Ausgabe 
19.7.1894 Erstes Blatt
 
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abgehalten. Auf der Tagesordnung fieht u. A. ein Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Buhl über Weinuntersuchung und Weinurtheil- eine Besprechung der bisherigen Praxis der Hefe- ein Vortrag von Br. Schulze über das Pasleurisiren der Weine. Ferner werden die Bedeutung der Lothringer Weine für den Weinhandel und die Schaumweinbereitung, die Rebenmüdigkeit der Weinberge, die Wirkung der Zollermäßigung für Derschnittweine auf Weinbau und Weinhandel von be­rufener Seite behandelt werden. Zur Vorbereitung deS Kongresses bat sich ein Ausschuß gebildet, an dessen Spitze der Gutsbesitzer, Großherzoglicher Kammerherr v. Jöden- Koniecpolßkt steht.

Mainz, 17. Juli. In dem benachbarten Gabsheim fand gestern die Taufe eines etwa 5 Jahre alten Negerknaben statt. Der Kleine wurde seiner Zeit bei der Erstürmung von Hornkranz in Deutsch-Südwestafrika von einem Sergeanten der deutschen Schutztruppe, der aus Gabsheim gebürtig ist, hülslos aufgefunden, da seine Eltern bei der Erstürmung gefallen waren. Der Soldat nahm sich des Kindes an und brachte bei seinem jüngsten Urlaub nach Deutschland mit.

Lampertheim, 13. Juli. Einen theueren Schuß hat jüngst der Dammwärter G. hier geleifter. Derselbe lebte mit seinem Nachbarn schon lange Zeit auf nichts weniger als freundlichem Fuße. Dieser Feindschaft gab er jüngst dadurch Ausdruck, daß er den in seinem Hofe herumschnobernden Hund seines Nachbars durch einen Schuß niederstreckke. Mit einer kleinen Entschädigung hätte sich der Besitzer des getödteren Thieres zufrieden gegeben, auf welche Bedingung aber G. nicht eingtng. Es kam zur Klage. Nach vielen Untersuchungen und Vernehmungen wurde dieser Tage das Urtheil verkündet. G. hat u/15 der Kosten, welche die an­sehnliche Höhe von 750 Mk. erreichen, zu tragen, der Kläger den Rest. Außerdem bekommt letzterer 25 Mk. Entschädigung.

(D. Z.)

Elberfeld, 17. Juli. In Remscheid ermordete der Schuster Waßmuth, ein Trunkenbold, seine Frau, die ihm Schnapsgroschen verweigerte, durch Hammerschläge. Der Mörder ist entflohen.

Die ältesten Generäle der preußischen Armee. Die Zahl der acnven oder zur Disposition stehenden Generäle der preußischen Armee, die mehr als 80 Jahre alt find, beträgt zur Zeit 45. Von ihnen sind nur noch zwei, General-Feldmarschall Graf v. Blumenthal und der General- Oberst v. Pape, im activen Dienst, ersterer wird am 30. d. M. 84 Jahre, letzterer war am 2. Februar 81 Jahre alt. Der älteste General der preußischen Armee ist der General-Major Adolph von Götze, der am 15. August 1800 geboren ist, also nächstens 94 Jahre alt wird- am 24. d. M. wird er 33 Jahre im Ruhestand leben. Demnächst folgt der in Berlin wohnende General-Lieutenant z. D. von Holleufer, der am 2. Februar ds. Js. 90 Jahre alt war und seit November 1864 penfionirt ist. Alsdann folgen der General- Lieutenant z. D. v. Hiller und der General-Major z. D. v. Hippel, die 1806 geboren sind. Drei Generale sind 1807 geboren, zwei 1808, .vier 1809, neun 1810, fünf 1811, acht 1812, acht 1813 und zwei 1814. Fürst Bismarck, der am 1. April nächsten Jahres 80 Jahre alt wird, ist in der Altersfolge der Generale der preußischen Armee

erst der 54. Von den 45 über 80 Jahr alten Generalen find 34 bereits seit länger als 20 Jahren penfionirt.

