eS schon heute als feststehend bezeichnet werden, daß dem Gesuch keine Folge gegeben wird, da der Kaiser, gutem Vernehmen nach, nicht gewillt ist, sich aus solchem Anlaß vom Reichskanzler zu trennen."
Brüffel, 17. October. Der französische Socialisten- sührer JuleS Guesde erklärte heute, er sei nach Belgien gekommen, um die belgischen Socialisten zu beglückwünschen und mit ihnen über die Grundlagen für die internationale focialistische Vereinigung zu berathen, damit in allen Ländern gleichzeitig dieselben Reformen von den Socialisten beantragt werden. Durch die Actionseinheit werde in absehbarer Zeit in Europa der große Tag der internationalen Revolution herbeigesührt. Dieser Vereinigung würden 30 belgische, 12 italienische, 50 französische, 40 deutsche, mehrere englische, spanische und dänische Parlamentsmitglieder angehören. Ueber die Stichwahlen äußerte Guesde, die Soctalisten müßten am nächsten Sonntag die Clerikalen stürzen, damit im Parlament eine Reaction gegen die Socialisten unmöglich werde. Für das Industrieland Belgien sei der Tag nicht fern, wo die Socialisten in der Kammer die Majorität haben werden und der König abdanken müßte. — Die Liberalen haben beschlossen, die Bedingungen der Socialisten abzulehnen, welche die letzteren stellten, um am nächsten Sonntag für die Liberalen zu stimmen.
Pari«, 17. October. Der Präsident der Republik hat den Prinzen Wladimir gestern Nachmittag in langer Audienz empfangen. Die Unterredung war eine herzliche. Cafimir-Perier wird heute dem Großsütsten seinen Besuch abstatten.
Paris, 17. October. Die Großfürsten Wladimir und Alexis sagten infolge der ungünstigen Nachrichten über den Gesundheitszustand des Czaren alle officiellen Einladungen ab.
Loudon, 17. October. Der Secretär der chinesischen Botschaft erklärt, daß sich durch die Haltung der Chinesen die Gerüchte von schwebenden Friedensverhandlunge.n von selbst dementiren.
Loudon, 17. October. Die schottischen Gruben- besitz er haben einen Verein gebildet, um den Forderungen der Arbeiter zu widerstehen- gleichzeitig wurde eine Kasse mit 2 Millionen Lstr. gegründet, um diejenigen von ihnen zu unterstützen, welche eher den Betrieb ihrer Grube einstellen, als sich den Forderungen der Arbeiter fügen.
Petersburg, 17. October. Vorletzte Nacht wurden 30 Studenten in ihren Wohnungen verhaftet, weil sie einem nihilistischen Geheimbunde »ngehören.
Cocatcs unb Hrsvinzlevc-
Gießen, den 18. October 1884.
** Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 17. October u. A. den Kretsamtmann und Beremigungs-Commissar für Oberhessen Göttelmann aus Friedberg.
** Erlaubuiß zum Tragen fremder Orden. Seine König- ltche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen folgender von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Ordensauszeichnungen zu er- theilen: 1) des Rothen Adlerordens 2. Klasse: dem Ches des Großh. Hofmarstalls, Oberstallmeister und Kammerherrn, Major a. D. Moritz Riedesel Fretherrn zu Eisenbach. 2) des Rothen Adlerordens 4. Klasse: dem Hofkamerrath Friedrich Neßling, 3) der Medaille zum Rothen Adlerorden: dem Hofstallfouragemeister Georg Friedmann, Leibkurscher Christian Schneider, Hofwagenmeister Heinrich Kircher. 4) der Medaille zum Kronenorden: den Hofkutschern Karl Schneider II., Andreas Effler, Peter Götz und Georg Gerst.
•* Von der Universität. Geh. Hofrath Prof. Dr. Oncken überreichte heute in Berlin dem Reichstagsbaumeister Paul Wallot das demselben von der philosophischen Facultät der Landesuniversität verliehene Ehren-Doctor-Diplom. Das Diplom ist elegant ausgestattet, auf Pergament gedruckt und mit silberner Kapsel versehen.
