Ausgabe 
16.9.1894 Erstes Blatt
 
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1894

Sonntag den 16. September

Erstes Blatt.

Nr. 217

vierteljähriger

Die Gießener Dramikieuvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.

Der

Hltheuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Meßmer A nzeiger"

Keneral-Mzeiger.

Aints- und Anzeigeblatt für den Lreis Gieren

chratisöeitage: Hießener Aamitienötätter.

Neueste Nachrichten.

__Nach noch unbestätigten Gerüchten soll am 2. September bei Kaisching in Korea eine Schlacht zwischen den Chinesen und den Japanern stattgefunden haben, über deren Ausgang jedoch ganz widersprechende Mittheilungen vorliegen Ler chinesische Kriegsrath ist vom Oberbefehlshaber der chinesischen Armee im nördlichen Korea benachrichtigt worden, daß er einen Winterfeldzug für unvermeidlich halte. Im südlichen Korea ist die Lage der Japaner plötzlich einigermaßen be­denklich geworden. DieTimes" melden nämlich, daß laut Nachrichten, die in Shanghai aus Fusan (Korea) anlangten, ganz Süd-Korea sich gegen die Japaner erhoben habe die japanische Besatzung in Fusan anzugreifen. Bei einer solchen feindlichen Stimmung der koreanischen Bevölkerung gegen die Japaner dürfte Japan daS soeben mit Korea abgeschlosiene

ein ^J a h rzch n t h in aus nichts mehr geändert werden könne. . Das Hamburger Blatt meint daher denn auch, es sei am Besten, wenn jetzt auf den Streit über Vergangenes und einstweilen Unabänderliches Verzicht geleistet würde und wenn man sich dafür gemeinsam den vom Kaiser in seiner Rede gekennzeichneten Aufgaben der Gegenwart, dem Kampfe gegen die Bestrebungen der Umsturzparteien, zuwende. Schließlich versichert das Blatt, dieser Appell des Kaisers zum gemein­samen Kampfe wider die Umsturzparteien werde gewiß in den weitesten Kreisen des Landes ohne Rücksicht auf eine Sonderstellung des Adels begeisterten Anklang finden.

Zu der Spionage-Angelegenheit der Frau Jsmert wird gemeldet, daß die bei der Verhafteten vor- gefundenen Schriftstücke ihre Schuld als zweifellos erscheinen lassen. Das Bemühen eines Theiles der französischen Blatter und der deutschfeindlichen Preßorgane der Reichslande, den ganzen Sachverhalt als harmlos hinzustellen, wird dem Un­behagen zugeschrieben, das man in diesen Kreisen nach der Begnadigung der zwei französischen Spione durch den Kaiser Angesichts der Affaire Jsmert empfindet. Behauptet wird übrigens, daß Frau Jsmert und ihr Gatte, der ehemalige Polizeicommiffar JSmert in Pagny, schon vor zehn Jahren wegen Spionageverdachtes polizeilich beobachtet worden seien.

Deutscher Reich.

Berlin 14. September. Auch dieHamb. Nachr." haben sich jetzt über die Königsberger Rede des Kaisers geäußert, ob der betreffende Artikel vom Fürsten Bismarckinspirirt" worden ist, wie Viele meinen, muß allerdings dahingestellt bleiben. Jedenfalls sind die Aus- laffungen des Bismarck'schen Organes über die Kaiserrede ..... _

febr vorsichtig gehalten. Es wird da betont, daß der Monarch Schutz- und Trutzbündniß wenig nutzen, seine Unzufriedenheit über die Form der Opposition der ost- -----------------------

preußischen Edelleute und Agrarier gegen die Handelsverträge nochmals habe zum Ausdruck bringen wollen, daß er aber nun­mehr den ganzen Streit als ausgelöscht betrachte. Die Hamb. Nachr." erinnern hierbei daran, daß die Haudels-

Atislan-.

Wie» 14. September. In Wien hat am Donnerstag eine Feier'stattgefunden, welche eine Fülle von Erinnerungen weckt o Es war dies die im Stephansdome erfolgte Enthüllung des Denkmales, welches in dem herrlichen Gotteshause zur Erinnerung cm die B-sr-iung Wiens aus der B-drangnih durch die Türken im Jahr- 1683 errichtet worden ist. In Ler That, die Schlacht am Kahlenberge vom 13. September 1683,

Gelehrten bei Vollendung seines siebenzigsten Lebensjahres Huldigungen darbrachte, hat ihm den Lorbeer auf das Grab gelegt. Das Vaterland trauert um einen der besten sein r Söhne, die Reichsverwaltung, in deren Verbände Helmholtz an der Spitze der physikalisch-technischen Reichsanstalt eine von reichem Erfolg gekrönte Tätigkeit schlicht und selbstlos entfaltete, wird seine Dienste in dankbarer Erinnerung

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Arbeiten wird der Schiffenberger- «eq von der Kreuzung der Licher- und Grünbergerstraße bezw. vom Friedhof bis zur Bergstraße für den Fuhrwerks- perkehr bis auf Weiteres gesperrt.

