widerte Gerlach: „Ja, wenn einen die Wuth dazu treibt." Das Mädchen wurde ohne Verzug in das Krankenhaus ge- bracht. .Als der leitende AnstaltSarzt, Kreisphysicus Medicinal« rath Dr. Beyer, gegen 8 Uhr Abend- die Kranke sah, gewann er sofort die Ueberzeugung, daß er eine im Sterben liegende Person vor sich habe. In Folge sofort angestellter Wieder« belebungsversuche beantwortete das Mädchen wohl einige an sie gerichtete Fragen, doch zeigten die Antworten, daß sich die Kranke in deinem eliriumähnlichen Zustande befand. Mit großer Gier schlürfte sie ein ihr dargereichteS Gläschen Cognac mit Et hinunter. „Sie haben wohl schon lange nichts zu essen bekommen?" fragte Dr. Beyer. „O, schon lange nicht", seufzte das Mädchen. Da Dr. Oertel inzwischen der Behörde Anzeige gewacht hatte, so erschienen kurz nach 8 Uhr Abends der Erste Bürgermeister Kühne und der Oberamtsrichter Klang im Krankenhause, um, wenn angänglich, daS Mädchen zu vernehmen. Allein diese Bemühungen waren erfolglos. Das Mädchen gab ganz verwirrte Antworten und wußte nicht einmal ihr Alter und die Dauec ihres Dienstverhältnisses bei den Gerlach schen Eheleuten anzugeben. Das Mädchen verfiel sehr bald in Schlaf und verstarb bereits gegen 11 Uhr Abends, in Gegenwart des Medicinalraths Dr. Beyer, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein.
Der Medicinalrath gewann auf Grund der Verletzungen des Mädchens die Ueberzeugung, daß dasselbe längere Zeit hindurch gemißhandelt worden und daß die Gesammtheit der Verletzungen, der Schmerz, die Vernachlässigung der Wunde und der zurückgekommene Ernährungszustand daS untrügliche Zeichen einer fortgesetzten unmenschlichen Behandlung sei. Bereits am 12. Juli wurde die gerichtsärztliche Obducttou der Leiche vorgenommen. Hierbei wurde feftgestellt, daß der ganze Körper Spuren von fortgesetzter, schwerer Mißhandlung zeigte. Die Unterschenkel wiesen breite, blaurothe Striemen auf, die nur durch starkes Schlagen mit festen Gegenständen, als Stöcke x. entstehen. Dieselben Striemen bedeckten auch beide Oberschenkel. Die Schläge, durch welche die Striemen verursacht worden, müssen derartig stark gewesen sein, daß sich die ganze Haut nebst dem gesammten Unterhautfettgewebe von dem darunter liegenden Muskelfleisch abgehoben hatte, sodaß sich große Oeffnungen an beiden Beinen und zwar an den Unter« und Oberschenkeln gebildet hatten, die mit wäsiriger gelber Flüssigkeit gefüllt waren. Dieselben blaurothen Striemen befanden sich an der rechten Brust, an der Vorderseite des rechten Oberarms und am linken Unterarm. Außerdem gewahrte man auch blaurothe Flecken, Spuren früherer Mißhandlungen. Die Rückseite der Leiche bot einen noch grauenvolleren und zugleich mitleiderregenden Anblick. Zunächst erblickte man am Hinterkopf eine tiefe und runde Wundfläche von 7x/2 Zentimeter Breite und 8 Zentimeter Höhe. Die Haare fehlten hier vollständig. In dieser Wunde befand sich eine große Menge kleiner Maden, ein Beweis, daß die Wunde schon sehr lange aller Pflege entbehrt hatte. Wie tief die Kopfwunde gewesen, ergibt sich aus dem Umstande, daß sogar der blosliegende Knochen des Hinterhauptbeines sich in kleinen Plättchen abgehoben hatte, lieber dem rechten Schulterblatt fand sich eine weitere schwere Wunde- hier fehlte ein ganzes Stück Haut, etwa 12 Zentimeter lang und 3 bis 4 Zentimeter breit, so daß das nackte Fleisch offen zu Tage trat. Zwei ähnliche Wundstellen wies die linke Schulter auf, desgleichen waren auf der linken und rechten Rückenseite derartig offene, der Haut entbehrende Stellen. Stellenweise war die Haut ganz abgehoben und entbehrte jeden Zusammenhanges mit der übrigen Haut des Körpers. DaS Fleisch, welches an den offenen Stellen zutage trat, hatte eine schmutzig-graue Farbe. Ein weiterer großer Hautverlust zeigte sich an der linken Hüftengegend-
ihre Wohnungen in Stand zu setzen und namentlich für paffende Nistgelegenheit Sorge zu tragen, damit die gelichteten Reihen bis zum Herbst wieder ausgefüllt werden. Die Dankbarkeit der Segler der Lüfte ist eine unbegrenzte. Wenn erst die Anschauung eine allgemeine geworden ist, daß die Vöglein nicht nur zur Freude und zum Ergötzen der Menschen da find, sondern daß diese auch Pflichten gegen den gefiederten Hausfreund zu erfüllen haben, dann wird wohl Niemand mehr über die Abnahme der Singvögel in Deutschland zu klagen haben.
