Ausgabe 
19.9.1894 Erstes Blatt
 
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1894

Mittwoch den 19. September

Erstes Blatt.

Nr. 219

Die Gießener

Aamttiendlälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelegt.

Der

Lietzener Anzeiger erscheint täglich, wit Ausnahme deS MontagS.

vierteljähriger Adonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.

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Kchulstratze Ar.7.

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Gießener Anzeig er

Kenerat-Mzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gieren.

chratisöeitage: Gießener Jamitienblätter.

lichcn eine Depesche aus Söul, wonach die Japaner am 15. September bet Tagesanbruch die Stellung der Ehtnefen irr ...A Atnor WtO hTtrlt tl tll fl ffll

Ausland.

Men, 16. September. Kaiser Franz Joseph hat am Sonntag kurz hintereinander die österreichische und die unaarische Delegation in der Ofener Hofburg empfangen und die Ansprachen der beiderseitigen Präsidenten mit bedeutsamen Worten beantwortet. Der Monarch betonte hauptsächlich die fortdauernde Beruhigung der europäischen Lage, aber erwies rualeich auf die Nothwendigkeit für Oesterreich Ungarn hm, trotzdem, gleich den übrigen Großstaaten, für die consequente Fortentwickelung seiner Wehrkraft zu wirken D-rKaff-r hob dementsprechend die den Delegationen unterbreiteten m,l - tärischen Mehrforderungen hervor, wobei er i-doch v-rsich-rie, bei Ausstellung der betreffenden Voranschlag- seien die finan­ziellen Berhältnifle der Monarchie zu Grunde g^egt worden. Bezüglich Bosniens und der Herzegowina macht die Rrde

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bex «olgendcn Tag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Uhr.

Amtlichem Theil.

Bekanntmachung,

betreffend die Faselschau zu Gießen im Herbst 1894.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß m Ver­bindung mit dem am 26. September l. 3«. 3U Gießen MRnbenben Viehmarkt eine öffentliche durch die

Körcommission abgehalten werden soll. Bei der ötpau, welche Vormittags 10 Uhr beginnt, und welche nur zum Zweck der Ankörung stallftndet, wird die Korcommtssion nur inrunafäbiae Bullen Vogelsberger und Berner, fpeciell Sim menthaler Raffe berücksichtigen. Den Besitzern guter FaK rönnen, soweit die Mittel reichen, Wegegelder, vorbehaltlich näherer Bestimmung in Aussicht gestellt werden.

Gießen, den 17. September 1894.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Torrrspondenz-Buremr

Berlin, 17. September. Meldung derNalional-Ztg." In einer Conferenz von Abgeordneten des Vereins Nord­westdeutscher Holzhändler und des Vereins Ostdeutscher Holz­händler, m welcher über die Modalitäten des Holz­verkaufs in Staatsforsten, Zahlungsbedingungen, Cnutions angelegenheiten rc. berathen wurde, ist bezüg ich einer R^he von Punkten völlige Ueberemstimmung erzielt worden. Die Vertreter der Forstverwaltung sagten zu, mehrere Wünlche der Holzhändler in wohlwollende Erwägung zu zieh«en.

Barzin, 17. September. Der Fürst und die Fürfttn Bismarck überstanden den gestrigen Tag v-rhaltmßmoßig

Majestät ta ©neSenant

Z h 6« Pillnitz die Glückwünsche Seiner Lftä mdm R öhrigen Jubiläum als Chef des ost- nreustischen" Dragoneriegiments Nr. 10. Nachmittag» um 5 Uhr findet auf Schloß Pillnitz eine Festtafel statt, an weL 7 a. Generallieutenant v. Pleffen die Deputatton Minister ^dler^v" " ®L«minl"'ee " W.

H. «.r^h^taubiaten Botschafter und Gesandten und der sächsische Militärbevollmüchtigt- in Berlin, Gras Bchthum, theilnkhmen. 17 September. Der Minister

Lepgues wohnte gestern der Enthüllung einer Statue der Republik bei Aus ine Ansprache des PsarrerS, welcher m, ffi.lftriAt it werde den Rathschlügen des Papstes

? und Einigkeit predige, er-

solgen W-Icker überaus an "bte Weisheit des

I Papstes welcher überall Frieden und Einigkeit predigt Auch I di, Republik ist eine Regierung der Duldung und Versöhnung,

Depeschen deS Vurexu ^Herold*.

Serlin 17. September. DerStaatsburgerzeitung zufolge findet die für heute angesagte °lksversam mlung , in der Ahlwardt sprechen sollte, nicht statt, weil Ahlwardt der nachgesuchte Strafaufschub nicht bewilligt Word« ist. Ahlwardt muß seine Strafe heute Abend um 6 Uhr antret«.

Berlin, 17. September. DerReichsanzeiger veröffevt licht die Ernennung des ®tntxaV^x\nt^nUn gci6er .m zweiten, des Hof- und Dompredigers Krttzinger zum dritten und des Superintendenten Schntewind-Langensalza zum vierten 9Sof» und Domprediger am Dom zu Berlin.

