zunächst Herr Professor Wimmenauer nach einigen geschäftlichen Mittheilungen deS Vorsitzenden über die letzte Sitzung des Landesausschuffes der Partei am letzten Sonntag, und namentlich über den neuen Einkommensteuerentwurf. — Darauf refertrte Herr Rechtsanwalt Dr. Fuhr über die Ergebnisse der Erhebungen des Vereins für Sozialpolitik, über die Lage der Landarbeiter, besonders in den östlichen Provinzen des Reiches. Rach einem Rückblick auf das frühere Verhältniß der Leibeigenschaft erläuterte er die aus ihr hervorgegangene Arbeitsverfassung des ostelbischen Großgrundbesitzes, wo bis vor wenigen Jahrzehnten überall die Jnst- familie neben dem der Wartung des Viehes obliegenden ledigen Gesinde das Arbettsbedürfniß des Gutes deckten. Familien, die zur Gestellung von zwei Arbeitskräften für das Gut verpflichtet waren und weniger auf Lohn als auf An- theile am Ertrage des Gutes angewiesen waren. Es wurde gezeigt, wie dann zur Zeit der günstigen Lage der deutschen Landwirthschaft bis Ende der siebziger Jahre die Jnstleute immer mehr und namentlich in den südlichen Provinzen durch den Deputanten abgelöst wurden, bet dem an Stelle der Ertragsanteile feste Bezüge in Naturalien für die ganze Familie traten; und wie auch dieser bei dem mit der intensiveren Cultur gesteigerten Bedarf an Saisonarbeitern hinter diesen zurücktritt. An der Hand der Enquete wurde darauf hingewiesen, daß die Lage der Gutsarbeiter durchaus nicht so schlimm war und ist, wie ein vieloerbreitetes Vorurtheil annimmt. Es wurde gezeigt, wie man die Saisonarbeiter, namentlich auch slavischer Nationalität als billigere Arbeitskräfte vor den Jnstleuten bevorzugt habe, und wie die Großgrundbesitzer zu dieser Bevorzugung der billigsten Arbeitskräfte durch die Verflechtung in die Weltwirthschaft genöthigt worden seien; wie auf der anderen Seite diese Verflechtung in die Weltwirtschaft zur Einschränkung des unrentablen Getreidebaus und zu Bevorzugung der Kartoffel und Zuckerrübe genöthigt habe. Nach ausführlicher Darlegung der Gründe, welche die Landarbeiter des Ostens ihrer Heimath den Rücken kehren lassen, wurden die Arbeitsverhältniffe auf den Gütern Westfalens dargelegt, und schließlich auf das Ergebniß der Erhebungen hingewiesen, daß diejenigen land- wirthschaftlichen Betriebe heutzutage die lebensfähigsten seien, welche mit möglichst wenig fremden Arbeitskräften auskämen und ihre Producte theils selbst consumiren, ihre Ueberschüffe aber den localen Märkten zuzuführen in der Lage seien. — An die klaren Ausführungen des Referenten, deren Reichtum unsere knappen Andeutungen natürlich nicht zu erschöpfen vermochten, schloß sich eine lange, angeregte Dis- cussion. — Auf der Tagesordnung der nächsten Monatsversammlung, welche Dienstag den 11. Dezember, Abends 8^ Uhr (im oberen Saale von Weidig, Sonnenstraße) stattfindet, steht ein Vortrag des Herrn Gutsbesitzers Schlenk e über den Bund der Landwirthe. Gäste sind stets willkommen.
** Theater-Verein. Die heute (Donnerstag Abend) stattfindende Theater-Aufführung ist die erste des Theater- Vereins in dieser Saison und damit zugleich die erste in den neuen Localitäten (Festsaal, früher Leibs Saal). Um den Mitgliedern diese Uebersiedlung nach dem neuen Loca unö der damit nöthig gewordenen Platzordnung möglichst wenig fühlbar zu machen und das Ausfinden der Plätze zu erleichtern, sind verschiedene practische Neuerungen eingeführt. Während früher jeder Rang für sich nummerirte, also stets mit Nr. 1 begann, werden jetzt alle Plätze hintereinander durchnummerirt, so daß von nun an jede Nummer nur einmal vorkommt, eine Verwechselung der Plätze daher absolut ausgeschlossen ist. Weiter tragen die Eintrittskarten jeden Ranges andere Farben und zwei am Eingang des Theaters angeschlagene Farbenkarten belehren den Suchenden, wo er sich hinzuwenden hat, um ohne Umwege auf seinen Platz zu gelangen. An dieser Stelle machen wir gleichzeitig noch einmal darauf aufmerksam, daß im Interesse der gastirenden Künstler die Vorstellung unbedingt um 71/2 Uhr beginnt. Ebenfalls weisen wir darauf hin, daß drei bequem gelegene Garderoben vorhanden sind, und die Besucher, vornehmlich die geehrten Damen, dringend gebeten sind, davon Gebrauchzu machen, da Mäntel und Hüte nicht nur den Trägerinnen unbequem find, sondern auch den lieben Mitmenschen Platz und Aussicht rauben.