Wochenbriefe ans der Residenz
(Originalbericht des „Gießener Anzeiger".)
Z. Darmstadt, 16. November.
Coneertbericht. — Aus dem Kuustvereiu. — Vom Hofe. — Allerlei.
Ein wegen seines Zwecke-, sowie wegen seines Verlaufes interessantes Zoncert hat hier am vergangenen Montag startgesunden und den schönsten Erfolg errungen. Zum Besten der Barmherzigen Schwestern, die allen Kranken, ohne Unterschied der Confession, bereitwillig ihre Hülfe leihen, veranstaltet ein Zomite alljährlich ein Zoncert, daß sich stets großen Zuspruches erfreut. Diesmal ist die Veranstaltung jedoch ganz besonders gelungen, so daß sie mit zu den schönsten Zoncertabenben gerechnet werden kann, die die lausende Saison uns schon gebracht hat. Ein Quintett von Beethoven für Zlavier, Oboe, Zlarinettc, Fagott und Horn eröffnete das Programm. Fünf Künstler unserer Hof- musik sührten es vortrefflich aus. Dann folgten instrumentale und vocale Vorträge in bunter Reihe. Die Hofsängerinnen Fräulein Neumeyer, Jungk und Egli hatten ihre Kunst in den Dienst des wohlthätigcn Zweckes gestellt und fanden selbstredend großen Beifall. Ganz besonders interessirte eine Composition unseres Hofcapellmeisters de Haan „Die Grazien", ein Terzett noch Wielands gleichnamigem Gedicht. Es ist ein Wechselgespräch zwischen den drei Grazien, die den schlafenden Amor unter Blumen entdecke haben. Den duftigen Gehalt der Wieland'schen Verse hat auch die Compo-
hier fehlte ein Stück Haut von 15 Zentimeter Lange und 9j/2 Zentimeter Breite. Innerhalb dieses Hautverlustes befand sich ein lederartig-geschwärzter Hauttheil, welcher gleichfalls von dem darunter liegenden Muskelfleisch abgehoben war. Dieser Hautverlust war aber nicht blos oberflächlich, sondern über 1 Zentimeter tief. Eine ähnliche Verletzung wie die linke zeigte auch die rechte Hüftengegend. Die Stellen unter den Hautdefecten waren mit wässerigem Eiter gefüllt. Zu alledem kam noch eine solche Abmagerung des Körpers, daß aus dieser auf eine überaus dürftige und mangelhafte Ernährung der Gemißhandelten geschloffen werden mußte. Die Mißhandlungen, im Verein mit der schlechten, unzureichenden Ernährung bewirkten gleichzeitig einen starken Körperverfall. Das gemißhandelte Mädchen vermochte die inneren Erkrankungen, die die Obduction ergeben hat, umsoweniger zu ertragen, als die Mißhandlungen bis zuletzt fortgesetzt und außerdem stetig schwere Arbeitsleistungen von der Verstorbenen verlangt wurden.
