Ausgabe 
15.12.1894 Zweites Blatt
 
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lang in einem Saale der Rue Royale statt. Während des Gottesdienstes wurden in einem benachbarten Restaurant die Teller gewaschen, und das Geklapper unterbrach häufig genug die Worte deS Pastors. Die Gemeinde hätte gern eine eigene Kirche gehabt. Aber Paris ist theuer. Baugrund und Baumaterial kosten Geld. Geld aber war gerade das Einzige, was nicht da war. Allmählich kam eS ein. Wenig begüterte Leute gaben die ersten Spenden- eine Gouvernante steuerte auS ihren Ersparniffen 100 Frcs. bei, ein Schweizer stiftete 1000 Frcs., einen Theil seines kleinen Vermögens. Kirchencollecten in ganz Deutschland halfen die Baukaffe füllen, der Kaiser und die deutschen Fürsten gaben Beiträge. Im Jahre 1893 konnte man für 236 000 FrcS. den Baugrund in der Rue Blanche kaufen. Zum Bauen waren aber noch immer 200000 FrcS. nöthig. Die Hälfte dieser Summe wurde von einer Berliner Dame der Gemeinde geschenkt, und nun konnte der Bau beginnen. Heute ruhen nur noch etwa 40 000 Frcs. Schulden auf der Kirche. Der holländische Architect Rier man s hat sie gebaut. DasHauS ist außen und innen einfach, aber es ist Anmuth in dem Bau und eS ist Stimmung in dem Werke, trauliche Stimmung, heimath- liche Stimmung. Der innere Raum ist hoch und helli Der weiße Stein und das gelbe Ebenholz Paffen gut zusammen, und Beide halten gute Kameradschaft mit dem Lichte, das durch die hohen blaß bemalten Bogenfenster einfällt. ES ist die umgekehrte Wirkung, wie bei den alten Kirchen. Da wirkt es auf Einen, wenn man aus der Hellen Straße in die Dämmerung tritt. Hier wieder wirkt es, daß man aus einem dunklen Vorflur in den Hellen Tag hineinkommt. DaS Ganze ist im romanischen Basilikenstil gebaut; ein hohes, in. Stein gewölbtes Mittelschiff und zwei niedrige, durch Säulenstellung getrennte Seitenschiffe. Im Chor steht der auS Eichenholz geschnitzte Altar, am Eckpfeiler des Chores die ebenfalls auS Eichenholz geschnitzte Kanzel, beide streng im romanischen Stil gehalten. Die Bänke aus Eichenholz enthalten 500 Sitze. Eine schöne Orgel, wit vergoldeten Pfeifen, steht auf dem Chor. Am Sonntag war die Einweihungsfeier, über die bereits berichtet worden. Der deutsche Botschafter, Graf Münster, war erschienen, sowie der erste Sekretär der Botschaft, Herr von Schoen, weich' Letzterem als Präsidenten des Kirchenbau Comitees wohl das Hauptverdienst an dem vollendeten Werke zukommt. Hohe Würdenträger der lutherischen Kirche waren aus Deutsch­land herübergekommen, u. A. der Vicepräsident des Berliner Oberkirchenrathß, von der Goltz. Dieser überbrachte eine Bibel, als Geschenk der deutschen Kaiserin an die deutsche Gemeinde in Paris.Betet, auf daß Ihr nicht in Anfech­tung fallet," hatte die Kaiserin in die B'bel geschrieben. Herr von der Goltz wollte darin einen Hinweis auf die versuchungsvolle Weltstadt" sehen. 'Es ist nicht wahrschein­lich, daß diese Auslegung richtig ist. Denn warum sollte man gerade auf dieVersuchungen der Weltstadt" Hinweisen

I in einem Moment, wo diese Weltstadt entgegenkommend ge­nug ist, eine deutsche Kirche in ihrer Mitte aufzunehmen?

* Madame Casimir Perier, die Gattin des Präsidenten der französischen Republik, ist eine eifrige Radfahrerin. Die in Paris unter den Damen der fashionablen Welt neuerdings sich entwickelnde Paision für das Zweirad-Fahren erhielt gewissermaßen ihre osfictelle Sanction, als Madame Casimir Perier im Bois de Boulogne auf einem Pneumatik der neuesten Bauart erschien. Sie ist dem Radsport leiden­schaftlich ergeben und fährt an jedem schönen Tage in Be­gleitung ihrer vierzehnjährigen Tochter spazieren.

