Ausgabe 
15.11.1894 Erstes Blatt
 
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schöpfte sofort Verdacht, und siebe, der Schlaumeier hatte im Waffen etwa 4 Säcke Kartoffeln im Gewichte von etwa 5 Centnern liegen und mit dem Stroh wiegen laffen. Durch diese Manipulation wäre im Falle ihres Gelingens der Käufer um 12 bis 15 Mark betrogen worden. Der Bauer hätte die Kartoffeln anderweit verkauft und abermals mindestens 10 Mark profitirt. Statt der 25 MarkProfit" erhielt der Schlaue aber seitens mehrerer Knechte eine derbe Lection Prügel, da man auf das Gejammer der Gattin des Betrügers von einer Strafanzeige absah.

Darmst. Ztg.

Mainz. 12. November. Heute früh hat sich ein hiesiger stellenloser Droschkenkutscher in dem Augenblick erschossen, als er eine gegen ihn erkannt- kurze Freiheitsstrafe wegen Bernachlässigung seiner Familie antreten sollte._______________

Vermischte».

Hanau. 10. November. Ein Lehrerstrike. Ein Lchrerstrike ist vor einigen Tagen in Kilianstädten im KniS Hanau zum Ausbruch gekommen, scheint indeß jetzt glücklich beigelegt zu sein. Als nämlich die Kinder zur Schule kamen, wurden sie vom ersten und zweiten Lehrer mit dem Bemerken weggeschickt:Wir müssen warten, bis der Schwarze heiß gemacht wird." Am folgenden Tage wurde nun der Ortsdiener von der Gemeindebehörde be­auftragt, die Oefen zu Heizen. Als die Kinder nach dem Läuten die Schule besuchen wollten, mußten sie zum zweiten Male nach Hause gehen, denn inzwischen war das Feuer ausgegangen". Der Ortsdiener zündete abermals das Feuer an, die Kinder wurden wiederum herbeigeläutet und erst jetzt konnte der Unterricht beginnen. Hoffentlich funcrionirt derSchwarze" von jetzt ab in Kilianstädten während des Winters zur Zufriedenheit der Lehrer. Man ersieht aus dem Vorfall, daß es nicht nurHitzferien" gibt, sondern auchFrostferien".

* (Limburg. 13. November. In verwichener Nacht wurde in unserer Stadt ein Uhrendiebstahl verübt und zwar unter ähnlichen Umständen, wie der dieser Tage aus Wiesbaden gemeldete. ES wurde nämlich gegen 3 Uhr in einem Uhrenladen in der unteren Fleischgasse der Rollladen gewaltsam etwas in die Höhe gedrückt und aus einer Ecke der Spiegelscheibe ein so großes Stück herausgeschnitten, daß der Dieb bequem mit der Hand hineinqreisen konnte. Auf diese Weise hat er etwa 10 Uhren gestohlen. Der Eigen- thümer, der in einem hinter dem Laten gelegenen Zimmer schläft, hat jedenfalls infolge des herrschenden starken Sturmes nichts gehört. Nachbarn wollen gegen 3 Uhr ein Geräusch und bald darauf ein hastiges Laufen in der Straße gehört haben.

Cassel. 13. November. Soeben endete nach zweitägiger | Dauer die Schwurgerichtsoerhandlung gegen die! wegen des Straßenkrawalls vom Mai angeklagten fünf 1

Hauptbetheiligten. Zwei von ihnen wurden freigesprochen, einer wegen Aufruhrs, zwei wegen Gefangenenbesreiung unter Zubilligung mildernder Umstände zu je 1 Jahr Gefängniß verurtheiliA

* Düsseldorf. 13. November. Die des Raubmordes, begangen in der Nacht vom 28. auf den 29. September ds. IS. an den Geschwistern Nütters in Anrath, angeklagten Brüder Carl Theoder und Joseph Wirtz find vom hiesigen Schwurflericht zum Tode verurtheilt worden.

* Hamm i. Wests., 12. November. Der Haupt­gewinn der großen Wcleler Geldlotterie ist zwei hiesigen jugendlichen, in der Drahtinduftrie beschäftigten Arbeitern zugefallen. Schon am Samstag Morgen erschien ein Agent aus Berlin, der den Leuten erst 60,000 Mk., also nur zwei Drittel des 90,000 Mk. betragenden Gewinnes bot. Schließlich hat jeder Gewinner 43,200 Mk. bekommen.

* Schwerte, 12. November. Der Leiter unseres GaS- und Waff rwerks, Direetor Brockhaus, ist plötzlich seines Amtes enthoben und verhaftet worden. Der hiesige Anzeiger gibt als Grund Unregelmäßigkeiten in den Kaffen an.

