1894
Nr
Amts- imd Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen
Gratisbeilage: Gießener Kamitienötätter.
sammenkommen der Schützen oder Treiber nach dem
3.
wiesen ist.
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Jagen (Trieb). _ , £ - I
Di- geladen- „gefaerte" Waffe muß m.>1«if* gemachten Riemen so getragen werden, daß die Mündung nach oben zeigt. Es sei hierzu bemerkt, daß geladen und „in Ruh" gesetzte Waffen als „gesichert" nicht an- gesehen werden können. Daher sind nur in Ruh ge- setzte Waffen in Gesellschaft von Menschen besonders bei ungeschickten und zerstreuten Jägern nicht zu dulden.
4, Geladen und gespannte Waffen werden getragen: a. unter dem Arme, Mündung nach dem Erdboden zeigend- b. auf der Schulter, Mündung nach rückwärts aufwärts zeigend- c. fertig zum Schießen, Mündung | nach vorn aufwärts, Waffe etwa unter einem Winkel ; von 350 zum Erdboden. , . -
5. Du- Schi-ß-n: a. Man s-h- sich um, ob das Schuß- feld menschenfret ist und lasie, wo nicht völlige Sicher- hett vorhanden, lieber das Wild uubeschoffen pasfiren. Im besonderen gilt diese Regel sür das ^Schießen mit der Büchse, deren Beschaffe sehr weit fliegen und event. unberechenbar rikochettren. b. Man schieße mit Schrot nicht mehr nach vorn, wenn im Waldtreiben die Treiber auf etwa 100 Schritte an die Schützen herangekommen find. Es empfiehlt sich, diesen Moment adblaffen zu lassen, c. In den Feldkessel hinein wird nicht mehr geschossen, sobald abgeblasen ist - und dieses Signal möge der Jagdherr zeitig geben lassen, d. Man „ziele gewissermaßen, „ziehe" dem Wilde weder durch die Linie der Schützen, noch durch die Linie der Treiber nach und schieße lieber heraus aus dem Trieb. 6. Man schieße vorsichtig aus feste Wege und bei engen Schneusen, auf deren einer Seite Menschen stehen, besonders bei Frost und Glatteis, f. ES empfiehlt sich bet vielen Waldjagden, daß der Jagdherr die Schützen nur nach einer Seite schießen läßt. .....
Folgende Bemerkungen mögen noch kurz Hinzuge-
* Zeitgemäße Zagdregelu. Der „St. Hubertus", illu- | ftrirte Zeitschrift für Jagd und Hundezucht, Fischerei und | Naturkunde, Verlag von Paul Schettlers Erben, Preis .
1 40 pro Vierteljahr frei in das Haus, welcher am
1. October 1894 ein neues Abonnement beginnt und dessen Abonnement (Probenummern gratis und franco) wir an' gelegentlichst empfehlen, bringt folgende sehr sachgemäße und beherzigenswerthe Zeilen:
In neuerer Zeit mehren sich in oft erschreckender Weise die leider immer dagewesenen UnglückSsälle auf der Jagd. Hervorgerufen find dieselben in weitaus den meisten Fällen durch ungeschickten, unvorsichtigen, ja sogar gleichgiltigen Ge- brauch der Schußwaffe. Es erscheint daher hohe Roth, allen Jägern und besonders solchen, die Waidmänner werden wollen, folgende altbewährte Jägerregeln inS Gedächtniß zu
1. Schußwaffen, ob geladen oder ungeladen, müffen stets so gehandhabt werden, daß die Mündung der Waffe nie auf Menschen zeigt, — vorzugsweise beim Laden und Entladen. ,
2. Die Schußwaffe ist zu entladen: a. in bedeckten Raumen - b. auf Wagen bet der Fahrt- c. aus der Hand ge- geben z. B. an Bäumen, Mauern, Hecken, Zäunen rc. angelehnt- d. beim Ueberwinden von Hindernissen, z. B. Glatteis, Gräben, Dämmen re.- e. beim Zu-
ar von mu |u#uh . ..
Solchen und ähnlichen Regeln sollte sich jeder edle Waidmann von selbst unterwerfen, dann würde weniger Unglück, Aerger und Verdruß eintreten. Das Waidwerk würde, wie eS sein soll, eine gute, nothwendige Beschäftigung, ein vornehmes Vergnügen bleiben. Jagdherren, die nicht nach solchen Regeln handeln, sollten nicht ausgesucht werden, und Gäste, die solchen Regeln nicht nachkommen, rücksichtslos aufmerksam gemacht und daun nicht wieder eingeladen werden.
