richten zur Zeit der Roggenblüthe, welche besagten, daß diese mangelhaft erschiene und anzunehmen sei: Der Kern würde wahrscheinlich nicht genügen und die Aehre würde zahnlückig ausfallen, waS sich auch vollkommen bestätigt hat. Der Ertrag an Garben beläuft sich auf 2 bis 21j2 Fuder (also zwischen 120 bis 150 Garben, das Fuder zu 60 Garben gerechnet) pro Normalmorgen, womit man zufrieden sein kann. Der Ausdrusch läßt aber zu wünschen übrig, denn er schwankt zwischen 6 bis 10 Centner, was nicht an eine Mittelernte heranrelcht. Dazu kommt nun aber der jämmerliche Preis! ES werden 9 Mark für das Malter Korn geboten. Der Pachtpreis des Ackergeländes beträgt 35 bis 55 Mark pro Mormalmorgen. Daß bet einem Kornpreise von 9 Mark pro Sack der Kleinbauer nicht auf seine Kosten kommt, also rückwärts gehen muß, kann sich der freundliche Leser ohne Weiteres auSrechnen. Die Ausbeute an Stroh reicht über eine Mittel- ernte. Beim Weizen macht sich die Sache günstiger. Die Ausbeute an Gebunden kommt derjenigen bei Roggen ziemlich ssteich, geht hie und da auch etwas darüber. Man kann 2*/i Fuder und bester pro Normalmorgen annehmen, was einer guten Mittelernte gleichkommt. Der Ausdrusch ist aber ungleich günstiger als bei Roggen, denn es ergeben sich zwischen 12 bis 16 und in guten Lagen auch noch mehr Centner. Das Weizenstroh ist ebenfalls vortrefflich gerathen. In Bezug auf den englischen Wetzen ist zu bemerken, daß er wegen gänzlicher Schneelosigkeit weniger gut durch den 1894/95er Winter gekommen ist, als der deutsche. Trotzdem erholte er sich bei dem trefflichen Frühlingswetter bedeutend und liefert in Halm und Kern vielfach ein besseres Resultat als der deutsche Weizen. Man kann daher den englischen Weizen zum wetteren Anbau empfehlen. Für den (Doppel- centner) Weizen werden 11 Mark geboten, ein Preis, wie er seit vielen Jahrzehnten nicht mehr vorkam. Die Gerste ist in Halm und Aehre gut gerathen, hat aber durch das -regnerische Erntewetter von ihrer Schönheit eingebüßt. Es wurden 2x/2 Fuder und mehr per Normalmorgen gebunden und der Ausdrusch ergibt, ähnlich wie beim Weizen, 14 und Ehr Centner. Die frühgesäten, gut gedüngten Felder geben schönere Waare, als die spätbestellten Felder, die einen spitzigen Kern liefern. Der Preis schwankt zwischen 10 bis 13 Mark, je nach Qualität. Hafer ist wohl auch schon gebunden, die Druschresultate sind jedoch noch nicht genügend, als daß sich ein Urtheil darüber bilden ließe. Wir werden später darauf zurückkommen. Soviel ist jetzt schon gewiß, daß der Bauer bei den gegenwärtigen jämmerlichen Preisen wenig Hoffnung hat, daß die vorjährigen Wunden durch die 1894er Ernte wieder geheilt werden würden.
§ Vom höheren Vogelsberg, 12. August. Die verflossene Woche brachte uns wiederholt Reg en w etter, so daß nur wenig Korn geschnitten werden konnte. Die Arbeiten schieben sich dadurch immer mehr zusammen. Es steht noch etwas Heugras aus, dann das meiste Korn, auch dann kommt die Sommerfrucht herbei zur Reife, welche schon sehr gebleicht ist. Die Vorräthe an Frucht und Stroh sind zu Ende gegangen, sodaß mancher Landwirth schon jetzt mit der neuen Ernte
rechnen muß, auch um Strohseile für die Ernte Herstellen zu . können. — Dieser Tage wurden einem Landwirth und Schmiedemeister in Bermuthshain 7 Schock Strohseile von seinem Scheuerbodekt gestohlen.
Mainz, 11. August. Der heute Hingerichtete Raubmörder Franz Rohrbacher zeigte, wie zuverlässig mitgetheilt wird, aufrichtige Reue gegenüber dem Geistlichen, Herrn Pfarrer Landmann, der ihn mit den Tröstungen der Religion versah und ebenso in verschiedenen Briefen. Seine Stiefmutter sah er noch am Tage vor seiner Hinrichtung und tröstete sie beim Abschied. Auch ihr gegenüber erklärte er, daß er sein Schicksal verdient habe. Im Esten und Trinken zeigte er sich sehr mäßig. Er genoß am Tage vor der Hinrichtung nur einige Eier, da er sich erinnerte, daß am Freitag den Katholiken der Fleischgenuß verboten sei. Auch trank er nur eine einzige Flasche Wein während des Tages. Bei der Hinrichtung war er sehr gefaßt und betete bis zum letzten Augenblicke. Somit steht zu hoffen, daß der arme Sünder mit aufrichtiger Reue dahingeschieden ist.