* Berlin. 12. November. Das Waarenhaus für Armee und Marine, der ehemalige deutsche Offizier- Verein, hatte nach seinem Bericht über daS 10. Geschäftsjahr auch in diesem Jahre noch unter den allgemein gedrückten ErwerbSverhältniffen zu leiden. Dem Verein ist es auch in dem am 31. März d. I. abgelaufenen Berichtsjahre nicht gelungen, den jung in die Armee eintretenden Mitgliedern den Segen einer geordneten Geldwirthschaft und im Zu­sammenhänge damit die Nothwendigkeit von Baareinkäufen klar zu machen,- eS wird ihm dies später wohl ebensowenig gelingen, da der Einkauf auf Credit wie jetzt, so in Zukunst von Vielen vorgezogen wird. Namentlich bei den ersten Ausstattungen der Offiziere ist die Bewilligung eines ver­ständigen Credits, rote ihn jedes reelle Militäreffectengeschäft gewährt, vielfach eine nicht zu unterschätzende Hülfe für den Vater, dem die Kosten für diese Ausstattung zur Last fallen. Jntereffant sind in dem Bericht die Angaben über die Wirk­ungen, welche die Einführung des grauen PaletoS auf den Verein ausübte. Diese Einführung erfolgte so plötzlich, daß dem Verein noch für 15 000Mk. alte Paletotstoffe am Lager blieben, deren Absatz jetzt sehr erschwert ist. Dabei brach die anfänglich überaus starke Nachfrage nach grauen Paletots plötzlich ab, weil sich in der Armee das irrige Gerücht ver- breitet hatte, daß der neue Paletot eine Aenderung erfahren würde. Die Thätigkeit des Vereins hat sich auf den Velkauf einer immer größer werdenden Anzahl von Artikeln au«' gedehnt, so namentlich auch in Cigarren und Wein- für die Weiterentwicklung des Weingeschäftö ist in Eltville vom Verein ein eigenes Grundstück erworben worden. Im hiesigen VereinShause sind übrigens .auch einzelne Gegenstände aus­gestellt, die von Mitgliedern deS Vereins zum Verkaufe an­geboten werden.

Ostrowo, 13. November. Heute erfolgte hier die Hinrichtung deS DoppelmörderS Nowicki durch den Scharfrichter Reindel.

* Hamborg. 12. November. In der Nähe von Pinneberg mürbe der Arbeiter Müller durch den Landmann Striebel aus Kaschau erschossen. Der Schuß gatt dem neben Müller gehenden Zahntechniker Grotkopp aus Pinneberg, der sich geweigert hatte, für Striebel eine Bürgschaft zu übernehmen.

* Rom, 13. November. Im Santo-Spirito-Spital er­stach ein kürzlich wegen schlechten Verhaltens aufigetriebener Stwindsüchtiger eine 26jährige Krankenschwester. Er hatie sich während der Besuchszeit ins Hospital eingeschlichen, die Schwester in der Küche ausgesucht und sie mit einem langen Dolche niedergestochen.

* Dem Schöffengericht in Jena wurde am Freitag ein Gastwtrth aus Graitschen zugeführt, welcher beschuldigt ist, ein vorn VollstreckungSbeamten für Steuern abgepfändeteS Pferd vorsätzlich erschaffen zu haben. Für diesen, von großer Rohheit des GemütheS zeugenden Psandbruch wurde ihm 1 Monat Gefängniß und Einzug des Gewehres alS Strafe zuerkannt.

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.

45. Woche. Dom 4. November bis 10. November 1894. Einwohnerzahl: einenommen zu 22100 (incl. 1600 Mann Militär) SterbltchkeitSziffer: 35,29°/« bezw. 23,53 nach AuSschl. der Ortsfremden.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom l.LebenSjabr: 2.15. Jahn

Dtphtherttts

2 (2)

1 (1)

1 (1)

Lungentuberkulose

Angeborene Lebens-

1

1

schwäche

1

1

Neubildungen Sonstige benannte

1 (1)

1 (1)

Krankheiten

1

1

Gewaltsamer Tod

1 (1)

1 (1)

Summa: 7 (4) 2 (2) 3 (1) 2 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele bet Todesfälle in der betreffenden Krankhett auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

kirchliche Anzeigen der evnng. Gemeinde.

Donnerstag den 1b. November, Abends 8 Uhr, im Turnsaal der neuen Stadtknabenschule vibelflunde. Pfarrer Schlosser.

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1 hat die Exp. d. Bl. etngesehen. 7830

Bekanntmachung.

Die Faßaiche betreffend.

Hierdurch wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dem. Küfer- -meister Herrn Heinrich Becker die Stelle des Faßaichmeisters bei dem Aichamt Gießen übertragen worden ist.

Die AmtStage für diesen bleiben auf Mittwoch und Freitag festgesetzt.

