Ausgabe 
19.7.1894 Erstes Blatt
 
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ftorm am Kreuz, Marktplatz und namentlich aus der MänS- bürg zwischen dem Noll'fchen und Balser scheu Hause, in welch ersterem die Familienangehörigen NiibsamenS ihren geseierten Sohn und Bruder begrüßten. VIm Bootplatz an- gekommen, erstattete der Vorsitzende der Rudergesellfchasl, Herr Ehr. Reiber, in herzlichen Worten demselben den Dank nnd zollte ihm Worte der Anerkennung sür seine hervorragende Leistung in Hamburg, welche ihn, seinen Verein und den Namen (ließen« besonders In Sport- kreisen ganz Deutschland« zu großen Ähren gebracht habe. Er forderte Herrn Rübsamen auf, sich der ehrcuden AnS- nahmcstcllung, die er im Rudersporte siir da« nächste Jahr etnnimmt, wiirdig zu erweisen und wciterzustreben, damit der von ihm in so schöner Weise errungene Meistertitel nebst Brillantster« auch im nächsten Jahre ihm verbleiben möge. Nach ilcberreichnng eine«, mit roth-weißen Schleifen ge­schmückten und entsprechende Widmung tragenden Lorbeer* kränze« lllstc sich der Zug aus und in beiden Etagen de« BoothauseS wie auch auf dem Bootplatz entwickelte sich, bei den Klängen der hiesigen Regimentsmusik, ein fröhliches Treiben. Herr Ehr. Reiber brachte außer dem Toast auf den jvteister von Deutschland einen solchen auf das Oberhaupt unserer Stadt, Herrn Oberbürgermeister Gnauth, bcii ver­ehrten Gönner und Förderer deS edlen Rudersportes aus inib Herr Ernst Balser gedachte in schönen Worten deS Gründer« der Rndergesellschaft, dem leider verstorbenen Vater de« jetzigen Meister« von Deutschland, Herrn Christoph Rübsanien, der außer der Rudergescllschast and) die Turn­vereine und die Jugcndfestc in unserer Stadt inS Leben ries nnd der in den Herzen der Gießener Bevölkerung in dank­barer Erinncrnug wciterlebt. Mit einem Hip Hip Hurrah! auf die Familie Riibsamen schloß der offictellc Theil ter Feier, unter Absingen von Liedern und fröhlicher Unterhaltung blieben die Mitglieder der Rndergefellschaft nebst ihren Damen nnd Gästen noch lauge zusammen und erst zu vorgerückter Stunde ward e« stille an dem Ufer der idyllischen Regatta­strecke unserer Lahn aus Wiedersehcu zur Regatta am nächsten Sonntage zu neuen Kämpfen und Ehren l

*'* An Wechfelstempelfteuer wurden im Ober-PostdirectionS- bezirk Darmstadt im Monat Juni d. I. 11 897 Mk. 80 Pf. vereinnahmt. Die Einnahme vom 1. April bi« Ende Juni d. I. war 87 028 Mk. 10 Pf. oder 2448 Mk. mehr, al« im ent- sprechenden Zeiträume de« Vorjahre«.

* tfiirjii« für Haudwerkerschul Lehrer. Der am Montag an der Latide«baugewcrk,chule zu Darmstadt eröffnete vier­wöchige Lehren rS zur Ausbildung von Lehrern der H an d w er ke r fchu l eil zählt 20 Thetlnehmer au« den drei Provinzen de« Lande«. Die Besucher sind meisten« Volksschullehrer, die bereit« an den Handwerkerschnleu thätig sind. Der Unterricht umfaßt Fächer de« praetischen Zeichnen« und wird von Lehrern der Baugewerkschule ertheilt.

** NeifeAbonnement«. E« sei daraus aufmerksam gemacht, daß man sich während der Reisezeit seine von der Post bezogenen Zeitungen nachsenden lasset, kann. Es muß zu diesem Zwecke drei Tage vor der Abreise ein schriftlicher Antrag mit der deutlich geschriebenen neuen Adresse der Postanstalt de« ständigen Wohnorte« eingereicht werden mit der Angabe, von welchem Tage ab und tvelchc Zeitungen nachgesandt werden sollen. Für jede Zeitung sind BO Psg. Uebertveisulig« Gebtlhr (nach Oesterreich'Ungarn und Luxem­burg 1 Mk., nach der Schweiz, Italien u. s. w. 8 bi« 10 Psg. sür jeden Tag der Nachsendnng) zu zahlen. Drei Tage vor der Rückreise ist bet der Pvstanstalt de« neuen Wohnorte« der Antrag aus Rilcküberweisnng zu stellen, tvofür eine weitere Gebühr nicht zu entrichten ist.