H. Neues Theater. Das Sudermann'sche vieractige Schauspiel „Heimath", das uns morgen (Freitag) Abend von dem Reiners'scheu,'Ensemble vorgesührt werden wird, bedeutet gegen „Sodoms Ende" einen entschiedenen Fortschritt; eß steht fast auf gleicher Höhe mit der „Ehre", die dem bis dahin unbekannten Verfasser mit einem Schlage einen klingenden Namen gemacht hat. Auch hier stellt sich der Verfasser ein sociales Problem, an dessen Lösung er mit rücksichtsloser Schärfe herangeht. Dieses Problem ist der Kampf zweier Weltanschauungen, der bürgerlich-wohlanständigen und der in moralischer Beziehung freieren. Eine verstoßene Tochter kehrt als gefeierte Künstlerin in das Haus des Vaters, eines pensionirten Offiziers, zurück, geräth aber mit ihrer ganzen Denkweise und ihrem Auftreten in scharfen Gegensatz zu der Athmosphäre, die in der Heimath herrscht. Der tragische Ausgang des Conflicts wird zur Nothwendig- keit, als der Vater erfährt, daß seine Tochter eine Gefallene ift, und als diese sich weigert, ihrem Verführer die Hand zu reichen. Durch eine Aeußerung der Tochter in blinde Wuth Ersetzt, erhebt der Vater die Waffe gegen das eigene Kind, stürzt aber in demselben Augenblicke vom Schlage gerührt zusammen. Dies das erschütternde Ende der Tragödie. Ob es die einzig mögliche Lösung des Problems ist, bleibt dahin- gestellt, aber alle Figuren sind mit packender Lebenswahrheit erfunden; der Oberstlieutenant Schwartze, Magda, der Pfarrer Neffterdingk, Tante Franziska, der Verführer von steuer, alle find vortreffliche Repräsentanten des von ihnen vertretenen Typus. Herr Reiners wagt sich mit der Auf- W"Ng dieses Stückes auf ein Gebiet, dessen Pflege den hiesigen Verhältnissen entsprechend ihm ferner zu liegen er« scheint. Aber wir dürfen in Anbetracht der von ihm enga-
girten tüchtigen Kräfte hoffen, daß er der Größe der Auf, gäbe gewachsen sein und sich durch eine gute Darstellung dieses für unsere moderne dramatische Litteratur typischen Stückes Anspruch auf unsere Dankbarkeit erwerben wird. — Wir bemerken noch, daß die Aufführung in dem alten Gießener Theaterlocal, im (Safe Leib, stattfindet.
"* Von hefstfcheu Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Kupferschmied Hch. Fre nzel ans Breslau vom.Amtsgericht Lauterbach wegen Strafvollzugs; Backsteinmacher Gottl. Ldg. Fritz aus Bitterfeld vom Amtsgericht Worms wegen Diebstahls; der 28 Mal vorbestrafte Frdch. Jos. Ldg. Ferd. Gaßmann ans Dntterstadt vom Amtsanwalt I. in Darmstadt wegen Betrugs; Christian Gebhardt aus Erbach von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen Strafvollzugs; die Dienstmagd Franziska Holzheimer aus Mellrichstadt in Unterfranken, zuletzt in Worms, von der Staatsanwaltschaft in Mainz wegen inteOectueHer Urkundenfälschung; der Bierbrauer Georg Kammer aus Heiligenkreuz bei Brückenau von der Staatsanwaltschaft in Darmstadt wegen eines in Dietzenbach mit einem Complicen verübten Einbruchdiebstahls ; die Waschfrau Emilie Schraut, geb. Winter, aus Hebenshausen von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Urkundenfälschung; die Ehefrau des Heinrich Müller, Elisabeth, geb. Weißbeck, aus Weckesheim von derselben Behörde wegen Diebstahls.