Die Obduction hat nun ergeben, daß infolge der Verletzungen eine Nierenentzündung, verbunden mit allgemeiner Wassersucht, eingetreten war, die den Tod des Mädchens zur Folge hatten. D eser Obductionsbefund führte zur Verhaftung der Oberförster Gerlach'schen Eheleute. Diese gestehen wohl zu, das Mädchen bisweilen wegen seiner Naschhaftigkeit und seines diebischen Wesens gezüchtigt zu haben, sie bestreiten jedoch beide avfs Entschiedenste, die vorgefundenen Verletzungen dem Mädchen beigebracht zu haben. Gerlach behauptet: er habe der Verstorbenen nur em einziges Mal und zwar am Ta^e vor ihrem Tove mit einem etwa fingerdicken Stöckchen 5 bis 6 Hiebe über den Oberschenkel versetzt und zwar habe er dies im Auftrage seiner Frau ge- than. Letztere bestreitet dies jedoch mit dem Bemerken, sie habe ihren Mann niemals beauftragt, das Mädchen zu züchtigen, sie selbst habe bie Verstorbene nur hin und wieder auf die Hände geschlagen. Allein eine große Anzahl von Zeugen hat beobachtet, daß die Verstorbene von den Gerlach'schen Eheleuten fortgesetzt und ohne nennenswerthe oder auch ohne jede Veranlassung fortgesetzt in furchtbarer Weise mißhandelt worven sei. Die Verstorbene soll außerdem wie eine Gefangene behandelt worden sein- sie war dem Verkehr mit der Außenwelt, ja selbst dem brieflichen Verkehr mit ihren Angehörigen fast vollständig entrückt. Aehnliche Behandlungen wie die Anna Köhler sollen im Uebrigen auch die früheren Dienstmädchen der Gerlach'schen Eheleute, wenn auch nicht in so krasser Weise, erduldet haben. Dies hat die Staatsanwaltschaft veranlaßt, gegen beide Eheleute die Anklage zu erheben. Es sind für diese Verhandlung, zu der eine große Anzahl von Zeugen und Sachverständigen geladen ist, zwei Sitzungstage anberaumt. Zu den Verteidigern gehört unter Anderen der Abgeordnete Rechtsanwalt Albert Träger (Berlin). Die Verhandlung erregt in hiesiger Gegend ein sehr großes Aufsehen. (Frkf. Gen.-Anz.)
Nach der am 15. d. M. beendigten Verhandlung wurde Oberförster Gerlach (der, wie aus der Angabe seiner Personalien hervorgeht, s. Z. zwei Semester in Gießen ftubirte. Red.) unter Zubilligung mildernder Umstände, zu 4 Jahren Gefängniß, Frau Gerlach zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurt heilt.
Vermischtes.
* Elberfeld, 14. November. Heber das entsetz liche Brand Unglück in der vergangenen Nacht meldet die „Barmer Ztg." folgende Einzelheiten: In dem Uvterhause des Hauses Kipdorf 84 befinden sich drei Läden, die Zigarren- Handlung von Bender, das Ledergeschäft von Schulten und
sition glücklich festgehalten, so daß der Erfolg ein großer war und daS Stück da capo verlangt wurde. Der Besuch des Zon- certes übertraf erfreulicherweise alle Erwartungen, die stattliche Summe von 1534 Mk. konnte daher als Reinertrag abgeliefert werden. Aehnlichen Erfolg hatte auch das vom Mozartoerein am Sonntag in der Johanneskirche veranstaltete geistliche Zoncert gehabt, das zum Besten des Kirchenbaufonds veranstaltet wurde. Eine große Zuhörerschar füllte die schöne Kirche und folgte jeder Programmnummer mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Auch hier dürfte ein schöner Gewinn für den guten Zweck erzielt worden sein. So ist die Zoncert» Saison bereits in vollem Gange und bis jetzt hat sie sich sehr gut angelassen. Dem ersten Hofmusikerconcert folgt schon in den nächsten Tagen das zweite, über dessen Verlauf ich das nächste Mal berichte. Das Hoftheater brachte in dieser Woche Wiederholungen des neuinfeenirten „Lohengrin" und der „Heimath". Am Mittwoch folgte „Eugen Quegin" von dem russischen Eomponisten Tschaikowski, Donnerstag „Hänsel und Grethel" und für heute ist die Posse „Robert und Bertram" mit dem für die nächste Saison engagirten jugendlichen Komiker, Herrn Mayer von Stuttgart als Gast angesetzt. In der nächsten Zeit wird wohl die Fest- Vorstellung an Großherzogs Geburtstag, Rubinsteins „Dämon" das Hauptinteresse des kunstsinnigen Publikums in Anspruch nehmen. Wie verlautet, hat Otto Roq uette zu diesem Tage ein besonderes Festspiel gedichtet, dessen Aufführung den Abend eröffnen soll.