Gießen, den 15. September 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

durch weiche Wien aus der monatelangen harten Bedrangniß seitens der großen Türkenarmee unter Kara Mustapha er« rettet wurde, war ein hochbedeutsames Ereigniß. Denn sie stellte sich nicht nur als eine glänzende Waffenthat der zum Entsätze Wiens herbeigeeilten Armee^ aus den Poleni, den kaiserlichen Truppen und den Reichscontingenten bestehend, dar, sondern sie characterisirte sich zugleich auch als einen hoch­wichtigen politischen Vorgang. Diese Schlacht, in welcher das 200 000 Mann starke Türkenheer von der weit schwächeren Streitmacht der verbündeten Deutschen, Oesterreicher und Polen so furchtbar geschlagen wurde, daß sich die Türken in völliger Auflösung auö dem Kaiserstaate zurückzogen, bildet den entscheidenden Wendepunkt in der Siegeslau bahn des Osmanenthums in Europa. Wohl unternahmen die Türken in der Folge noch wiederholte Vorstöße nach Westen , aber ihre Kraft als eroberndes Volk war durch ihre vernichtende Niederlage am Kahlenberge doch für immer gebrochen worden und Oesterreich und mit ihm das ganze übrige westliche Europa von der drohenden Gefahr einer Unterjochung durch die Türken befreit. Dem Gedächtnisse an jenes folgenreiche Ereigniß galt die Feier im ehrwürdigen Stephansdome, und ihrer Bedeutung entsprach es vollkommen, daß der Kaffer, die Erz- berzöqe, der Minister des Auswärtigen, Gras Kalnoky, der Ministerpräsident Fürst Windischgrätz, sowie mehrere andere Minister, der päpstliche Nuntius und zahlreiche Lustige Personen von Distinction der Feierlichkeit beiwohnten. Anläßlich der­selben ließ der Kaiser dem Vorsitzenden des Denkmales, Baron v. Hye, ein sehr herzliches Handschreiben zugehen, in welchem der Monarch der hohen Verdienste des Herrn v. Hye um das Zustandekommen des patriotischen Unternehmens

Gefunden: 1 Manschetlenknopf, 1 Spazierstock, Geld, ÄKriegsdenkmünze, 2 Damensonnen-Schirme, 1 Glacehandschuh, 2 Bücher, 1 Schürze und ein Kuchenbrett.

^»geflogen: 1 Kanarienvogel und 1 Brieftaube.

Gießen, den 15. September 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Berlin, 14. September. Heber die bevorstehende Huk- digunge fahrt der Posener nach Varzin am nächsten Sonntag liegen folgenbe Met,Heilungen vor: Die Ankunft des Zuges in Hammermühle erfolgt 11 Uhr 22 Minuten Mittags. Für die älteren Herren wird Fürst Bismarck zur Fahrt nach Varzin auf dem Bahnhofe Fuhrwerk zur Der- ügung stellen, während die übrigen Theilnehmer in geord- N«°m Zuge unter Führung des Majors » D'°d°m°nn-S . heim auf der 3</2 Km. langen Chaussee nach Varzin mar- fliren. Die Festrede wird vom Landes - OeconomieriUh Kenneman^lenka gehalten. Gyrnnasiald rector Dr. Kiehl- Bromberg hält eine Ansprache an die Fürstin. Nach 3 Uhr marschiren die Theilnehmer im Zuge wieder nach dem Bahnhofe, von wo aus um 4 Uhr 24 Min. die Abfahrt

^Berlin 14. September. Anläßlich der letzten Beschlag­nahme des'Socialift" wurde der Redacteur Weidner wegen Gotteslästerung, begangen im Leitartikel der Nr. desSocialift", verhaftet. Außerdem wurde gegen ihn wegen des in der Beilage erschienenen Gedichtes.Sic volo sic jubeo Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben.

Wiesbaden, 14. September. Heute tagt hier die 17. Hauptversammlung desVereins zur Wahrung derJnteressen der chemischenJndustrieDeutsch lands". Es sind etwa 80 Theilnehmer, darunter solche aus London, anwesend. Den Vorsitz führt Dr. Bonne- Wiesbaden. Die Verhandlungen fbb vertraulich.

Breslau, 14. September. Laut amtlicher Feststellung sind bis heute in Oberschlesien 80 Personen anEhol-r- verstorben, 130 Personen liegen noch krank an der Seuche darnieder. Prosesior Ps-iff.r vorn Reich-g-sundheit-am be- reist die am meisten von der Cholera heimgesuchten Orte.

Budapest, 14. September. DaS von den Delegationen vorgelegte gemeinsame Budget für 1895 weist ein Meh^ erforderniß von 4'/- Millionen Gulden auf, hwbon urd) Höheransetzung der Zölle 3*/8 Millionen wieder abgehen. Das Kriegsministerium beansprucht circa 4 Millionen, 3i/2 Millionen für die Landarmee, 1]t Million für die d Venedig, 14. September. DaS officielle Reglement der ersten Weltausstellung ist soeben erschienen. Dieselbe wird hier am 22. März 1895 eröffnet werden und dauert bis zum 30. Oktober. Man erwartet von Deutschland und Belgien eine rege Betheiligung.