$ Berlin, 17^September. Die Abberufung deS außer- ordentlichen Gesandten am schwedisch-norwegischen Hofe, Grafen von Wedel und deffen Versetzung in den Ruhe­stand wird heute amtlich publicirt.

Lalle a S., 17. September. Eine gestern Nachmittag abgehaltene social dem akratische brsammlung sastie den noch in die Drucksachen für den Frankfurter Parteitag aufzunehmenden Beschluß, daß sie das Derhal en der socialdemokratischen bayerischen Landtagsabgeordneten, welche bekanntlich für Bewilligung des daher,scheu Etat« gestimmt haben, nicht in Einklang zu bringen vermöge mit den Grundsätzen der socialdemokratischen Partei Deutschlands, und den Parteitag ersuche, zu dieser Augelegenhest iU nehmen. Als Abgeordneter sür den Parteitag wurde StUnEeaatgemünb, 17. September. ®ie I deckte hier einen Falschmünzer, welcher zahlreiche Mark, und Thalerstücke In Falstfieaten in b-n Verkehr »°br°cht hatte.

München, 17. September. Die broncene Büste de» P r i n z r e g e n t e n in der Vorstadt Neuhausen wurde gestern

I Nacht vom Sockel gestoßen, ohne indeß weitere Beschädigungen ku erleiden." Zwei Tagelöhner und ein Keffelschmie wurden als der That verdächtig verhaftet. Sie haben auch ein- gestanden, wollen jedoch im Rausch und im Scherz gehandelt

I ha^Rom, 17. September. Vier junge Männer versuchten am Marineministerium rothsarbige Aufrufe anzu- schlagen. Die Polizei kam dazu und verhaftete einen- den i drei andern gelang es, zu entfliehen. Die Aufrufe waren in London hergestellt und enthielten die Aufforderung zum ^"';L°"17'°Zt7mber. Die Blätter veröffentlichen das Testament des Grafen von Parts, datirt Stowehouse 21. August 1894 mit der Ueberschrift:Letztes Adieu an meine Freunde". Der Graf sagt u. A. in dem Testament für ihn sei es ein Trost, zu denken, datz °lle Monarchisten I sich seiner erinnern würden, wenn für Frankretch glück ch Tage hereinbrechen sollten. Politische Beruhigung werde.aber erst durch die Rückkehr zur nationalen und traditionellen LaÄ WW erben. Nachdem bann b.r ®r f seine politische Rolle seit dem Kriege 1870 dargelegt hat, ährt » fort: Wenn ich Fehler begangen habe, so habe ich Vc bona fide begangen. Alle meine Handlangen sind mir stets durch meine Hingebung an Frankreich und an die Sache, welche ich vertrete, eingegeben worden. Mela Ziel ist immer aewesen, das traditionelle Princip zu bewahren, zu besten Hüt« mich meine Geburt gemacht hat. Ich wollte Frankretch keweisen daß dieses Princip mit den modernen Ideen und der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung nicht unverMbar ift Schließlich wiederholt der Gras den Wunsch, daß Frankreich zur christlichen Monarchie zurückkehren möge.

London, 17. September. Cardinal Vanghan hielt eine bedeutende ktrchenpolitische Rede. Fast alle hiesigen Blätter commentiren dieselbe und erörtern hauptsächlich die Stelle, wo der Cardinal aussührte, die katholische Klrche sei bereit, der anglikanischen Kirche gegenüber in Bezug auf Disciplin weitgehendste Concessionen zu machen, daß ste aver I im Princip der Autorität nicht mit sich handeln laste.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger» entgegen.

Betr.: Feldbereinigung in den Gemarkungen Rüddmgs- I hausen, Ruttershausen, Staufenberg und Stembach. I Der Unterzeichnete ist vom 24. dss. Ms. ab auf v,er I Wochen beurlaubt.

Gießen, den 17. September 1894.

Der Vollzugs-Commiffär Dr. Wallau,

Grobherzoglicher Kreisamtmann. I

Deutsches Reich.

Berlin, 17. September. Die Kaisermanöver der I deutschen Flotte haben nach dreitägiger Dauer mit einem I »ootsmanöver und einer Ruderregatta im Prorer Wsik am SamStag Nachmittag ihren Abschluß gesunden. Doch find diesen maritimen Hauptmanövern in dies» Woche weitere Uebungen der zusawmengezogenen Flotte auf hoher See nach gefolgt Die bisherigen Flottenübungen sind °^e größeren Unfall verlaufen, abgesehen vielleicht von emer Maschinen- Havarie des TorpedodivisionsbootesU 7 .

_ Das preußische StaatSministerium hielt

Sonntag Nachmittag unter dem Vorsitz des Mmtster- präsidenten Grafen Eulenburg eine Sitzung ab. Mit was sich der Ministerrath in dieser seiner lüngsten Sitzung be­schäftigt haben mag, darüber kann man bis letzt indeffen nur | Vermuthungen hören. U. A. taucht die Annahme auf, es könnte sich hierbei um die Frage des «^etzgeberrschen Vor­gehens gegen die Umsturzpaitelen gehandelt ^en - inwieweit diese Combination vielleicht zutreffend ift, muß indeffen durch­aus noch dahingestellt bleiben.