** Eine sehr wichtige Entscheidung hat da« Lande«- verstcherungSamt im land- nnd sorstwirthschastlichen Betriebe vor einigen Tagen ausgesprochen. Im Juni dcö verstossenen Jahre« sand in Wvrm« ein starke« Gewitter statt und zwei bei den Meliorationearbeiten aus der Bürgerweide zu Worin« beschäftigte Arbeiter stüchteten sich während de« Ge­witter« unter einen Baum, woselbst beide vom Blitz er­schlagen wurden. Die hinterlassenen Wittwen der beiden Arbeiter verlangten nun eine Entschädigung sür den Tod ihrer Ehemänner, indem sie angaben, daß diese bei einem landwirthschastlichen Betriebe verstorben seien. Von dem Schiedsgericht mit ihren Ansprüchen abgewtesen, wendeten sich die Wittwen an da« LandeSversicherungSamt, wurden aber auch hier au« den gleichen Gründen uiit ihren Ansprüchen deßhalb abgewiesen, weil sich beide Arbeiter durch da« Unter- sirrten unter einen Baum einer erhöhten Blitzgesahr ausgesetzt hätten und die Sterte de« Unglück« sich n i ch t i ni betrieb besunden und der Unfall sich demgemäß nicht bei dem Betriebe ereignet habe. Da« Urtheil führte weiter au«, daß c« wohl ein natürlicher Trieb gewesen sei, welcher die Leute veranlaßt habe, unter einen Bann, zu eilen, um Schutz vor dem starken Regen zu suchen, dadurch haben sie ihren Tod veranlaßt und c« lag nicht ihre Todesursache in der landwirthschaftlichen Arbeit aus dem besagten Grundstück oder in einem Weg dorthin, oder von da zurück. Den beiden Arbeitern sei c« nicht besser ergangen wie jeder anderen Person, die nicht im LandwirthschaslSberuse thätig, unterwegs und hi der Nähe eines Baume« von einem Gewitter über* rascht, dieselbe Unbesonnenheit begangen hätte.

e. u8 dem Kreise ließen. Wenn auch sehr verspätet, müssen wir doch noch etwa« von dem schönen Fest berichten, da« der Zweigverein der Gustav-Adolssstistung im Deeanatr Gießen am 11. d. M. in Steinbach beging. Da« Wetter war sreilich so ungünstig, wie möglich. Der Regen goß in Strömen und der Sturm brauste. Infolge dessen war der Zuzug von auswärtigen Festgästen, besonder« nu« Gießen selbst, spärlich. Doch fehlte e« nicht an tapferen Leuten au« der Nachbarschaft, die Sturm und Wetter getrotzt hatten. Um so reger war aber und da« ist doch immer die Hauptsache die Belheiligung der Festgemeinde selbst. Merkte mau c« schon dem festlichen Schmuck der zu der Kirche führenden Straßen an, daß es ein Festtag für die ganze

Gemeinde war, so legte vor Artem die stattliche Versammlung, die in beiden Gottesdiensten da« schöne Gotteshaus füllte, davon Zeugnis, ab. waren aber auch wirklich erhebende Festgottesdienste, die wir da feiern dursten. Eine reiche Liturgie, von dem OrtSgeistlichen, Herrn Pfarrer Georgi, gehalten, und durch Gesänge des Gesangvereins und der Schuljugend, unter Leitung des Herrn Lehrer Eißfeller verherrlicht, der kräftige Gesang der Festgemeinde und die zu Herzen gehenden Predigten der beiden Festprediger, der Herren Pfarrer Kleberger au« Ober-Mockstadt und Pfarrer Althen au« Eberstadt, boten in schöner Vereinigung, was Herz und Gemüth an solchem Festtage begehren. Vor Artem trug das überaus lebendige und anschauliche Bild, baß Herr Professor Stamm aus Gießen in seinem Jahresbericht von der Thätigkeit des Gustav-AdolfSvereinS und den Nothständen unserer Diaspora entwarf, dazu bei, die Herzen von Neuem für die Aufgaben de« Verein« zu erwärmen. Die vorgesehene Nachfeier im Freien mußte um des schlechten Wetter« willen in den Saal des Gasthauses zum Ritter verlegt werden, der freilich die Menge derer, die sich dazu einsand, kaum zu fassen vermochte. Auch dort erfreute der Gesangverein die Ver­sammlung noch mit einigen Liedern und sammelten freie An­sprachen die Gedanken auf die Kämpfe und Nvthe unserer Glaubensgenossen und unsere Psttcht, ihnen brüderlich beizu­springen. Auch au praetischer Bethätiguug dieser Psticht fehlte c« nicht. Eine Eosteete von 40 Mk. wurde zur Unter­stützung der kleinen Gemeinde in Fürth im Odenwald bestimmt.

