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Amtliche^ Tbeil.
Bekanntmachung.
Der Unterzeichnete beehrt sich hiermit, die Mitglieder de» landwirthschaftlichen Verein» von Oberhessen zu einer Hauptversammlung auf Mittwoch den 21. d. M., de» Vormittags 111/2 Uhr, in das Gasthau» zum Prinzen Karl in Gießen ergebenst einzuladen.
Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die Wahl tc4 Vereinspräsidenten und deffen Stellvertreters für die Periode 1. April 1894 bis dahin 1900.
Laubach, am 8. März 1894.
Der Präsident de» landwirthfchaftl. Verein» von Oberhesien. Friedrich, Graf zu SolmS-Laubach.
Verhandlungen der Zweiten Kammer der Landstände.
NN. Darmstadt, 15. März.
Die Sitzung wird um 10 Uhr eröffnet.
Nach der Verkündigung einer Anzahl neuer Einläufe tritt da» Haus tn die Berathung des Gesetz-Entwurfs betr. die Befreiung gemeinnütziger auf die Errichtung von Wohnungen iür Unbemittelte gerichteter Unternehmungen von Gerichts- Gebühren und Stempel. Der vom Ausschuß vorgeschlagene l besetz Entwurf bestimmt in Art. 1. Gemeinnützige Unter- ehmungen von Gesellschaften oder Genoffenschaften mit dem ^atutarisch festgestellten Zwecke der Beschaffung von Wohnlagen für Unbemittelte, sind bei der Errichtung des Gesell- schastS-BerlragS und Eintragung in das Handels- oder Ge- aoffenschastSregister sowie bei der Erwerbung, Veräußerung
Belastung von Liegenschaften von Gerichtsgebühren und Stempel befreit. Diese Befreiung tritt aber nur ein, wenn die Gesellschaft an jährlichen Zinsen oder Dividenden nicht mehr als 4% des eingezahlten Kapitals bezahlt und den Mitgliedern im Falle der Auflösung nur dieses Kapital zu- sichert, den etwaigen Ueberschuß aber siir gemeinnützige Zwecke verwendet.
Art. 2. Veräußert oder verwendet die Gesellschaft eine von ihr erworbene Liegenschaft ganz oder zum Theil für andere als die oben angegebenen Zwecke, so sind neben den 6'ebÜhren und Stempelbeträgen diejenigen Gebühren zu erbeben, welche im gewöhnlichen Falle zu entrichten gewesen wären. Abg. Schönberger spricht sich nur als Gegner
des Gesetzes aus. Der Gesetzentwurf wird einstimmig angenommen.
Ein Gesuch deS Gendarmen i. P. Jacob Henkel zu Darmstadt, der gelegentlich eines Rencontres mit einem Wil- derer dienstuntauglich geworden, um Erhöhung seiner Pension wird auf Befürwortung der Abg. Lantz, Schmidt, Waffer- burg und trotzdem der Regierungs-Vertreter, Ministerial- rath U sing er das Gesuch nicht als berechtigt anerkennt, einstimmig nach dem Antrag des Ausschusses genehmigt, dahin gehend, Grobherzogliche Regierung zu ersuchen, der Bitte deS Petenten thunlichft zu willfahren.
Die Beantwortung resp. Besprechung der Interpellation deS Abg. Lantz und Genossen, den landwirthschaftlichen Nothstand betreffend, insbesondere die Auffassung des Beschlusses der zweiten Kammer gelegentlich der NothstandS Debatten im Juli v. I., wonach die sämmtlichen Bedarfsgegenstände fracht- und spesenfrei bis zur nächsten Bahnstation zu liefern seien, mit anderen Worten, daß diese Transportkosten nicht von den Empfängern, sondern von der StaatSkaffe zu tragen seien, ruft eine lebhafte Debatte hervor, weil von Seiten der Nothstandscommission resp. von der Großherzog' lichen Regierung diese Frachtkosten jetzt angefordert werden. Die Antragsteller halten dieses Vorgehen für ungerechtfertigt.