Der Kaiser hat ein Schreiben an seinen Schwager, den Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, gerichtet, in welchem heißt, der Kaiser habe durch V leihung des NamensFort Herzog von Holstein an das Fort VH zu Königsberg erneut die hohen Verdienste ehren wollen, welche die Fürsten und Prinzen des schleswig-hol­steinischen HauseS von den Zetten des Großen Kurfürsten an sich um das Vaterland und die Armee erworben hätten. Die widersprechenden Zeitungsnachrichten über die Benennung eines der Königsberger FortS mitKanitz" seitens des Kaisers erfahren jetzt in derOstpreußischen Zeitung nach- stehende authentische Richtigstellung:Es sind infolge wider- soreckender Zettungsmeldungen Zweifel entstanden, ob die Verleihung des Forts X an die Familie Kanitz später als die anderer FortS an ostpreußische Familien erfolgt fei. Wir sind in der Lage, den Zweiflern gegenüber zu bemerken, daß diese Verleihung zu demselben Zeitpunkte und in derselben Weise ftattgefunden hat, wie die übrigen."

de- W die erfreuliche Mittheilung, baß diese Provinz , s'°^ben Glaube^ und

auch im Jahre 1895 in der Lage sein wurden, ihre Ver da - September. Die Abendblätter veröffent- waltungSbedürfniffe aus eigenen «inuahmen bereiten ju Depefche au« Söul, wonach bie J°P°N"

können. In einem Appell an die patriotische sich September bei Tagesanbruch die Stellung der Chinesen

Delegationen bei Berathung der ihnen unterbreiteten V - Pinapang angegriffen und nach einer mehrstündigen lagen klangen bie kaiserlichen Worte aus. Die friedekün- bei Ping ) g 8 8 n auf beiden Flanken Pinghang benben Aeußerungen beS österreichifchen bei einer Schlach^^ch^^i^ Zo,000 Pinghang vertheibigenden

solchen hochofficiellen Gelegenheit, wie eS ber Empf 9 ßhtnefen feien 16 000 tobt, verwundet und gefangen. Die

Delegationen ist, werben gewiß bei allen Frie enSfr unben Lhinefen ^/^Vxibte und 270 Verwundete.

in Europa unverhohlene Genugthuung hervormfen, die »3b , September. Meldung des Bureau Reuter,

gemein vorherrschende Anschauung von der Sicherung der Nachrichten melden,

gegenwärtigen politischen Verhältniffe Europas finbet durch I rws v»'^°b-nen^ue^ e g @d)[Q4t IS.

diele Kundgebung des Kaisers Franz J°!^ ih f 16 bz bei P ingyan vollständig geschlagen

gat^n8^ -'nem Still- worden feien; 20,000 Chinesen »gaben sich,

stand in den Rüstungen keine Rede sem könne.

Lemberg, 17.September. Gestern trafen 90 Polen, die in Sibirien'verbannt waren, hier ein. Sie wurden am Bahnhof von Frauen mit Blumen überschüttet. Die | Aufforderung der Polizei, stch zu i«ft«uen, würbe willig befolgt. Nach Besichtigung ber Wftenung bi'

Sibirier einer Einladung des Abgeordneten Lewokowski zu | einem Effen, wo viele Toaste ausgebracht wurden. Einige Gemeinderäthe, welche zu Ehren deS Namensfestes des C^ren an einem Hofdtner theilnahmen, wurden ausgezischt. Beim Banket zu Ehren der Posener Polen sagte Koscielskt, Polen sei untheilbar- die preußischen Polen hätten von den galizt- schen Polen gelernt, ihre politischen Kräfte zu sammeln und jene Klugheit zu entfalten, welche den G-suhlen Schweigen I auferlege, damit nichts geäußert werde, was schaden könnte. I Petersburg, 16. September. Der C z o r ist Ende voriger Woche mit seiner Familie von Schloß Bielowesch nach Spala

I in Polen übergesiedelt, wo er seine Erholungseur fortsetzen I will Auch der brustkranke Großfürst Georg, der zweite I Sohn des russischen Kaiserpaares, hat die Uebersiedelung von ! Bielowesch nach Spala mitgemacht, obwohl er noch recht I leidend sein soll. Es heißt darum, daß auf Anratheni des I Professors Sacharjin Großfürst Georg nächstens nach Zars- I koie-Selo übersiedeln würde, woselbst sich bekanntlich ein I prachtvolles kaiserliches Palais befindet, das für Brustkranke I aam besonders geeignet sein soll.

I Der Präsident von Peru befahl, sämmtliche gefangen I genommenen Offiziere der peruanischen Insurgenten-Armee I vom Major auswärts zu erschießen. Ein neuer Beweis, wie I grausam gerade die Revolutionskriege in Südamerika ge- I führt werden. Uebrigens scheint es mit dem Mgsten Auf- I stände in Peru allerdings wieder zu Ende zu sein.