** Denkmal Großherzogs Ludwig IV. Ueber die Verhandlung der Jury über die Wettbewerb-Entwürfe des Landesdenkmals für Großherzog Ludwig IV. wird berichtet: Anwesend waren die Herren Graf von Schlitz genannt von Görtz, Erl., als Vorsitzender, Professor Eberle-München, Major von He yl'Darmstadt, Professor Hundrieser-Charlotten- burg und Geheimer Baurath Professor Dr. Wagner- Darmstadt. Entwürfe waren eingegangen von den Herren Professoren Don n d orf-Stuttgart, ein Gesammt- Entwurf und eine Statuette- Ebe rletn-Berlin, zwei Gesammt-Ent- würfe- Heer-Karlsruhe, ein Gesammt - Entwurf und eine Statuette- v. Rü mann-München, zwei Gesammt Entwürfe- Schap e r-Berlin, ein Gesammt-Entwurf. Die sämmtlichen Entwürfe der zum Wettbewerb aufgeforderten Künstler entsprechen den im Ausschreiben gestellten Bedingungen. Die Jury ging davon aus, daß die Gesammterscheinung des Denkmals, die Auffassung von Reiter und Pferd und die Darstellung der Individualität des Großherzogs die maßgebenden Gesichtspunkte sein sollten. Demgemäß bezeichnete die Jury als die gelungensten Entwürfe: vom ersten Gesichtspunkte aus denjenigen von Prof. E b e r l e i n (mit dem stehenden Pferde), vom zweiten denjenigen von Prof. Schaper und von von dritten Gesichtspunkt den von Prof, von Rümann (mit dem stehenden Pferde). Da keiner dieser drei Entwürfe die anderen beiden so bedeutend überragt, daß er ohne Weiteres zur Ausführung gewählt werden könnte, so beschließt die Jury einstimmig dem Landesausschuß zu empfehlen, einen engeren Wettbewerb unter diesen drei Künstlern zu eröffnen. Die Aufforderung des stellvertretenden Präsidenten des Landes - Ausschusses, eine Ansicht über die Platzfrage auszu- ; sprechen, sprach sich die Jury einstimmig dahingehend aus,
daß der Platz vor dem Großherzoglichen Schlöffe zu Darmstadt in der Axe der Rheinstraße für das zu errichtende Retterdenkmal sich am besten eigne.
** Eleetrifche MikroScop Demonstraliouea. Wir machen unsere verehrlichen Leser auf die heute Donnerstag Abend im Cafe Leib stattfindenden Separatdemonstrationen mittels eines electrischen Riesen-Mikroscops aufmerksam. Das gestern durch Inserat veröffentlichte Programm bietet des Interessanten sehr viel und verspricht demgemäß der Besuch ein recht lohnender zu werden.
** Ehrensold für die Kämpfer von 1870/71. Man schreibt unsf: Seit einiger Zeit gehen durch die Zeitungen Aufrufe der Erklärungen eines Würzburger Generalcomitäs der vereinigten Veteranen Deutschlands, worin die Kriegsveteranen von 1848—70/71 zum Anschluß an eine Petition, für Er langung eines allgemeinen Ehrensoldes für die Krtegstheil- nehmer aufgefordert werden. Inwieweit diese Aufrufe bet unseren hessischen Kriegern Erfolg gehabt haben, entzieht sich unserer Kenntniß, doch haben wir zu dem gesunden und ehrenhaften Sinn unserer tapferer Streiter von 1866 und 70/71 das Vertrauen, daß sie ihren schönsten Lohn finden in dem. Bewußtsein, für das Vaterland ihre volle Schuldigkeit gethan zu haben, daß sie es sich zur Ehre rechnen, für Deutschlands Ruhm und Größe gekämpft, uns das deutsche Reich geschaffen zu haben, und daß sie dafür keine besondere Bezahlung auf Kosten ihrer übrigen Mitbürger erwarten. Dcnn aus den vorhandenen Mitteln des Reichsinvalidenfonds kann der Ehrensold nicht bestritten werden, wie sich aus folgender