Mainz, 13. August. Das „Mzr. Tagbl." schreibt: In der Nacht von Freitag auf Samstag spielte sich in der Nähe des Centralbahnhofes eine seltsame Scene ab. Mit dem letzten (MitternachtS)-Zuge war eine Reisegesellschaft von sieben Personen (Engländern) angelangt, die im Bahnhof nach dem L- Hotel verlangten. Noch ehe aber das mit dem Hotelomnibus haltende Personal des betreffenden Hotels die Fremden in Empfang nehmen konnte, hatte sich die Dienerschaft eines benachbarten Hotels der Engländer förmlich mit Gewalt bemächtigt, obschon die Fremden den Namen des X Hotels immerfort wiederholten. Die Leute des L Hotels folgten indessen den Entführern und Entführten bis an die Schwelle des anderen Hotels. Als sie sahen, daß die Entführer ihrer Leute nicht losließen, sondern förmlich mit Gewalt ins Haus schleppten, ließ der Oberkellner des X-Hotels einen Schutzmann rufen. Als die Fremden dem Vertreter der heiligen Hermandad ebenfalls erklärten, daß sie eigentlich in das X-Hotel wollten, wurden sie unter polizeilicher Bedeckung in feierlichem Zuge ihrem „Eigenthümer", dem X'Hotel, zugesührt.
Worms, 13. August. Das Pa ulsmuseum mit seinem für die Alterthumsforschnng von Jahr zu Jahr werthvollerem Bestände erfreute sich längst in wissenschaftlichen Kreisen eines hohen Ansehens und nicht zu den Seltenheiten gehört der Besuch namhafter Gelehrter, welche hier das eine oder andere Fundobject persönlich tn Augenschein nehmen. So weilte gestern wieder zum Studium unserer Runenfibcln Herr Prof. Dr. Henning aus Straßburg, ein Schwiegersohn von Prof. Virchows, hier.
Worms, 13. August. Dor einigen Tagen wurden hier die Leichen einer Frau und eines Kindes geländet. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß die Geländeten die Frau und das Söhnchen des Cigarrenmachers Fuchs aus Neckarau sind,- die Ermittelungen haben ergeben, daß die Frau erst ihr Kind in den Rhein geworfen und sich dann selbst in das Wasser gestürzt hat.
Erbach i. C., 13. August. Gestern Abend 11 Uhr ist der Wirth Christian Schüllermann hier vor seinem Hause auf der Bahnhofstraße von dem stellenlosen Schriftsetzer Adam Reinhard von hier nach vorausgegangenem kürzeren Wortwechsel durch einen Revolverschuß in den Leib lebensgefährlich verletzt worden. Der Thäter wurde noch in der Nacht verhaftet und das Amtsgericht Michelstadt hat sofort am Ort der That die Untersuchung eingeleitet.
2>erfel?r, Land- rrnd VoU-rvivtbschaft.
SHmtmtg, 14. August. Fruchtmarkt. Rother Weizen •* 12.20, weißer Wetzen X 00.00, Korn X 8.65, Gerste X 00.00, Hafer X 7 55.
Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen.
32. Woche. Vom 5. August bis 11. August 1894. Einwohnerzahl: angenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSztffer: 9,41 o/« bezw. 7,05 nach Ausschl. der Ortsfremden.
Kinder
ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr: Epidemischer Genickstarre 1
Gehtrntuberkulose 1
Organ. Herzkrankheit 1 (1)' Rückenmarksentzünd. 1_______________________________________
Summa: 4 (1) 3 (1) 1 —
Anm. Die tn Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle tn der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Temperatur der Lahn und der Luft nach Reaumur gemeffen am 15. August, zwischen 11 und 12 Uhr: Master 13, Luft 15o.
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Vertreter am hiesigen Platzs: Heinrich Wallach, Kaufmann.
Bekanntmachung.
Die nachstehenden Vorschriften für die Abfuhr des Hauskehrichts bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntniß:
1) Der städtische Abfuhrdienst erstreckt sich lediglich auf die Beseitigung des Hauskehrichts und der häuslichen Abfälle; Kehrichtkasten und Gefäße, welche Bauschutt, Steine, gewerbliche Abfälle und dergl. enthalten, werden seitens der Kehrmannschaft nicht entleert, noch deren Inhalt abgefahren.
2) Ebensowenig ist die Kehrmann- schäft verpflichtet, Kehrichtkasten oder Gefäße zu entleeren, welche den nachstehenden Bestimmungen insbesondere denjenigen bezüglich des Faffungs- raumeS nicht entsprechen.
3) Die Gefäße zum Sammeln des Hauskehrichts und der häuslichen Abfälle muffen solide und dicht hergestellt und mit je zwei Handhaben versehen sein; dieselben dürfen das Maß von 60 cbdm. Inhalt keinesfalls überschreiten. (Das Muster eines Kehrichtkastens in Holz von 50x40x30 cm. Größe, kann auf dem Stadtbauamt eingesehen werden.) Gießen, 13. August 1894.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
6694______Gnauth.__________
Donnerstag den LL. l. M., Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Gemeinde Daubriugen nachstehende "Arbeiten öffentlich in den Accord gegeben werden.
veranschlagt zu $
Brunnenmacherarbeiten 419.60
Steinhauerarbeiten 94.71
Zimmerarbeiten 30.—
SchlosserarbeiLen 6.—
Pumpenmacherarbeiten 100.50
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Gießen, den 15. August 1894.
Der Bez. Bauaufseher Senßfelder. [6739
unbenutzten
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