Eine Statistik des Schießens wurde soeben von Dauber veröffentlicht. Wir entnehmen ihr folgende Daten: In der Schlacht von Solferino kam auf 4200 Schüsse, ein Todter. Im letzten deutsch-französischen Kriege war einFortschrittt" zu bemerken. Da kam ein Todter auf 1300 Schüsse d. h. wenn die Kugeln je dreißig Gramm wogen, so waren 39 Kilogramm Blei nöthig, um einen Menschen zu tödten. Ein französischer Hauptmann erzählte dem Verfasser, daß auf einen preußischen Wachtposten auf 300 Meter Distanz 400 Schüsse abgegeben wurden und nur das Pferd von einem Schüsse getroffen wurde. Ein guter Schütze d. h. ein Schütze, der seines Schusses sicher ist, gilt im Ernstfälle für 270 Mann, die im Schießen ungeübt und unsicher sind.

* Em merkwürdiger Zufall ist es, so schreibt man der Tägl. R.", daß der erste zum Tode verurtheilte Verbrecher, dessen Begnadigung der neue Präsident der französischen Republik, Casimir-Perier, entweder wird unterzeichnen oder verweigern müssen, Perier heißt. Dieser Mensch hat in Gesellschaft zweier Freunde die Wohnung seines eigenen Vaters ausgeraubt und den Greis durch einen Revolverschuß gelödtet. Das Schwurgericht hat Perier dafür zum Tode verurtheili.

* Wer Hiob war. Ein Schuliuspector wendet sich in der Schule an den Lehrer mit der Frage, ob die Kinder auch fest in der Bibel seien. Auf die bejahende Antwort des Lehrers ruft der Schuliuspector einen der Jungen heraus und richtet an ihn die Frage:Mein Kind, weißt Du, wer Hiob war?" Der Kleine antwortete ohne Zögern:Ein Postmeister!" Der durch die Antwort etwas verblüffte Schuliuspector erkundigt sich bei dem Kleinen, wieso et auf diesen Gedanken käme. Der Junge erwiderte unbefangen: Gestern kam der Herr Lehrer in die Schule und Jagte: Kinder, eine Hiobspost, der Schulinspector kommt m orgen!"___

Itnivcrjitäts - Nachrichten.

Berlin, 17. Juli. Der Zustand des Prof. v. Helmholtz weist eine geringe Besserung auf. Die Lähmung besteht zwar noch fort, es ist aber meist das Bewußtsein vorhanden.

Wien, 17. Juli. Der bekannte Anatom Prof. Hyrtl ist heute früh im 84. Lebensjahre an einem Herzschlage gestorben.____________

Technische Fortschritte.

- Um Drahtseile vor «ässe «nd Rost zu schützen und fte biegsam zu erhalten, soll man sie mittelst emes Stückes Schaffell (die Wolle an der inneren Seite) mit rohem Leinöl überstreichen oder das Oel mit gleichen Theilen Spanifchbraun und Lampenruß vermischen. Um Drahtseile aber unter Wasser oder unterirdisch zu schützen, nimmt man mineralischen oder vegctabllischen Theer, ver­mengt damit abgelöschten Kalk, wodurch die Säure neutralistrt wird, kocht dies gut zusammen und sättigt dann das Drahtseil mit diesem Theer in kochendem Zustands

GypS durch Marmorextract itt eine Art künstlichen Marmor z« verwandeln. Uever ein neues Verfahren, eine Gyps- masse so hart, glänzend und farbenschön wie Marmor zu machen, berichtet Herr H. A. imLeipz. Tageblatt" Folgendes: Eine neue Erfindung, welche namentlich der sogenannten Gips-Industrie zu Gute kommt und in den betreffenden Kreisen gebührendes Aufsehen erregte, ist der von Rud. Rammann erfundene und patentirte Marmor- Extract. Derselbe wird dem Gips beigemischt, verleiht ihm nicht nur große Härte, sondern auch Wetterbeständigkeit und einen Glanz, bezw. eine Glasur, welche jede Art Farbendecoration aufnimmt und

waschecht ist. Eine sehr nützliche und vortheilhafte Anwendung findet das neue Verfahren namcniltch beim Fcicabenputz, sowie bet plastischen Decoratlonen daselbst. Solche Facaden können in allen Farben hergestellt werden, indem die gewünschte Färbung gleich dem Gypsputz beigemengt ober aber nach Herstellung des Putzes frisch aufgetragen wird. In beiden Fällen ist der Glanz des Putzes so­wohl, wie die mit demselben hervortretende Farbe wetterbeständig, auch verhindert die Glasur das feste Ansetzen des Staubes und anderer Unreinlickkeit. Ganz besonders ist aber das neue Verfahren im Innern der Gebäude zu empfehlen, nicht allein als Deckenputz, sondern auch als Wanddecoration in Treppenhäusern, Corridoren, Vorhallen u. s. w., wo es dem künstlichen Marmor eine bedeutende Concurrenz sein wird, da es viel wohlfeiler als dieser ist. Ebenso wird der Marmor - Extract in Küchen, Vorrathskammern , Eloset- raumen, Stallung u. s. w. gute Verwendung finden können, überhaupt in allen Räumen, welche abwaschbare Wände und Decken bedingen. Der Ramman'sche Marmor-Extract möge hiermit der Beachtimg aller dem Baufache nahestehendm Kreisen empfohlen werden.