Turin, 14. September. Die Ortschaft Pianezz wurde - wahrscheinlich von Anarchisten in Brand a e st eckt. Den Anstrengungen von sechs Feuerwehren gelang es, den an vier Ecken zugleich ausbrechenden Brand auf acht Heu- und Strohmagazine und sechs Bauernhöfe zu be­schränken, welche eingeäschert wurden. Wahrend der Lösch, arbeiten wurden die Wafferschläuche zweimal d^ch schnitten Der Sindaco des Ortes hatte in der letzten Zeit verschiedene

Alle Anuoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger» entgegen.

WolffS telegraphisches Corrffpondem- Bureau

Berlin, 14. September. DerReichsanzeiger" ver- lUUfl. .7------ - - - , öffentlidjt einen Nachruf für Helmholtz, worin es heißt:

ja eine vollendete Thatsache feien, an welcher auf wissenschaftliche Welt deS In- und Auslandes, die dem .e.1^.«ns nirkf& mphr geändert werden könne, i . , . « <______ cioßl-nAieillreS

Saßnitz, 14. September. Die Flotte manöverirte tagsüber zwischen Stubbenkammer und Adlergrund. Die Hebungen endeten mit einer großartigen Kanonade. Heute Nacht findet ein Torpedoangriff statt.

Köln, 14. September. Nach einer Meldung derKöln. Ztg." aus Budapest, wird versichert, die Regierung werde kein Verbot der Futterausfuhr erlaffen, sondern treffe Verfügungen für die Gegenden, in denen Futtermangel t,Er,fRair0, 14. S-Pt-mb-r. Meldung des Bureau Reuter. c\n dem Prozesse wegen Sclavenkauss sprach das Kriegsgericht die beiden Paschas frei, und verurtheilte d,° übrigen Angeklagten zu Zwangsarbeit von 6 bis 18 Monaten. General Kitsch euer bestätigte zwar die Derurtheilungen, verweigerte aber die Bestätigung der Freisprechungen.

Depeschen des Bureau .Herold'.

Bern». 14. September. Ost. und westpreuhische Blätter bringen di- B-räff-nilichung zweier k-n-rlicher an di- B-wohn-r der Provinzen Ost- und Wistvr--n, worin der Monarch sür die ihm wahrend seines Au -n halt- dargebrachten Zeichen sr-udig°r Th-tlnahme und treuer Er­gebenheit, sowie sür di- gut- Ausnahme der Truppen seinen Dank ausspricht.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dem Mnenbtn Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

"r°^L e^ SeptembersEstaset.e",Gaulo.s" und Soleil" sagen, die Sendung Lernyre de D Ul er s nach Madagascar werde zweifellos scheitern und Frankreich werde in wenigen Monaten gezwungen fern, eine große pedition gegen MadagaScar ZU führen. Drlean«

Paris. 14. September. Der Herzog von Orleans wird in Kürze eine Besuchsreise an alle europäischen Hf antreten und später längeren Aufenthalt im ^9

Orleans, 14. September. Die fremden Offiziere, welche gestern den großen Manövern in Artenay betgewohnt hatten, kehrten Nachmittags mit einem Sonderzuge hierher zurück. Nach Verlaffen des Zuges begaben sich der Ätsche Oberst v. Schwartzkoppen und der französische Maior Tanttm aemeinsam nach dem Kirchhof von St. Vincennes Do^ (egten sie auf die Gräber der 1870 gefallenen deutscher< twd französischen Soldaten je einen Lorbeerkranz nieder. Beide Offiziere waren in großer Uniform. Die Nachricht von de. den g-sall-uen Kriegern beider Böller gemeinsam kuldiauna ries hier grasten Eindruck hervor. Man ist über zeugt? dah der deutsche Oberst nach sörmlicher Anweisung

«

Shanghai, daß sich ganz Süd - Korea gegen die Japaner erhoben habe, nachdem diese bei Fusan Truppen an»

Belgrad?°14^ September. Die Regierung beschloß, im Jntereffe der Sicherheit des Landes die Gens dar werte um 650 Mann zu verstärken.

Athen, 14. September. Bei dem Kampfe einer Mili- tärabtheilung mit einer 200 Köpfe starken Räuberbande, welche die Ortschaft Domckvo überfallen und mit einer Co

Amtlicher Theii.

Die Bürgermeistereien Bersrod, Climbach, Daubringen, Gründer«, Klein-Linden, Langgüns, Leihgestern,Londorf,Ronnenroth.Rabertshanse«, Utphe werden an die Einsendung der Sterbzählkarlen gemahnt. r .

Großh. Kreisgesundheitsamt.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntmß, daßHne Wiefeckbrücke in der Gartenstraße wegen der zwecks Ver­breiterung derselben vorzunehmenden Arbeiten von Montag den 17. l. Mts. bis auf Weiteres für leben Verkehr gesperrt ist.

Gießen, den 15. September 1894.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. 93.: Roth.