B. LanggönS, 18. Juli. Herr Koster von Darmstadt ist seit Montag wieder mit Ausgrabungen am Pfahlgraben beschäftigt und hat bi« jetzt die Grundmauern deS bekannten römischen Gebäude« blvSgelegt, da« vor einer Reihe von Jahren schon einmal von dem Oberhess. GeschtchtSveretn untersucht und in seinem Jahresbericht beschrieben wurde. Die Kleinfunde sind bi« jetzt gering, sehr schön aber eine wohlerhaltene, vortresslich geprägte Münze der Faustina mit sehr schönem Frauenkopf. Nicht wett von dieser sogen. Villa Holzheim liegen die aufgedeckten Grundmauern eine« runden römischen Wachtthurm« am Lime«, dem einzigen auf der ganzen Strecke zwischen Donau und Rhein. Der Thurm soll ausgebessert, abgedeckt und dauernd erhalten lverden. Arte anderen Thürme waren viereckig, nur ganz wenige sechseckig.

Beide Stellen sind von Langgöns au« leicht zu finden. Man folgt dem Weg nach Holzheim, biß er den Pfahlgraben durchschnetdet und den Weg nach GrÜningen link« abzweigt. Wenig links davon liegen im Hvchivald die Reste der Billa, weiter recht« aber der runde Thurm, beide auf der Südseite de« Lime«.

-1. Butzbach, 17. Juli. In den Tagen des 14. bi« 10. Juli wurde tu unserer Stadt da« 20. Lohnt ha! - S an gerb und e«s e st abgehalten. Am Samstag hatte fast den Anschein, al« sollte dasselbe gänzlich verregnen. Glücklicherweise klärte sich gegen Abend der Himmel wieder auf, so daß mit der Schmückuug der Straßen und Häuser begonnen werden konnte. Eröffnet wurde da« Fest mit einem Commer« am Samstag Abend in der prächtig decorirten Festhalle, woselbst bei den Klängen der Capelle deS 1 Kl. Infanterie - Regiment« und einigen Ltedervorträgen deS Gesangverein«Ltederkranz"-Dillenbnrg die Stunden nur allzufchnell dahtnsioffen. Die Feststimmung, welche sich bei den Anwesenden bemerkbar machte, erreichte ihren Höhepunkt bet Ausführung der vom hiesigen Turnverein in wahrhaft künstlerischer Weise gestellten Marmorgruppen.Am Sonn­tag Morgen wurden die Sänger bet ihrem Eintreffen am Bahnhos mit klingendem Spiel durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt nach dem Marktplatz geleitet, wo der Präsident de« Gesangverein«Orpheus", Herr G r ü n t n g e r, die zahlreich Erschienenen herzlich willkommen hieß, dem Feste sodann ein gnte« Gelingen wünschte und demselben in einem brausenden Hoch auf denLahnthal - Sängerbund" Ausdruck gab. Gegen 10 Uhr begann die Generalprobe in der Fest­halle, woselbst sich eine stattliche Zuhörerschaar eingefunden hatte. Die Gesammtchöre, unter Leitung de« Festdirigenten, Herrn G r ö n t n g e r, stehend, gelangten theil« mit Orchester- beglettung zur Ausführung und gaben Zeugntß davon, daß die Herren Dirigenten sich redliche Mühe mit der Einstudtrung gegeben, waß durch reichen Applaus belohnt wurde. Nach Beendigung der Probe trat ein heftiger Gewitterregen ein, der jedoch nicht lange anhielt, so daß der Festzug, an dem außer den hiesigen Vereinen: Radfahrer-Club, Feuerwehr, Fechtellib, Turnverein und Kriegerverein, anch die Gründer beß im Jahre 1838 erstandenen GesangvereinsOrpheus", sowie die BundeSvereine:Bauer'scher Gesangverein" und Harmonie"- Gießen,Cäeilien - Gesangverein"- Ltch,Lieder- kranz"-Dtllcnbnrg,Männer-Gesangverein"'Wetzlar,Lteder­kranz"-Weilburg,Gesangverein Grünberg",Liedertafel- Marburg nnbOrphen«"'Butzbach, ferner die NtchbnndcSvereine mit ihren Fahnen theilnahmen, am Weifeier Thor Aufstellung nehmen konnte, von wo er sich unter den Klängen der Regi- mentsmnsik nach dem Festplatze zu bewegte, wobei manch' duftende« Sträußchen von zarter Damenhand gefpendet wurde. An dem Marktplatz angekommen, wurden die Thetlnehmer beß Festzuges von Herrn Lehrer Stör ch begrüßt, der in längeren, mit großem Beifall aufgenvmmenen Ausführungen da« deutsche Lied al« den Förderer de« Idealismus barftclltc und den Säugern al« Vorbild Walter von der Vogelweidc empfahl, der die deutsche Minne, die Freundestreue, sowie die Macht und Größe des Vaterlandes so schön zu preisen verstand, aber anch seine warnende Stimme erhob gegen die Feinde der Nation. Da« Volkslied sei die beste Waffe zur Be­kämpfung derselben und hier gelte es für die deutfchen Sänger, dahin zu wirken, daß dieser unschätzbare Zug von JdealtSniu« in unserem Volke eryalten bleibe. Redner warf febann einen Rückblick auf die rege Wirksamkeit bei vor 50 Jahren in« Leben gerufenen GesangvereinsOrpheus", von dessen Gründern noch fünf am Leben sind. Gg. Mar- guth, Jean Licbrtch, PH. Hetur. Heil, Johanne« Braubach und Christoph Rumpf, von denen nur der Letztere durch