Citeratur und ICnnft

Mit einem ungemein reichhaltigen und interessanten Inhalt ist auch das soebm erschienene 23. Heft des ,Uttit>;$fttm* * aus­gestattet. In einemDie Schlagwetter- und Staubgefahr in den Steinkohlenbergwerken" betitelten längeren Aufsatz gibt Adolf Walter ein leicht und allgemein verständlich geschriebenes Bild der Gefahren, welche den Bergmann in der Tiefe bedrohen. Der Artikel durfte im Hinblick auf die jüngsten Grubenunglücke in Karwin und in England gerade jetzt besonders interesstren. Ein köstliche PreisnovelleDer Menschenkenner" von Gertrud Franke-Schievelbein und eine Soldaten- gefchichte des Humoristen Alwin RömerDie Manöversee sind weitere schätzenswerthe Beiträge. Aus dem übrigen reichhaltigen Inhalt des mit dem Porträt Rud. von Bennigsens welcher am 10. Juli seinen 70. Geburtstag feierte, geschmückten HJ es beben wir ferner hervor: Die Fortsetzung von WolzogensErbschleicherinnen , die GedichteDer Waldsee" von Victor Blüthgen, illustrirt von L. Dettmann undDer alte Dichter" von Zoozmann._________

Schrffsnachvichten.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 17. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Ems, Capitän W. Reimkasten, vom Nordd. Lloyd in Bremen, welcher am 7. Juli von Bremen und ami 8. «Jult von Southampton abgegangen war, ist gestern, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen. ______

Wöchentliche Ueberficht der Todessölle in Gießen.

28. Woche. Vom 8. Juli bis 14. Juli 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 28,23°/« bezw. 16,47 nach Ausschll ber Ortsfremden-

Kinder

Es starben en: Zusammen:

Scharlach 1

Divhtheritis 1 (1)

Rose 1 (1)

Lungentuberculose 1 (1)

Organ. Herzkrankheit 2 (1)

Darmcatarrh 1

Neubildungen 1 (1)

Sonstige benannte

Krankheiten 1

Erwachsene: ttn

1. Lebensjahr:

G» E

1 (1) -

2 (1) -

1 (1)

vom

2.-15. Jahn

1

Ml)

1

Summa: 12 (5) 5 (4) 2 1 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie öiefc ber Todesfälle in ber betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Temperatur der Lahu und der Luft nach Reauwur gemessen am 18. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14</2, Luft 14°. Rübsamen'sche Badeanstalt.

n

126

Clement.

5979]

werden.

5990

179

66

486

128

259

1348

9. 150

10. 850

// » M

Zwillich, grau u. blau gestreift, Halstücherstoff, blau, 80 cm. br. TÄschentücherstoff, blau und weiß, 60 cm breit,

Stoff zu Wischtüchern, 40 cm. br. braunen Kalmuck,

6. 850 m

7. 400

8. 300

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Heute und morgen:

Ochsensleisch,

nicht ladenrein, per Pfd. 54 Pfg.

Bekanntmachung.

Dienstag, 24. Juli d. Js., Vormittags 10 Uhr, sollen im Saale des alten Rathhauses nach­folgende im Gießener Stadtwald er­forderliche Graben- und Wegbau­arbeiten öffentlich vergeben werden, nämlich: veranschlagt zu

1. Lieferung v. Basaltsteinen JL 2376

11. 300 Paar wollene Stümpfe, weiß.

Die Lieferungsbedingungen und Muster liegen vom 23. bis 28 Juli d Js., auf dem Bureau unseres Werkmeisters offen und können von den JMeressenten daselbst Vormittags von 812 und Nachmittags von 36 Uhr eingesehen werden. Ab­schrift der Bedingungen ist gegen eine Vergütung von 70 Pfennigen erhältlich.