Im Laufe der Debatten werden von den Abgg. Lantz, SturmselS, Wolz, Pfannstiel, Schönberger u. A. eme Reihe von Dessiderien gegen die Abgabe von Waldstreu Seitens der Oberförstereien, die Belieferung der Nothleidenden mit Futtermitteln u. s. w. zur Sprache gebracht, welche die Thätigkelt der Nothslands Commission mit Vorwürfen verschiedener Art geradezu Überhäuft.
StaatSminister Finger und Finanzminister Weber sowie auch der Referent für die Forstabthetlung Ministerial- rath Muhl geben die bestimmte Erklärung ab, die Regierung habe in den Zeiten der Noth ihre Schuldigkeit gethan; ungerechtfertigten Wünschen Seitens einzelner Gemeinden sei sie mit Entschiedenheit entgegengetreten. Daß sich bei der Vertheilung der Futtermittel auch Großbauern als noth- leidend gemeldet, habe die Regierung veranlaßt, wenigstens die Frachtkosten sich wieder zurückerstatten zu laffen.
Die Abgg. Heidenreich und Werner vertheidigen die schwere Aufgabe der NothstandS-Commiision, der man anstatt zu danken mit Vorwürfen aufwarte. Auch die Abg. Metz- Gießen und Haas zollen der Thätigkeu der Nothstands- Commission sowie dem hilfsbereiten Eingreifen der Großherzoglichen Staaisregierung in Zeiten schwerer Roth für unseren Bauernstand wärmsten Dank.
Am Schluß der Debatte ergreift StaatSminister Finger
nochmals das Wort. Er möchte die Besprechung nicht zu Ende gehen lassen, ohne eine angenehme Pflicht zu erfüllen. Im Laufe der Verhandlung habe man der Nothstands-Com- Mission vielfach Vorwürfe gemacht, die völlig unbegründet seien und auf falschen Voraussetzungen beruhten. Er halte sich verpflichtet, den Männern, welche sich opferbereit außerdienstlich der Großhcrzoglichen Regierung im Falle einer dringenden Noth zur Verfügung stellten, hiermit vor der Kammer den Dank der StaatSregierung und den Dank des Landes auszusprechen. (Bravo.)
Ein Antrag des Abg. HaaS und Gen. auf gänzlichen Erlaß der sämmtlichen Frachtkosten und Uebernahme auf die Staatskaffe wird dem Ausschuß überwiesen. Hieraus vertagt sich daS Haus bis nach Ostern.
• Leipzig, 15. März. Wie der „Leipz. Getteral-Anzeiger" meldet, hat sich heute Vormittag In dem Hause Eisenbahn- straße 3 eine erschütternde Familien-Tragö'die abgespielt. Der dort wohnhafte, erst seit October v. I». verheirathete Kaufmann Buckisch hat sich mit seiner Fiau vergiftet. Beide befanden sich in vollem Hochzeitsschmuck. Buckisch hatte die Schlüssel zu seiner Wohnung vorher der Polizei eingesandt. Ueber die Motive der Thal ist noch nichts bekannt- dieselbe erregt im ganzen Stadttheile allgemeine Theilnahme.
* Mannheim, 15. März. Im Rhein wurden heute die zusammengebundenen Leichen eines Liebespaares geländet. Die Selbstmörder sind als der Gärtner Voß aus Kiel und eine Kellnerin aus Würzburg wiedererkannt.
* Ludwigshafen, 15. März. Der Matrose GeierS- mann aus St. Goar wurde heute Nacht mit einem Messerstich im Kops tobt aufgefunden. Der Mörder ist unbekannt.
* Rom, 15. März Die Polizei verhaftete in Reggio während eines BalleS den berüchtigten Räuber Josef T r i b o r i, der als Graf Molcini in der Gesellschaft eingeführt war.