Unwohlsein an der Theilnahme beß Festzugeß verhindert War und kam hierauf auf da« von den Frauen und Jungfrauen ge­stiftete, dem GesangvereinOrpheuß" gewidmete neue Banner zu sprechen, welche« berufen fei, daß alte, schon manchen Stürmen trotzende zu ersetzen, hierbei Wünschend, daß dem neuen Banner immer neue Ehren zu Theil werden möchten, sowie daß ein solche« sein möge, um welche« sich die deutsche Männerwelt jederzeit schaare. Redner schloß mit einem leb­haft erwiderten Hoch aus da« deutsche Vaterland, welchem die Uebergabc deö in den Landeßsarben gehaltenen und in Gold- und Seidenstickerei prachtvoll ausgeführten Banner« an den GesangvereinOrpheus" mit einer poetischen Wid­mung Seiten« der Festjungsrauen folgte. Hieran schloß sich da« Haupiconcert in der Festhalle, an welchem die Capelle deö 110. Infanterie-Regiments, unter der bewährten Leitung deö Herrn Musikdirector Krauße stehend, sowie ein circa 300 Sänger zählender Chor, der von dem Festdtrigenten Herrn Grvninger geleitet Wurde, mitwirkten. Dasselbe wurde mit der herrlichen Jubelouverturc von C. M. v. Weber eingeleitet, woraus die Gesammtchöre, von denen einige mit Orchesterbegleitung, sowie die Einzelchöre der Bunde«- und NichtbundeSvereiue zum Vortrag gelangten. Sehr beifällig aufgenommen wurden da« große Anforderungen an Orchester Wie Sänger stellende MeisterwerkFrau Musika" von Wein- wurm, dieHymne" von Herzog Ernst, sowie die Etnzelchöre Schöner Rhein" von H. Mohr und dieFrühlingszeit" von Wilhelm. Am Abend fand eine Wiederholung der Tag« zu­vor zur meisterhalten Darstellung gelangten, durch Herrn Reallehrer Wämser gestellten Marmorgruppen statt, denen sich ein prachtvolle« Feuerwerk anreihte. Die Festtheilnchmer verweilten noch lange bei Musik und Gläscrklang, wobei auch der Göttin Terpsichore in vollstem Maße gehuldigt wurde. Der Montag Morgen vereinigte die Delegirten und Mit­glieder der BundeSvercine zu ernsten Berathungen im Garten- faalc deöHessischen Hose«", von deren Beschlüssen hervor- gehoben zu werben verdienen die Abhaltung beß nächsten Sängertageö in Wetzlar, Wo Über den Antrag Weilburg: bei künftige» Sängerfesten eine Werthung der Lieder vorzunehmen, verhandelt werben soll, sowie die Feier beß nächsten Buude«- festeö 1896 In Lich. In den Bunb ausgenommen wurde der Liedcrkranz"-Marburg. Am Nachmittag bewegte sich wiederum der imposante Zug nach dem Festplatze, wo die RegimentS- musik mit gewohnter Meisterschaft concertirtc, später folgte ein sehr schön auögesührter Reigen beßRadfahrer-Club". Nachdem da« LiedO, wie herbe ist baß Scheiben" ver­klungen, ergriff Herr Schmidt-Wetzlar da« Wort, um den Einwohueru Butzbachs für die den Sängern gewährte Gast- freulidschast, sowie dem Festcomitee und dem Gesangverein Orpheus" für die gehabten Mühen und Opfer zu danken, wodurch da« Fest ein in allen Theilcn gelungene« geworden sei und brachte dem GesangvereinOrphcnS" ein brausendes Hoch. Die auswärtigen Sänger verabschiedeten sich hierauf mit dem Rufe:Auf frohe« Wiedersehen in Lich!"