Ausstellung ergiebt: Der Fonds besteht jetzt noch aus 463 Millionen Mark, 98 Millionen sind schon davon verbraucht - der Capitalwerth der jetzt schon auf ihm lastenden Verpflichtungen ist 403 Millionen Mark, so daß zur Zeit allerdings ein Ueberschuß von 60 Millionen vorhanden wäre. Demnächst muß aber eine Neu-Regulirung der Jnvaliden- pensionen erfolgen, weil diese vor 20 Jahren festgesetzt sind, der Geldwerth sich aber seitdem bedeutend verringert hat. Und dann ist es mit dem Ueberschuß vorbei. Außerdem würde der Jnvalidenfonds nur für die Invaliden, nicht aber für alle, also auch die gesunden, Kriegstheilnehmer geschaffen. Fragen wir uns, welche Summe wäre nöthig, um einen Ehrensold, der wirklich eine Hilfe im Kampf ums Dasein wäre, allgemein zu gewähren? Laut Generalstabswerk standen 1870/71 1 146 250 Mann im Felde, wovon 40 743 in den Schlachten gefallen oder ihren Verwundungen und Krankheiten erlegen sind. Die Zahl der seither verstorbenen Kriegsveteranen wird von sachkundiger Seite an der Hand statistischen Materials auf 344 000 Mann berechnet. Es wären also jetzt noch ca. 761 500 Kriegsveteranen int Reiche am Leben: Soll davon jeder nur monatlich 6—10 Mark erhalten, (gewiß nicht viel!) so wären jährlich 54 828 000 bis 91 400000 Mark von den Steuerzahlern mehr aufzubringen- welcher Reichstag wird das bewilligen? Der deutsche Soldat betrachtet es als eine Ehre dem Vaterland zu dienen — im Frieden wie im Kriege und daran wollen wir festhalten für alle Zeiten.
** Au8 dem ReichSverficherungSamt. Der Anstreicher Schmehl hatte sich durch einen Bauunfall eine Verletzung des Fußes zugezogen, und nach längerem Leiden mußte ihm der Fuß abgenommen werden. Die Hessen-Naffauische Baugewerks Berufsgenoffenschaft bewilligte ihm zunächst die volle Rente, die sodann durch einen neuen Bescheid auf, 66% pSt. herabgesetzt wurde. Gegen diesen Bescheid legte Sch. Berufung ein, und das Schiedsgericht zu Gießen erhöhte die Rente auf 90 pCt. Nunmehr erhob die Berufsgenoffenschaft Recurs. Sie bekämpfte die schiedsgerichtliche Entscheidung aus sachlichen Gründen, beantragte aber die Abweisung des Klägers auch aus dem formellen Grunde, weil er die Berufung nicht rechtzeitig eingelegt habe. Denn dieselbe sei zwar binnen der gesetzlichen Frist, aber nicht bei dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts, wie dies hätte geschehen müssen, sondern bei dem Vorsitzenden des Sectionsvorstandes eingereicht, von dem letzteren zwar unverzüglich an die zuständige Stelle weitergegeben, dort aber erst nach Fristablauf angelangt. Das Reichsversicherungsamt gab- durch Urtheil vom 15. October er. dem Rechtsmittel nur insoweit Folge, als es die Rente von 90 auf 75 pCt. herabsetzte. Der Gerichtshof ging auf den Einwand der Verspätung, da derselbe in der Berufungsinstanz gar nicht erhoben worden sei, nicht ein, erachtete aber die vom Schiedsgericht zugebilligte Rente für zu hoch bemessen und setzte dieselbe dementsprechend herab.
** Zm Nichtraucher-Abtheil (Coupv für Nichtraucher) ist das „Rauchen" verboten- das ist wohl bekannt. E>n Berliner Landgericht hat dahin erkannt, daß nicht nur das Rauchen in einem Nichtraucher-Abtheil strafbar fei, sondern auch der soll strafbar fein, der em solches Atuhetl auch nur mit einer brennenden Cigarre in der Hand betritt.