* Unglückliche Liebe. Vor der Wohnung ihres Bräutigams/ eines Lehrers, hat sich am Sonntag Morgen in Charlo tt en- burg bei Berlin die Wirrhschafterin Margarethe G. durch einen Schuß ins Herz getödtet. Am Abend vorher war eS zwischen den beiden Verlobten zu einer Auseinandersetzung gekommen, weil die Eltern des Bräutigams eine Verbindung der Beiden nicht wünschten.
Feuilleton.
Äinr launige Gerichtsverhandlung.
Berliner Blätter brachten folgenden launigen Bericht Über eine Verhandlung, welche sich vor einem Berliner Gericht abspielte:
Im gewöhnlichen Leben mochte sie eine ganz gute Frau lein. Jetzt schoflen ihre Augen aber Blitze, ihr Doppelkinn zitterte und ihre Hände ballten krampfhaft das Taschentuch. Ihre Erregung war begreiflich, sie befand sich auf der An- klagebank. „Zum ersten Male in meinem Leben, Herr IrrichtShof, un denn so jerade vor't Weihnachtsfest!" jammerte sie auf Befragen. — Vors.: Frau Schulze beruhigen Sie sich nur, die Sache ist nicht so schlimm. Sie find der Sachbeschädigung beschuldigt und wohl auch geständig? — Angekl.: Mer ick bestreite, bet ick jewußt habe, bet bet Zeichs noch ju gebrauchen war. Un wejen solche Sache muß ick hier uft Lriminal? — Bors.: Ja, bas ist nun mal nicht anbers, der Chemiker S. hat Strafantrag gegen Sie gestellt. Er war ja wohl Ihr Chambregarnist? — Angekl.: Un wat for eener! -^ir soll wieder eener kommen, bet er bei mir miethen will, die Treppe schmeiß ich ihm run, bet er be 93eene nach'n Himmel kehrt. Wat habe tck für Erfahrungen mit bie Lbamberjarnisten jehabtHerr Präsibent, et jibt brei Sorten ooit Chamberjarnisten. Die eene Sorte tritt bramsig uf un Jeld, un bezahlt ooch — wer Jeld hat, is immer bramsig, Herr Präsibent — un die behandeln eenen fo, als wenn man rät Dienstmädchen wäre. Manchmal bezahlen fe aber ooch r'd). Denn iS da noch 'ne zweete Sorte, die merfchtendeels zu n merkantilen Handelsstand jehören, die sind ja höflich, inbem sie immer fecnc Stellung haben, die Miethe schuldig bleiben un mit eenem Male wegbleiben. Die dritte Sorte smi die Studenten un bet sinb bie schlimmsten. Bezahlen Üm sie eenen nid), aber bie halten ihre Wirthin für eene tri JuliuSthurm un pumpen ihr obendrein an. Wenn ick
davon — Bors.: Aber Frau, halten Sie unß doch hier nicht einen Vortrag über die Chambregarnisten, wir haben doch nur mit dem Chemiker zu thun. — Angekl.: In meinem Leben nehme ick keenen Chemiker wieder, bet will ick mit bloße Knien uf’n schwarzen Deckel beschwören. Als er bei mir miethen bhat, hatte ick ja keene Ahnung, wat en Chemiker iS, er sprach von seine Torten, ob bie ooch Platz in t Zimmer hätten un bet er Schweselstoffe machen bhäte, wobei bie Fenster offen sinb müßten, aber wat kennt 'ne olle ehrliche Fran von so'ne Jeschichten? Also ick nehme ihn an. Den ersten Dag jing Allens jut. Aber jejen Abend höre ick en BumS in seine Stube, bet bet janze Haus zittert un bet wieberholt sich noch breimal. Die Nachbarin von unten kömmt ruff un beschwert sich- ihre Kinber wären usjewacht un schrieen un wat bet for en fürchterlicher Lärm wäre. Ick ieberrebe ihr, bet sie mit in