M. W. AuS der mittleren Wetterau, 17. Juli. Seit etwa einer Woche zeigen sich Kesselsticker, Korbstechter und andere Künstler, welche sich in der Nähe der Dörfer mit ihren Wagen sestsetzen und Ihre Dienste anbieten. Nach Wegzug beß fahrejnden Volkeö merken die Leute, daß Hühner oder Gänse fehlen, daß Kartoffeln in der schlauesten Weise auögcbubbelt, da« Kartoffelkraut aber in die aufge­räumten Stöcke so eingesetzt wird, al« sei nichts daran Passirt, daß Gemüse und Obst in den Gärten fehlt und noch manche« Andere. Wir machen auf diese Diebe und Landstreicher be­sonders aufmerksam, indem wir noch folgenden Streich beß Gesiudel« kennzeichnen, auf den die Bauersfrauen leicht herein- falleu. Die weiblichen Vagabunden bringen, wenn sic merken, daß keine Männer zu Haufe find, in die Wohnungen ein und Worten mitunter Geld gewechselt haben. Wiederholt suchte baß Gesindel. 60 - Pfennigstücke, wie gestern bei einer Nachbarin beß Einsenders geschah. Mit affenmäßiger Ge­schwindigkeit fnscheln die zudringlichen Menschen in den Geld­stücken herum und lassen einige verschwinden, denn Geschwindig' kett ist keine Hexerei. Erst hintendrein merken die Leute, daß sie bestohlen nnd betrogen worben sind. Bei unserer Nachbarin war baß Gesindel so frech, daß die Fran um Hülse rtef, nm sich Ruhe zu schaffen. Am besten ist c«, man läßt diese Tagediebe gar nicht inß Hau« herein.

K. Stockheim, 16. Juli. Die hiesige Actien-Zucker- fabrik har heute einen VcrwalttingSbericht an ihre Actionäre ergehen lassen, auS welchem wir Folgende« entnehmen: Im verflossenen 10. Geschäftsjahre kamen 646 470 Ctr. Rüben mit einem Kaufpreis von 584 844 Mark 11 Pfg. zur Verarbeitung. Vorstehende« Rübenmaterial wurde von 3768 Morgen angcllefcrt. Die DnrchfchnittSernte pro Morgen betrügt demnach rund 146 Ctr. gegen 160 Ctr. im Vor­jahre. Der Zuckergehalt war durchschnittlich 12,17 pCt. gegen 13,49 pCt. in 1892/98. Nach den bestehenden Öualltätßberträgcn hatten die Rüben einen durchschnittlichen Werth von 87 Pfg., während 1 Mk., rcsp. 1 Mk. 8 Psg., resp. 1 Mk. 10 Pfg. pro Ctr. bezahlt wurde. Die An«- betue war um 1,10 pCt. niedriger. Diese geringere Aus­beute, welche einen Mindercrtrag von 6011,17 Ctr. Zucker bedeutet, und der um 1 Mk. 90 Pf. pro Ctr. niedrigere Zuckerpreiö gegen baß Vorjahr haben baß Geschüftöcrgedniß sehr ungünstig beeinflußt. Anstatt mit einem Gewinn schließt baffelbc mit einem Verlust von 29 868 Mk. 2 Pfg. ab, welcher entweber auf das neue Geschäftsjahr zu übernehmen oder an« der Extra-Reserve zn decken ist, worüber die Gene­ralversammlung zu beschließen hat. Während der Dauer der Rübenverarbeitung sind Betriebsstörungen, mit Ausnahme von drei Schichten, während welchen aus Mangel an Rüben nicht gearbeitet werden konnte, nicht vorgekommen. Die Durchschnittsverarbeitung betrug 6844 Ctr. gegen 6914 Ctr. pro 24 Stunden im Vorjahre. Veranlaßt Wurde die geringe Verarbeitung durch den von Weihnachten ab anhaltenden heftigen Frost.

Mainz, 16. Juli. In der Zeit vom 2. bis 5. Sep­tember wirb hier der 13. deutsche Weinban - Congreß