* Türkische Offiziere im deutschen Heere. Nachbenannte Kaiser!, türkische Offiziere sind als Seconde - Lieutenants L la suite der Armee angestellt und gleichzeitig denjenigen Truppentheilen, deren Uniform sie tragen, vom 1. Januar 1895 ab zur Dienstleistung überwiesen: 1) Vice Major Hamdi Bey, mit der Uniform des Jnf.-Rgts. von Wittich (3. Heff.) Nr. 83, 2) Vice Major Pertev Bey, mit der Uniform deS 4. Magdeb. Inf. - Regts. Nr. 67, 3) Vice-Major Said-Bey, mit der Uniform des 1. Bad. Leib Gren. Regts. Nr. 108, 4) Hauptm. JSmail Djernil, mit der Uniform deS Jnf.-RegtS. Nr. 132, 5) Pr. - Lt. Mustava Safet, mit der Uniform des 2. Naff. Jnf.-RegtS. Nr. 88, 6) Sec.-Lt. Halil Sami, mit der Uniform des Füs.-Regts. General Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannov.) Nr. 73, 7) Rittm. Mehmed Schesket Bey, mit der Uniform des Hus.-RegtS. König Wilhelm I. (1. Rhein.) Nr. 7, 8) Rittm. Ahmed Rassim, mit der Uniform deS Braunschweig. Hus. Regts. Nr. 17, 9) Sec.-Lt. Mehmed Sadik Beh, mit der Uniform des Westfäl. Ulan. Regts. Nr. 5, 10) Hauptm. Mehmed Nuri Bey, mit der Uniform des 2. Rhein. Feld.- Art. - Regts. Nr. 23, 11) Hauptm. Juffuf Djemal, mit der Uniform des Feld - Art.- Regts. von Scharnhorst (1. Hannov.) Nr. 10, 12) Pr. - Lt. Mehmed Nusrat, mit der Uniform des Bad. Fuß-Art.-Regts. Nr. 14, 13) Hauptm. Mehmed Salih Bey, mit der Uniform des Heff. Pion.-Bats. Nr. 11. Ali Fadil Bey, Sec.-Lt. L la suite der Armee, unter Entbindung von der Dienst­leistung bei dem Jnf.-Regt. Fürst Leopold von Anhalt-Deffau (1. Magdeburg.) Nr. 26, dem Gren.-Regt. Prinz Carl von Preußen (2. Brandend.) Nr. 12, dessen Uniform er anfegt, zur ferneren Dienstleistung überwiesen. Juffuf Sia, Ahmed Djewad, Mehmed Halid, Ahmed Jihami, Kaiserlich türkische Hauptleute, als Sec.-Lt. ä la suite der Armee angestellt und vom 1. Januar 1895 ab, erstere Beide behufs Aus­bildung im Militär-Bauwesen, letztere Beide behufs Aus­bildung im Militär-Verwaltungsdienst, zur Dienstleistung bei Militär-Intendanturen commandirt.

Citeratar rrnd Kanft

Meisterwerke der christlichen Kttttst. Erste Samm­lung. Ein GroftfoUoheft mit 21 Hotffchnstitasrln aus Kuvferdruck- papier. Fünfte Auflage. Preis 2 Mk. $ erlag von I. I. Weber

I in Leipzig. Diese« herrliche We>k, von dem nun im Ganze» drek Sammlungen vorliegen, enthält ganz auSge.eichnete Holzscknttte au« dem Gebiete der christlichen Maleret. Da ist die .Madonna della Sedia" von Raffael Correggios .Heilige Nackt",Die Anbetung der heiligen drei Könige" von Rubens, Rembrandts, .Hundert- ?"?5^latt" und Lionardo da VincisAbendmahl".Mariä Himmel- sahrt von Murillo usw. Die Holzschnitte wetteifern an Sckönheit und Klarheit mit einander, und es ist in der That ein Musen« christlicher Kunst im Kleinen, welches sich Derjenige erwirbt, der sich diese Sammlung an'ckafft. Dabei ist der Preis so äußerst billig, daß men kaum begreift, wie es möglich war, sie dafür herzustellen. Elegante Mappen in Carton und Leinwand zu 1 und 3 Mark ver­vollständigen und erhöben ihren künstlerischen W-rth. Wir irren wohl nickt, wenn wir diese köstliche Weibnacktsgabe bereits im Geiste unter zahllosen Christbäumen liegen sehen. In der Thai, eln'paffen- deres, lieblicheres, schöneres und für Jedm geeigneteres Geschenk dürfte es in diesem Jahre kaum geben.

Eine köstliche ärztliche Humoreske »Der Bandwurm" von Julius Litten geht uns heute zu. Der V riaffer bat sich nicht allein durch die Uebersitzung italienlscker Dchter einen Namen gemacht, sondern auch auf dem Gebiete des Humors Hervorragende« gegiftet. Wir verweisen auf seine HumoreskenDie Folgen be* Mauerns",D-r Modedichter",Tulpmthal" u. A. Das Büchlein erscheint in F A. Günthers Zeitungsverlaa, Berlin W., und ist durch jede Buchhandlung zum Preise von 1 Mk. zu beziehen.

Akademischer Taschenkalender. Mit gewohnter Pünktlichkeit ist der Academische Taschenkalender (13. Jahrgang) für 1895 erschienen. Dieses Miniaturwerk wird ohne Zweifel auch im kommenden Jahre in den Kreisen dermaliger und ehemaliger Studenten Anklang und Käufer finden. Der billige Preis von 60 Pf. läßt es als willkommene Beigabe zu Dedicationen besonders geeignet erscheinen.