seine Stube rin jetzt un nachsieht, wat ba los is. Ick kloppe an un er ruft ooch herein. Als wir aber jerabe bie Thüre ufjemacht haben, kömmt uns tn Knall entgegen, bet wir bcebe laut ufschreien. Herr meines Lebens! sage ick, Herr S. wat bebeutet bet ? Un er sitzt uf’n Canapee un lacht un sagt, bet bet eene eijene Erfindung von ihm wäre. Un beim zeigt er uns eene Maschinerie bei’n Ofen, mit'n Stock un eenen Bindfaben un eenen mächtigen Ziegelstein, ber daran bammelte. Un denn hatte er noch eenen anderen Bindfaden, der wurde anjeftöchen, un wenn der biß an den ersten Bindfaden hinjebrannt war, denn brannte der durch un der Steen fiel 4 Fuß hoch runter uf ’ne eiferne Platte, un Sie können sich denken, wat bet für'n Heibi machte. Un ick fragte ihn, wat ber Mumpitz zu bebrüten hätte, wodrus er mir erklärte, bet ber Binbsaben jrabe vier Minuten brennte un wenn er ihn anstecken bhäte, benn bhäte er ooch bie Eier, wo er alle Stunbe äße, in bet kochende Wasser, un wenn benn ber Steen fiel, benn wären sie weech un er konnte bet nid) verpassen. Na, ick stoße ihn benn un derbe Bescheed, un er solle die Eier ohne BumS un Scandal kochen. Det hatte ihn nu etwas verschnupft. So 1
nach en Dagener achte komme ick von't Jnholen nach Hause. Als ick in die HauSthür rinkomme, denke ick, ick muß lang hinschlagen. Mir kam en Dust entjejen, wo der dollste Jestank Wohljeruch jejen iS. Det roch, als wenn eener Rühreier aus zehn Mandeln faule Eier macht. Der Jeruch kam aus den Chemiker feine Stube. Na denke ick, bet is ber Dank, weil er keene Eier kochen barf. Ick rin bei ihm un ba steht er mang allerlei Gläser und Bütteln un kocht wat über die SpirituSlampe, wat eenen jräulichen Jestank verübt. „Ja, meent er, un lacht, bet iS ber sojenannte Schwefelstoff, der hat immer so'n bisken apartijen Jeruch an sich. Natürlich hielt ick mir bie Neese zu un fünbigte ihn uff bie Stelle. Nu fing er an, mir zu ärjern, Jott soll mir bewahren, toaß jibt bet doch für allerhand Jerüche in die Welt. Eine« Morjens wurde mir bet zu boll un als er fortjejangen war, jehe ick in seine Stube rin. Als wenn eener in eene lebenbeje Leichenjruft kömmt. Luft un Athem blieben eenem weg. Un wat sehen meine Dogen? Uf bie Fensterbänke liefen een bobtet Karnickel, zwee bobte Mäuse unb zwee bobte Frösche. Nu wurde ick falsch, un ick habe nid) nur sämmtliche Leichen, sondern ooch den sauberen Herrn seine sämmtlichen Torten un Buddeln un Röhren un wat er da Allen» liejen hatte, zum Fenster rauSjeschmissen. — Vors.: Das durften Sie eben nicht, Sie haben dem Manne einen großen Schaden zugesügt. — Angekl.: En halbet Dutzend bobte Mäuse un en ollen Karnickel will ick ihm jerne wieberjeben un ooch bie Pabben, wenn er warten will, bis welche reif sinb. Muß ick meine Wohnung benn zu ’ne Privat-Leichenhalle machen lassen? — Bors.: Sie hätten sich an bie Polizei wenden sollen. — Angekl.: Ick habe mir jar nid) mal wat dabei jedacht, indem. mir vor Wuth die JeisteSjejenwart abhanden jekommen war. — Bors.: Das werden wir bei der Strasabmeffnng berücksichtigen. — Frau Schulze hat 5 Mark Strafe zu zahlen.