Lebhaften Zuspruch fand in dieser Woche auch die Ausstellung des Kunst Vereins. Hier hatte außer auswärtigen Künstlern auch ein Darmstädter, R. Hölscher, eine schöne Collection eigener Werke ausgestellt, zudem war da ein prachtvolles Landschaftsbild aus der Hochgebirgswelt von dem in Berlin lebenden Darmstädter Eugen Bracht zu sehen, und schließlich lockte ein treffliches Porträt der Prinzessin Alix, der zukünftigen Beherrscherin aller ftcufjen, daS Publikum an. Der Maler des Bildes, Wilhelm Horst, hat offenbar mit dem größten Fleiß an feinem Werke gearbeitet, und er kann mit der Anerkennung, die er gefunden, zufrieden sein. Großes Interesse und lebhaften Beifall finden übrigens auch ein paar kleine, sehr fein ausgeführte
die Schönfärberei von Balke. Das Feuer brach kurz tior 11 Uhr in dem Zigarrengeschäft aus. Ein Oberwächter kam- 8 Minuten vor 11 Uhr durch das Kipdorf und sah die Flamme auS dem Cigarrenladen schlagen- er drang in den Laden ein, warf in der Bestürzung einige brennende Maaren hinaus- als er aber sah, daß seine Thätigkeit dem Brande keinen Abbruch that, lief er aus dem Laden hinaus und durch den Haupteingang von der Seitengasse in das Haus, um die Leute zu wecken. Er jrettete zu ebener Erde eine Frau und zwei Kinder, worauf er sich in das zweite Stockwerk begab, um das Rettungswerk fortzuführen. Ihm schloß sich der Polizei-Sergeant Gantzen an, .der hinter ihm her die Treppe hinan lief. Es wurden von beiden die Leute in dem ersten Stockwerk geweckt und sie sahen auch, daß einige derselben an ihnen vorüberliefen, um den Ausgang zu gewinnen. Beide begaben sich darnach in das zweite Stockwerk. Die Flammen schlugen inzwischen bereits in die Treppen hinau s, der Qualm wurde stärker und undurchdringlicher. Der Oberwächter erkannte die Gefahr, in der er und fein College schwebte, und versuchte die Rückkehr zu gewinnen. Eine Flurlampe, die er in der Hand trug, fiel zu Boden, vom Qualme fast betäubt, gelangte der Oberwächter in das erste Stockwerk hinab, hier versperrten ihm die Flammen das weitere Vordringen, er gewann ein Fenster und rettete sich durch einen Sprung auf die Straße. Der Polizeisergeant Gantzen ist nicht mehr lebend herausgekommen, vermuthllch ist er erstickt, die Leiche wurde Morgens aufgefunden. Zunächst wurde die Leiche einer unkenntlichen Person weiblichen Geschlechts, bann diejenige des Schreiners Stumpf, der Ehefrau Jansen, des Polizeisergeanten Gantzen, der Wittwe P. Jansen und ferner drei bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen gefunden, worin man zwei Kinder und eine erwachsene Person vermuthet. Ferner fand ein im Nachbarhause wohnender Mann, der Marmorschleifer Schmahl, feinen Tod durch einen Herzschlag, verursacht durch den bei dem Brande erlittenen Schrecken. Mehrere Personen, die vermißt wurden, haben sich wieder eingestellt. Die Feuerwehr war bald zur Stelle, ein Eindringen in das Haus war aber bereits unmöglich. Mehrere Feuerwehrleute erlitten mehr oder minder erhebliche Verletzungen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sind 4 Personen unter dem Verdachte der fahrlässigen Brandstiftung verhaftet worden.