Waidmannsheil!
» Brieftauben werden jetzt auch in der Fischerei angewendet. Die auslaufeuden Fischereifahrzeuge nehmen zwn der fliegenden Boten mit. Die eine Taube laßt man nach dem Einziehen der Netze und Feststellung des Fanges fliegen, um die Fischereigesellschaft und das kaufende Publikum über die Menge und die Arten der gefangenen Fische zu benachrichtigen. Die zweite Taube behält man an Bord, um sie aufzulassen, wenn das Schiff in Gefahr kommt.
* 10,000 Mark faules Fleisch. Seitens der Schlachthausverwaltung in Straßburg wurden dieser Tage dem Wasenmeister 120 — sage und schreibe einhundertundzwauzig — Ochsen- und Rinderviertel A 1* 1 2/2 bis 2 Centner zur Vernichtung übergeben. DaS überseeische Fleisch wurde am 17. August in total verdorbenem Zustande von Hamburg abgesandt, in Frankfurt und Stuttgart auf den Markt zu bringen versucht und repräsentirt, wie die „St. N. • fahren, einen Werth von etwa 10,000 Mk.
♦ Unsere Monatsnamen. Wie so Vieles, so find auch unsere Monatsnamen römischen Ursprungs. D-r S^- nnch .heilte Romntas, der erste König, das Jahr in zehn Monat-. Davon nannte °r den ersten Martins nach Mar-.dem Kriegs gotte der Römer, den zweiten April,s, weil sich >n diesem die Knospen öffnen (apertre — öffnen), den dritten MarmS von Ma a, der Mutter der Musen, den vierten Innin« von der -tano l-Vunonius), die übrigen nach ihrer Zahl Ouintil r, SertiliS SeptembriS, Octobri», Novembri«, D-cembri«. Der zwette^önig der Römer, Ruma Pompilin», setzte Diesen X Monaten noch zwei vor, den Jannarins nach dem Gotte
Mehener Anzeiger
Gmerat-Wizeiger.
- .Treu dem guten alten Bronchi". MN diesem Ep^nch- Prüfet unS das erste Heft deS neuen (14.) Jahrganges von -Dom «elS zum SUtt* (Union Deutsche Verlagsgesellschast in Stuttgart) mi d ertnnn tuns daran, daß es auch in dem neuen Gewände daö es angezogen, die alte, bewährte Eigenart,unsermVolkedtebeste Lectüre zu bieten, nicht vermissen läßt. Und wie verlockend ist dieses neue Gewand, wie reizend der F-rbenschmuck, ini dem.ftbe Sette erstrahlt! Das Format ist vergrößert - die Erscheinungswetie ««-ändert — nicht mehr monatlich, sondern halbmonatlich wird ein solch-, wunderhübsche« Heft erscheinen, um die M-tach-n i" "st-um. roa nicht zu viel gesagt, wenn wir dieses erste Hest des neuen Vom FelS zum Meer" als die originellste und glänzendste Leistung
75 Ma vro Lest ein durchaus niedriger genannt werden mufc cyphMifallä bildet die Umwandlung der Monatszeitschrift SdS Meer" in diese so kokett auSgestattete und so viele Mannigfaltigkeit darbietende Halbmonatsschrift daS buchhändlerische (^reigntß der diesjährigen Saison.
- Eine nach-bmenswertheNeuerung bringt daS
no der -Wiener Mode* in der Rubrik. „Borscymge zur Veretttfachung 'd^ d°7gestellten Tolletten" Die oben angeführten Morte werden unsere Leserinnen über den Zweck der Neuerung schon aufaeklittthaben- Wohl find die Toiletten, die die .Wiener Mode" bttdttch darstellt, im Allgemetnm im einfachen Genre gehalt^i, doch erscheint ost das angegebene Material manchen Damen^zu kostbar um Jmm also, deren Budget das genaue Copiren der Modelle nicht erlaubt^ di.selbm ebenfalls zugänglich zu machen, wird bei den Toiletten, die eine Vereinfachung erlauben, dieselbe bezeichnet, schriftlich ^d öfters auch mit kleinen Skizzen wie sie mit der Nr. 24 und aus dem Schnittbogen zu diesem Hefte zu flnden sind. Diese!Neu- einfübrung erscheint uns ganz dazu geeignet, der „Wiener Mode viele neue Anhängerinnen zu gewinnen, da sie dadurch die eleganten Modelle deS beliebten Blattes auch weniger mit Glucksgutern gesegneten Damm zugänglich macht.