Technische Fortschritte.

Wohlfeiler Kleister. Man zerreibe 1 Pfund gut ge­waschene rohe Kartoffeln auf einem Reibeisen und kocke das so er­haltene Mark mit 3 Kilo reinem Wasser einige Minuten lang; nun wird das Gesottene vom Feuer genommen, 16 g gepulverter Alaun nack und nach darunter gerührt und das Ganze mit einem hölzernen Löffel so lange durcheinander geschlagen, bi« die Masse völlig klar geworden ist, in welchem Zustande sie nun angewendet werden kann. Dieser Kleister leistet dieselben Dienste, wie der aus Stärkemehl birect gewonnene.

Gin Anstrich, welcher der Feuchtigkeit widersteht und sich für alle Gegenstände eignet, besteht aus 1 Kilo Pech, 130 g weiße« Harz, 130 g Caput mortuum, 130 g ff. Zieaelmehl. Die Thelle werden zusammen in einem eisernen Topfe gekocht und heiß mittelst eines großen Pinsels auf die betreffenden Gegenstände gestrichen. Diese Masse bildet sich in 10 Minuten zu einer förmlich harten Msenwand.

Schiffsnachvichten.

Der PostdampferWaesland" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 12. December wohlbehalten in Newyork angekommen.

Neubau des hygienischen Instituts der Laudesuniverfitat zu Wietzen.

Sämmtliche Rohbauarbeiten des Haupt- und Nebengebäudes sollen, einschließlich Materiallieferung, auf dem Wege öffentlichen Angebots ver­dungen werden. Die Gebote können sich auf einzelne Titel oder auf die ganze Arbeit beziehen.

a) Hauptgebäude: zwei-, Mittelbau dreigeschossig, umbauter Raum 5900 cbm, in Backsteinrohbau unter Verwendung von Haustein.

d) Nebengebäude: eingeschossig mit Heuboden, umbauter Raum 450 cbm, sonst wie vor.

Tit. I. 1330 cbm Erd- und 1327 cbm* Maurerarbeiten.

la. Cement-, Beton-, und Terrazzoarbeiten; u. a. 595 qm Schlacken- betongewölbe, 398 qm Cementestrich, 384 qm Terrazzofußböden.

II. Steinhauerarbeiten: a) 72 cbm Basaltlava, b) 51 cbm hellfarbiger Sandstein.

u HI. Zimmerarbeiten: 100 cbm Nadelholz, 3 cbm Eichenholz.

w IV. Dachdeckerarbeiten: a) 534 qm Schieferdach, b) 237 qm Holzcementdach.

VI. Walzeisenlieferung: 13650 kg.

v VII. Grobschlofferarbeiten, u. a. Oberlichtconstructionen, Geländer auf dem Dach, Schneefanggitter rc.

* VIII. Blitzableiteranlage.

X. Spenglerarbeiten.

h H- Tüncherarbeiten. Anstrich der Gesimse, Kandelu, Abfall­rohre, Träger rc.

Die Angebotunterlagen sind auf dem Baubureau. Goethestraße 52, zur Einsicht offen gelegt, woselbst diese auch, Zeichnungen ausgenommen, mit dem Angebotformular abgegeben werden. Angebote sind bis zum

7. Januar 1895, Vormittags 11 Uhr ftn das unterzeichnete Kreisbauamt einzureichen, woselbst in Gegenwart etwa erschienener Bieter die Eröffnung erfolgt.

Zuschlagsfrist 30 Tage. Beginn der Ausführung bei eintretender geeigneter Witterung.

Gießen, den 7. December 1894.

Großh. Kreisbauamt Gießen.

3952]__Reuting._______________________

General-Versammlung.

Die verehrlichen Mitglieder des hiesigen Zweig-Hülfsvereins für die Krankenpflege und Unterstützung der Soldaten im Felde werden zu der Dienstag den 18. December d. I., Abends 8 Uhr, in dem oberen Locale der Restauration Weidig, Sonnenstr., stattfindenden General-Versammlung ergebenst eingeladen.

T agesordnung:

1. Bericht über die seitherige Vereinsthätigkett.

2. Neuwahl des Vorstandes.

Gießen, den 11. December 1894.

Der Vorstand des Zweig-Hülfsvereins. Jöckel.

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Die Zusammenkunft ist im District Dachsbau auf der Hauptschneise.

Gießen, den 11. December 1894.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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garten hinter dem Stockbause öffentlich meistbietend versteigert werden.

Gießen, 30. November 1894.

Großh. Ortsgericht Gießen.

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Flur 1 Nr. 106165/t o 180 qm Grab­garten hinter dem Stockhause öffentlich meistbietend versteigert werden

Gießen, 80. November 1894 Großh. Ortsgericht Gießen.

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und Dornstrauch, versteigert werden: öffentlich meistbietend versteigert werden.

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------ - mit ___________a ______