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Marktplahd.
Nr. 65 Erstes Blatt.Sonntag den 18. März
1894
Dcr Hielftver Aoieiger erscheint täglich, mit Lu-nahmk deS Montags.
Die Gießener Aamitt, ndläller »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal detgel^t.
Gießener Anzeiger
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Gießen, den 17. März 1894.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
Fresenius.
Abonnements - Einladung
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 2. Vierteljahr 1894 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz O b e r h e sj en ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschast wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wiffens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem An-
Ferrilleton.
Wochenbriefe sus der Residenz.
(Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 15. März 1894.
Der Todestag Ludwig IV. — Bom Hoftheater. — AuS dem Bereiaslebe». — Allerlei.
Ein ernster Gedächtnißtag für unser ganzes Hessenland und insbesondere für die hessische Residenz war der vergangene Dienstag, der Todestag unseres höchstseligen Herrn, des unvergeßlichen Großherzogs Ludwig IV. In Darrn« stadt wurde der Tag in stiller Trauer begangen, alle öffent« lichen Festlichkeiten, Theater, Concerte und dergleichen waren abgesagt, in zahlreichen Schaufenstern der Läden waren Bild- oiffe des verewigten Landesherrn ausgestellt, die bei den Beschauern wehmüthige Erinnerungen erweckten. Se. Königs. Hoheit der Großherzog fuhr bereits am Vormittage mit dem zu Besuch hier weilenden Prinzen Heinrich von Preußen, dessen hoher Gemahlin und Prinzessin Alix hinaus zum Mausoleum in der Rosenhöhe, wo die höchsten Herrschaften am Sarge des entschlafenen Fürsten Blumenspenden nieder« legten und längere Zeit verweilten. Auch die ehemaligen Flügeladjutanten hatten einen prachtvollen Kranz gesandt, desgleichen der bekannte Männergesangverein „Melomanen", der in dem Verewigten seinen hohen Protector betrauert. Selbstverständlich wurde auch in der Preste auf die Bedeutung deS TageS hingewiesen und dabei wurde verschiedentlich ausgesprochen, daß doch recht bald ein würdige- Denkmal deS verstorbenen Landesherrn unsere Stadt zieren möge. Gerade neuerdings hat diese DenkmalSftage wieder erhöhtes Interesse erhalten. ES ist auch schon eine Anzahl berühmter deutscher Neister der Bildhauerkunst zur Anfertigung von Entwürfen aasgefordert worden. Die Platzfrage soll neuerdings zu Gunsten des Herrngartens entschieden worden sein; das wäre
zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufaeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. dlpril den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postftei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasien, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 16. März. Wie der „Darmft. Ztg." aus Loburg berichtet wird, unternahmen Seine König!. Hoheit der Großherzog gestern Nachmittag mit Ihren König!. Hoheiten den Prinzessinnen Victoria Melita und Beatrice eine Fahrt nach Schloß Rosenau. — Die Rückkehr Sr. König!. Hoheit des Großherzogs nach Darmstadt findet voraussichtlich nächsten Sonntag statt.
Berlin, 16. März. Der Bundesrath überwies in seiner Wochenplenarsitzung vom 15. d. M. die Vorlage, betr. die Ausprägung von Reichssilbermünzen, den zuständigen Ausschüssen.
— Die wichtigste Vorlage der gegenwärtigen Landtags- session in Preußen, diejenige über die Errichtung von Land« wirthschaftSkammern, kann nur sehr unsichere parlamentarische Chancen verzeichnen. Im Lentrum bringt man dem Projekte kein sonderliches Wohlwollen entgegen, auch innerhalb der nationalliberalen und der conservativen Partei machen sich erhebliche Bedenken gegen daS geplante Gesetz geltend. Jedenfalls dürfte eS viel Schwierigkeiten kosten, den Entwurf durchzubringen.
eine vortreffliche Wahl, denn es läßt sich wohl kaum irgendwo ein prächtigerer Standpunkt finden, als in dieser herrlichen Parkanlage. Nun die definitive Entscheidung wird ja nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Eine Reihe höchst interessanter Vorstellungen brachte in dieser Woche daS Großherzogliche Hoftheater. Am letzten Freitag kam ein Schlllercyclus „Die Braut von Messina" zur Aufführung und fand ein ausverkauftes HauS. Am Sonntag wurde endlich wieder einmal Wagoers „Walküre" aufgeführt, in der nach den Urtheilen der Presse unsere Opernkräfte, vor Allem die Herren Bäs und Stury, bedeutende Leistungen boten. Am Mittwoch hat dann Herr Kammersänger Alvary, ein gefeierter Wagnersänger, sein Gastspiel als „Siegfried" begonnen und zwar mit glänzendem Erfolge. Sind seine Stimmmittel auch nicht außergewöhnlich groß, so froppirt er dafür durch sein prachtvolles Spiel um so mehr. Daß „Charleys Tante" noch immer ein Zugstück ist, bewies diese Woche gleichfalls. Die nächste Zeit wird nun außer der Fortsetzung deS Alvary Gastspiels vor Allem die mit Spannung erwartete Novität Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel" bringen, daS beim festlichen Einzug des GroßherzogS mit feiner hohen Gemahlin am 20. April als Galavorstellung gegeben werden soll, eine Notiz darüber hat bereits einer unserer letzten Briefe enthalten. Auch über den geplanten Empfang und die Serenade für das Groß- herzogliche Paar hat der „Gießener Anzeiger" seinen Lesern nun schon wiederholt berichtet, so daß für heute nichts Neues darüber mitzutheilen bleibt, nur sei erwähnt, daß nunmehr auch daS Liederprogramm für die Serenade fertiggestellt ist, daS unter Anderem eine von Dr. C. Busch gedichtete und vom Kammermusiker Kugler componierte Glückwunsch-Hymne aufweist.