JanuS und den FebruariuS oder Sühnmonat (februum — Reinigungsmittel), weil in ihm das jährliche Reinigung«, oder Sühnfest stattfand. Die von ihrer Zahl benannten Monate behielten trotzdem ihre nunmehr falschen Namen bet, bis später der Quinttlis zu Ehren Caesars Julms, der Sextilis zu Ehren des Augustus nach deffen Namen genannt wurde. ______________________
Literatur Aurrst.
- Dom „SauSschatz M Wissendieses die wichtigsten Zweige des allgemeinen Wissens umsassmdm Sammelwerkes, daS mit seinem Generalregister den Besitz ^neS ConversattonslextkonS । entbehrlich macht, liegen unS die weiteren Hest« Nr. 61 bis l00 vor. Der dritte Thetl deS im ganzen (ohne den Generalregisterverband, melcker an die Abnehmer deS GesammtwerkeS gratis verabfolgt wird) auf 320 Hefte ü 30 Pfg. veranschlagten Werkes ist damit nahezu zur Ausgabe gelangt; vier Bände, Lte I. Thetle^ der Abthtt ungm Thierreich", „Entwickelungsgeschichte der Natur , ».Geschichte der Weltliteratur" und „Weltgeschichte", find in den ersten 100 Heften I Breits abgeschlossen. Der vorltegmde Band deS von sechs Fach I Lehrten bearbeiteten Werkes „Daö Thierreich umfaßt bet einer I Stärke von 52 Bogen die Stämme der Urthiere, Pflanzen-, Stern- | ißier. «nd Würmer, der Gliederfüßer und Weichthiere und vom I Stamme der Wirbelthtcre die Fische; den Werkes er
öffnet Heft 22 (97 der ganzen Sammlung) mit^den Lurchen, bearbeitet
I von Bruno Dürtgen, welchm die von Paul Matschte bear betteten Kriechthtere und Vögel und die Säugethtere von vr. L. Heck folgen werden. Di- „Entwtckelungsgeschichte der Natur" von W l- «-ist»., ist im Heft 20 (95 der ganzen Sammlung) bis zum D« Urzustand der Erde und die üullonWn Er-
I ihren ersten fünf Büchern (Naturvölker und antiker Orient. Hellas I und Rom, die ersten Jahrhunderte deS ChristenthumS, der neue Orient und daS eigentliche Mittelalter) abgeschlossen vor und geht
I im 22. Hefte (99 der ganzen Sammlung) zur Literaturgeschichte deö I 14 und 15. Jahrhunderts über, die durch daS Emporkommen des I BürgerthumS — bei gleichzeitigem Verfall der rittnlichen Gesellschaf, I des Papstthums und der Kirche — i&ri8eW*jJj8 iÄ^nn^
I hurcb daS Aufblühen der welllichen Wissenschaft besonders gekenn- I »pjAnet iß Die Weltgeschichte" von M. Reymond, deren erstn, I eo Bogen starker Band Alter und Mittelalter umfaßt, tritt mit Heft. 25 (75 der ganzen Sammlung) in die Neuzeit ein, welche der Verfasser in die betten Zeitalter des christlichen CulturkampfeS (16. biS 18. &Ärt)SrS «MÄ unbanfl«ünfllen
I (19 Jahrhundert) trennt, und liegt bis zum Heft 36 (100 der ganzen Sammlung) vor, daS die französische Revolution von 1789 und die napoleonische Herrschaft bis zum Jahrel807 umfaßt. Je | k^ausswatz" in seinem Erscheinen vorfchreitet, desto klarer
tritt feine Bedeutung als ein unentbehrlicher Bestandtheil ftder ^- diegenen HauSbibliothek hervor. Die durchaus Semeinverständliche I unb «nreaende Darstellungsweise, in welcher jeder oon bcn «n I diesem Werke bethettigten Autorm seinen Gegenstand den breitestm Scktckten der Leserwelt mundgerecht und interesiant zu machen be- I müht ist, sowie der außerordentlich reiche Btlderschmuck werden nicht , verfehlen, den Zweck des Unternehmens: möglichste Verbreitung von wahrer Bildung, aufs wirksamste »u fördern.