Wisselsheim bei Bad-Nauheim, 16. October. Auf dem Eichberge, in der Nähe des Dorfes, wurden in diesem Herbst beim Lehmgraben Gegenstände gefunden, die nur einem geschleiften Hügelgrab entstammen konnten. Sie bestanden theils aus Thongefäßen, welche Asche und Reste verbrannter menschlicher Gebeine, theils verschiedene Broncegegenftände enthielten. Die ersteren wurden von den Arbeitern zerschlagen, die letzteren sollen von ihnen verkauft worden fein. Die Gefäße bestanden, den Scherben nach zu urtheilen, aus sehr grobem, mir Kieselsteinchen durchsetztem Thon, waren meist dickwandig, mit der Hand, nicht mit der Dtehsckeibe geformt und mit parallellaufenden ringförmigen Einritzungen ! versehen. Form, Material und Verzierungen derselben weilen auf eine sehr frühe Zeit hin. (N. H. V.)
M. Herbstein, 15. October. Heute Morgen gegen 6 Uhr wurde die hiesige Feuerwehr olarmirt; es brannte in dem ca. eine Stunde von hier gelegenen Orte R'xfeld und zwar ' in der Hofraithe des Herrn Bürgermeistets Buchhaupt. | Durch das thalkräftige Einschreiten der beiden Feuerwehren ; Herbstein und Rixfeld gelang es bald, des Feuers Herr zu werden und solches auf seinen Herd zu beschranken.
Total zerstört ist der Dachstuhl, während die übrigen Gebäulichkeiten wenig beschädigt wurden. Wie man vernimm soll die Entstehung des Feuers durch Unvorsichtigkeit herbeigesührt worden fein, indem auf dem Speicher, auf den von Arbeitern heute Morgen früh Frucht getragen worden ist, (Bürgermeister Buchhaupt hatte, die Dampfdreschmafchine) die Lampe umgestoßen wurde.
H. Büdingen, 15. October. Die Kreisconferenz dec Lehrer unseres Kreises fand heute hier im Rathhaus- saale unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungsraths Klietsch und im Belsein des Herrn Kreisschulinspector Buß und des Herrn Decan Dillmann statt. Dem von Herrn Kreisschulinspector erstatteten Bericht ist u. A. zu entnehmen, daß im Kreise 71 Schulen bestehen, wovon 70 gemeinsame und 1 katholische. Sämmtliche Schulen sind gemischte, mit Ausnahme der drei obersten Klassen zu Büdingen, in welchen die Geschlechter getrennt unterrichtet werden. Die Anzahl der Schulklassen beträgt 104 und diesen entspricht die Anzahl der Lehrer. Die Gesammtzahl der Schulkinder betrug zu Anfang des Schuljahres 6150, 22 weniger als im Vorjahre (3085 Knaben und 3092 Mädchen), darunter 5859 Evangelische, 64 Katholische, 223 Israelitische und 4 Dissidenten. Von den Lehrern des Kreises sind 85 definitiv, 17 Schulverwalter und 2 Schulgehilfen. Von den Schulen sind 49 einklassig, 19 zweiklassig, 3 dreiklassig, 1 vierklassig, 1 scchsklassig. Auf einen Lehrer kommen durchschnittlich 59,03 Schüler. 11 Schulen sind noch im Kreise, auf welche mehr als 80 Schüler kommen. Schulgeld Pird noch an 19 Schulen erhoben und an 52 nicht. Weiter befinden sich im Kreise die erweiterte Schule zu Nidda mit 3 Lehrern und 44 Schülern (23 Knaben und 21 Mädchen), die höhere Töchterschule zu Büdingen mit 2 Lehrerinnen und 41 Schülerinnen und das Institut auf dem Bingenheimer Forsthaus mit 3 Lehrern, 1 Lehrerin und 25 Schülern. Die Fortbildungsschulen des Kreises betragen 71 mit einer Schülerzahl von 980. 68 Fortbildungsschulen sind einklassig und 3 zweiklassig. Nachdem hiermit der geschäftliche Abschnitt erschöpft, wurde in die eigentliche Tagesordnung eingetreten, auf der sich als erstes Thema befand: „Der Sprachunterricht in der Volksschule", Referent Herr Lehrer Gatzert von Nidda- derselbe gab zunächst einen Rückblick über die Entwickelung des Sprachunterrichts während der letzten drei Jahrhunderte, zeigte hierauf die Reformen und Systeme der Neuzeit, wies auf die nationale Bedeutung und die formale Bildung, die ein richtig geleiteter Sprachunterricht mit sich bringt, hin. Hieran schloß sich der zweite Vortrag: „Durch welche Mittel steuert der Lehrer außerhalb der Schulzeit, resp. der Schule, den sittlichen Gefahren der Heranwachsenden Jugend," Referent Herr Lehrer Nürnberger von Lindheim. Redner führt aus, daß dazu vor allen Dingen tüchtige Lehrer, ein schönes Schnlhans und kleine Schulklassen Vorbedingung sind. Der Vorsitzende sprach beiden Referenten den Dank für die schönen Arbeiten aus und schloß hiermit die Conferenz. Ein gemeinsames Mahl vereinigte hierauf die Mitglieder, bei welchem verschiedene Toaste ausgebracht wurden.
