Zuneigung zu ihrer Schwester Else gedrängt, nimmt Max und deffen Vater gegenüber alle Schuld auf sich, indem sie nicht Else, sondern sich für die Geliebte Keßlers ausgeben läßt. Erst als sie sieht, daß auch der Schwager sich von ihr wendet, bricht ihr Gefühl mit elementarer Gewalt hervor und sie zerreißt das ganze Lügengewebe. Mit dem versöhnenden Ausblick, daß die beiden idealen Seelen, Max und Rost, sich einst angehören werden, schließt das Stück, das der Verfaffer mit schneidender Ironie eine Comödie genannt hat. Die Darstellung machte sichtlich tiefen Eindruck. Wir wollen uns

in ihrer Beurtheilung kurz faffen. Fräulein Gerl ach ver­dient für ihre Leistung als Frau Hergentheim an erster Stelle genannt zu werden. Die Mutter, die zwar aus begreifliche« Egoismus, aberdoch auch wieder im Jntereffe ihrer Kinder eine« reichen Schwiegersohn mit allen unerlaubten Mitteln, aber unter Wahrung der äußerlichen Wohlanständigkeit zu fangen sucht, die wie sie selbst sagt durch die Erniedrigungen, die sie hat erdulden müffen, alle Scham verloren hat, wurde mit größter Lebenswahrheit dargestellt. In ihrer letzten Szene, in der sie dem alten Winkelmann das ganze elende Leben schildert, erntete Fräulein Gerlach bei offener Szene lebhaften Beifall. Von Frau Reiners' Rost müffen wir diesmal hauptsächlich den Ausdruck der Gefühlsseite als ge­lungen hervorheben. Besonders ihre Szene mit Keßler und Else in der Wohnung der Mutter sowie ihr ganzes Auf­treten im letzten Act waren natürlich und von hoher Glaub­würdigkeit. Fräulein Egger als Else befriedigte. Herr Otto dagegen fand allseitige Anerkennung für die Wieder­gabe des Reisenden Keßler, diesem unverschämten nicht gerade scrupulösen Schwerenöther, der trotzdem einen Funken von Ehrgefühl sich bewahrt hat. Die Herren Niemeier und Hacker als Vater und Sohn Winkelmann verdienen un­bedingtes Lob. Der erstere für den groben Geschäfts- und Geldmenschen, dem schließlich doch das Herz weich wird, der letztere für den warmherzigen, wenn auch nicht sehr energischen Ideal­isten. Das Haus war nicht so besucht, wie man es bei einem Sudermann'schen Stück erwarten sollte. Vielleicht sind die Vorbereitungen zum Weihnachtsfeste daran schuld. Eine Wiederholung nach Neujahr würde vielleicht ein volleres HauS erzielen.

** Zur glatten Abwickelung des Postfchalterverkehrs wäh­rend der Weihnachtszeit kann das Publikum selbst wesentlich beitragen. Die Einlieferung der WeihnachtSpäcke- reten sollte nicht lediglich oder vorwiegend bis zu den Abendstunden verschoben, namentlich müßten Familiensendungeu thunlichst an den Vormittagen aufgegeben werden. Selbst- frankterung der einzultefernden Weihnachtspackete durch Post- werthzeichen sollte die Regel bilden. Mit seinem Bedarf an Postwerthzeichen müßte sich ein jeder schon vor dem 19. December versehen. Zeitungsbestellungen dürften nicht in den Tagen vom 19. bis 24. December bet den Post- anstalten angebracht werden. Für die am Postschalter zu leistenden Zahlungen sollte der Auflieferer das Geld ab- gezählt bereit halten. Die Befolgung dieser Rathschläge würden der Post und dem Publikum gleichmäßig zum Nutzen gereichen.

* * Mit dem 15. December ist die Wiuterfchonzeil für Fische in allen fließenden Gewässern des GroßherzogthumS beendet. Mit dem gleichen Tage beginnt auch die Heeg- zeit für weibliches Rehwild und dauert bis zum 15. October des nächsten Jahres.

* * Ständchen. Heute Abend 10 Uhr wird dem Jubel­paare Chr. Leo und Frau, zum Vorabend des goldenen Hochzeitstages, von den GesangvereinenKronbauer'scheS Quartett" undSängerkranz" eine Ovation gebracht.

* * Schneller Tod. Ein Straßenkehrer hatte sich gestern Abend einen gehörigen Rausch angetrunken und war von Bekannten nach seiner Wohnung gefahren und zu Bette gebracht worden. Heute Morgen sand man ihn tobt im Bette vor.

* Erschossen. In verflossener Nacht erschoß sich in seiner elterlichen Wohnung ein Student von hier. Derselbe war schon längere Zeit geistesgestört, auch bereits eine Zeitlang in einer Irrenanstalt untergebracht gewesen und sollte dem­nächst wiecker in eine Anstalt verbracht werden.

** Wäfchediebstahl. Aus einem Garten am SelterSweg wurde in voriger Nacht eine Parthie Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt war, gestohlen.

** Lauter Jungens! Auswärtige Blätter nehmen von der in voriger Woche auf hiesigem StandeSamte eingetretenen Thatsache Notiz, daß die im genannten Zeitraum zur An­meldung gekommenen Neugeborenen lauter Jungens sind. Lieb Vaterland, kannst ruhig sein!

** Hereingefallen. Wir brachten kürzlich die Mtttheilung von dem AuSgang einer Wette, in welcher sich darum handelte, daß Jemand die gleiche Antwort erhielt von einer Reihe von Personen, denen er die Mittheilung machte, Herr Meyer habe ein Haus gekauft, die Antwort lautete auch durchgängig:Welcher Meyer". Eine ähnliche, jedenfalls durch die oben mitgetheilte veranlaßte Wette kam am SamStag in einer hiesigen Wirtschaft zum Austrag. ES wurde von einem Gaste behauptet, daß er von sechs nacheinander ge- fragten Personen auf die Mittheilung, Herr Müller habe in der Lotterie gewonnen, die Antwort erhalten würde:Welcher Müller?" In der That gelang das Experiment bei fünf Personen, als aber dem sechsten, einem biederen Handwerks­meister, die Sensationsnachricht von Müllers Lotteriegewinn unterbreitet wurde, hatte er darauf nur die klassische Antwort: Woas leiht mir dro!"

** EinMassenmord!" Als gestern Abend ein Stallhasen­besitzer in der Steinstraße nach seinen Thieren sehen wollte, fand er dieselben sämrntltch tobt im Stalle liegen. ES stellte sich heraus, daß ein großer Hund in den Stall gedrungen sowie den ganzen Hasenbestand, zwei alte, 15 jüngere Hasen und zwei Meerschweinchen in der Zeit von wenigen Minute« erwürgt hatte.

** Erhebungen über die Lage de» ArbeitsmarkteS. Auf Veranlaffung der Großh. Staatsregierung sind die Kreis- ämter angewiesen worden, Erhebungen über die derzeitige allgemeine Lage des Arbeitsmarktes, sowie über die Produc­tions' und Arbeitsverhältniffe und über die Lebenshaltung der Industrie-Arbeiter anzustellen. Diese Erhebungen sollen bei den Gewerbvereinen, sowie in den industriellen Kreisen und Fabriken des Landes ftattfinden.

** Zölle und Verbranchsstenern. Jrn Großherzogthum Heffen wurden im Rechnungsjahr 1893/94 an Zöllen und gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern die folgenden Einnahmen erzielt. ES betrugen: Eingangszoll auf auS de«