Aus dem Kreise Gießen, 12. November. Unter dem Vorsitze des Herrn Schulrath Büchner aus Gießen fand heute zu Grünberg eine Conferenz der Lehrer des ConferenzbezirkS Grünberg statt, wozu sich fämmtliche Lehrer des Bezirks eingefunden hatten. Nach einer Unterrichteprobe wurde im Gasthaus „zum Hirsch" zur Erledigung der übrigen auf der Tagesordnung stehenden Punkte geschritten. Zunächst referierte Herr Lehrer Luzius aus Keffelbach über „Die Erziehung zur Wahrhaftigkeit". In feiner anschaulichen Arbeit warnte Redner vor so manchen Fehlern, die vielfach, namentlich von den Eltern in dieser Beziehung gemacht würden und wodurch die Kinder oft geradezu zum Lügen erzogen würden und gab sodann practische Winke, wie das Kind schon von Jugend auf zu gewöhnen sei, die Lüge zu verabscheuen und stets der Wahrheit die Ehre zu geben. Hierauf erhielt Herr Lehrer Volk aus Harbach das Wort zu seinem Vortrage „Wie können wir Lehrer in unseren Schülern die Liebe zum Vaterland wecken, beleben und fördern?" Die ansprechenden Ausführungen des Referenten fanden bei den Anwesenden vollen Beifall, wie auch die am Schluffe der ersten Arbeit verlesenen Leitsätze einstimmig angenommen wurden. Darmst. Ztg.
§ Aus Oberheffell, 13. November. Nicht selten begegnet man in den Blättern gegenwärtig der Mittheilung, daß ein strenger Winter zu erwarten sei. Die „Wetter- kundigen" prophezeien denselben aus der Beschaffenheit der Ameisenhaufen, die, statt wie sonst breit und niedrig, diesmal hoch und spitz gebaut sind. Ferner meldet man aus dem Erzgebirge, daß sich dort der Nußhäher, welcher sonst nur selten dorthin kommt und lieber im hohen Norden bleibt, in großen Schaaren eingefunden hat, was nach der Versiche- rung der Forstleute einen harten Winter bedeute. Ob der letzte Umstand erfahrungsgemäß Anspruch auf sichere Bedeutung hat, entzieht sich unserer Kenntniß, allein aus dem ersten einen strengen Winter prophezeien zu wollen, zeugt von einer gänzlichen Verkennung der bedingenden Ursachen zur vorhandenen Erscheinung. Die Ameisenhaufen sind allerdings anders beschaffen, wie sonst, d. h. höher und spitzer, aber sicherlich nicht um deswillen, weil ein kalter Winter folgt, sondern, weil der Erdboden fast täglich von ungewöhnlich starken Regenmengen durchtränkt wird, die die Wiesen nicht selten unter Wasser setzen. Der feine Instinkt der Ameisen läßt sie darum ihre Hügel so anlegen, daß sie zu bald abtrocknenden Inseln werden. Uns ist die Regel, wonach man aus der Beschaffenheit der Ameisenhaufen auf den Winter schließt, nicht unbekannt, sie läßt aber nur dann einen ziemlich sicheren Schluß zu, wenn diese abnorme Beschaffenheit der Ameisenwohnungen bereits im Nachsommer sich zeigt und zwar ohne zwingende, sichtbare Veranlassungen. Ohne | Anspruch darauf machen zu wollen, zu den „Wetterkundigen" gezählt zu werden, bringen wir doch jedes Jahr solchen Anzeichen, die auf die Art des kommenden Winters schließen lassen könnten, stets ein besonderes Interesse dar. Nach diesen uns bekannten Anzeichen haben wir nicht einen strengen, sondern recht milden Winter zu erwarten. Zu diesen I Anzeichen rechnen wir den frühen und gleichmäßigen Blätter- I abfall der Bäume, das normale Verharzen der Bienenwoh- I nungen, den späten Wegzug der Kraniche und den noch nicht I erfolgten Rückstrich der im Felde in großer Menge anzutref- I senden Lerchen. Möglich, daß diese meist untrügerischen An- I Zeichen auf einmal trügerisch sich erweisen, aber die Beschaff I fenheit des jetzigen Vorwinters läßt ihre zutreffende Be- 1 beutung erhoffen.