Weiter wird den Jntereffenten bekannt gegeben, daß dem Aichmeister streng untersagt ist, geaichte oder geprüfte Fässer zurückzugeben, bevor nicht die Gebühren gegen Abgabe des Aichsckeins entrichtet sind.

Gießen, den 14. November 1894.

Großherzogliches Aichamt Gießen. ____________________Der Vorstand: Renting._________________9343

Bekanntmachung.

Der Voranschlag über Einnahme und Ausgabe der Gemeinde Birklar für 1895/96 liegt acht Tage lang, vom 19. bis 27. November zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Büreau dahier offen.

Birklar, den 13. November 1894.

Großherzogliche Bürgermeisterei Birklar. ________________________Müller._____________________9332

Ortskrankenkasse Gießen.

Großherzogliches Kreisamt Gießen hat durch Verfügung vorn 2. d. M. mit Zustimmung des Kreisausschusses angeordnet, daß der ganze § 22 des Kassenstatuts infolange außer Kraft gesetzt wird, als nicht die Kasse den Vorschriften des § 32 des Krankenvcrsicherungsgefetzes wegen Bildung des Reservefonds in allen Theilen gerecht wird. 9324

Wir bringen dies unter dem Anfügen zur Kenntniß der Kassen­mitglieder, daß hiernach vom 16. d. M. ab die freie ärztliche Behandlung und Gewährung von Medicamenten für die Familienangehörigen der Kassen­mitglieder bis auf Weiteres w.gfällt.

Gießen, den 13. November 1894.

______Der Vorstand der Ortskrankenkaffe Gießen.______

Verding von Hochbauarbeiteu

Für den »weiten Theil der Erwei erungsbauten des Großb Lavdeshospitals Hof heim (Station Goddelau der Eisenbahnlinie Frankfurt-Mannheim) sollen die

Erd-, Maurer-, BetonierungS-, Asphalt. Steiuhauerarbeiteu (rotber und grüner Sandstein, Granit und Basaltlova oder Lungstcin), die Zimmer- und Dachdeckerarbeiten (Schiefer- und Holzcementdächer), ferner die «robschlosser-, Spengler- und »tthableitvngsarbeiten

und zwar vorerst für die Gebäude III, IV, V, VH, IX und X verdungen werden

Die Pläne, Bedingungen und Verdingungs-Formulare liegen während der Wochentage auf dem BaubÜreau zu Landeshospital Hosheim zur Einsicht auf und werden letztere dort zum Selbstkostenpreis abgegeben.

Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um diele Arbeiten und die Ausführung derselben im Allgemeinen wird auf den Ministerialerlaß vom 10. Zuni 1893 verwiesen.

Die Angebote sind verschlossen, postfrei und mit entprechender Aufschrift biS 12. December, Vormittags 10 Uhr,

bei unterzeichneter Dienststelle einzureichen. Die Eröffnung der Angebote findet um diese Zett auf dem RathbauS zu Groß-Gerau statt.

Zufchlagfrift 4 Wochen.

Groß-Gerau, 12. November 1894.

Großherzogliches KreiSbanamt Groß Gerau. 9346 Jaeger.

Bekanntmachung.

Die Ausloosung der Reihenfolge der Schöffen für das Geschäfts­jahr 1895 findet Donnerstag, den 6. December 1894, Nachmittags 3 Uhr, in öffentlicher Sitzung Saal Nr. 18 statt.

Gießen, den 10. November 1894.

Großh. Amtsgericht Gießen. 9342 (gez.) Langermann. Donnerslag den 15. Novdr,

Nachmittags 2* 1/, Uhr, werden auf hiesigem Orisgericht die dem Herrn LouiS Flett gehörigen Grund­stücke, welche in Nr. 245, 248, 250 deS hiesigen Anzeigers näher bezeichnet find, auf dessen Wunsch wiederholt und zwar zum letzten Mal versteigert und kann bei annehmbarem Gebote der Zuschlag bal­digst erlheilt werden. 9156

Im Auftrag: ft. Hoffmann, Ortsgerichtsmann.

Freitag den 16. Novbr.,

Nachmittags 2 Uhr.

im Adler zu Gießen werde ich öffentlich gegen Baar versteigern:

a. voraussichtlich theilweise bestimmt: 1 Handwagen, 1 Ladeneinrichtung,

1 Eisichrank, Wirthstische und Stühle, IBett, 1 Velociped, 3Sophas, 1 Silber­schrank und sonst Mobilien, 3 Bowlen, eine Anzahl Oelbilder rc.

b. bestimmt:

1 Violine.

9350 Engel,

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Spar- und Mhkasse Gießen.

Die auf Freitag den 30. l. Mts. anberaumte Generalversamm­lung findet nicht an diesem Tage, sondern

Montag, den 3. December l. I., Nachmittags 3 Uhr, in der höheren Mädchenschule (Schillerstraße) statt.

Gießen, den 13. November 1894.

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