Aus dem Darmstädter Vereinsleben sei Ihren, dem ©port geneigten Lesern mitgetheilt, daß sich jetzt auch der Radfahrerverein nach dem Borbilde deS BicycleclubS eine große eigene Rennbahn bauen wird und zu diesem Zwecke
Neueste
Wolfftz telegriphtscheS Korrespondenz- Bureru.
Berlin, 16. März. Der Kaiser fuhr heute Nachmittag um 58/4 Uhr bei der russischen Botschaft vor und verweilte daselbst bis 6 Uhr.
Pari«, 16. März. Der Kaiser von Oesterreich richtete gestern vorn Cap Martin folgendes Telegramm an den Präsidenten Carnot: „Bevor ich Cap Martin verlaffe, bitte ich Sie, Herr Präsident, sich versichert zu halten, daß ich an den Aufenthalt in diesem schönen Lande die angenehmste Erinnerung bewahre und mit dem Ausdruck meiner aufrichtig freundschaftlichen Gefühle meinen lebhaftesten Dank entgegenzunehmen für die liebenswürdige Gastfreundschaft und die Aufmerksamkeit, die mir in Frankreich von allen Seiten entgegengebracht wurden." Carnot erwiderte: „Sehr bewegt über die Gefühle, die Euer Majestät mir beim Derlaffen des Caps Martin aussprechen, danke ich Euer Majestät für die liebenswürdigen Worte, womit Sie mir Mittheilung machen von der angenehmen Erinnerung, die Sie an den Aufenthalt in Frankreich mit sich nehmen. Ich ergreife mit Freuden die Gelegenheit, Euer Majestät meiner aufrichtigen Freundschaft zu versichern."
Depeschen deS Bureiu .Herold".
Berlin, 16. März. Nach der „Post" ist zum heutigen Kaiserdiner bei Schuwalow in erster Linie auch Caprivi eingeladen.
Berlin, 16. März. Dem heutigen Kaiserdiner beim russischen Botschafter wird deßhalb eine hochpolitische Bedeutung beigemessen, weil eS heute am Tage der Entscheidung über den russischen Handelsvertrag gegeben wird. Der deutsche Botschafter General Werder, der heute von Petersburg mit einem eigenhändigen Schreiben des Czaren anlangte, nimmt ebenfalls an dem Diner Theil.
Berlin, 15. März. Liebermann von Sonnenberg hat heute int Reichstage einen Antrag auf Ertheilung von Vorrechten an Bauhandwerker beiBelegung von Hypotheken gestellt.
Berlin, 16. März. Nach der parlamentarischen Oster« pause wird sich zunächst die ReichStagScommisston, sodann der Reichstag selbst mit der Detailberathung über die Tabak« fabrikatsteuer befassen.
Wien, 16. März. Eine der „Neuen Freien Presse" auS Petersburg zugegangene Meldung bestätigt das Gerücht, daß der Bau des großen Kriegshafens in Libau infolge sich entgegenstellender unüberwindlicher Terrainschwierigkeiten ernstlich in Frage gestellt ist. Wahrscheinlich wird nun der KriegShafen in Windau angelegt.
ein großes Gelände an der Heidelbergerstraße erworben hat. Der Odenwaldclub, der am letzten Sonntag eine hübsche Excursion in die heimatlichen Berge unternommen hat, ist mit den Vorbereitungen zu seinem zweiten Decorierungsseste, daS, wie schon gemeldet, am 7. April im Saalbau stattfinden soll, eifrigst beschäftigt. DaS Programm ist fast fertiggestellt und weist sogar eine „Festvorstellung" auf. Der Musikverein rüstet sich zu seinem Charfteitagsconcert in der Stadtkirche, zugleich bereitet er im Bunde mit dem Mozartverein schon jetzt daS mittelrheinische Musikfest vor, daS im August dieses Jahres große Schaaren deutscher Kunstfreunde in unsere Stadt führen wird. Die verschiedenen Ausschüsse sind bereits in eifriger Thätigkeit, um von vornherein ein glänzendes Gelingen der ganzen Veranstaltung zu sichern. Möge dem schönen Unternehmen der Erfolg beschieden sein, den eS verdient, daß Darmstadt eS trefflich versteht, Feste zu arrangieren und seine Gäste in jeder Hinsicht zufrieden zu stellen, daS hat der im wahrsten Sinne des Wortes „feucht-fröhliche" Verlauf des großen mittelrheinischen Turnfestes im vergangenen Jahre bewiesen, ist doch dabei ein nach Tausenden zählender lieber- schuß erzielt worden, trotz der so überaus ungünstigen Witterungsverhältnisse.
Das Wintersemester an der „Technischen Hochschule" ist auch zu Ende gegangen, doch werden die Ferien unsere Studentenschaft nicht hindern, am 19. April den 70. Geburtstag Otto RoquetteS festlich zu begehen. Neuerdings ist nun auch die Veranstaltung eines großen studentischen FackelzugS beschlossen worden, daS ist für Darmstadt etwas ganz seltenes, denn trotzdem daS studentische Verbindungswesen in Darmstadt während der letzten Jahre einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen hat, find doch studentische Umzüge und dergleichen Veranstaltungen biß jetzt wenigstens verhältnißmäßig seltene Erscheinungen. Vielleicht ändert sich auch daS zur Freude unserer schaulustigen jungen Wett, die ja dem studentischen Treiben von jeher daS größte Interesse entgegengebracht hat.