* Kol«, 14. November. Heute früh kurz nach 7 Uhr passirte ein Extrazug mit circa 40 französischen Offizieren, auf der Reise von Paris nach Petersburg, den hiesigen Centralbahnhof.
* Elberfeld, 14. November. In vergangener Nacht brach (wie ein bereits in vor. Nr. veröffentliches Telegramm meldet. Red.) im Hause Kipdorferstraße 84 Feuer ans, wobei 10 Pers onen ums Leben kamen. Bis heute Mittag waren die Leichen, darunter die deS Polizeisergeanten Datzen, der zur Rettung der Bewohner in das Haus geeilt war, aus den Trümmern geschafft. Alle zehn waren erstickt. Es werden noch mehrere Personen vermißt. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sind 4 Personen unter dem Verdacht der fahrlässigen Brandstiftung verhaftet worden. In dem Hause wohnt eine gewisse Maria Bender, die in den Parterre- j räumlichkeiten ein Cigarrengeschäft betreibt. Gestern Abend ’
teilten bei der Bender eine Freundin und zwei Herren- Die Gesellschaft benahm sich ziemlich laut, wie man in der Nachbarschaft hören konnte. Als einer der Herren die Wohnung der Bender verließ, warf er im Cigarrenladen ein brennendes Streichholz weg. Bald darauf schloß die Bender den Laden, verließ mit den übrigen das Haus und ging in ein Cafe. Eine im dritten Stockwerk wohnende Frau merkte zuerst den Rauch und ging die Treppe herunter, um ihren URann zu holen. Die übrigen Bewohner des Hauses lagen
liefen Schlafe und find in dem sich rasch entwickelnden dichten Rauch erstickt.
* Berlin, 14. November. Das Schwurgericht verur- theilte den Steuermann vom Bremer Schiffe „Paul Isen- bürg", welcher den norwegischen Matrosen Petersen auf qualvolle Weise zu Tode gemartert, zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe.
* Neustrelitz, 14. November. Fleifchermeister Koschützki ermordete den Fletschermeister Schuppenhauer, dessen Geschäft er gekauft hatte, mittels eines Schlachtmessers. Der Mörder und dessen Geselle sind verhaftet.
* Stuttgart, 10. November. Aus dem Oberamt Tettnang kommt die Kunde von einer SchreckenSthat. Der feit längerer Zeit in hohem Grade fchwermüthige fünf« undzwanzigjährige Sohn eines Bauern im Weiler Bunte- Hofen wurde vorgestern Nacht plötzlich tobsüchtig. Er erhob sich von seinem Lager und brachte seinem Vater mit einem scharfen Säbel, den er stets, auch des Nachts, bei sich hatte, so schwere Verletzungen bet, daß bald darauf der Tod eintrat. Die ihrem Manne zu Hilfe herbeieilende Mutter wurde von dem Rasenden in lebensgefährlicher Weise ver- letzt, im Gesicht und an den Händen erhielt die Frau gegen 20 Säbelhiebe und schwere Verwundungen. Der Tobsüchtige eilte nun auf die Straße, wo er zunächst einen 70jährigen Maurer niederfchlug. Außerdem griff er im benachbarten Dorfe Ailingen, wohin er ging, noch drei Männer an und verletzte sie schwer; nur mit größter Mühe gelang es, des unseligen Menschen Herr zu werden, ihn zu fesseln und vorläufig in baß Ortßgefängniß zu bringen.
* 8tun Unteroffizier ernannt würbe vor Kurzem der (Srenabier Lüd i'ck e vom 4. Garde-Regiment z. F. Wie ben Lesern erinnerlich sein wirb, fanben während beß bießjährigen Manöverß bei einem Scheunenbranbe in Kalbe zwei Soldaten ihren Tob, bie mit anberen Kameraden auf einem Heuboden genächtigt hatten. Bei ben Löscharbeiten unb bem vergeblichen Versuch, bie bem Tode Verfallenen zu retten, (hat sich Lüdicke trotz Abmahnenß der Anwesenden in so tollkühner Weise hervor, daß er in Anerkennung seiner Opfer« willigen That jetzt diese Auszeichnung erhalten hat.