Mainz, 16. October. Ertrunken in einem großen Topf Wasser ist gestern Nachmittag das 16 Monate alte Kind einer von ihrem Manne getrennt lebenden, auf der Augustinerstraße wohnenden Frau.
Vermischtes.
* Barcelona, 14. October. Einigen hiesigen Fischern ging gestern ein ungeheurer Delphin ins Netz und wurde ans Land geschleppt und getödtet. Das Seeungethüm ist fünf Meter lang und wiegt über 2000 Pfund. Im Mage» des Thieres fand man eine große Menge von Meerpolypen und Tintenfischen.
* Professor Dr. Emil Behring, der Entdecker der Heil» serum-Behandlung der Diphtherie, ist 1854 geboren und hat an der Berliner Universität als Zögling der Pvpiniere 1874 bis 1878 studirt. 1880 legte er die Staatsprüfung ab und trat als Assistenzarzt in die Armee. 1887 wurde er zum Stabsarzt befördert und gehört als solcher noch dem 30. Infanterieregiment, das in Saarlouis in Garnison steht, an. Während dieser Jahre hat er sich zuerst im pharmakologischen Institut in Bonn unter Prof. Binz wissenschaftlich beschäftigt- seine Arbeiten betrafen die Wirkung der Ansi- feptica, besonders des Sublimdts. 1888 wurde er zum hygienischen Institut der Berliner Universität abeommandirt, wo er unter Professor Koch Arbeiten über die Erzeugung künstlicher Immunität bei Thieren gegen acute Infektionskrankheiten begann. Die ersten Versuche betrafen die Diph- .therie, die Behring bei Meerschweinchen durch Einspritzung von Jodtrichlorid zur Heilung brachte. 1890 vereinigte er sich mit dem Japaner Kitasato zu Untersuchungen über die Erzeugung von Immunität gegen Starrkrampf, die zur Entdeckung des Principes der Blutserum-Therapie führten. Nach Eröffnung des Instituts für Infektionskrankheiten, 1891, trat Behring als Assistent an demselben ein, und hier führten die Untersuchungen über Blutserum-Therapie bei Diphtherie zu weitern glänzendem Ergebnissen. Als Mitarbeiter unterstützten ihn bei diesen mühsamen Arbeiten Sanitäts-Rath Boer, Stabsarzt Wernicke, DDr. Knorr, Kassel, Wassermann und insbesondere Professor Ehrlich, der den Weg für die praktische Verwendbarkeit der Serum- behrndlung bei Menschen gewiesen hat. Behring hat in de» letzten beiden Jahren eine fruchtbare literarische Thätigkeit entfaltet. Außer zahlreichen kleinern Aufsätzen in Fachzeitschriften har er an größern Werken veröffentlicht: „Die Blutserum Therapie" (2 Bd.), „Die Geschickte der Diph- therie" (eine musterhafte historische Monographie), „Die Bekämpfung der Jnfcct onskrankheiten", „Infektion und Des- infection" u. a. m. Im vorigm Jahre erhielt er den Professoren! tel und vor Kurzem ist er zum außerordentlichen Professor der Hygienie an der Universität Halle ernannt worden.