’ I nicht bloß um ihres stattlichen Ansehens willen in den Bücherschram t S nen fonbern man wird fie auch lesen und zwar - davon sind i wir fest überzeugt — mit Vergnügen nnd bleibendem Nutzen lesen.
Die starke Gegnerschaft, welche dem allgemeinen gleichen Reichstagswahlrecht nicht nur bei einzelnen Parteien, sondern auch vielfach in der öffentlichen Meinung erwachsen ist, indem die Gegner annehmen, daß daS gleiche Re^stagswahlrecht nicht nur politisch ungerecht sei, Indern auch zu unerhörten Mißbräuchen Anlaß gäbe, hat den Altreichskanzler Fürst Bismarck, den Vater des Reichstagswahlrechts, in den schicksalsschweren Jahren 1866/67 veranlaßt, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, denn die dem Fürsten BiSmarck publicistisch | zur Verfügung stehenden „Hamburger Nachrichten erörtern diese Angelegenheit in einem Arttkel, welcher entweder vom Fürsten Bismarck verfaßt oder doch von demselben inspirirt worden zu sein scheint. Es ist bekannt, daß Fürst Bismar bei der Vollendung seines großen Werkes der nationalen | Einigung Deutschlands nicht nur die Stärkung der Macht Preußens und die Erreichung der leitenden Stellung für dasselbe in Deutschland zum Ziele hatte, sondern daß er bet diesem Etnigungswerke auch die Erfüllung vller berechttgten nationalen Forderungen gewähren wollte, um auf dttse Weise alle einsichtigen Volksgenossen mit dem Werke Preußens unter der diplomatischen Führung des Fürsten Bismarck auszusöhnen. Zu diesen Forderungen gehörte aber seit dem Sturm- und Drangjahre von 1848 eine allgemeine deutsche Volksvertretung, also ein Reichstag, den man sich, um mit den damaligen feudalen Reactionsgelüsten gründlich aufzuräumen, nur „hervorgegangen aus den allgemeinen, gleichen und directen Wahlen vorstellen konnte. Die „Hamburger Nachrichten erklären daher auch in dem erwähnten Artikel, daß eS in der da- malig«, Situation (1866/67) lehr bedenklich «Mienen wäre, von den deutschen nattonalen Forderungen, wie sich solche beretts im Frankfurter Parlamente gestaltet hatten, abzugehen und namentlich gar die Betheiligung der deutschen
Ration an ihren Wahlen in dem großen Augenblicke, wo I g • unnmkuürmjsch, sich auf Kosten feiner Nachbarn eine entscheidende Erklärung nothweudig war, irgendwie zu I st angenommenen WaidmannSregeln Bortheile zu
verkürzen oder herunter zu handeln. Ferner wird in dem und gegen ©äcte tat Feldkeffel,
Artikel hervorgehoben, daß bet der Annahme des Frankfurter | W) ff ' r Lücken übermäßiges Dorsprtngen rc. leider Programms ton 1849 der Gedanke maßgebend war daß vor g geschieht UnLsntasch ist -- auch, da-
Allem zunächst die deutsche Einigkeit und ihre europäische von „Schtetzer^^^ge^ Y ba6 z.
Anerkennung, also bei allen Großmächten, sicher L» stelle I 0 11 Schütze einen Hasen anschoß, der Hase zum
«Xrt« SäsÄ.’ss.a’ssas
und s-lbstständig klug und besonnen genug sein werde, um die I Solchen und ag-ttch- bei der ersten Gründung des Reiches geschaffenen, aber spater nicht paffenden Einrichtungen nach eigenem Ermessen, das heißt aus den Wunsch der Volksvertretung zu verbessern. Damit gesteht aber Fürst Bismarck, der Schöpfer des jetzigen Rerchs- tagSwahlrechtes zu, daß dasselbe unter Umständen geändert werden muß. Wir dürsen aber hinzufügen, daß die Noty- wendigkeit der Wahlgesetzreform entschieden noch nicht er-
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- «orm. 10 Uhr.
Fürst Bismarck und das Reichstags Wahlrecht.