* Ein musterhafter Gläubiger. Auf der Civllkammer in I Frankfurt a. M. wurde ein Proceß verhandelt, bei dem I fich der Schuldner desto renitenter verhielt, je mehr der I Gläubiger, der 2000 Mk. zu fordern hatte, ihm entgegenkam. I „Ich kann nichts zahlen!" Das war der Kehrreim, mit dem I der Schuldner auf jeden „Vorschlag zur Güte" antwortete. I //Trinken Sie ein paar Schoppen des Tags weniger," meinte I der Gläubiger schüchtern, „dann gehts." — „Das kann ich I aber auch nicht," sagte der Hartnäckige mit Seelenruhe. Fast I riß dem Vorsitzenden die Geduld. „Da hört doch Alles auf", erklärte er halb empört, halb verblüfft. Wieder nahm der Gläubiger das Wort: „Ich bin's zufrieden, wenn er mir monatlich nur fünf Mark gibt." — „Fünf Mark monatlich?" I überlegte der Zähe. „Na, meinetwegen, bann bin sich in 3 3 Jahren bie Sache los." Der Vergleich würbe zu Protocoll genommen, Gläubiger unb Schulbner gingen zusammen I fort unb bekräftigten bas Uebereinfommen in einer benachbarten I Wirtschaft mit einem Trunk, ben vermuthlich ber erfreute Gläubiger zahlte.
* Die Gefängnisse, so wirb aus Berlin berichtet, beginnen sich wieber zusehends zu füllen und ! namentlich die Stadtvogtei sieht bem Winter mit einigem j Bangen entgegen, bie Anstalt und ihre Filiale beherbergten I gestern schon 1500 Personen, wovon 670 auf bie Haupt- j anstatt, 550 auf das Weibergefängniß in ber Barnimstraße unb 280 auf bie Filiale in ber Perlebergerstraße kamen. Das Untersuchungsgefängniß hatte bei einem Bestaub von 1182 Gefangenen zwar 89 weniger wie im Vorjahre, bas erklärt sich aber barauß, daß in ben letzten Wochen ein ganz bebeutenber Abschub nach bem neuen Zellengefängniß in Wronke erfolgt ist. Der badurch geschaffene Platz wirb leiber bald wieber besetzt sein. Die Wronker Anstalt, bie mit ihren 800 Einzelzellen nunmehr baß größte Zellengefängniß ber ganzen Monarchie ist, hat auch bie Plötzenfeeer Anstalt etwas entlastet, immerhin zählte Plötzenfee mit seiner Filiale gestern noch 2355 Gefangene, 555 über ben Etat. Wie stark überfüllt Plötzensee immer noch ist, beweist ber Umstand, daß für die dort untergebrachten 242 Jugendlichen, die eigentlich alle in Einzelhaft kommen sollen, nur 92 Zellen vorhanden sind.
* Französische Artillerie. Seit dem 1. October zählt bie französische Artillerie statt bisher 38 Regimenter bereu 40 mit 508 Batterien gegen 480 früher unb zwar 425 Feldbatterien, 52 reitende und 31 Gebirgsbatterien. Daß Stärkeverhältniß der Artillerie der Großmächte ist nun folgendes: Rußland 3144 Geschütze,? Frankreich 3048, Deutschland 2976, Oesterreich 2032, Italien 1242, England in Europa 288. Frankreich und Rußland zusammen verfügen demnach über 6192 gegen 6250 des Dreibunds.
Citeratur rrnd Arrrrft.
— Unermüdlich find bie Herausgeber von „MeyerS Bo»A- büchern" in dem Bestreben, die Freude an bem Besitz diestr echt volksthümlichen Sammlung des Besten aus allen Literaturen durch die Darbietung von neuen, werthvollen Gaben zu erhöhen. — Ausgezeichnet durch eine vortreffliche Bearbeitung, raaen aus dem Inhalt der soeben erschienenen Folge Nr. 1> 57/1076 des poetischen Schuhmachers Hans Sachs berühmte Fastnachtspiele: „Das heiße Eisen" — „Das Narrenschneiden" — „Der tobte Mann" (Nr. 1073), unb eine Auswahl seiner beliebtesten Schwänke unb Spruchgebichte (Nr. 1074/75), hervor. Diese beiben Hefte kommen gerabe recht zu einer Zeit, wo man in ganz Deutschland in wenigen Tagm dte