Schiffsiraehrichten.
— Der Postdampfer „Fliesland" der „Red Star Linie" in Antwerp en ist laut Telegramm am 13. November wohlbehalten in Newyork angenommen.
— Köstritz (Thüringen). Dr. (Seltner in Erfurt mir ft im „Reichs Medicinal-Anzeiger" die Frage auf: „Wie muß ein Bier beschaffen sein, wenn es nicht allein als Genußmittel, sondern auch als Nahrungsmittel dienen soll?" Er sagt: „Es muß leicht verdaulich sein und blutbildende Eigenschaften besitzen und bei einem möglichst hohen Malzgehalt möglichst wenig Alkohol enthalten.
Denn die Malzproducte bilden ja eine ganz concentrirtc, leicht verdauliche Nahrung: Zucker, Dextrin und Eiweiß sind Nährstoffe, welche dem Biere seine nährende Kraft verleihen müssen.
Je höher der Gehalt an solchen Stoffen, desto größer der diätische Werth eines Bieres."
Unter den modernen Bierarten dürfte keins ihre Ansprüche so erfüllen, wie das Köstritzer Schwarzbier, das mit zu den ältesten Gesundheitsbieren Deutschlands gehört und welches in der Fürstlichen ^Brauerei seit 1696 hergestellt wird.
Tausendfältige Anerkennungen, zahlreiche erste Preise, silberne uud goldene Medaillen beweisen, daß dieses Bier alle die Eigenschaften besitzt, welche von einem Gesundheitsbier nur verlangt werden können. Wer das Köstritzer Schwarzbier noch nicht erprobt hat, wird einen Versuch nicht zu bereuen haben. — Wegen des Bezuges verweisen wir auf den Jnseratentheil dieses Blattes. 2642
Bildchen des Gießener Malers Fritz, der hoffentlich bald wieder tm Kunstverein erscheint, dann aber mit einer größeren Anzahl von Studien, denn das, was er bis jetzt geboten, macht begierig, noch mehr von ihm zu sehen. Uedrigens tritt der Kunstverein gerade jetzt wieder mit einer Einladung zum Beitritt und zur regen Unterstützung seiner Bestrebungen an die Oeffentlichkelt. Diese sei auch den Lesern Ihres Blattes hiermit empfohlen.
Am Dienstag ist der Großherzog zur Th eil - nahme an den Bestattungsfeierlichkeiten nach Petersburg abgereift; wann die Rückkehr erfolgen wird, ist noch unbekannt, doch glaubt man allgemein, daß unser Landesherr zum Geburtstagsfeste Seiner jungen Gemahlin, das ja auch gleichzeitig das ©einige ist, wieder hier sein wird. Die Meldungen über die Vermählung der Prinzessin Alix, die nun nach den neuesten Nachrichten am 22. d. Mts. stattfinden soll, werden hier übrigens noch skeptisch ausgenommen, man hat sich jetzt daran gewöhnt, daß jeder Nachricht aus Rußland auch bald das Dementi folgt. Die Großherzogin weilt nun in größter Zurückgezogenheit allein hier. — Ist die Hoftrauer jedoch vorbei, so hofft man die höchsten Herrschaften wieder öfters zu sehen. Schon für die verschiedenen für Anfang Dezember festgesetzten Veranstaltungen hofft man aus eine Betheiligung des Hofes.
Eine sehr intereffante Ausstellung ist in den letzten Tagen im Turnsaale der Victorlaschule eröffnet worden. Sie zeigt die zahlreichen Entwürfe für den projec« tirten Neubau der Bictoriaschule. Die Unzulänglichkeit des alten Gebäudes in der Grafenstraße ist schon lange anerkannt, und so dürfte auch der Beginn des Neubaues nicht mehr lange auf sich warten lasten. Erst muß freilich die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung über die Wahl des auszuführenden Entwurfes fallen. Auch das dürfte bald erledigt sein, und so können wir uns eine nähere Beschrei- bung der ausgestellten Entwürfe ersparen, um den Ausfall der Berathungen abzuwarten. Darmstadt wird mit der neuen Bictoriaschule den dritten in ganz kurzer Zeit errich- teten neuen Schulbau bekommen.