Die Offerten sind verschlossen mit der AufschriftSubmission für Laaerungs- und Bekleidung-stosse" bis zum 31. Juli l. I., Vormittags 9 Uhr bei uns etn- zureichen.

Muster müffen von den Offerten ge­trennt, verschlossen, ohne Namen ober Firma, nur mit einem Erkennungszeichen versehen, welches auch in ber Offerte an­gegeben sein muß, eingereicht werden

Zuschlagsfrist bis zum 15. August 1894. Butzbach, den 14. Juli 1894.

Großh- Direktion ber Zellenstrafanstalt Butzbach.

Rapsstroh.

Von Freitag, bttt 20. d. MtS. an verkaufe eine große Quantität Rapsstroh iU 75 Pfg- per Gentner. 6982

Auf leben Fall itt bieses billige Stroh bester als bte schadenbringende Torfstreu.

5983] Eine schwarze Dachshüttbitt zu verkaufen- Schiffenbergerweg 56.

5916] Haus, Franksurterstraße 53,"mU Stallung, Remise, Burschengelatz, Sos und grobem Garten (Baugelände) ist zu vermiethe« eventl. zu verkaufe«. 1 8 K. KleeS, Süd-Anlage 18.

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7. Herrichtung 2erDurchlässe

8. Herstellung u. Auffrischen von Graben

Anfang Vormittags um 8 Vs Uhr, im Rodberger Einschnitt bei Gießen, Nachmittags «m 3 Uhr, südlich vor Bahnhof Fronhausen.

Kaufliebhaber werben eingeladen, sich zur genannten Zeit an Ort und Stelle einzufinden.

Lollar, den 17. Juli 1894.

Königs. Bahnmeisterei 18a.

Versteigerung.

Montag, bett »3. 1. MtS., Nach­mittags 3 Uhr, versteigere im Pfand- Local, Seltersweg 11, gegen Baarzahlung

1 Pfeilerschränkchen und Spiegel. ^Gießen, 18. Juli 1894.

5985 Mulch, Pfandmeister.

Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden um 23er» öffentlichung dieser Versteigerung er­sucht.

Gießen, den 16. Juli 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

5978_____Gnauth._________

5972] Am SamStag bett 21. d. M., sollen die auf ber Bahnstrecke von Fron­hausen bis Gießen stehenden Korb­weiden öffentlich meistbietend verkauft

Versteigerung.

Freitag, den 20. Juli l. I., Nachmittags Uhr, werden, in dem Laden Seltersweg 46 (Wiener Feinbäckerei) gegen Baar­zahlung versteigert:

1 Ladeneinrichtung bestehend, aus 1 großen Ladenschrank mit Glas- thüren und Untersatz mit Schieb» kästen, 1 Marmortheke, 1 zweith. Theke, 1 Marmorgestell mit Spiegel, 1 vollständige Eiseinrichtung (Eiö- conservator, Eismaschine, Eisformen, Eisaustragkasten), Glaskörbchen, Con- fectschaalen, Bonbongläser, Austrag­kasten, an Möbeln: 2 Sophas, 2 große Spiegel, 1 Marmor­tischchen, 1 Mahagonispieltisch, 9 Stühle,2 vollständ. fast neue Feld­betten, 1 Bertieow, 1 Blumen­ständer, 1 gr. Teppich, 1 Comptoir­stuhl, Bilder, 1 Regulator u. v. a.

Ferner: 1 Wasserleitungsein­richtung, Ahornbackmulde, 1 Mehl­kasten (zum Auseinandernehmen), eis. Backgestelle, 6 Backdielen, 2 Laden­leitern, 1 gußeiserne Platte, 1 Leb­kuchenbreche, verschiedene Conditorei­formen, 2 kupferne Kessel, Backformen, Glas, Porzellan u. a. m.

Die Versteigerung findet be­stimmt statt.

5977] Geißler,

Großh. Gerichtsvollzieher.

Submission.

Dienstag bett 81. Juli d. Js., Vormittags 10 Uhr,

sollen nachverzeichnete Stoffe auf dem Bureau der unterzeichneten Direction ver­geben werden:

1. 440 m Seinen, 84 cm. breit,

2. 7C0 Baumwollcöperstoff, ' 3. 450 Hcmdtuchgebild, I 4. 1000 Halbleinen, 84 cm. breit,

5. 715 Bettzeug, blau und weiß car- * ritt, 84 cm. breit,

597äj Heute, Mittwoch Abend M Schellfische Ä Eduard. Fuckert, 5975] Reuen Bütte 17.

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